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Energy Flash 17.04.2019

Das am Montagabend in der weltberühmten Kathedrale Notre-Dame in Paris ausgebrochene Feuer sei mittlerweile unter Kontrolle und teilweise gelöscht, so französische Medien unter Berufung auf Behördenangaben. Obwohl Hunderte von Feuerwehrleuten vor Ort versuchten, dem Grossbrand und den Flammen Herr zu werden, konnten sie ins Innere der Kirche nicht vordringen und müssten sich darauf beschränken, das Feuer von aussen zu bekämpfen. Grosse Teile des Dachstuhls wurden bei dem Brand zerstört, der kleine Spitzsturm in der Mitte des Daches brach zusammen. Dennoch konnten die Grundfassade sowie die beiden weltbekannten Haupttürme gerettet werden. Zuvor habe bei der Feuerwehr darüber Skepsis geherrscht, ob die Kathedrale überhaupt noch gerettet werden könne. Kurz vor Mitternacht habe es dann eine Entwarnung gegeben, wonach die Gebäudestruktur wohl gerettet und die Kathedrale in ihrer Gesamtheit bewahrt ist. Laut Medienberichten wurde ein Feuerwehrmann bei den Löscharbeiten schwer verletzt. Unklar ist allerdings nach wie vor, wie es zu dem verheerenden Brand kam. Vermutet wird ein Zusammenhang mit den Bauarbeiten im Zuge der gegenwärtigen Restaurierung. Die Pariser sind geschockt, die ganze Welt trauert und zeigt Mitgefühl mit den Franzosen, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verspricht einen schnellen Wiederaufbau und versucht damit, ein wenig Hoffnung und Zuversicht zu verbreiten. Inzwischen hat die französische Kulturerbe-Stiftung „Fondation du Patrimoine“ einen internationalen Spendenaufruf für den Wiederaufbau der Pariser Kathedrale gestartet und die französische Milliardärsfamilie Pinault wolle 100 Millionen Euro bereitstellen, damit Notre-Dame aus der Asche wiedergeboren werden könne. Die Kathedrale Notre-Dame ist das wichtigste Wahrzeichen Paris und das wohl berühmteste gotische Bauwerk der Welt. Mit über 14 Millionen Besuchern/Gästen jährlich ist sie zudem das am stärksten besuchten Monument Frankreichs und sogar Europas.

Das lange Ende des Strommarktes folgt dem Auf und Ab am Zertifikatemarkt. Die Terminnotierungen gingen in allen Frontkontrakten nach oben, wobei der Swiss-Baseload 2020 am kräftigsten nach oben drängte. Hauptgrund für die höheren Notierungen am Schweizer Strommarkt war die Entwicklung bei den CO2-Emissionsrechten. Der im Dezember 2019 fällige EUA-Future legte in der Vorwoche weiter zu. Seit dem Tief am 2. April bei 21.00 Euro je Tonne stieg er in der Spitze am vergangenen Freitag auf 27.85 Euro, was einem Plus von 32.6 Prozent entspricht. Allerdings setzten dann auch Gewinnmitnahmen ein, aber mit 26.58 Euro blieb im Wochenvergleich noch immer ein kräftiger Anstieg um 8.0 Prozent. Den Treibstoff für die Rallye bei den EUA-Futures lieferte weiterhin die Politik. Zum einen hatte auch das Oberhaus dem Gesetz zugestimmt, dass die Regierung mit dem Antrag auf eine Fristverlängerung den harten Brexit vermeiden soll. Theresa May hatte auch eine Verlängerung beantragt. Die EU hat eine Aufschiebung bis zum 31. Oktober gewährt, was allerdings bedeutet, dass das UK an den Wahlen zum EU-Parlament teilnehmen müsste, sollte nicht zuvor dem ausgehandelten Vertrag zugestimmt werden. Theoretisch ist das Risiko eines harten Brexit noch nicht vom Tisch. Aber die Märkte gehen davon aus, dass das UK länger im EU-ETS bleiben wird. Somit benötigen die britischen Unternehmen auch weiterhin CO2-Emissionsrechte und es dürfte so schnell nicht zu einem Ausverkauf kommen. Eindeckungen von Leerverkäufen bei den EUA-Futures haben deshalb zu einem neuen Jahreshoch geführt, das auch über dem Hoch des Vorjahres lag. Mit höheren Notierungen für die erforderlichen CO2-Emissionsrechte steigen aber auch die Kosten der Stromproduktion, was sich letztlich in den höheren Terminnotierungen niedergeschlagen hat.

Energy Flash 10.04.2019

Der regulierte Marktplatz Powernext hat ein Auktionssystem für Herkunftsnachweise aus Frankreich entwickelt. Wie Powernext mitteilte, sollen die Versteigerungen im September starten. Bereits im August 2018 hatte die französische Regierung den Marktplatzbetreiber als einzige Institution für das Auktionssystem benannt und zugleich dessen Mandat zur Verwaltung der nationalen Registratur für die Nachweise ausgeweitet. Der Umfang der Versteigerungen wird vom französischen Umweltministerium vorgegeben, das auch als einziger Verkäufer auftritt. Das theoretische Maximum des Angebots bemisst sich laut Angaben von Powernext aus dem Gesamtangebot an erneuerbarer Energie, die von Einspeisetarifen und Marktprämien profitiert und beträgt annähernd 40 bis 40 Terawattstunden pro Jahr. Die kleinste handelbare Einheit beträgt eine Megawattstunde, was einem Herkunftsnachweis entspricht. Als Käufer treten unter anderem Marktteilnehmer auf, die ihren eigenen Kunden Grünstrom anbieten wollen.

Gemäss dem französischen Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire kann EDF den neuen Atomreaktor Flamanville 3 möglicherweise erst 2020 in Betrieb nehmen. Die französische Atomaufsichtsbehörde ASN hatte bereits Ende Januar angekündigt, dass es Probleme mit Schweissnähten gibt, die zu einer Verschiebung der Inbetriebnahme führen könnten. Die Behörde will im Mai darüber entscheiden, ob die Reparaturpläne von EDF für eine erste Beladung mit Brennstoff im vierten Quartal 2019 ausreichen. Der Übertragungsnetzbetreiber RTE hat EDF aufgefordert, spätestens bis zum Juli dieses Jahres Klarheit in seine weitere Planung zu bringen. RTE verweist in diesem Zusammenhang auf die gesetzliche Verpflichtung des Energieversorgers, alle verfügbaren Informationen zur Verfügung zu stellen. Demnach führt der geplante Kohleausstieg Frankreichs bis 2022 nicht zu einer Gefährdung der Versorgungssicherheit – allerdings unter bestimmten Voraussetzungen, zu denen auch die Inbetriebnahme von Flamanville 3 gehört. Sollte diese sich deutlich verzögern, sieht RTE Gefahren für die Versorgungssicherheit.

Nach ersten Schätzungen von Reuters ging die Ölproduktion der OPEC um rund 300‘000 Barrel pro Tag im März weiter zurück. Insbesondere Saudi-Arabien hat die Förderung nochmals kräftig reduziert. Hinzu kommen die unfreiwilligen Einschränkungen aufgrund von US-Sanktionen gegen Iran und Venezuela. Dazu befürchtet der Markt neuerliche Angebotsausfälle in Libyen. Aber auch Russland hat die Ölförderung weiter gesenkt. Während die OPEC die Produktionskürzungen zu 135 Prozent übererfüllen, ist Russland noch vom Ziel entfernt. Aber dies soll im April mit weiteren Kürzungen erreicht werden. Für Erstaunen sorgt allerdings die US-Regierung. Während US-Präsident Donald Trump die OPEC abermals in einem Tweet zu Produktionserhöhungen aufforderte, um die Ölpreise wieder zu drücken, führe sein Vizepräsident Mike Pence aus, dass die Ölpreise niedrig genug seien, um die Sanktionen gegen Venezuela und Iran im Mai zu verstärken.

Der massive Preisanstieg im CO2-Markt geht in erster Linie auf politische Entwicklungen zurück. Den Zündfunken für die Kursrakete lieferten die Entwicklungen in England um Brexit. So ging Theresa May nun auf die Oppositionspartei Labour zu, um einen Kompromiss für einen geordneten Austritt aus der EU zu erreichen. Ferner stimmte das Unterhaus für ein Gesetz, nachdem die Regierung eine Verlängerung des Austrittstermins beantragen muss, um einen harten Brexit zu vermeiden. Dieses Gesetz bedarf aber noch der Zustimmung des Oberhauses, um für die Regierung bindend zu werden. Insgesamt sieht der Markt das Risiko eines harten Brexit schwinden. Dies bedeutet dann auch, dass das UK weiter Mitglied im EU-ETS bleiben wird und somit die britischen Unternehmen ihre CO2-Emissionsrechte weiter benötigen und damit den Markt nicht kurzfristig überfluten dürften. Eindeckungen von Short-Positionen haben dann noch den Preisanstieg verstärkt.

Energy Flash 03.04.2019

Überwiegend fester hat sich der europäische Gasmarkt präsentiert. Grund für den Preisanstieg war laut Marktteilnehmern unter anderem das Wetter. Zwar sind die Temperaturen derzeit etwas höher als der saisonale Durchschnitt, der Start in den April soll aber deutlich kälter ausfallen. Das amerikanische und das europäische Wettermodell stellen etwa ab dem 03. April eine Phase mit Temperaturen unter dem saisonüblichen Mittel in Aussicht, die laut dem längerfristig orientierten US-Modell auch etwa eine Woche anhalten soll. Es ist allerdings davon auszugehen, dass es sich nach dem starken Abverkauf zuvor nur um eine Gegenbewegung handelt. Eine Umkehr des Abwärtstrends ist nicht zu erkennen – vielmehr gehen Marktteilnehmer für die nächsten Tage von einer Seitwärtsbewegung aus und mittelfristig von einem weiteren Preisrückgang, vor allem wenn es im Mai deutlich wärmer wird. Die Auslastung der Gasspeicher in Deutschland liegt aktuell bei 52.4 Prozent. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres lag die Kapazitätsauslastung bei 14.5 Prozent. Dies bedeutet, dass in der Sommersaison weitaus weniger Gas als 2018 für das Auffüllen der Speicherbestände benötigt wird. Unter diesen Aussichten ist also zu erwarten, dass die Gaspreise für die Monatskontrakte im Sommer, insbesondere für das dritte Quartal, wohl das Jahrestief noch nicht erreicht haben.

Die Kohle steht weiterhin unter Druck. Diese Entwicklung kommt nicht unerwartet, denn Kohle ist für die Stromproduktion nicht profitabel, sodass die Notierungen weiter nachgeben müssen, um mit Gas konkurrieren zu können. Zwar sind die Dirty Dark Spreads beim deutschen Kalenderjahr noch positiv. Berücksichtigt man aber auch die Kosten für die erforderlichen CO2-Emissionsrechte, sind die Clean Dark Spreads beim Frontmonat und Frontquartal bereits deutlich im Minus. Die negativen Clean Dark Spreads sprechen dafür, dass die Kohlepreise in den kommenden Wochen weiter unter Druck bleiben könnten.

Die EU-Kommission hat am 1. April traditionsgemäss die verifizierten Emissionsdaten für das Jahr 2018 veröffentlicht. Brüssel veröffentlicht dabei nach Ländern geordnet die Angaben aller Anlagen, die ihre verifizierten Emissionen gemeldet haben. Eine Auswertung durch die Kommission findet dabei nicht statt. Refinitiv, der Research-Arm der Nachrichtenagentur Reuters, kommt auf einen Rückgang von 4.2 Prozent und Emissionen von 1‘679 Millionen Tonnen im Jahr 2018. Demnach sank die Menge der Emissionen binnen Jahresfrist um 73 Millionen Tonnen. Im Strom- und Wärmesektor summierten sich die Emissionen auf 893 Millionen Tonnen. Dies sind 61 Millionen Tonnen oder 6.4 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die Preisrallye im vergangenen Jahr brachte den Brennstoffwechsel in Schwung, was zu sinkenden Emissionen führte. Der Durchschnittspreis von 16 Euro je Tonne CO2 hat den Brennstoffwechsel von Kohle zu Gas ausgelöst und zu einem Sinken der Emissionen geführt. Im Wärmesektor hätten die guten Bedingungen der Wasserkraft dazu beigetragen, dass weniger CO2 in die Atmosphäre gelangte. In der Industrie waren die Emissionen um 1.5 Prozent oder 12 Millionen Tonnen rückläufig.

Energy Flash 27.03.2019

Der Strompreis, egal ob am Spot- oder am Terminmarkt, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Neben der erwarteten Stromnachfrage und der verfügbaren Kraftwerkskapazität spielen aktuelle Entwicklungen auf den Kohle-, Gas- und CO2-Emissionsmärkten sowie ihre Rückwirkungen auf den verwendeten Preisbildungsmechanismus eine bedeutende Rolle im europäischen Stromerzeugungssystem. Als Merit-Order wird die Einsatzreihenfolge der stromerzeugenden Kraftwerke nach ihren Grenzkosten in der Energiewirtschaft bezeichnet, um die wirtschaftlich optimale Stromproduktion zu gewährleisten. Beginnend mit den niedrigsten Grenzkosten werden solange Kraftwerke mit höheren Grenzkosten hinzugenommen, bis eine gegebene Stromnachfrage befriedigt ist. Alle zur Deckung der gesamten Stromnachfrage aufgeschalteten Kraftwerke erhalten dieselben Grenzkosten als Strompreis gezahlt. Das Merit-Order-Modell ist ein Preisbildungsmechanismus für die kurzfristige Kraftwerkseinsatzplanung und -vermarktung, ähnlich wie der Markträumungspreis an der Strombörse, der sich an der Schnittstelle zwischen Angebots- und Nachfragekurve ergibt. Als Grenzkraftwerk wird demnach das jeweils teuerste Kraftwerk genannt, das gerade noch benötigt wird, um die Stromnachfrage zu decken. Zeitlang galten Steinkohlekraftwerke in Deutschland, dem Leitmarkt für Strom im nordwestlichen Europa, als diejenigen Grenzkraftwerke in der Merit-Order, die die Preise setzten. Aufgrund sinkender Förderkosten und eines chronischen Überangebots am Weltmarkt sind die Kohlepreise seit Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Die aktuell wetterbedingte Abschwächung der Kohlenachfrage in Europa setzt die Kohlepreise noch weiter unter Druck. Dieser Abwärtstrend wird sicherlich noch eine Zeit lang erhalten bleiben.

„Clean Dark Spread“ und „Clean Spark Spread“ sind Messgrössen für die Wirtschaftlichkeit eines konventionellen Kohle- bzw. Gaskraftwerkes. Sie stellen die jeweils theoretische Bruttomarge dar, die aus dem Verkauf einer Einheit Strom, dem Kauf einer Einheit Kohle (bzw. Gas) und dem entsprechenden Verschmutzungsrecht resultiert, die zur Produktion erforderlich ist. Neben Steinkohlekraftwerken stellen Gas- und Dampfkraftwerke (GuD) wichtige Technologien zur Stromproduktion im Grund- und Mittellastbereich des deutschen Stromerzeugungssystems dar. Das mildere Wetter und die anhaltenden LNG-Importe bei vergleichsweise hohen Speicherbeständen belasten die Preise bei Erdgas im nordwestlichen Europa in allen Lieferfristen. Aufgrund der stärkeren Verluste beim Erdgas kommt es nun unter Berücksichtigung des aktuellen CO2-Emissionspreises zu einem sogenannten „Fuel Switch“, also einer Verdrängung von Kohlekraftwerken durch Gaskraftwerke in der Stromerzeugung. Ein Umstieg von Kohle zu Gas kommt vor allem dann zustande, wenn durch eine Veränderung des Erdgas-, Kohle- und CO2-Preises die marginalen Erzeugungskosten (auch Grenzkosten genannt) des Gaskraftwerkes unter die des Kohlekraftwerkes fallen und somit die kostengünstigeren Gaskraftwerke die teuren Kohlekraftwerke in der Merit-Order verdrängen. Da Steinkohle- und Gaskraftwerke verschiedene Wirkungsgrade haben und somit mit unterschiedlichen Grenzkosten an der Stromerzeugung partizipieren, gibt es durch Variationen der Brennstoff- sowie CO2-Preise unter Berücksichtigung der Emissionsfaktoren der jeweiligen Kraftwerkstechnologie unterschiedliche Kombinationen, welche einen „Fuel Switch zwischen Steinkohle- und Gaskraftwerken bewirken können.

Energy Flash 20.03.2019

Der von Theresa May mit der EU ausgehandelte Deal scheint endgültig gescheitert zu sein und ein Ende der zähen Brexit-Verhandlungen ist nicht in Sicht. Nachdem der Deal vergangene Woche in der zweiten Abstimmung im britischen Unterhaus erneut durchfiel, wird es möglicherweise keine dritte Abstimmung im Parlament geben. Geplant war es von der britischen Regierung, einen weiteren Anlauf zu machen und an diesem Donnerstag ihren mit der EU ausgehandelten Deal dem Parlament noch einmal vorzulegen. Jedoch machte der britische Parlamentspräsident John Bercow der Premierministerin May einen Strich durch die Rechnung und untersagte ihr kurzerhand, ihren Brexit-Deal ein drittes Mal zur Abstimmung zu stellen. Begründet wurde dies mit einem Präzedenzfall aus dem siebzehnten Jahrhundert, wonach ein bereits abgelehntes, unverändertes Gesetzesvorhaben dem Parlament nicht noch einmal wieder vorgelegt werden kann. Die Entscheidung Bercows stösste bei der britischen Presse auf grosses Entsetzen und löste bei den Medien eine Welle der Empörung aus. Auch britische Regierungsvertreter erwarten nun nicht mehr, dass in dieser Woche noch abgestimmt wird. Es bleibt der Premierministerin nur noch die Option, das Austrittsdatum nach hinten zu verschieben und darum will sie laut einem britischen Regierungssprecher den EU-Ratspräsidenten Donald Tusk in einem Brief bitten. Das Schreiben könnte noch an diesem Dienstag oder aber am Mittwoch aufgesetzt werden. Die Führungsspitzen der 27 Mitgliedsstaaten treffen sich an diesem Donnerstag, 21. März 2019 zum EU-Gipfel zusammen, um über die jüngsten Entwicklungen im Anschluss an die Mitteilung des Vereinigten Königreichs gemäss Artikel 50 zu erörtern. EU-Ratspräsident Tusk und Irlands Ministerpräsident Leo Varadkar warten vor dem EU-Gipfel auf Vorschläge Grossbritanniens für den EU-Austrittsaufschub. Laut einem Sprecher Varadkars habe Tusk die Solidarität der übrigen EU-Staaten mit Irland bekräftigt. Es wird erwartet, dass der Antrag der Regierung Mays, falls es denn dazu kommt, zugestimmt wird. Allerdings hat Italiens Regierungschef Giuseppe Conte bereits signalisiert, nur für einen kurzen Brexit-Aufschub zu stimmen, sollte Mays Regierung denn überhaupt eine Verschiebung des Austritts von Grossbritannien aus der EU beantragen. Denn, einen grösseren Zeitrahmen zuzugestehen würde bedeuten, Probleme aufzuschieben, die sich vor Ablauf einer neuen Frist möglicherweise wieder zeigen könnten.

Schweizer Strompreise geben bei der Grundlast in allen Lieferfristen nach. Eine Belastung für die Strompreise ist die Entwicklung bei ARA-Kohle, die um 3.4 Prozent auf 73.50 US-Dollar je Tonne fiel. Die Preise leiden unter dem geringeren Bedarf aufgrund des hohen Beitrags der erneuerbaren Energien zur Stromproduktion und den relativ milden Temperaturen, welche die Stromnachfrage reduzieren. Bei den CO2-Emissionsrechten war in der Vorwoche das dominierende Thema die Abstimmungen im britischen Unterhaus zum Brexit. Zwar wurde der Deal von Theresa May auch nach den Zusatzerklärungen mit einer krachenden Niederlage abgelehnt, aber die Abgeordneten votierten auch gegen einen harten Brexit und für eine Verschiebung des Austritts. Hierzu ist jedoch ein Antrag Grossbritanniens an die EU und die Zustimmung aller anderen 27 EU-Mitglieder erforderlich. Somit verbleibt noch immer ein Restrisiko für einen harten Brexit, kurzfristig allerdings ist das Risiko gesunken, dass britische Unternehmen ihre nicht mehr benötigten CO2-Zertifikate nach dem 29. März 2019 sofort auf den Markt werfen könnten. Aber auf der anderen Seite besteht auch die Gefahr, dass bei einem längeren Verbleib das Vereinigte Königreich auch wieder CO2-Emissionsrechte versteigert und das Angebot somit erhöht. Kurz- bis mittelfristig bleibt der Brexit ein Thema, das zu deutlichen Ausschlägen in beide Richtungen führen könnte.

Energy Flash 13.03.2019

In dieser Woche stehen im britischen Unterhaus einige Abstimmungen an, die auch massive Auswirkungen auf den Markt für die CO2-Emissionsrechte haben werden. Es zeichnet sich nur ab, dass Premierministerin Theresa May wohl abermals eine Niederlage hinsichtlich ihres Deals zum Ausscheiden aus der EU erleiden wird. Es gibt zwar Gerüchte, dass sich May mit Labour darauf einigen könnte, dass ihr Deal angenommen wird, jedoch in einem zweiten Referendum die Bevölkerung über diesen Austritt oder einen Verbleib in der EU abstimmen soll. Allerdings haben auch Brexit-Hardliner der Premierministerin empfohlen, einen Parlamentsbeschluss zu ignorieren und einen harten Brexit durchzuführen. Dies dürfte zwar von Theresa May nicht befürwortet werden. Dennoch besteht das Risiko, dass es zu einem harten Brexit kommt, falls sich das Parlament nicht auf einen Vorschlag einigen kann und jeder Vorschlag zum Ausscheiden abgelehnt wird. Diese Unsicherheit könnte den Markt für die EUA-Futures auf kurze Sicht bestimmen. Kommt es zu einer klaren Entscheidung, dann dürfte der Markt bei einem zumindest temporären Verbleib im EU-ETS nach oben und bei einem harten Brexit nach unten gehen.

Die USA sind auf dem besten Weg, bis 2021 ein Nettoexporteur von Erdöl zu werden und dürften bald darauf Russland sowie Saudi-Arabien, den derzeit grössten Ölexporteur der Welt, übertreffen. In ihrem jährlich vorgelegten Bericht zum Ölmarktausblick erwartet die Internationale Energie-Agentur (IEA), dass die USA ihre Brutto-Rohölexporte bis 2024 auf 4.2 Millionen Barrel pro Tag verdoppeln werden, während die Gesamtexporte von Rohöl und Raffinerieprodukten 9 Millionen Barrel pro Tag erreichen sollten. Die US-Rohölproduktion, die durch das anhaltende Wachstum des Schieferöls getrieben wird, soll in den nächsten fünf Jahren 70 Prozent des gesamten Anstiegs der globalen Produktionskapazität ausmachen. Der Bericht prognostiziert ebenfalls, dass aus den USA 75 Prozent der Expansion des Flüssiggashandels kommen wird. Gemäss der IEA komme jetzt die zweite Welle der US-Schieferrevolution. Dies werde die internationalen Öl- und Gashandelsströme erschüttern, mit tiefgreifenden Auswirkungen auf die Geopolitik der Energie. Schieferöl steht weitgehend hinter der Ölflut aus den USA, die vor mehr als vier Jahren den Markt überschwemmte, was dazu führte, dass der Ölpreis Ende 2014 von mehr als 100 Dollar pro Barrel auf 30 Dollar fiel. Die US-Schieferölproduktion wuchs 2018 schneller als in den Boomjahren 2011 bis 2014.

Als Wiederaufnahme des Abwärtstrends haben Analysten den aktuellen Rückgang der Kohlepreise bezeichnet. Auslöser der Abgaben sind die schwachen chinesischen Konjunkturdaten und der vor dem Volkskongress abgegebene Wachstumsausblick. Demzufolge erwartet China das niedrigste Wachstum seit fast drei Jahrzehnten. Für die Kohle wird die nächste Unterstützung bei 76 US-Dollar gesehen, danach könnte es zunächst einmal in Richtung 70 Dollar gehen. Die Analysten sehen die Kohle mit 60 Dollar als fair bewertet an.

Die französische Stromproduktion hat 2018 gegenüber dem Vorjahr um 3.7 Prozent auf 549 Terawattstunden zugenommen. Es handelt sich dabei um den stärksten Anstieg seit zehn Jahren. Die erhöhte Stromgewinnung durch Erneuerbare und die Atomkraftwerke sowie der milde Winter führten demnach zu einer Verminderung der CO2-Emissionen um 28 Prozent im Vergleich zu 2017. Die Stromproduktion aus Kohle, Gas und Öl sank um 26.8 Prozent. Demgegenüber wuchs die Produktion von Windstrom um 15.3 Prozent und die Gewinnung von Solarstrom um 11.3 Prozent. Der französische Stromverbrauch blieb 2018 das sechste Mal in Folge mit 747 Terawattstunden stabil.

Energy Flash 06.03.2019

Für die Tage bis Mitte März geht das US-Wettermodell überwiegend von überdurchschnittlichen Beiträgen des Windes zur Stromgewinnung aus. Die Temperaturen sollen mild bleiben. Erst gegen Ende der genannten Periode prognostiziert das US-Wettermodell für die Schweiz ein Abtauchen der Temperaturkurve unter den saisonalen Durchschnitt. Das Kalenderjahr 2020 ist im Aufwärtstrend. Treiber am Markt waren bisher die festen Notierungen für Emissionszertifikate und für die Kohle. Ausschlaggebend für die ungewöhnlich rasche Erholung von CO2-Notierungen, die am letzten Freitag im Tief bis auf rund 18.50 Euro gefallen waren, sind die Pläne der britischen Regierung für den Fall eines Brexit-Abkommens mit der EU im europäischen Handelssystem bis Ende 2020 zu verbleiben. Zudem plant die britische Regierung, ab 2021 ein eigenes Handelssystem zu etablieren, das jedoch mit dem der EU verbunden sein soll. Die Bewegung, die jetzt in die Brexit-Debatte gekommen ist, lasse es unwahrscheinlicher erscheinen, dass überflüssige Zertifikate aus britischen Beständen den Markt fluten werden. Der Aufschwung verstärkte sich, durch Eindeckungskäufe von Short-sellern, die auf dem falschen Fuss erwischt worden sind. Das Kohlefrontjahr notierte deutlich oberhalb von 80 US-Dollar je Tonne. Vom Gas gingen hingegen keine Impulse aus.

Die französische Nuklearaufsichts­behörde ASN hat dem mehrheitlich staatlichen Versorger EDF mehr Zeit eingeräumt, seine Nuklearanlagen mit Notstrom-Dieselaggregaten zu versehen. Wie die Behörde mitteilte, ist die entsprechende Frist vom 31. Dezember 2018 auf den 31. Dezem­ber 2020 verlängert worden. Für EDF haben sich beträchtliche Probleme während der Bauarbeiten erge­ben. Bereits 2012 hatte die Behörde EDF als Konsequenz aus den Vorfällen in Fukushima angewiesen, diese Die­selaggregate als Absicherung gegen Stromausfälle zu installieren. Der Ver­sorger hatte es jedoch als unmöglich bezeichnet, die Auflage für 54 Reak­toren bis zum Ende der ursprüng­lichen Frist zu erfüllen. Zur Stun­de sind laut ASN nur die beiden Die­selaggregate des Kernkraftwerks Saint-Laurent betriebsbereit.

Der Anteil der thermischen Kohle am chinesischen Energiemix ist 2018 unter 60 Prozent gefallen. Wie berichtet wurde, lag der Anteil der Kohle laut National Bureau of Statistics bei 59 Prozent, nach 60.4 Prozent im Jahr 2017. Dies ist vor allem auf die Bemühungen der Regierung zurückzuführen, vermehrt Energieträger mit geringeren CO2-Emissionen einzusetzen. Insgesamt ist der Kohleverbrauch Chinas jedoch auf Jahressicht um 1 Prozent gestiegen, die Statistikbehörde machte dazu aber keine genaueren Angaben. Erdgas, Atomkraft und erneuerbare Energien hatten einen Anteil von 22.1 (20.8) Prozent am Energiemix der Volksrepublik. Der gesamte Energieverbrauch Chinas ist im vergangenen Jahr unterdessen um 3.3 Prozent auf 4.64 Milliarden Tonnen Steinkohleeinheiten gestiegen.

Energy Flash 27.02.2019

Für das Frontjahr 2020 bleibt der Trend nach Einschätzung von Händlern eher „bearish“. Die entscheidenden Impulse kommen weiterhin von den Emissionszertifikaten. Diese schafften es am 25.02.2019 zwar zwischenzeitlich knapp über die Marke von 19 Euro je Tonne zu kommen, laut Marktbeobachtern gibt es aber noch einiges an Abwärtspotenzial für den im Dezember 2019 fälligen EUA-Future. Es sei somit kurz- bis mittelfristig auch nicht zu erwarten, dass die Volumina am CO2-Markt nach oben gehen. Angesichts der unklaren Situation beim Thema Brexit zeigen sich viele Marktteilnehmer noch immer abwartend. Auch von den Kohle- und Gaspreisen kam am Montag keine Unterstützung für den Strommarkt. Im Gegenteil: Belastungen für den Strommarkt gingen von den gesunkenen Terminnotierungen beim fossilen Energieträger „Kohle“ aus. Hinsichtlich dessen Preisentwicklung standen in der Vorwoche zwei Länder im Vordergrund. Auf der einen Seite China als weltgrösster Kohleverbraucher und Importeur und auf der anderen Seite Australien als grösster Lieferant von Kohle im pazifischen Becken. Es war bekannt geworden, dass sich die Zeit für das Entladen von Kohlefrachtern von fünf bis 25 Tage auf nun 45 Tage fast verdoppelt hat. Dies lieferte Nährboden für Spekulationen und Gerüchten. So berichteten Medien, dass einige chinesische Kohleimporteure die Bestellungen von Kohle aus Australien aufgrund der langen Entladezeiten eingestellt hätten. Ferner war durch Reuters bekannt geworden, dass die Hafenbehörde in Dalian alle Frachter mit Kohle aus Australien verbannt hätten. Dies führte am asiatischen Kohlemarkt schnell zu Spekulationen, dass politische Spannungen zwischen beiden Ländern der Grund für den angeblichen Bann wäre. Aber beide Regierungen dementierten ein grundsätzliches Importverbot für australische Kohle. Trotz Fortsetzung der Erholung an den europäischen Aktienmärkten sind die Aussichten bei ARA-Kohle weiter nach unten gerichtet.

Erneut hat US-Präsident Donald Trump Kritik an der Förderpolitik des Ölkartells Opec+ geübt. Mit einem Tweet am 25.02.2019 schickte er den Ölpreis auf Talfahrt. Die Nordseesorte Brent verbilligte sich infolgedessen um bis zu 2 US-Dollar auf 65.25 US-Dollar je Barrel, nachdem der Preis zuvor auf bis zu 67.47 US-Dollar gestiegen war. Erst am Wochenende hatte der amerikanische Präsident von „substanziellen Fortschritten“ bei den chinesisch-amerikanischen Handelsgesprächen gesprochen, die Verhängung neuer Zölle gegen chinesische Güter aufgeschoben und damit Rohöl Auftrieb verliehen. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit eines Anstiegs der Importzölle auf chinesische Exporte in die USA von 10 auf 25 Prozent, was wiederum die Wahrscheinlichkeit für eine Erholung des globalen BIP-Wachstums erhöht, was sich positiv auf die Aussichten für die Wachstumsraten des globalen Ölverbrauchs auswirken sollte. Hinzu kommt, dass bei einem Abkommen auch eine Abschaffung der bislang eingeführten Strafzölle in Aussicht gestellt wurde. Dies würde für die Weltwirtschaft wie ein globales Konjunkturprogramm wirken. Diese Aussichten rechtfertigen dann auch einen höheren Preis für Rohöl bereits heute. Seit Jahresbeginn ist der Ölpreis um gut 20 Prozent gestiegen. Hauptgrund ist die Förderbremse der Opec-Staaten und verbündeter Exportländer. Allerdings verknappen auch die US-Sanktionen gegen Iran und Venezuela das Angebot.

Von einigen Analysten wird eine baldige Korrektur bei den Rohölpreisen immer wahrscheinlicher. Mangels unzureichender Umsetzung des Opec-Kürzungsabkommens durch Länder wie Irak und Nigeria, werde Saudi Arabien auf Dauer nicht bereit sein, die Menge zu kompensieren. Gleiches gelte für den Verlust von Marktanteilen an die US-Schieferölproduzenten. Die US-Rohölproduktion liegt mittlerweile bei gut 12 Millionen Barrel pro Tag und damit fast 2 Millionen Barrel pro Tag höher als vor einem Jahr. Damit erreichten die US-Rohölexporte bereits rekordhohe 3.6 Millionen Barrel pro Tag und machen damit der Opec zunehmend Konkurrenz. Ein Risikofaktor für dieses Szenario ist allerdings eine weitere Eskalation in Venezuela.

Energy Flash 13.02.2019

Bei dem weltweiten Wandel der Energiewirtschaft gibt es drei grosse Herausforderungen: Energie muss verfügbar, bezahlbar und sauber sein. Das sagte Total-CEO Patrick Pouyan­né. China mache bereits 50 Pro­zent des Marktes für erneuerbare Ener­gien in der Welt aus, die USA seien ebenfalls ein sehr grosser Markt, aber derzeit machten erneuerbare Energien nur 5 Prozent der Gesamtproduktion aus, Kohle global immer noch 27 Prozent. Fossile Energieträger blieben auch weiterhin wichtig, um den Ener­giemix zu ergänzen. Aber die Veränderung sei augen­fällig. Aus dem Ölkonzern Total werde ein Unternehmen mit drei Standbeinen: Öl, Gas und Strom. Elektrizität sei die Energie der Zukunft. Nach Ansicht von Pouyanné ist das Hauptrisiko bei Energie die starke Konzentration der Rohstoffvor­kommen. „Nur sechs Länder verfügen über 75 Prozent der weltweiten Ölre­serven. Um das Risiko bei erneuerba­ren Energien zu managen, diversifizie­ren wir dieses Risiko daher geopoli­tisch“, sagte Pouyanné. Auf der ande­ren Seite erforderten Änderungen im Energiemix lange Investitionszyklen. Entscheidungen von heute würden sich frühestens in 15 Jahren aus­wirken. Total werde deshalb auch nicht übereilt aus der Ölproduktion ausstei­gen. Die durch den Klimawandel nötige Umstellung der weltweiten Energiever­sorgung umfasse einen Zeitraum von mindestens zwei Jahrzehnten. Die deutliche Steigerung des Brent-Preises im vergangenen Jahr sei auf geopolitische Spannungen im Nahen Osten und in Nordafrika zurückzufüh­ren.

Rund die Hälfte der von der US-Regierung bekämpften Ostseepipe­line Nord Stream 2 ist nach Anga­ben des Investors OMV bereits fer­tig. Etwa 600 von insgesamt 1‘200 Kilometern zwischen Russland und Deutschland seien verlegt, erklärte der Chef des österreichischen Ener­giekonzerns OMV, Rainer Seele, letzte Woche in Wien. „Wir machen wei­ter wie bisher“, sagte er mit Blick auf den Druck aus Washington. Dort wird eine steigende Abhängigkeit Europas von russischem Gas befürchtet. Die Investoren der Pipeline unter­stellen der US-Seite vor allem Eigen­interesse zur Vermarktung von US-Flüssiggas in Europa. Ein Scheitern des Zehn-Milliarden-Projekts würde das Vertrauen von Investoren in den Standort beschädigen, meinte Seele. An dem Projekt sind acht Investoren beteiligt - darunter auch Shell und die deutsche Wintershall.

Saudi-Arabien und seine Verbündeten am Persischen Golf bieten unter ande­rem Russland eine formale Partner­schaft an. Die von Russland angeführ­te Gruppe aus zehn Ländern soll stär­ker an die OPEC angebunden werden, um an den globalen Ölmärkten mehr Gestaltungsmacht zurück zu erlangen. Eine - jetzt in Aussicht gestellte - Alli­anz würde die OPEC jedenfalls auf völlig neue Füsse stellen. Der Schritt kommt zu einer Zeit, in der die OPEC erheblichen Druck von US-Präsident Donald Trump verspürt, die Ölpreise niedrig zu halten. Zudem schränkt die Förderung der US-Schieferölfirmen die Marktmacht des Ölkartells stark ein. Der Vorschlag zielt darauf ab, die lose Gemeinschaft zwi­schen OPEC-Mitgliedern sowie der von Moskau angeführten Gruppe zu forma­lisieren, zu der unter anderem frühere Sowjetrepubliken gehören. In den ver­gangenen Jahren intensivierten beide Seiten ihre Kooperation. Beispielsweise im letzten Dezember, als sie sich auf eine För­derkürzung verständigten. Gegen eine engere Anbindung wen­den sich der Iran und andere OPEC-Länder, die fürchten von Saudis und Russen zu sehr dominiert zu werden. Riad und Moskau sind die weltgrössten Ölex­porteure. Die OPEC und die Gruppe um Russland werden den Vorschlag wohl Mitte Februar in Wien besprechen. Zugleich hoffen die Minis­ter eine endgültige Vereinbarung, bis zu einem Treffen im April geschmie­det zu haben. Jegliche saudisch-rus­sische Zusammenarbeit wäre eine gute Nachricht für den Ölpreis, der der­zeit über das Niveau von 60 US-Dollar je Fass nicht hinauskommt. Die Sau­dis benötigen zum Beispiel einen Preis von 80 Dollar, um ihr Budget auszuglei­chen. Schon seit Längerem sind die USA wegen Versuchen beider Länder besorgt, die Ölpreise hochzutreiben. Im Dezember hatten es die 14 Mitglie­der starke OPEC und die von Russland dominierte Gruppe geschafft, sich auf eine Förderkürzung um zusam­mengenommen 1.2 Millionen Bar­rel am Tag zu einigen. Damals scho­ben beide Seiten die Frage der künf­tigen Ausgestaltung ihrer Bezie­hungen auf. Schon Ende 2016 hat­ten beide Gruppen kooperiert, um nach einem zwei Jahre währenden Ölpreis-Crash die Preise zu stabili­sieren. Es war die erste solide Alli­anz der Russen mit dem Kartell seit Jahrzehnten. Gemäss dem Vorschlag würde sich die OPEC weiter regel­mässig treffen, um über Fördermen­gen zu sprechen und deren Imp­lementierung mit der Gruppe um Russland zu überwachen. Bisher sieht eine erste Versi­on des Pakts vor, dass die Allianz bis zu drei Jahre lang währt und rechtlich nicht bindend ist. Noch müss­ten Differenzen glatt gebügelt wer­den. Die OPEC sorgt sich wegen eines Zusammenbruchs der Ölpreise, sollte nicht irgendeine Art von Arrangement zustande kommen.

Energy Flash 06.02.19

Der Anteil von Strom aus Erneuerbaren Energien in der Europäischen Union ist 2018 erneut gestiegen und erreichte 32.3 Prozent. Das entspricht einer Steigerung von mehr als zwei Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Neue Wind-, Solar und Biomassekraftwerke verdrängten die Steinkohle aus dem Strommix – vor allem in Deutschland, Grossbritannien und Frankreich. Gleichzeitig erreichte die Wasserkraftnutzung wieder ihr normales Niveau und reduzierte dadurch die Verstromung von Gas. Infolgedessen sank die gesamte Kohleverstromung in der EU im Jahr 2018 um sechs Prozent und lag damit 30 Prozent unter der Erzeugung von 2012 – der Unterschied zwischen der Nutzung von Steinkohle und der von Braunkohle ist dabei allerdings gross. Die Steinkohleverstromung sank 2018 um neun Prozent und liegt nun 40 Prozent unter dem Niveau von 2012. Dieser Rückgang wird sich fortsetzen, da drei Viertel der Steinkohleverstromung in der EU in Ländern erfolgen, in denen inzwischen Pläne für den Ausstieg aus Kohle vorgelegt wurden. Auf Polen entfällt der grösste Teil des verbleibenden Viertels. Die Braunkohleverstromung sank 2018 nur um drei Prozent. Deutschland stand dabei fast für die Hälfte der EU-Braunkohleverstromung. Die andere Hälfte entfällt auf sechs Länder, in denen die Diskussionen über den Ausstieg aus der Braunkohle noch nicht stattfinden. Das geringe Wachstum der Erneuerbaren Energien in diesen Ländern ist ein Grund für die unveränderte Braunkohlenutzung dort. Zwischen 2012 und 2018 sind die jährlichen CO2-Emissionen der europäischen Kohlekraftwerke um 250 Millionen Tonnen gesunken, ohne dass die Emissionen von Erdgaskraftwerken gestiegen sind. Auf die Solarenergie entfielen 2018 vier Prozent des EU-Strommixes, wenngleich ihr Anteil in einigen Ländern auch höher lag. Allerdings beschleunigte sich der Zubau 2018 um 60 Prozent und erreichte fast 10 Gigawatt; bis 2022 könnte er sich auf 30 Gigawatt im Jahr verdreifachen. Grund dafür sind die 2018 abermals gesunkenen Preise für Solarmodule. Trotz des Wachstums der Photovoltaik hat die EU nur einen Anteil von weniger als zehn Prozent am solaren Weltmarkt, der im vergangenen Jahr 109 Gigawatt umfasste.

Die US-Ölsanktionen gegen Venezuela haben mit etwas Verzögerung zu einem Anstieg der Ölpreise geführt. Der dadurch ausgelöste Produktionsrückgang in Venezuela dürfte stärker ausfallen, als die Höhe der wegfallenden Exporte in die USA von rund 500‘000 Barrel pro Tag. Auch andere Käufer dürften davor zurückschrecken, mit dem sanktionierten Ölunternehmen PDVSA Geschäfte zu machen, wollen sie nicht ihre US-Geschäfte aufs Spiel setzen. Als potenzieller Käufer wird China genannt, doch dies würde von US-Präsident Trump als Affront gewertet und die derzeit laufenden Handelsgespräche mit den USA gefährden. Die USA, selbst einer der grössten Ölproduzenten der Welt, haben damit nach dem Iran das zweite grosse Ölland mit Sanktionen überzogen. Auch in Libyen ist die Produktion derzeit eingeschränkt. Das grösste Ölfeld des Landes bleibt nach Angaben der staatlichen Ölgesellschaft NOC solange geschlossen, bis die bewaffneten Gruppen die Besetzung des Feldes beenden.

CO2-Händler befürchteten, dass Unternehmen nach dem Entscheid der Kohlekommission ihre nicht benötigten CO2-Emissionsrechte auf den Markt werfen und Absicherungsgeschäfte auflösen könnten. Diese Ängste scheinen jedoch wenig rational begründet zu sein. Die Laufzeit für das Ende der Kohle bei der Stromproduktion in Deutschland ist insgesamt sehr lang bis 2038. Über fast 20 Jahre lässt sich der Bedarf jedoch nur mit erheblichen Unsicherheiten schätzen. Es ist deshalb keine kluge Strategie, jetzt CO2-Emissionsrechte zu verkaufen in Erwartung, dass in 15 bis 20 Jahren weniger Bedarf besteht. Zudem sind Absicherungen über einen solch langen Zeitraum selten. Stromproduzenten sicheren selbst den Preis für ihre erzeugten Mengen nur für einen Zeitraum von wenigen Jahren ab. Ferner kann Deutschland auch die Volumina bei den Auktionen von CO2-Emissionsrechten entsprechend der Stilllegungen von Kohlekraftwerken reduzieren, um einen Einbruch der Preise zu verhindern.

Energy Flash 30.01.2019

Die Kohlekommission hat sich nach 21-stündigen Verhandlungen darauf geeinigt, dass in Deutschland die letzten Kohlekraftwerke im Korridor zwischen 2035 und 2038 vom Netz gehen. Das Ende der Verfeuerung von Kohle zur Stromerzeugung kommt damit einerseits später als es die in dem Gremium vertretenen Umweltverbände gefordert hatten, die den Ausstieg zum Schutz des Klimas um das Jahr 2030 vollenden wollten. Andererseits ist es aber früher als es die Bundesländer mit Braunkohleförderung verlangt hatten, die bis zuletzt auf ein Ende Anfang der 2040er Jahre beharrt hatten. Als Erfolg werteten die Klimaschützer, dass es der Bericht als wünschenswert einstuft, dass der Hambacher Forst am gleichnamigen Tagebau des Stromkonzerns RWE stehen bleibt und nicht gerodet werden soll. Die Einigung sieht vor, dass zunächst Braun- und Steinkohlekraftwerke mit einer Leistung von 12.5 Gigawatt bis 2022 stillgelegt werden. Bereits vor der Sitzung hatte sich der Konsens gebildet, wonach die Industrie eine jährliche Ausgleichszahlung erhalten soll. Sie soll nach dem Willen der Kommission von der Bundesregierung einen Ausgleich von 2 Milliarden Euro pro Jahr erhalten. Ebenfalls verständigt hatte sich das Gremium darauf, dass Stromversorger wie RWE, die Lausitzer Leag und Uniper bis 2030 entschädigt werden, wenn sie ihre Kraftwerke vorzeitig abklemmen müssen. Die Energieerzeuger können mit insgesamt 6 Milliarden Euro an Entschädigungen rechnen.

Der geplante Kohleausstieg führt nach einer Analyse von Enervis Energy Advisors zu einem moderaten Anstieg der Börsenstrompreise. Der Jahres-Base-Preis soll nach dem Szenario eines Kohleausstiegs 2038 im Refe­renzjahr 2022 um etwa 2.5 Euro pro Megawattstunde (MWh) über den Pro­gnosen des Referenzpfades ohne Aus­stieg liegen. Wie die Beratungsgesell­schaft weiter mitteilte, wird der Strom­preis für Base 2030 etwa 3.0 Euro je MWh höher sein. Im Mittel der Jahre bis 2040 liege die Preisdifferenz dann bei ungefähr 3.50 Euro. Enervis weist gleichzeitig darauf hin, dass die CO2-Emissionen in diesem Zeitraum spürbar sinken. 2022 wer­den demnach aus der Kohleverstro­mung rund 34 Millionen Tonnen weni­ger emittiert als im Vergleichsszenario. 2030 werden demnach schon 67 Milli­onen Tonnen weniger freigesetzt.

Der am Freitagabend vom Öldienst­leister Baker Hughes veröffentlichte Anstieg der Bohraktivität in den USA hat Rohöl unter Druck gesetzt. Dar­auf haben die Analysten der Com­merzbank hingewiesen. Demnach wur­den in der letzten Woche zehn neue Ölbohrungen aktiviert. Dies war der erste Anstieg nach drei Rückgängen in Folge. In der Vorwoche war die Zahl der Ölbohrungen noch um 21 gefallen, so dass es sich um eine Gegenbewe­gung handeln dürfte. Seit Jahresbe­ginn ist die Zahl der Ölbohrungen um 23 gefallen. Die im vierten Quartal deutlich gesunkenen Preise sorgten ganz offen­sichtlich für Zurückhaltung bei den Schieferölproduzenten, heisst es von den Analysten. Da die Preise seit Jah­resbeginn deutlich gestiegen sind und es einen hohen Bestand an nicht fertig­gestellten Bohrungen gibt, dürfte sich die Bohraktivität rasch erholen. Dies spricht laut Commerzbank gegen einen weiteren Anstieg der Ölpreise. Deutlich fallen dürften die Preise allerdings auch nicht. Denn in Venezuela zeichnet sich keine schnelle Lösung des Macht­kampfes ab.

Der Import von US-LNG nach Europa hat sich in diesem Winter gegenüber dem Vorjahreszeitraum fast verfünffacht. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Demnach sind von Oktober bis Januar 3.23 Millionen Tonnen LNG aus den USA eingeführt worden gegenüber nur 0.7 Millionen Tonnen im Vorjahreszeitraum. Ursache hierfür war den Angaben zufolge eine schwache Nachfrage aus China dank eines bislang milden Winters. Zudem hat China US-LNG-Importe mit einem Zoll von 10 Prozent belegt. US-LNG konkurriert in Europa unter anderem mit Pipeline-Gas aus Russland. Der russische Versorger Gazprom pumpt 145 Millionen Tonnen Gas jährlich nach Europa. Die US-Exporteure hoffen unterdessen auf eine Erholung der asiatischen Nachfrage im Sommer, weil dann der Gasbedarf wegen des Einsatzes von Klimaanlagen steigt.

Energy Flash 23.01.2019

Die Ablehnung des Brexit-Vertrages durch das britische Unterhaus hatte nicht zu der von Einigen befürchteten Verkaufswelle bei den CO2-Zertifikaten geführt. Händler und Analysten malten für den Fall einer Ablehnung ein tiefschwarzes Bild. Britische Unternehmen würden dann massenhaft nicht benötigte CO2-Emissionsrechte auf den Markt werfen, so dass die Kurse in den Keller gehen würden. Das Gegenteil passierte, Eindeckungskäufe trieben zusammen mit den Folgen der Kältewelle die Preise nach oben. Die Marktteilnehmer scheinen die früheren Sorgen zumindest für den Moment beiseite geschoben zu haben und auf eine Lösung in der Brexit-Frage zu hoffen. Diese Sicherheit könnte sich auch als trügerisch erweisen. Zum Aufatmen ist es noch zu früh, schliesslich ist noch völlig unklar, wie es in der Brexit-Frage weitergeht. Die Märkte können daher keines der denkbaren Szenarien so richtig einpreisen – zumal es bisher auch keine historischen Beispiele gibt.

Bei den Rohölsorten Brent und WTI setzte sich die Erholung nach kurzer Verschnaufpause wieder fort. Unterstützt wird der Preisanstieg von den Produktionskürzungen der OPEC+ und den Monatsberichten der EIA (Energy Information Administration), IEA (International Energy Agency) und der OPEC. Insgesamt haben die drei neuen Berichte dazu beigetragen, dass die Angst vor einer Ölschwemme in diesem Jahr weiter abgenommen hat, was die Preisentwicklung in der vergangenen Woche ebenfalls unterstützte. Laut den Dokumenten wird für das Jahr 2019 eine leicht steigende Ölnachfrage auf ca. 1.5 Mio. Barrel pro Tag erwartet, während die Ölproduktion der OPEC+ dagegen um 1 Mio. Barrel niedriger ausfallen dürfte. Man geht aber davon aus, dass die US-Ölförderung weiterhin der treibende Motor für die internationale Ölproduktion ist. Für dieses Jahr wird ein Anstieg der US-Ölförderung von 10.9 auf 12.1 Mio. Barrel je Tag erwartet.

Die Kapazitätsauslastung der Gasspeicher in Deutschland verringerte sich von 71.7 Prozent auf 69.4 Prozent. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres betrug der Auslastungsgrad lediglich 58.1 Prozent. Mit der Kältewelle dürften die Ausspeicherungen zwar steigen, aber die Kapazitätsauslastung dürfte auch in den nächsten Wochen über dem Vorjahreswert bleiben. Denn auch vor einem Jahr wurde Deutschland von einer stabilen Kältewelle im Februar bis in den März hinein überzogen. Setzt sich aber, wie von einigen Wettermodellen prognostiziert, die Kälteperiode bis Ende Februar fort, so dürften die Commodity-Preise weiter steigen. Gleichzeitig soll der polare Einfluss stabil sein, was für ein geringes Windaufkommen spricht. So dürfte für die Stromerzeugung mehr Gas und Kohle eingesetzt werden, was ebenfalls zu höheren Preisen führen könnte.

Bis zum Jahr 2030 soll der deutsche Kohlekraftwerkspark mit derzeit 20 Gigawatt Braunkohle und 23 Gigawatt Steinkohle mehr als halbiert werden. Diese Tendenz zeichnet sich laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als ein Ergebnis der Kohlekommission ab. Der Endbericht der Kommission soll diesen Freitag beraten werden. Falls zu diesem Zeitpunkt keine Einigung erzielt werden kann, ist mit dem 1. Februar ein weiterer Termin vorgesehen. Der Zeitung zufolge, die sich auf Gespräche mit Mitgliedern und im Umfeld der Kommission beruft, sollen zuerst alte Braunkohlekraftwerke im Rheinischen Revier abgeschaltet werden, danach Steinkohlekraftwerke im Nordwesten, später die Braunkohle im Osten und die Steinkohle im Südwesten. Mit den Stilllegungen sollen die damit freiwerdenden Emissionszertifikate gelöscht werden. Geplant sind demnach staatliche Hilfen für neue Gaskraftwerke, um möglichen Versorgungsengpässen zu begegnen. Es ist dem Bericht zufolge wenig wahrscheinlich, dass die Kommission ein festes Datum für den Kohleausstieg nennen wird. Die Mehrheit der Mitglieder sympathisiere mit einem Zeitkorridor, der Mitte der dreissiger Jahre beginne und möglicherweise eine Reserve enthalte, in die ostdeutsche Braunkohlekraftwerke wechseln könnten. Das würde eine Verlängerung bis in die vierziger Jahre möglich machen.

Energy Flash 16.01.2019

Während das lange Ende des Strommarktes in der dritten Handelswoche im neuen Jahr unter einem schwachen Marktumfeld leidet, belastet das derzeit relativ milde Wetter die Gaspreise in allen Lieferfristen. Bei den ARA-Kohlen gehen die Notierungen nach oben. Emissionszertifikate notieren mit Abgaben. Mit dem Kontraktwechsel im Dezember ging es mit den CO2-Preisen nicht wieder wie erwartet nach oben, sondern weiter nach unten. Grund dafür sind die ersten Auktionen im neuen Jahr, die allesamt zu Zuteilungspreisen erfolgten, die deutlich unter dem Niveau am Sekundärmarkt lagen. Beim Rohöl setzte sich die Erholung im neuen Jahr fort. Seit dem Tief am 26. Dezember 2018 konnte das Rohöl der Nordseesorte Brent bislang rund 20 Prozent zulegen.

Derweil droht Belgien keine Stromknappheit mehr. Dank der bisher relativ milden Temperaturen und der zur Verfügung gestellten Kapazitä­ten ist die Stromversorgung in diesem Winter gesichert, sagte die Energie­ministerin des Landes, Marie-Christi­ne Marghem laut belgischen Medien. Demnach normalisiert sich die Situation lang­sam wieder, nachdem sie im Herbst sehr problematisch gewesen ist. Zwar sollen die Temperaturen in Bel­gien etwa ab dem 18. Januar für eini­ge Tage etwas unter den saisonalen Durchschnitt fallen, doch auch das wäre nach Aussage der Ministerin bei der derzeitigen Versorgungssituation kein Problem. Nachdem Doel 4 und Tihange 3 zum Jahresanfang wieder in Betrieb genommen wurden, sind jetzt vier der sieben belgischen Atomreaktoren mit einer Gesamtkapazität von 4‘000 Megawatt am Netz. Hinzu kommt, dass Doel 2 (433 Megawatt) bald wieder ans Netz gehen soll und außerdem die Inbe­triebnahme des Unterseekabels „Nemo Link“ (1‘000 Megawatt) zwi­schen Belgien und Großbritannien für das erste Quartal 2019 geplant ist, erklärte Marghem bei einer Pres­sekonferenz.

Im vergangenen September hatte die Ministerin davor gewarnt, dass der Strom in Belgien im Falle eines sehr kalten Winters knapp werden und es zu Stromabschaltungen kommen könnte. Zwischenzeitlich war nur einer von sieben Atomreaktoren am Netz. Nachbarländer wie Frankreich und Deutschland hatten Belgien Strom­lieferungen im Falle einer Knapp­heit zugesagt. Am belgischen Gross­handelsmarkt waren die Stromprei­se in Folge der Warnungen durch die Decke gegangen und hatten sich zeit­weise auf einem zweistelligen hohen Niveau gehalten. Nun hat sich auch das Preisniveau wieder normalisiert, sagte die Ministerin weiter.

Kurz vor der entscheidenden Abstimmung im britischen Unterhaus haben Premierministerin Theresa May und Spitzenvertreter der EU eindringlich für ein Ja der Abgeordneten geworben. Eine Ablehnung des Brexit-Vertrags werde katastrophale Folgen für die Demokratie im Vereinigten Königreich haben, sagte May am Montag in einer Rede. EU-Ratspräsident Donald Tusk und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gaben May Rückendeckung und versicherten, dass die EU eine umstrittene Auffanglösung für die Grenze zu Nordirland vermeiden wolle. Das britische Parlament stimmt am Dienstagabend über das Brexit-Abkommen zwischen London und Brüssel ab. Zuvor hatte Premierministe­rin Theresa May zum Auftakt der finalen Beratungen über das Brexit-Abkommen im briti­schen Parlament eine herbe Abstim­mungsniederlage erlitten. Das Unter­haus stimmte dafür, dass die Regie­rung für den Fall, dass der Vertrags­entwurf mit der EU am 15. Januar 2019 im Parlament durchfällt, bin­nen drei Sitzungstagen ihre Pläne für das weitere Vorgehen offenlegen muss. Die Abstimmung galt als Testlauf für das entscheidende Votum in dieser Woche. May hatte einen ersten Termin für das Votum im Dezember 2018 wegen einer sich abzeichnenden Niederlage ver­schoben. Die Rebellen in ihrer eigenen Partei hat sie mehrfach gewarnt, dass eine Niederlage einen Austritt ohne Deal oder gar keinen Austritt zur Folge haben wird. Viele Beobachter gehen indessen davon aus, dass die britische Regie­rung im Falle einer Ablehnung des Brexit-Vertrags den Austritt verschie­ben will.

Energy Flash 19.12.2018

Zum 1. Januar 2019 tritt die sogenannte Marktstabilitätsreserve (MSR) in der EU in Kraft, die zu reduzierten Auktionsvolumina der CO2-Emissionsrechte führt. Die MSR gilt als wirkungsvollere Reformmassnahme zur Stärkung der Preissignale, um z.B. Investitionsanreize für klimaneutrale Technologien zu setzen. Denn, es ist absehbar, dass mit der momentanen Absenkungsrate von jährlich 1.74 Prozent der Gesamtemissionen (ab der Phase IV „2021 bis 2030“ sogar um 2.2 Prozent pro Jahr) das EU-Klimaschutzziel, welche bis 2030 eine Minderung des CO2-Ausstosses um 40 Prozent gegenüber 1990 vorsieht, nicht erreicht werden kann. Die Regelungen der MSR sehen vor, dass das Angebot an Zertifikaten jährlich an die Überschusssituation im Emissionshandelsmarkt angepasst wird: Wenn die Überschussmenge 833 Millionen Zertifikate übersteigt, wird die Versteigerungsmenge des jeweiligen Jahres um 24 Prozent des Überschusses verringert. Umgekehrt wird die jährliche Versteigerungsmenge um 100 Millionen Zertifikate erhöht, wenn der rechnerische Überschuss 400 Millionen Zertifikate unterschreitet oder zu starken Preissprüngen kommt. Bislang werden jährlich 12 Prozent der überschüssigen Zertifikate in den MSR-Fonds eingestellt, ab 2019 soll der Anteil noch einmal verdoppelt werden, wenn die Überschüsse den bereits genannten Schwellenwert von 833 Millionen Zertifikaten überschreiten. Ab dem Jahr 2023 wird die Reserve auf ein Volumen begrenzt, das jeweils der Versteigerungsmenge des Vorjahres im EU-ETS entspricht. Die darüber hinaus gehende Menge in der Reserve wird gelöscht (voraussichtlich mehr als 2 Milliarden Zertifikate).

Am 12. Dezember 2018 hatten die Optionen auf den Dezember-2018-Kontrakt bei den EUA-Futures ihren Verfallstermin. Einige Händler haben darauf spekuliert, dass die hohen Bestände von Calls, die im Geld lagen, zu Gewinnmitnahmen führen würden. Aber die Halter von Calls sind ja nun auch nicht dumm. Sie können ihre Gewinne schon vorher mitnehmen, indem sie pro Call einen EUA-Future „leer“ verkaufen. Dies ist gerade bei Optionen, die sehr tief im Geld sind, häufig die kostengünstigere Variante. Ferner könnten die Optionen auch gehalten worden sein, um physisch beliefert zu werden. Da die erwartete Verkaufswelle nach dem Verfallstermin ausblieb, mussten einige Marktteilnehmer ihre Short-Positionen eindecken, was zu kräftigen Preissteigerungen führte. Der im Dezember 2019 fällige EUA-Future, der nach dem 12. Dezember 2018 als neuen Benchmark gilt, legte deshalb von 20.64 auf 23.72 Euro je Tonne im Wochenvergleich zu. Die Rallye bei den CO2-Emissionsrechten lieferte auch Unterstützung für die Terminnotierungen am Strommarkt, die ebenfalls von der Preisentwicklung am Spotmarkt profitieren. In allen Frontkontrakten legten die Strompreise massiv zu. Das Kalenderjahr 2019 näherte sich sogar dem Jahreshoch vom Ende September wieder an.

Die Produktionskürzungsbeschlüsse der OPEC+ am 07. Dezember 2018 in Wien wirkten beim Rohöl zunächst preisstabilisierend, währten allerdings nicht lange. Denn, bei den zwei international führenden Rohölsorten Brent und West Texas Intermediate (WTI) kam es nach der Rallye am ersten Freitag im Dezember nicht zu einer weiteren Erholung, sondern der Gewinn aus der vorherigen Woche wurde in der zweiten Dezemberwoche wieder teilweise abgegeben. Die Förderkürzung der OPEC+ fiel zwar etwas kräftiger aus als am Ölmarkt erwartet wurde, aber die Ölexperten bei etlichen US-Investmentbanken kamen schnell zu dem Schluss, dass dies nicht ausreichend sei, um auch zu einem Rückgang der Lagerbestände zu führen. Sie dürften weiterhin über dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre bleiben. Negativ aufgenommen wurde auch, dass Russland den Rückgang der Ölproduktion im Januar 2019 nur mit 50‘000 bis 60‘000 Barrel pro Tag bezifferte. Das vereinbarte Ziel von 220‘000 Barrel je Tag soll erst schrittweise erreicht werden. Aber auch die Sorgen über das Wachstum der globalen Ölnachfrage dominieren wieder und belasten den Ölpreis weiter.

Energy Flash 12.12.2018

Der Schweizer Nationalrat hat ein CO2-Gesetz in Angriff genommen, das die Schweizer Ziele und Massnahmen zur Erfüllung des Pariser Abkommens für die Zeit von 2021 bis 2030 festlegt. Beschlossen wurde kein inländisches Reduktionsziel, um den Unternehmen Flexibilität zu ermöglichen. Stattdessen sollen die festgelegten Einsparungen von 50 Prozent der schweizerischen CO2-Emissionen durch den Kauf von Emissionszertifikaten ermöglicht werden. Hat diese Bestimmung auch im Ständerat Bestand, könnte die Schweiz einen Grossteil der Emissionen im Ausland kompensieren. Diese Entscheidung liegt auch auf der Linie vorangegangener Beschlüsse, mit denen der Nationalrat das Schweizerische Emissionshandelssystem mit jenem der EU koppeln will.

Gemäss dem französischen Umweltminister François de Rugy könne Frankreich Belgien bei Versorgungsengpässen im Winter möglicherweise doch keinen Strom liefern. Frankreich müsse zunächst seine eigene Versorgung sicherstellen. Das gilt vor allem für die Monate Januar und Februar 2019. Aus diesem Grund sei es wichtig, die geplante Stilllegung der Atomreaktoren in den kommenden Jahren mit ausreichend Vorlauf und einem durchdachten Plan anzugehen. Er rief in diesem Zusammenhang auf, die Probleme mit den älteren Kraftwerken in Belgien als mahnendes Beispiel zu nehmen. „Wenn man nichts tut, müssen plötzlich Kraftwerke wegen Sicherheitsbedenken vom Netz genommen werden.“ In Frankreich könnten die Aufsichtsbehörden im Rahmen ihrer Kontrollen ähnliche Entscheidungen treffen, wenn man sich nicht rechtzeitig entscheide, Reaktoren entweder stillzulegen oder ausreichend zu warten. Und dann könnte sich auch Frankreich mit ernsthaften Versorgungsengpässen konfrontiert sehen. Gleichzeitig sei die mehrjährige Energieplanung bis 2028 kein Programm für den Ausstieg aus der Atomenergie, sondern vielmehr für die Diversifizierung der französischen Stromversorgung. Vor dem Hintergrund möglicher Probleme mit den Meilern, die knapp 75 Prozent des französischen Strombedarfs decken, dürfe man nicht alles auf ein Pferd setzen.

Nach den von der OPEC und Nicht-OPEC-Ländern beschlossenen Fördersenkungen um insgesamt 1.2 Millionen Barrel täglich stehen zusammen mit den Produktionskürzungen in Kanada dem Ölmarkt Anfang 2019 ca. 1.5 Millionen Barrel pro Tag weniger zur Verfügung. Dies dürfte weitgehend ausreichen, den Ölmarkt im nächsten Jahr wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Das Risiko eines weiteren Abrutschens der Ölpreise wie Ende 2014 oder Ende 2015 ist durch den Kürzungsbeschluss gebannt. Analysten sehen den Brentölpreis im ersten Quartal bei 60 US-Dollar und bis Ende 2019 bei 70 US-Dollar, wobei dies eine ähnlich disziplinierte Umsetzung der beschlossenen Produktionskürzungen voraussetze wie beim vorangegangenen Kürzungsabkommen. Möglicherweise kommen der OPEC auch unplanmässige Produktionsausfälle wie aktuell in Libyen zu Hilfe. Allerdings sei ungeachtet der beschlossenen Förderkürzung weiterhin mit einer Überversorgung des Weltölmarktes zu rechnen. Diese Einigung sollte den Ölpreis stabilisieren. Aber die Analysten bezweifeln, dass sie ausreichen wird, um eine signifikante Erholung des Ölpreises anzustossen. Entscheidend für einen Erfolg ist bei der Einigung aber die Förderung aus den Nicht-OPEC-Förderstaaten. Insbesondere gebe es hier Zweifel an der russischen Ölproduktion. Deren mit den Kartellmitgliedern vereinbarte Förderkürzung laufe über mehrere Monate und stelle das eigentliche Produktionsziel in Frage. Insgesamt handelt es sich um einen sinnvollen Schritt angesichts der Deutlichkeit der Überversorgung des Ölmarktes, aber es sieht so aus, als ob diese Lage auch 2019 anhalten wird – wenn auch in deutlich geringerem Ausmass.

Energy Flash 05.12.2018

Die Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom fordert die Schaffung von gesetzlichen Anreizen zum Erhalt der inländischen Stromproduktion im Winter. Neben einer strategischen Reserve müssten weitere Massnahmen diskutiert werden. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen dazu sollen in der laufenden Revision des Stromversorgungsgesetzes verankert werden. Der Rückgang der steuerbaren Stromproduktion kann laut EICom nur schwerlich mit fluktuierender Produktion aus den erneuerbaren Energien kompensiert werden. Wie die EICom ebenfalls mitteilte, ist 2019 der Anteil der schweizerischen Grossverbraucher, die ihre Energie im freien Markt beziehen, leicht gesunken. Konkret heisst dies für das kommende Jahr, dass 66 Prozent der Grosskunden von ihrem Recht Gebrauch machen, den Stromlieferanten frei zu wählen. Insgesamt konsumieren sie 79 Prozent der von den Grosskunden verbrauchten Energie. Der Rückgang beim Anteil Grossverbraucher ist darauf zurückzuführen, dass die Anzahl Verbraucher mit Recht auf freien Marktzugang stärker gewachsen ist, als die Anzahl Verbraucher, die den freien Marktzugang tatsächlich gewählt haben.

Frankreich wird 14 Atomreaktoren bis 2035 abschalten, vier bis sechs bis 2030 und die restlichen zwischen 2030 und 2035. Das kündigte Präsident Emmanuel Macron am Dienstag bei der Vorstellung der mehrjährigen Energieplanung des Landes (Programmation Plurianuelle de l‘Énergie, PPE) in Paris an. Ausserdem sollen 7 bis 8 Milliarden Euro in erneuerbare Energien investiert werden. Die Reaktoren Fessenheim sollen im Jahr 2020 geschlossen werden, und damit die ersten der 14 Reaktoren sein, die vom Netz gehen. Bis 2035 soll der Anteil der Erneuerbaren an der französischen Stromproduktion auf 50 Prozent steigen. Bis 2050 strebt Frankreich darüber hinaus eine völlige Dekarbonisierung der Energieproduktion an. Oberste Priorität habe dabei die Senkung des Energieverbrauchs. Dies könne zum Beispiel mit dem Bau von Autos geschehen, die weniger Energie verbrauchen und dadurch einen geringeren CO2-Ausstoss haben. „Umweltschutz muss ein Thema für die gesamte Bevölkerung sein, nicht nur für Menschen in den Städten...“, sagte Macron. Um seine Ziele zu erreichen, hat er eine Expertengruppe ins Leben gerufen. Macron hat den Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen im Visier. Während Macron bis 2022 aus der Kohle aussteigen will, hält er an der Kernkraft fest und bezeichnete sie als eine vielversprechende Technologie mit deren Hilfe sich der Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen bewerkstelligen lasse. Man dürfe aber vor allem über den langfristigen Zielen nicht die kurzfristigen aus dem Blick verlieren.

Katar will sich aus der Organisa­tion der Erdöl exportierenden Län­der (OPEC) zurückzuziehen, um sich auf seine Pläne zur Steigerung der Erdgasproduktion zu konzentrieren. Der geplante Rückzug zum 1. Januar wurde vom Energieminister Saad She­rida al-Kaabi auf einer Pressekonferenz in Doha bekannt gegeben und durch den offiziellen Twitter-Account von der Staatsfirma Qatar Petroleum, die für die Öl- und Gasaktivitäten verantwort­lich ist, bestätigt. Der Minister sagte, die OPEC sei über die Entscheidung informiert worden. Die Rücknahme­entscheidung spiegelt das Ziel Katars wider, die Erdgasproduktion von 77 Millionen Tonnen pro Jahr auf 110 Millionen Tonnen in den kommenden Jah­ren zu steigern. Eine Reihe von arabischen Staaten, darunter Saudi-Arabien, die Vereinig­ten Arabischen Emirate und Ägypten, hatten im Sommer 2017 die diploma­tischen Beziehungen zu Katar abge­brochen und eine Verkehrs- und Han­delsblockade gegen den Golfstaat verhängt. Hintergrund sind die engen Beziehungen Katars zum schiitischen Iran, dem Erzfeind Saudi-Arabiens.

Energy Flash 28.11.2018

In den letzten Monaten erlebten die Ölmärkte eine regelrechte Talfahrt. Die beiden international führenden Rohölsorten Brent und West Texas Intermediate (WTI) verloren massiv und notieren derweil unter der 60.00 US-Dollar-Marke (Brent) bzw. bei knapp 50.00 US-Dollar pro Barrel (WTI). Auch die Futures auf Rohöl wiesen kräftige Verluste auf, alleine in der vergangenen Woche 11.9 Prozent bei der Nordseesorte Brent und 10.7 Prozent bei WTI im Wochenvergleich. An beiden Tagen wird Donald Trump als die Ursache für neuerliche Befürchtungen für eine Angebotsschwemme bei Rohöl im kommenden Jahr genannt. Nachdem gemäss Medienbericht die CIA den saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman als Auftraggeber für den Mord an dem Journalisten Khashoggi sieht, hat Donald Trump dem saudischen Herrscherhaus den Rücken gestärkt. Dies wurde schon als ein Schritt interpretiert, dass Saudi-Arabien die Ölproduktion wird aufrechterhalten müssen. In einem weiteren Tweed bedankte sich Trump bei Saudi-Arabien für den Rückgang der Ölpreise, nachdem er zuvor in diesem Jahr mehrfach die Organisation erdölexportierender Länder, kurz Opec genannt, frontal angegriffen hatte. Die Hedge-Fonds sind nun davon überzeugt, dass das Königreich gezwungen ist, die Ölproduktion nicht wie diskutiert zu reduzieren. Legt man die Aussagen in den jüngsten Monatsberichten von der Opec und der internationalen Energieagentur (IEA) zu Grunde, dann würde dies allerdings bedeuten, dass die Ölmärkte in 2019 mit über 1.0 Millionen Barrel je Tag überschwemmt werden. In diesem Fall hätten die Ölpreise noch einen weiten Abstieg vor sich.

Donald Trump war zwar der Hauptgrund für den Einbruch der Ölpreise, aber nicht die einzige Ursache. Mit billigem Schieferöl treiben die USA seit Monaten den Ölpreis weiter nach unten und erhöhen dadurch den Druck auf den Preisverfall. Damit steht die Opec unter Zugzwang, die jüngste Ausweitung der Ölproduktion um eine Million Barrel pro Tag wieder rückgängig zu machen, will sie nicht ein massives Überangebot und ein weiteres Abrutschen der Preise riskieren. Der Druck auf das Bündnis aus Mitgliedstaaten der Opec und zehn Nicht-Opec-Staaten unter Führung Russlands, branchenintern auch Opec+ genannt, den Ölhahn wieder zuzudrehen und den Preis dadurch nach oben zu drehen, ist gewaltig. Die Opec wurde 1960 gegründet und besteht derzeit aus 15 Mitgliedern, davon 7 afrikanischen Staaten (Algerien, Angola, Äquatorialguinea, Gabun, Libyen, Nigeria und die Republik Kongo), 6 vorderasiatischen Staaten (Irak, Iran, Katar, Kuwait, Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate) sowie 2 südamerikanischen Staaten (Ecuador und Venezuela). Diese 15 Staaten verfügen etwa über 75 Prozent der weltweiten Ölreserven. Ausserdem fördern sie ungefähr 40 Prozent der weltweiten Erdölproduktion. Hauptziel der Opec ist es, einen monopolistischen Erdölmarkt zu etablieren, welcher durch festgelegte Förderquoten erreicht werden soll.

Die sich abflauende Konjunktur rund um den Globus ist ebenfalls ein grosser Preishebel nach unten und fordert die Opec heraus. Für den Angebotsüberhang auf dem Ölmarkt ist die Opec allerdings selbst mitverantwortlich. Angesichts rasant steigender Ölpreise zwischen Februar bis Oktober des laufenden Jahres haben die Mitglieder, allen voran Opec-Schwergewicht Saudi-Arabien, ihre Produktion auf Rekordniveau ausgeweitet, auch als sich bereits abzeichnete, dass sich das globale Wachstum eintrüben könnte. Anfang November förderte Saudi-Arabien noch rekordhohe 10.9 Millionen Barrel Öl pro Tag und begründete dies mit der höheren Nachfrage vor den Iran-Sanktionen.

Die nächste Opec-Konferenz am 6. Dezember 2018 steht somit vor einer ihrer grössten Herausforderungen. Analysten und Opec-Experten sind sich einig: Die gegenwärtige Schwächephase für Rohöl könne erst überwunden werden, wenn sich die Mitglieder des Rohölkartells Opec und ihre Verbündeten zu deutlichen Produktionskürzungen entscheiden können. Im Falle Saudi-Arabiens, auf das durch die USA Druck ausgeübt werde, sei diese Bereitschaft aber zweifelhaft.

Energy Flash 21.11.2018

Die Stromversorgung Frankreichs ist in diesem Winter insgesamt gesichert, im Januar und Februar könnte es allerdings eng werden. Laut dem französischen Übertragungsnetzbetreiber RTE sei von Mitte Januar bis Ende Februar 2019 eine Phase „besonderer Aufmerksamkeit“. In diesem Zeitraum werden fünf Atomkraftwerke vom Netz sein – 2018 waren im gleichen Zeitraum nur drei Kraftwerke nicht verfügbar. Sollte es in diesem Zeitraum also sehr kalt werden, oder sollten weitere Reaktoren ausfallen, könnte die Versorgungssicherheit gefährdet sein. Im Falle einer solchen extremen Kältewelle, wie sie im Schnitt alle zehn Jahre vorkommt, könnte der Stromverbrauch in Frankreich auf etwa 100‘000 Megawatt steigen. Der Verbrauchsrekord war mit 102‘000 Megawatt während der Kältewelle 2012 erreicht worden. RTE müsste dann Massnahmen ergreifen, die über den Markt hinausgehen. Dazu zählt zum Beispiel die Reduzierung der Netzspannung, freiwillige Stromeinsparungen durch die Bürger und vor allem durch industrielle Grossverbraucher. Gleichzeitig liefern aber die erneuerbaren Energien dank des kontinuierlichen Ausbaus voraussichtlich mehr Strom als im vergangenen Winter. Die installierte Kapazität der Windkraftanlagen liegt demnach bei 14‘500 MW und soll laut Berechnungen des Wetterdienstes Météo France durchschnittlich 4‘500 MW Strom pro Tag liefern. Die installierte Solarkapazität beläuft sich auf 8‘500 MW, mit einer durchschnittlichen Stromerzeugung von 2‘400 MW.

Die belgische Stromversorgung hat sich laut Angaben des Netzbetreibers Elia entspannt. Zwar dauern die Reparaturen am belgischen Atomreaktor Doel 1 länger als geplant, statt wie bisher angenommen bis zum 10. Dezember 2018 wird der Reaktor voraussichtlich bis zum 31. Januar 2019 vom Netz bleiben. Dagegen soll Tihange 3 im Januar wieder in Betrieb genommen werden – bisher war Electrabel vom 3. Februar ausgegangen. Tihange 1 ist seit Montag wieder am Netz, eine Woche früher als geplant. Damit produzieren derzeit zwei belgische Reaktoren Strom. Mitte Dezember soll mit Doel 4 ein weiterer Reaktor dazukommen.

Die Gaspipeline Turkish Stream von Russland in die Türkei soll voraussichtlich 2019 in Betrieb gehen und auch den europäischen Markt beliefern. Gemäss dem türkischen Präsident Recep Tayyip Erdogan werde „mindestens die Hälfte“ der Gaslieferung an Europa gehen. Der russische Präsident Wladimir Putin, der ebenfalls an der Feier zur Einweihung eines Teilabschnitts der Pipeline teilnahm, nannte die Pipeline einen „wichtigen Faktor der europäischen Energiesicherheit“. Die Türkei entwickle sich durch den Abzweig von Turkish Stream nach Südwest-Europa zu einer bedeutenden europäischen Drehscheibe im Gasgeschäft. Ein genaues Datum der Inbetriebnahme nannte Erdogan nicht. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu soll das erste Gas Ende des kommenden Jahres durch die neue Leitung fliessen. Der Teil der Leitung, der durchs Schwarze Meer bis zur türkischen Küste rund 100 Kilometer westlich von Istanbul führt, ist schon abgeschlossen. Die Pipeline wird von dort aus an ein schon existierendes Netz angeschlossen und führt damit bis an die griechische Grenze. Durch zwei Stränge fliessen dann jährlich bis zu 31.5 Milliarden Kubikmeter Gas. Die Türkei ist einer der grössten Abnehmer für russisches Gas.

Energy Flash 14.11.2018

Im laufenden Jahr konnten in der Schweiz insgesamt rund 8‘500 Anla­gen zur Stromproduktion aus erneu­erbaren Energien neu gefördert wer­den. Dank steigender Stromprei­se und der ausreichenden Liquidität des Netzzuschlagsfonds stehen laut Angaben der Schweizer Regierung für das nächste Jahr mehr Mittel zur Ver­fügung. Damit werden die Wartelisten deutlich abgebaut und die Wartezei­ten verkürzt. Auch bei den Investiti­onsbeiträgen für die Kleinwasserkraft können 2019 erheblich mehr Mittel gesprochen werden. Anfang 2018 befanden sich 15‘000 Anlagen auf der Warteliste für klei­ne Photovoltaikanlagen. Im Verlauf des Jahres wurden pro Monat durch­schnittlich rund 700 PV-Anlagen neu angemeldet. Bis Ende des Jahres wird die Einmalvergütung an rund 6‘800 dieser Anlagen ausbezahlt, insgesamt 178 Millionen Franken. Bis Ende 2019 wird die Vergütung voraussichtlich für alle Anlagenbe­treiber ausbezahlt, die ihr vollstän­diges Gesuch bis 30. Juni 2018 ein­gereicht haben. Das betrifft rund 13‘500 Anlagen mit einer Leis­tung von etwa 260 MW. Die Warte­zeit bis zur Auszahlung der Prämie für Betreiber, die ihr Gesuch Ende 2018 einreichen, beträgt rund ein­einhalb Jahre. Das Fördervolumen beträgt 100 Millionen Franken.

Die angeblich schärfsten US-Sank­tionen gegen Iran entpuppen sich mehr und mehr als halb so wild. Nicht nur, dass die acht wichtigsten Abnehmer des Iran für weitere sechs Monate ira­nisches Öl kaufen dürfen. Die Aus­nahmen sind darüber hinaus gene­rös gehalten. Südkorea zum Beispiel darf zwei Drittel der normalen Menge einführen, Indien sogar drei Viertel. Die iranischen Ölexporte dürften ins­gesamt bei etwa 1.5 Millionen Barrel pro Tag liegen. Das sind rund 1 Million Barrel pro Tag weniger als in der Spit­ze. Somit ist die Wirkung vergleichbar mit den Sanktionen unter Obama. Die US-Regierung hatte zuvor mehrfach angekündigt, die iranischen Ölexporte auf Null drücken zu wollen. Gleichzeitig steigt die US-Rohölpro­duktion schneller als erwartet. Die US-Energiebehörde prognostiziert nun einen Anstieg auf 12 Millionen Bar­rel pro Tag im zweiten Quartal 2019. Ursprünglich wurde damit erst Ende 2019 gerechnet. Die OPEC steht damit unter Zugzwang, die jüngste Auswei­tung der Ölproduktion um rund 1 Mil­lion Barrel pro Tag wieder rückgängig zu machen, falls sie nicht ein massives Überangebot und ein weiteres Abrut­schen der Preise riskieren möchte.

In der Diskussion über den Koh­leausstieg rät der Klimaforscher Ott­mar Edenhofer der zuständigen Regie­rungskommission, sich nicht allein auf das Enddatum für die Kraftwerke und die Minderung der erzeugten Leistung zu konzentrieren. Zusätzlich sollte die Politik den Preis für freigesetztes Koh­lendioxid merklich erhöhen, sagte der Direktor und Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Als angemessen nannte Edenhofer 35 Euro pro ausgestossener Tonne des klimaschädlichen Treibhausgases. Komme diese Prei­serhöhung nicht, bestehe die Gefahr, dass infolge steigender Strompreise, nicht ausgelastete Kohlekraftwerke profitabler betrieben werden können - und dann vielleicht sogar mehr Kohlen­dioxid ausstossen. „Das ist nichts, was wir uns leisten können“, sagte er. Der Preis von 35 Euro pro Tonne Kohlendioxid sollte aus Sicht des Wis­senschaftlers spätestens ab 2035 gel­ten, aktuell sollte der Mindestpreis bei etwa 20 Euro festgesetzt werden. Mitte Oktober hatte auch Bundesumwelt­ministerin Svenja Schulze (SPD) dafür geworben, den CO2-Ausstoss über einen Preis je Tonne zu verteuern und Klimaschutz damit wirtschaftlich attraktiv zu machen. Mit Blick auf die Weltklimakonferenz im Dezember in Kattowitz, müssten die Regierungen ihren hochgesteckten Zielen nun zügig konkrete Taten beim Klimaschutz fol­gen lassen. Vieles passe nicht zusam­men. So werde aktuell in vielen, vor allem ärmeren, Staaten massiv in kli­maschädliche Kohlekraftwerke inves­tiert. Auch steige in diesem Jahr der weltweite Ausstoss von Kohlendioxid erneut weiter an, trotz aller Bekenntnis­se zu mehr Klimaschutz nach dem Kli­maabkommen von Paris 2015.

Energy Flash 07.11.2018

In acht französischen Atomreaktoren der 1300er-Baureihe (Reaktoren mit einer elektrischen Nettoleistung von 1300 MW) müssen bestimmte Bodenverankerungen verstärkt werden. Diese seien zu schwach ausgelegt und könnten einem Erdbeben unter Umständen nicht standhalten. Laut der Kraftwerksbetreiberin EDF sind die Verstärkungsarbeiten an den Reaktoren Cattenom 2, Flamanville 1 und Saint-Alban 2 bereits abgeschlossen. Bei Cattenom 1, Paluel 1, 2 und 3 und Saint-Alban 2 dauern die Arbeiten bis zum Ende des ersten Quartals 2019. Der Vorfall wurde von der EDF offiziell als Stufe 1 auf der internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse INES gemeldet, was einer Störung entspricht.

In der Schweiz wurde derweil die Revision im Kernkraftwerk Leibstadt (KKL) beendet. Das schweizerische Kernkraftwerk ist am Freitag, 2. November 2018 nach einer rund siebenwöchigen Revisionszeit wieder mit dem Stromnetz verbunden. Die Instandsetzung einer Schweissnaht an einem Notkühlsystem sowie entsprechende Sicherheitsnachweise gegenüber der Aufsichtsbehörde ENSI führten zu einer Verlängerung der Jahreshauptrevision von rund drei Wochen. Während der vergangenen Wochen wurden 80 frische Brennelemente in den Reaktorkern geladen, der insgesamt 648 Elemente enthält. Daneben gehörten unterschiedliche Instandhaltungsarbeiten und umfassende Prüfungen an Systemen, Komponenten und Armaturen zum Revisionsprogramm. Während der diesjährigen Jahreshauptrevision überprüften interne und externe Fachspezialisten erneut jene Brennelemente, die bei der letzten Revision neu eingesetzt worden waren. Genau wie im vergangenen Jahr wurden an keinem der inspizierten Brennelemente Befunde an Brennstäben festgestellt. 2016 waren an einzelnen Brennstäben Befunde festgestellt worden. Betroffen waren einzelne, frisch eingesetzte Brennelemente an bestimmten Positionen im Reaktorkern. Seither wird das Kernkraftwerk mit einer reduzierten Leistung betrieben, was auch im kommenden Betriebszyklus fortgesetzt wird. Leibstadt wird demnach mit einer auf 91 Prozent eingeschränkten Kapazität von 1.160 Megawatt wieder ans Netz gehen. Die vertiefte Ursachenanalyse zu den Befunden an den Brennstäben ist weit fortgeschritten. Untersuchungen hätten nachgewiesen, dass es sich bei den Befunden um reine Ablagerungen gehandelt habe, so der Betreiber. Die Integrität der Brennstabhüllrohre sei stets gewährleistet gewesen. Die physikalischen und wasserchemischen Vorgänge, die bei der Entstehung der Ablagerungen eine Rolle spielen, werden gegenwärtig noch abschliessend untersucht. Der kommende Betriebszyklus endet am 3. Juni 2019. Das Kernkraftwerk wird vom 3. Juni bis 3. Juli 2019 für seine nächste Jahreshauptrevision vom Netz gehen.

In Deutschland ist der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch in den ersten drei Quartalen dieses Jahres auf 38 Prozent gestiegen. Damit lag er um 3 Prozentpunkte höher als im Vorjahreszeitraum, wie das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) errechnet haben. Im Januar, April und Mai erreichten die Erneuerbaren demnach sogar bis zu 43 Prozent, weil viel Wind wehte und die Sonne viel schien. Wenn das vierte Quartal durchschnittlich windig werde, könne der Öko-Anteil am deutschen Strommix für das Gesamtjahr 2018 bei knapp 38 Prozent liegen. Von Januar bis Ende September wurden den Angaben zufolge insgesamt fast 170 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Sonne, Wind und anderen regenerativen Quellen erzeugt, im Vorjahreszeitraum waren es 155,5 Milliarden. Den größten Anteil lieferten Windkraftanlagen an Land mit fast 63 Milliarden, das waren über 13 Prozent mehr als im selben Zeitraum 2017. Solaranlagen legten um fast 16 Prozent zu und produzierten mehr als 41 Milliarden Kilowattstunden. Es folgen Biomasse (34 Milliarden) und Wasserkraft (13 Milliarden), die wegen der langen Dürre aber fast 10 Prozent weniger Strom lieferte als im Vorjahreszeitraum. Offshore-Windanlagen auf dem Wasser trugen rund 13 Milliarden Kilowattstunden zur Stromerzeugung bei. Damit erreichten die Erneuerbaren den Angaben zufolge fast die Stromerzeugung aus Braun- und Steinkohle, die bei rund 172 Milliarden Kilowattstunden lag - das waren 7 Prozent weniger als im Vorjahr, wie ZSW und BDEW mitteilten. Auch Erdgas verzeichnete demnach einen Rückgang von fast 8 Prozent auf rund 59 Milliarden Kilowattstunden.

Energy Flash 31.10.2018

Gemäss einer Studie der Beratungsgesellschaft Deloitte zur Entwicklung des globalen Markts für Erneuerbare sind die erneuerbaren Energien inzwischen konkurrenzfähig mit konventionellen Energiequellen. So haben Onshore-Windkraft und Photovoltaik in vielen Ländern Preisparität erreicht und auch ihre Netzintegration sei gelungen. So sind nach Ansicht der Studienautoren die Kosten für Solar- und Windenergie in weiten Teilen der Welt vergleichbar mit oder niedriger als die der traditionellen Energieträger. Onshore-Windkraft sei sogar die preiswerteste Energiequelle. Zudem würden erneuerbare Energien durch günstiger werdende Speichertechnologien besser integrierbar. Netzstabilität werde durch Abschaltungen, Power-to-X-Technologien sowie gute Vernetzung und steuerbare erneuerbare Energieträger sichergestellt. Darüber hinaus beschleunigten innovative Technologien den Einsatz von erneuerbaren Energien wie etwa durch Automatisierung und moderne Fertigungsverfahren. Künstliche Intelligenz werde in Zukunft den Einsatz erneuerbaren Ressourcen optimieren. Diese geschehe beispielsweise durch intelligente, präzisierte Wettervorhersagen, die Verfügbarkeit und Nachfrage von Energie planbar machten. Laut Deloitte stelle sich nicht mehr die Frage, ob erneuerbare Energiequellen grossflächig integriert werden, sondern wann die konventionellen nicht mehr benötigt werden.

Die Preise im EU-Emissionshandel sind im Sommer in die Höhe geschossen. In der Spitze kostete das Recht zur Emission einer Tonne CO2 (EUA) Mitte September gut 25 Euro und damit mehr als fünfmal so viel wie im Sommer 2017. Von diesem Hoch hat der Preis in einer Korrektur wieder gut 30 Prozent nachgegeben. Die Frage lautet nun: Wird die Rally wieder aufgenommen? Oder droht zum Jahresende nochmals ein stärkerer Rücksetzer? Für die baldige Wiederaufnahme des Aufwärtstrends bzw. die Etablierung des jetzigen Preisniveaus spricht vor allem, dass die Einführung der Marktstabilitätsreserve nun in greifbare Nähe rückt. Im Mai hatte die EU-Kommission die Anzahl aller im Umlauf befindlichen Zertifikate per Ende 2017 auf 1‘655 Milliarden beziffert. Gemäss den Regelungen für die Marktstabilitätsreserve werden also in diese in den ersten neun Monaten des nächsten Jahres knapp 265 Millionen Zertifikate überführt. Ebenfalls abzusehen ist, dass die EU-Kommission auch im Mai 2019 feststellen wird, dass noch immer deutlich mehr Zertifikate im Umlauf sind als für die Liquidität notwendig erachtet werden. Folglich werden auch ab Oktober 2019 die Auktionsvolumina deutlich reduziert sein. Den Schätzungen der Analysten zufolge dürfte es drei bis vier Jahre dauern, bis dem Markt der Überschuss entzogen ist und die Zahl der im Umlauf befindlichen Zertifikate auf die angesteuerten 833 Millionen Zertifikate zurückgefallen ist. Es könnte also bis 2023 dauern, bis die Versteigerungsvolumen nicht mehr gekürzt werden. Das ist vor allem für diejenigen eine Herausforderung, die sich am Markt mit Zertifikaten eindecken müssen, also primär die Versorger. Immer wieder hört man allerdings aus eben diesen Kreisen, dass sie ihren Bedarf an Zertifikaten bereits auf längere Sicht gedeckt haben. Dass sie derzeit am Markt verstärkt als Käufer auftreten, ist deshalb keineswegs sicher. Dass die Preise so stark und schnell gestiegen sind, dürfte einem hohen spekulativen Engagement anzulasten sein. Laut Deutscher Emissionshandelsstelle lagen die Handelsvolumina an ICE, EEX und die OTC-Volumen der London Energy Brokers‘ Association von Januar bis August knapp 48 Prozent höher als im Vorjahr. Das hohe Handelsvolumen ist aber nicht allein ein Grund für Skepsis. Besorgniserregend ist vor allem die grosse Anzahl der Kaufoptionen, die derzeit am Markt nicht geschlossen sind. Mitte Oktober waren an der Londoner ICE gut 100 Millionen Kaufoptionen mit Fälligkeit Dezember 2018 offen. Von diesen Kaufoptionen ist bei einem CO2-Preis von über 19 Euro je Tonne rund die Hälfte im Geld. Das wiederum könnte Ende des Jahres zu einer starken Verkaufswelle beim Future führen. Die Analysten gehen deshalb davon aus, dass die Preise zum Jahresende weiter korrigieren werden. Ein Rücksetzer auf 14 bis 15 Euro je Tonne ist nicht auszuschliessen. Das neue Handelsjahr könnte dann bei niedrigeren Preisen beginnen.

Energy Flash 24.10.2018

Nach dem Willen der schweize­rischen Regierung soll der Strom­markt bald vollständig liberalisiert werden. Zwar wurde diese Mark­töffnung bereits vom Parlament beschlossen, aber bisher noch nicht umgesetzt. Nun wurde die entsprechende Novelle des Strom­versorgungsgesetzes (StromVG) eingeleitet. Nach Angaben des Bundesrats werden heute fünf Sechstel des schweizerischen Stromvolumens auf dem freien Markt beschafft. Doch über 99 Prozent der Endverbraucher, kleine Konsumen­ten und Betriebe, sind immer noch in der Grundversorgung gefangen und können ihren Stromlieferanten nicht frei wählen. Das soll sich ändern, Haushalte und Gewerbekunden sol­len künftig in den freien Markt wech­seln können. Ein offener Strommarkt sei letztlich auch Voraussetzung für die Entwick­lung innovativer Produkte, Dienst­leistungen und die Digitalisierung der Energiewirtschaft, begründet der Bundesrat seine Pläne.

Die Revision des Atomkraftwerks Leibstadt in der Schweiz dauert län­ger als geplant. Während eines im Rahmen der Revision durchgeführ­ten Tests an einem Notkühlsystem sei eine kleine Rissanzeige an einer Ent­leerungsarmatur festgestellt worden. Die betroffene Schweissnaht sei instandgesetzt wor­den und alle anderen Schweissnäh­te seien ebenfalls einer umfassenden Inspektion unterzogen worden. Die Revision des AKW Leibstadt soll nun voraussichtlich bis Anfang November dauern. Ursprünglich sollte das Kraft­werk am 13. Oktober wieder ans Netz gehen. Zur Vermeidung künftiger Befunde an diesem System sei ausserdem ein Massnahmenkonzept entwickelt wor­den. Die Wirksamkeit dieser Massnah­men werde in umfangreichen Sicher­heitsanalysen nachgewiesen und anschliessend einem Testprogramm unterzogen. Die Ergeb­nisse der Analysen sowie die Testergebnisse werden beim Eidgenössi­schen Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) zur Prüfung und Freigabe ein­gereicht.

Saudi-Arabien hat am Wochenende bestätigt, dass der systemkritische Journalist Jamal Khashoggi Anfang Oktober im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul ums Leben gekommen ist. Die saudische Version des Tathergangs wirft aber mehr Fragen auf als sie Antworten gibt. Der internationale Druck auf die saudische Führung bleibt daher bestehen, ebenso die Möglichkeit von Sanktionen. Laut Energieminister Khalid al-Falih hat Saudi-Arabien keine Absicht, darauf mit einer Drosselung des Ölangebots zu reagieren. Ähnlich äusserte sich auch IEA-Chef Fatih Birol. Der Markt scheint dem ebenfalls keine grosse Wahrscheinlichkeit beizumessen, wie die verhaltene Preisreaktion zeigt. Angebotsrisiken drohten momentan eher von anderer Seite: So fällt die Ölproduktion in Venezuela weiter und in zwei Wochen treten die US-Sanktionen gegen den Iran in Kraft. US-Finanzminister Steven Mnuchin hat am Wochenende betont, dass es für die Abnehmer von iranischem Öl schwerer werden dürfte, Ausnahmen von den Sanktionen zu bekommen als unter der Obama-Administration. Damals mussten die Ölkäufe vom Iran um 20 Prozent reduziert werden. Eine stärkere Einschränkung dürfte mittlerweile aber bereits grösstenteils eingepreist sein. Der Rückgang der Ölpreise Mitte Oktober war zufolge massgeblich auf den Rückzug der spekulativen Finanzanleger zurückzuführen. Bei beiden Ölsorten gab es in der vergangenen Berichtswoche einen kräftigen Abbau der Netto-Long-Positionen, bei WTI fielen sie sogar auf den tiefsten Stand seit einem Jahr.

Energy Flash 17.10.2018

Die Schweiz will voraussichtlich zum 1. Januar 2020 dem europäischen Emissionshandelssystem (ETS) beitreten. Die zuständige Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Nationalrates hat laut eigenen Angaben dafür gestimmt, den Schweizer Markt für CO2-Emissionen mit dem der EU zu verknüpfen. Damit sollen die CO2-Emissionsrechte von Schweizer Unternehmen denen aus dem EU-Raum gleichgestellt werden. Das entsprechende Abkommen hatten die EU und die Schweiz bereits Ende 2017 unterzeichnet, nun müssen es beide Parlamentskammern in der Schweiz noch ratifizieren. Die Schweizer Wirtschaft befürwortet die Verknüpfung: „Damit lassen sich Wettbewerbsverzerrungen gegenüber der EU abbauen“, sagte Beat Ruff vom Wirtschaftsdachverband Economiesuisse.

Trotz des dramatischen Appells des Weltklimarates zum Kampf gegen die Erderwärmung hält Deutschland am Bau der umstrittenen Gasröhre Nord Stream 2 fest. Die Wissenschaftler hatten die internationale Staatengemeinschaft zuvor zum dringenden Ausstieg aus der Verbrennung von Öl, Kohle und Gas gedrängt. Die Bundesregierung bewertet die Pipeline dennoch weiterhin als sinnvoll, wie eine Regierungssprecherin in Berlin erklärte. „Die Bundeskanzlerin hat mehrfach darauf hingewiesen, dass wir in Deutschland eine diversifizierte Energieversorgung haben und dass wir diese zunächst einmal betreiben und vorantreiben müssen“. Der Erdgasverbrauch Deutschlands werde in den nächsten Jahren voraussichtlich steigen. Gas gilt als Übergangstechnologie auf dem Weg zu einer Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen. Die Verfeuerung von Gas zur Erzeugung von Energie setzt deutlich weniger Kohlendioxid frei als das Verheizen von Öl oder Kohle. „Schnelle und weitreichende“ Veränderungen seien nötig bei der Energieerzeugung, der Landwirtschaft, dem Städtebau, im Verkehrs- und dem Bausektor sowie der Industrie, verlangen die Forscher in ihrem Sonderbericht. Im Pariser Klimaabkommen haben sich die Industriestaaten verpflichtet, ab der Mitte des Jahrhunderts weitgehend auf die Verbrennung fossiler Rohstoffe zu verzichten. Der Streit um Nord Stream 2 entzündet sich aber bisher nicht an Umweltfragen. US-Präsident Donald Trump ist die Röhre zwischen Russland und Deutschland ein Dorn im Auge, weil er mehr amerikanisches Flüssiggas (LNG) in Europa verkaufen will. Die Osteuropäer fürchten deutsch-russische Dominanz. In hohen Berliner Regierungskreise wird damit gerechnet, dass Washington noch im Herbst Sanktionen gegen die Pipeline verhängen wird. An deren Finanzierung sind auch die deutschen Konzerne Wintershall und Uniper mit jeweils bis zu 950 Millionen Euro beteiligt. Die Leitung soll insgesamt rund 10 Milliarden Euro kosten, wovon knapp die Hälfte bereits investiert ist. Die Verlegung der Rohre hat bereits begonnen. Russland will das Vorhaben zur Not allein bezahlen, sollte Trump die westlichen Financiers über Strafmassnahmen aus dem Spiel nehmen.

Angesichts drohender Energie-Knappheit in Belgien hat Deutschland dem Land nach Angaben von Premierminister Charles Michel eine Zusammenarbeit bei Stromimporten zugesichert. Dies sagte Michel letzte Woche in Brüssel, nachdem er mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) telefoniert hatte. „Das Risiko für unsere Versorgungssicherheit diesen Winter wird von Tag zu Tag geringer“, sagte Michel der belgischen Nachrichtenagentur Belga zufolge. Weil im November zeitweise nur einer von sieben belgischen Atommeilern in Betrieb sein soll, wird befürchtet, die Energie könnte bei fallenden Temperaturen knapp werden.

Energy Flash 10.10.2018

Belgien könnte im kommenden Win­ter etwa 1‘000 Megawatt Strom aus Frankreich importieren, um einen Ver­sorgungsengpass zu verhindern. Das sagte der CEO von Elia, Chris Pee­ters, dem belgischen Parlament bei einer Anhörung. Der französische Übertragungsnetz­betreiber RTE habe bestätigt, dass diese Strommenge auf jeden Fall zur Verfügung stehe, selbst in einem sehr kalten Winter. Der zusätzliche Strombedarf Bel­giens, mit dem die Versorgungs­sicherheit im Winter gewähr­leistet werden kann, beläuft sich laut Peeters im Winter nun laut belgischen Medien nicht mehr auf 1‘600 bis 1‘700 Megawatt, sondern auf 700 bis 900 Megawatt. Grund dafür sei unter anderem die Vorver­legung der Revision des Reaktors Tihange 1. Das nun erwartete Stromangebot ent­spreche zwar noch nicht den rechtli­chen Vorgaben, minimiere aber das Risi­ko einer wirklichen Stromknappheit. Das gilt aber vor allem für November und Dezem­ber. Für Januar und Februar seien noch weitere Massnahmen notwen­dig, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, da in diesen Monaten weniger Stromimporte möglich seien.

Frankreich will die Abschaltung des Atomkraftwerks Fessenheim nun doch nicht mehr an die Inbetriebnahme des neuen Reaktors in Flamanville knüpfen. „Heute müssen wir in Erwägung zie­hen, diese beiden Operationen nicht zum gleichen Zeitpunkt zu unterneh­men“, sagte der französische Umwelt­minister François de Rugy. Denn weder der Elektrokonzern EDF noch Frankreichs Atomaufsichtsbe­hörde seien in der Lage, ein Datum für die Inbetriebnahme von Flamanville zu nennen. Fessenheim soll aber in jedem Fall bis spätestens 2022 vom Netz gehen, wie de Rugy betonte, egal wie weit Flamanville dann ist. Einen genau­eren Plan gibt es laut dem Minister bis­her nicht. „Das Kraftwerk wird in dieser Amtszeit (von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron) geschlossen, bis 2022“, sagte er.

Die Rohöllagerbestände in den USA haben sich in der Woche zum 28. September 2018 bei konstan­ter Förderung weitaus deutlicher als erwartet erhöht. Sie stiegen nach Angaben der staatlichen Energy Information Administration (EIA) um 7‘975 Millionen Barrel gegenüber der Vorwoche. Analysten hatten einen Anstieg um nur 1.3 Millionen Barrel vorhergesagt. In der Vorwoche hatten sich die Lagerbestände um 1‘852 Mil­lionen Barrel erhöht. Die Ölproduktion in den USA hatte in der Woche exakt auf dem Vorwo­chenniveau von 11‘100 Millionen Bar­rel pro Tag gelegen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum errechnete sich ein Zuwachs von 1‘539 Millionen Barrel.

Trotz anhaltender Kritik treibt die Gazprom-Tochter Nord Stream 2 den Bau der umstrittenen Ostseepipeline voran. In den deutschen und finnischen Gewässern seien inzwischen 100 Kilometer Rohre für die Erdgaspipeline verlegt worden. Das 9.5 Milliarden Euro teure Projekt bewege sich damit im Zeitplan. Die 1‘200 Kilometer lange Pipeline soll Ende des kommenden Jahres in Betrieb genommen werden. Die Verlegung ist inzwischen in allen betroffenen Ländern genehmigt - bis auf Dänemark. Im deutschen Anlandebereich sind am Montag die ersten von acht grossen Ventilen installiert worden. Die 112 Tonnen schweren Sicherheitsventile dienen dazu, den Gasfluss für eine planmässige Wartung oder im Falle einer Notabschaltung zu unterbrechen.

Energy Flash 03.10.2018

Belgien muss sich möglicherweise im kommenden Winter auf Stromsperren einstellen. Laut Angaben des belgischen Übertragungsnetzbetreibers Elia kann eine solche Massnahme nicht ausgeschlossen werden, selbst wenn alle verfügbaren belgischen und internationalen Kapazitäten zur Verfügung gestellt werden. Der November sei der kritischste Monat. Derzeit sei nicht klar, wie die Nachfrage vollständig gedeckt werden könne. Elia benötigt 1‘600 bis 1‘700 Megawatt an zusätzlichen Kapazitäten, um die Versorgungssicherheit zu jedem Zeitpunkt ohne Stromsperren zu gewährleisten. Ursache der Stromknappheit ist die „unerwartete und langanhaltende Nichtverfügbarkeit“ der belgischen Kernkraftwerksblöcke Doel 1, Doel 2, Tihange 2 und Tihange 3. Damit fällt bis Mitte Dezember eine Kapazität von 3‘000 MW aus, was 25 Prozent der in Belgien verfügbaren Produktionskapazitäten entspricht. Deutschland, Frankreich und die Niederlande haben unterdessen Belgien Unterstützung bei der Bewältigung der drohenden Stromknappheit zugesichert. Die zuständigen Ministerien in Berlin und Den Haag hätten ihre „volle Kapazität“ zugesagt. Die Regierung in Paris sei grundsätzlich auch bereit, müsse aber noch den eigenen Bedarf prüfen.

Der französische Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire hat sich gegen einen schnellen Ausstieg Frankreichs aus der Atomenergie ausgesprochen. Er wünsche sich einen wettbewerbsfähigen Atomkraftsektor, der Arbeitsplätze schafft und die Strompreise niedrig hält. Es sei zwar nicht auszuschliessen, dass neben Fessenheim weitere Kraftwerke geschlossen werden. Gleichzeitig sei aber auch denkbar, dass weitere Reaktoren gebaut werden, wenn der neue Reaktor in Flamanville erst einmal am Netz ist. In den kommenden Tagen will sich Le Maire mit dem französischen Premierminister Édouard Philippe treffen, um die mehrjährige Energieplanung Frankreichs zu besprechen.

Der Preis für ein Barrel der Sorte Brent könnte laut Analysten in den nächsten Wochen bis an die Marke von 90 US-Dollar steigen. Hintergrund sind mögliche Förderkürzungen des Iran aufgrund der US-Sanktionen, die sich auf bis zu 1 Million Barrel pro Tag summieren könnten. Weiterhin wird auf die Produktionsrückgänge in Libyen und Venezuela verwiesen. Letzte Woche hatten sich zudem die OPEC-Minister und Russland gegen eine Erhöhung der Fördermenge entschieden und damit dem US-Wunsch nach einer höheren Ölförderung eine Absage erteilt. Allerdings dürfte ein Anstieg des Brent-Preises auf 90 US-Dollar die Nachfrage aus den Schwellenländern stärker belasten.

Russland will die Produktion von Flüssigerdgas (LNG) bis 2035 auf 83 Millionen Tonnen pro Jahr vervierfachen. Aktuell werden in Russland jährlich etwa 21 Millionen Tonnen LNG produziert. Der Anstieg der LNG-Produktion fusst auf zusätzlichen Projekten, wie dem Start der dritten Produktionslinie im Projekt Sachalin 2 sowie der dritten und vierten Linie von Jamal LNG. Nach Schätzungen des Energieministeriums könnte der Anteil von russischem LNG am Weltmarkt bis 2035 von derzeit 4.5 Prozent auf 15 bis 20 Prozent steigen. Die weltweite Nachfrage nach LNG dürfte bis 2035 auf 550 Millionen Tonnen wachsen. Das Angebot wird jedoch etwa bei 350 Millionen Tonnen liegen.

Energy Flash 26.09.2018

Die französische Regierung will den Mechanismus, mit dem unabhängige Stromversorger Atomstrom vom staatlichen Versorger EDF kaufen können, reformieren. Die kleineren Wettbewerber fürchten aber, dass der Reformvorschlag zu mehr Kosten und weniger Wettbewerb führt. Der bisherige Mechanismus (Accès régulé au nucléaire historique, Arenh) ermöglicht den Versorgern seit 2011, bestimmte Strommengen von EDF zu einem festgelegten Preis von 42 Euro je Megawattstunde zu kaufen. Damit sollte mehr Wettbewerb am französischen Strommarkt entstehen. Bis zu 100 Terawattstunden im Jahr bietet EDF im Rahmen von Arenh an. Das Unternehmen weisst aber regelmässig darauf hin, dass dieser Mechanismus einen negativen Einfluss auf die Konzernbilanz hat. Ausserdem gebe ein zu niedriger Festpreis den kleinen unabhängigen Versorgern die Möglichkeit der Arbitrage, wenn diese den Strom zu Marktpreisen weiterverkaufen. Genau dies will die Reform verhindern, und die Regeln für den Ankauf verschärfen. So sollen die Wettbewerber von EDF den Strom nur zu bestimmten Zeitpunkten kaufen, und nicht abhängig vom Marktpreis kurzfristig Mengen hinzukaufen können. „Die vorgeschlagene Reform ist eine Gefahr für den Wettbewerb am französischen Strommarkt“, heisst es in einem Statement, das unter anderem von dem Verband Anode unterzeichnet wurde, in dem die Konkurrenten von EDF sich zusammengeschlossen haben. Zudem komme die Verschärfung zu einem Zeitpunkt, wo die im Rahmen von Arenh angebotene Menge von 100 TWh ohnehin nicht ausreiche, um die Verbraucher zu versorgen, die sich gegen EDF und für einen Konkurrenten entschieden hätten. Die Unterzeichner fordern die Regierung daher auf, diese Menge zu erhöhen, die geplante Reform des Arenh-Mechanismus auszusetzen und stattdessen mit allen Beteiligten über eine solche Reform zu beraten.

Die belgischen Reaktoren Tihange 2 und 3 mit je rund 1‘000 Megawatt Kapazität bleiben deutlich länger vom Netz als bisher geplant. Wie der französische Betreiber Engie mitteilte, soll Tihange 2 am 31. Mai 2019 statt wie bislang angenommen Ende Oktober wieder in Betrieb genommen werden. Tihange 3 bleibt demnach bis zum 01. März 2019 abgeschaltet, statt bis Ende September. Deshalb könnte in Belgien der Strom im kommenden November knapp werden. Zwischen dem 20. Oktober und dem 29. November wird nur einer der sieben belgischen Atomreaktoren am Netz sein. Ob die Lücke durch Importe geschlossen werden kann, ist ungewiss. Viel hängt von der Verfügbarkeit der französischen Kernkraftwerke ab.

China hat im Zuge der Handelsstreitigkeiten mit den USA Zölle in Höhe von 10 Prozent auf US-LNG verhängt. Die Massnahme könnte geplante US-LNG-Projekte verzögern oder verhindern. China ist der weltweit zweitgrösste Nachfrager nach LNG, da das Land von der emissionsträchtigen Kohle als Energieträger loskommen will. Nach Verhängung der Zölle sind US-Lieferadressen keine Low-Cost-Option mehr für chinesische Käufer. Die chinesischen Zölle beeinträchtigen auch die Chancen für US-Adressen, mit langfristigen Lieferverträgen zum Abschluss zu kommen und erschweren damit die Finanzierung teurer Gas-Verflüssigungsanlagen.

Das Kohle-Frontjahr API2 kratzt derzeit an der Marke von 100 US-Dollar pro Tonne. Analysten führen den Preisanstieg auf das knappe Angebot von qualitativ hochwertiger Kohle mit hohem Brennwert zurück. Auf der anderen Seite schwenkt China als Nachfrager aus Umweltschutzgründen auf die hochwertigere Kohle um. Die Nachfrage aus der EU, Japan und Korea sind gleichfalls hoch. Wird die Marke von 100 US-Dollar für das API2-Frontjahr nachhaltig durchbrochen, ist der Weg frei bis auf 120 US-Dollar.

Energy Flash 19.09.2018

Das Kernkraftwerk Mühleberg mit 373 Megawatt installierter Nettoleistung hat seinen letzten Betriebszyklus begonnen, nachdem das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI dem Wiederanfahren zugestimmt hat. Mühleberg hatte für die Revisionsarbeiten während knapp vier Wochen die Stromproduktion unterbrochen. 46 der 240 Brennelemente wurden ausgetauscht, damit der Kern mit ausreichend Brennstoff für den letzten, 15-monatigen Zyklus versorgt ist. Am 20. Dezember 2019 wird der Leistungsbetrieb des Kernkraftwerks Mühleberg endgültig eingestellt.

Die europäische Windkraft wird in den kommenden fünf Jahren weiter stetig wachsen. Davon geht der Verband WindEurope aus, der zugleich auch vor politischen Unsicherheiten und mangelndem Ehrgeiz in einigen Ländern warnt. So soll die Windenergiekapazität in Europa bis 2022 im Schnitt jährlich um 17 Gigawatt auf 258 Gigawatt steigen. Dabei liegt die Onshore-Windenergie mit einem Neubau von 70.5 GW vor der Offshore-Windkraft mit insgesamt 16.5 GW. Deutschland bleibt weiterhin der stärkste Markt gefolgt von Spanien und Grossbritannien. Gleichzeitig gehen aber in den nächsten fünf Jahren auch zahlreiche europäische Windkraftanlagen der ersten Generation vom Netz und werden abgebaut.

Nach dem steilen Anstieg und dem ebenso deutlichen Rückgang der Notierungen am Zertifikatemarkt dürfte sich der Preis innerhalb der nächsten Tage um die 20 Euro je Tonne stabilisieren. Bis zum Donnerstag, dem Stichtag für das Auslaufen von Optionen auf die Zertifikate, ist aber noch mit hoher Volatilität zu rechnen. Der Optionsmarkt ist auch einer der Gründe für den vorausgegangenen starken Anstieg der Preise gewesen. Deshalb will Polen die EU dazu auffordern, die schnelle Verteuerung des CO2-Preises zu untersuchen. Der Anstieg in den vergangenen Wochen hat die Produktionskosten für Kraftwerksbetreiber deutlich in die Höhe getrieben. Der polnische Energieminister Krzysztof Tchorzewski will die EU-Kommission auffordern, die genauen Ursachen des Anstiegs zu prüfen. Die EU-Richtlinie zum Emissionshandel sieht in ihrem Artikel 29a eine Überprüfung des Preismechanismus vor, wenn „der Preis der Zertifikate mehr als sechs aufeinander folgende Monate lang mehr als das Dreifache des Durchschnittspreises der Zertifikate in den beiden vorhergehenden Jahren auf dem europäischen CO2-Markt beträgt.“ Falls sich dabei herausstellt, dass die „Preisentwicklung nicht auf veränderte Marktgegebenheiten zurückzuführen ist“, können die Mitgliedsstaaten dazu berechtigt werden, Versteigerungen vorzuverlegen oder „bis zu 25 Prozent der in der Reserve für neue Marktteilnehmer befindlichen Zertifikate zu versteigern.“ Aber es ist unwahrscheinlich, dass Polen allein mit Hilfe des Artikels 29a bewirkt, dass zusätzliche Zertifikate in den Markt gegeben werden und der Preis dadurch gedrückt wird.

Die Auslastung der Gasspeicher in Deutschland lag nach den vorläufigen Daten von Gas Infrastructure Europe (GIE) letzte Woche bei 74.6 Prozent. Nach den Prognosen für die Entwicklung der Kapazitätsauslastung soll der Höhepunkt im vierten Quartal bereits Mitte Oktober, also einen halben Monat früher als 2017 erreicht werden. Dann sollten die Gasspeicher zu 78.1 Prozent gefüllt sein, im Vergleich zu 89.1 Prozent zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres zum Maximum des vierten Quartals 2017 von 92.4 Prozent. Der prognostizierte Wert wäre gleichzeitig auch der niedrigste Wert für den Gipfel eines Jahres seit 2011, dem Beginn der GIE-Statistik. Allerdings prognostiziert das Modell auch nur einen Rückgang der Kapazitätsauslastung auf 29 Prozent per Ende März 2019. Zum Ende der Wintersaison 2017/18 lag der Auslastungsgrad bei 14.4 Prozent. Auf den ersten Blick hat es also den Anschein, dass die geringe Speicherauslastung im Vergleich zu den Vorjahren kein Problem darstellt, wenn die Ausspeicherungen auch im Mittel der vergangenen Jahre bleiben. Dabei sind allerdings auch recht warme Winter mit nur geringen Speicherentnahmen in die Berechnung eingegangen. Kommt es dann nicht zu einem warmen Winter, besteht das Risiko, dass die Gaspreise für Januar und Februar nicht nur weit über den ölindexierten Gaspreisen, sondern auch über den aktuellen Notierungen der Futures für die Lieferungen in den ersten Monaten von 2019 liegen könnten. Dies dürfte in den nächsten Wochen die Preise für das kurze Ende der Terminkurve auf hohem Niveau halten, auch um einen Anreiz für höhere Einspeicherungen in der verbleibenden Zeit zu liefern.

Energy Flash 12.09.2018

Der französische Premierminister Edouard Philippe hat eine Reduktion des Atomkraftanteils am französischen Elektrizitätsmix von 50 Prozent „im Horizont des Jahres 2035“ in Aussicht gestellt. Ursprünglich sollte dieses Ziel bereits 2025 erreicht werden. Doch schon der kürzlich zurückgetretene Umweltminister Nicolas Hulot hatte dieses Datum als unrealistisch aufgegeben. Hulot seinerseits strebte einen Termin nahe 2030 an. Ihre neue langfristige Energieplanung wird die französische Regierung Ende Oktober vorlegen.

Das Emirat Katar will in Deutschland den Aufbau eines Terminals für Flüssiggas (LNG) voranbringen. Der weltgrösste Exporteur des verflüssigten Rohstoffs greift damit in das Ringen ein, wie Deutschland und Europa in Zukunft ihre Gasversorgung sichern wollen. Die bereits im Bau befindliche Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, die Erdgas aus Russland nach Deutschland bringen soll, beeinträchtige das Ziel Katars nicht, Deutschland direkt mit LNG zu beliefern. Katar sei daran interessiert, seine Kundenstruktur zu diversifizieren. Und Deutschland dürfte ein Interesse daran haben, die Zahl seiner Bezugsquellen zu vergrössern. Damit könne Katar für Deutschland einen Beitrag zur Erhöhung der Versorgungssicherheit leisten. Osteuropa und die USA hingegen wollen die Pipeline Nord Stream 2 verhindern, die Deutschland mit Russland verbinden soll. Europa hat US-Präsident Donald Trump zugesagt, künftig mehr LNG importieren zu wollen, obwohl es an den Märkten teurer ist als das Gas aus Pipelines.

Belgien verzichtet für den Winter 2018/2019 auf die Bereitstellung von zusätzlichen Kapazitäten für die Stromgewinnung. Wie das belgische Energieministerium berichtet, erscheint eine solche Vorsorgemassnahme unnötig, da EDF das eingemottete Gaskraftwerk Seraing wieder in Betriebsbereitschaft versetzt hat. Dieses Kraftwerk soll ab dem 1. November wieder Strom liefern. Verwiesen wird zudem auf verbesserte Nutzungsmöglichkeiten der Interkonnektoren. Dank europäischer Absprachen sei es möglich, deren Übertragungskapazitäten jetzt besser auszunutzen. Im Vorjahr hatte das belgische Energieministerium noch angekündigt, für diesen Winter Reservekapazitäten im Umfang von 500 Megawatt zu kontrahieren.

Laut Aurora Energy Research in Berlin, sei kurzfristig der Preis für CO2-Zertifikate fundamental nicht gerechtfertigt. Der Überschuss an Zertifikaten sei aktuell genauso hoch wie im Januar als der Preis sehr viel niedriger lag. Wegen der 2019 einsetzenden Marktstabilitätsreserve werde es aber zu Verknappungen kommen. Im Hinblick darauf wird nun eingekauft. Das hat aber auch spekulative Interessen auf den Plan gerufen. Mehrere hundert Millionen Zertifikate sollen aktuell in den Händen von Finanzinvestoren sein. Diese spekulativen Investoren könnten aber unter Umständen den Markt auch weiter hochtreiben.

Energy Flash 05.09.2018

In Frankreich könnten ab 2025 sechs weitere Atomreaktoren vom Typ EPR (Europäischer Druckwasserreaktor) gebaut werden. Das geht aus einem Bericht hervor, den der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire und der ehemalige Umwelt- und Energieminister Nicolas Hulot in Auftrag gegeben hatten. Der Bericht schlägt den Bau von zunächst sechs Reaktoren im Abstand von zwei Jahren ab 2025 vor. Der erste wäre dann 2035 fertig gestellt. Frankreich bereitet derzeit seine „mehrjährige Energieplanung“ für die Zeiträume 2018-2023 und 2024-2028 vor. Im vergangenen Juni fand eine öffentliche Debatte zu diesem komplexen Thema statt. Die Bevölkerung konnte sich bei öffentlichen Versammlungen und im Internet äussern. Der Bericht zur mehrjährigen Energieplanung soll diesen September vorgelegt werden. Umwelt- und Energieminister Hulot hatte letzte Woche seinen Rücktritt erklärt, da er das Gefühl hatte, keine umweltpolitischen Fortschritte machen zu können. Die Demission könnte ein Fingerzeig sein, wonach eine Entscheidung über eine Lebenszeitverlängerung der französischen Kernkraftwerke auf dem Weg sei. Ausserdem sei es nun weniger wahrscheinlich, dass EDF in einen nuklearen und in einen nichtnuklearen Teil aufgespalten werde, wie dies Hulot vorgeschlagen hatte.

Der russische Präsident Wladimir Putin fordert die heimischen Energieunternehmen zu einem Ausbau der Exporte auf und spricht dabei insbesondere die Kohle-Industrie an. Laut Putin erlaube das aktuelle Geschäftsumfeld es Russland, seine Position auf dem globalen Kohle-Markt auszuweiten und seinen Marktanteil zu erhöhen. Russland ist der drittgrösste Kohle-Exporteur der Welt und will seine Exporte nach Asien bis 2025 verdoppeln. Die russische Kohleproduktion dürfte sich in diesem Jahr auf rund 420 Millionen Tonnen belaufen und damit einen Rekordwert aus der Sowjet-Ära übertreffen. Die Ausfuhren liegen aktuell bei rund 200 Millionen Tonnen und gingen in gleichem Umfang nach West und Ost.

Die iranischen Exporte von Rohöl und Destillaten sind im Vorfeld der US-Sanktionen gegen die Ölindustrie des Landes massiv zurückgegangen. Sie dürften im August mit 64 Millionen Barrel beziehungsweise 2.06 Millionen Barrel täglich auf den niedrigsten Stand seit Juli 2016 sinken. Der vom Markt erwartete sanktionsbedingte Exportrückgang um 1 Million Barrel pro Tag stellt somit ein zu optimistisches Szenario dar. Die USA wollen diesmal, anders als in den Sanktionsjahren 2012-2016 wohl keine Ausnahmegenehmigungen für Importe aus Iran erteilen. Die Verschiffung wird derweil immer mehr zur Achillesferse der Iraner, denn die aktuellen Entwicklungen sind teilweise auch der Zurückhaltung von Tanker-Konzernen geschuldet, iranisches Öl zu verschiffen. So umfassen die Trump-Sanktionen auch die Versicherung für Öltanker. Reedereien aus China, Indien, Griechenland oder Spanien, die noch bis zum Juli iranisches Öl transportierten, gaben zuletzt den Handel mit Iran auf. Viele der Reedereien sind bei europäischen Firmen versichert, die sich wegen des Irans nicht mit den USA schlecht stellen wollen.

Energy Flash 29.08.2018

Die saudiarabische Regierung hält am Börsengang des Ölgiganten Aramco fest und hat anderslautende Berichte zurückgewiesen. Die Regierung plane noch immer, Saudi Aramco an die Börse zu bringen und zwar zu einem „Zeitpunkt ihrer Wahl, wenn die Bedingungen dafür optimal sind“, erklärte Energieminister Chalid al-Falih. Der geplante Schritt gilt als weltgrösster Börsengang: Der Gang aufs Börsenparkett soll 100 Milliarden Dollar (rund 85 Milliarden Euro) in Riads Staatskasse spülen. Dafür will Saudi-Arabien fünf Prozent des Staatskonzerns verkaufen. Der geplante Börsengang ist Teil eines wirtschaftlichen Reformprogramms. Er war 2016 angekündigt und seitdem mehrmals verschoben worden. Dabei machten die Verantwortlichen immer wieder ungünstige Bedingungen auf den Finanzmärkten geltend. Nun war der Börsengang für dieses Jahr geplant, am Mittwochabend machten aber Medienberichte die Runde, wonach er von den Behörden abgeblasen worden sei und sich das zuständige Finanzberaterteam aufgelöst habe. Dem widersprach der Energieminister am Donnerstag. Ein Datum für den geplanten Börsengang wurde nicht genannt. Dies hänge von „mehreren Faktoren“ ab, vor allem von den Marktbedingungen. Saudi-Arabien hat wegen des Verfalls des Ölpreises ein Riesen-Defizit in den vergangenen drei Haushaltsjahren angehäuft. Mit dem Reformplan Vision 2030 will das Königreich seine Abhängigkeit von den Erdöleinnahmen reduzieren.

Der französische Rohstoffkonzern Total steigt aus einem 5 Milliarden US-Dollar schweren Projekt im Iran aus. Das Unternehmen gebe das Vorhaben im South-Pars-Erdgasfeld auf, da es vor Ablauf der von Teheran festgelegten Frist keine Befreiung von möglichen US-Sanktionen erhalten habe. Total hatte die Arbeiten an dem Projekt im Mai eingestellt, nachdem die US-Regierung angekündigt hatte, Unternehmen, die im iranischen Ölsektor investierten, ab November mit Sanktionen zu belegen. Iran räumte Total seinerzeit eine Frist von 60 Tagen für eine endgültige Entscheidung ein.

Der Atomreaktor Nogent 1 (1310 MW) bleibt länger abgeschaltet als bisher angenommen. Der Kraftwerksbetreiber EDF will den Grund für eine Blockade eines Steuerbündels herausfinden, die am 16. August zur Abschaltung des Reaktors geführt hatte. Um die Ursache für diese Blockade zu finden, müsse nun der Reaktorbehälter geöffnet werden, teilte EDF mit. Erst dann könne man entscheiden, welche Arbeiten an dem Reaktor vorgenommen werden müssen. Das Unternehmen geht derzeit davon aus, dass Nogent 1 am 16. September wieder ans Netz gehen kann. Der Fehler habe keine Auswirkungen auf die Sicherheit des Kraftwerks oder der Mitarbeiter gehabt.

Sogenannte kritische Infrastrukturen wie etwa Kraftwerke oder Stromleitungen sollen in Deutschland künftig dank einer zentralen Anlaufstelle besser geschützt werden können. Letzte Woche nahm der Bundesverband für den Schutz Kritischer Infrastrukturen (BSKI) seine Arbeit auf. Er will nach eigenen Angaben dabei helfen, Sicherheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und die richtigen Gegenmassnahmen zu ergreifen. Dabei soll es nicht nur um Bedrohungen durch Hackerangriffe gehen, sondern auch um andere Gefahren, wie sie derzeit etwa von der langanhaltenden Dürre ausgehen. Es gelte, „alle Einfallstore“ und Risikofaktoren für kritische Infrastrukturen zu berücksichtigen, erklärte der BSKI-Vorsitzende Holger Berens. Es werde immer deutlicher, dass es „nicht nur um Gefahren aus dem Internet geht“. Vielmehr gebe es ein „ganzes Netz aus Gefahrenquellen“, das beleuchtet werden müsse. Ein besonderer Fokus liegt zudem auf dem deutschen Stromnetz – der nach BSKI-Angaben „kritischsten aller kritischen Infrastrukturen“. Durch die Energiewende werde das Versorgungssystem „fundamental“ verändert - mit Folgen für dessen Widerstandsfähigkeit gegenüber einem Ausfall. Sogenannte kritische Infrastrukturen sind von entscheidender Bedeutung dafür, dass die Versorgung der Bevölkerung etwa mit Strom oder auch Gesundheitsdienstleistungen funktioniert. Ein Ausfall oder eine Störung dieser Infrastrukturen könnte massive Folgen nach sich ziehen. Der BSKI will nun in einem ersten Schritt mehr Transparenz über die Gefährdung dieser Infrastrukturen schaffen.

Energy Flash 22.08.2018

Die ab dem 14. November geplanten Auktionen von Emissionsrechten für Deutschland werden im laufenden Jahr nicht mehr stattfinden. Das teilte die European Energy Exchange (EEX) mit. Der aktuelle Vertrag Deutschlands mit der EEX läuft am 14. November aus, die letzte Auktion ist für den 9. November vorgesehen. Im März wurde die EEX vom Umweltbundesamt als Auktionsplattform für Emissionsberechtigungen für weitere drei Jahre ernannt, mit der Option der erneuten Verlängerung um zwei Jahre. Die Ernennung wurde von der Bundesrepublik Deutschland im April an die EU-Kommission notifiziert. Doch vor dem Beginn der Auktionen unter dem neuen Mandat muss die EEX als Auktionsplattform für Deutschland in den Anhang der EU-Auktionsverordnung aufgenommen werden. Die Vorbereitungen dazu sind derzeit im Gange. Die ursprünglich für 2018 nach dem 14. November zur Versteigerung anstehenden 21‘807‘000 Emissionsberechtigungen werden auf das 2019 zu versteigernde Volumen verteilt. Die EU-Kommission geht davon aus, dass die deutschen Auktionen im Laufe des ersten Quartals 2019 wieder aufgenommen werden. Infolge des verminderten Angebots könnte man nun von einem Defizit am Zertifikatemarkt für 2018 ausgehen. Dadurch könnten die Zertifikate- und Strompreise weiteren Auftrieb erhalten.

Nord Stream 2 hat von den russischen Behörden alle notwendigen Genehmigungen für den Bau der Pipeline erhalten. Die russische Umweltaufsichtsbehörde habe einen Abschnitt von 114 Kilometern in den russischen Hoheitsgewässern genehmigt. Die praktische Umsetzung der neu erteilten Genehmigung soll bald beginnen. Zuvor hatte das russische Bauministerium bereits die Genehmigung für den Landabschnitt der Pipeline erteilt. Neben Russland haben auch Deutschland, Finnland und Schweden alle erforderlichen Genehmigungen für den Bau erteilt. Das Genehmigungsverfahren in Dänemark läuft dagegen noch.

Das Kernkraftwerk Mühleberg ist in der Nacht auf Sonntag, 19. August 2018, für seine letzte Jahresrevision vom Netz genommen worden. In den nächsten vier Wochen führen interne und externe Fachkräfte Prüfungen und Instandhaltungsarbeiten durch. Teil der umfangreichen Tätigkeiten ist die Untersuchung des Kernmantels. Daneben werden Komponenten, Armaturen und Systeme im elektrischen und mechanischen Bereich auf ihre Funktionstüchtigkeit geprüft. Weiter werden programmgemäss präventive Instandhaltungsarbeiten ausgeführt. Der letzte Betriebszyklus bis Ende 2019 dauert rund 15 Monate. Dafür werden 46 der 240 Brennelemente ersetzt.

Der neue US-Sonderbeauftragte für den Iran hat erklärt, dass die US-Regierung bereit ist, Sanktionen gegen alle Länder zu verhängen, die nach dem November Öl aus dem Iran kaufen, einschliesslich China, dem führenden Importeur von iranischem Rohöl. Brian Hook, der als Sonderbeauftragter und Leiter einer neuen Iran Action Group im Aussenministerium ernannt wurde, sagte auch, die USA würden auf Sanktionen gegen Länder verzichten, die Anstrengungen unternommen haben, ihre iranischen Ölkäufe zu reduzieren. Indien und Südkorea gehören zu den wichtigsten Ölkunden des Iran. Beide Länder haben bereits damit begonnen, die Importe zurückzufahren und hoffen auf den Verzicht von Sanktionen, um mehr Zeit für den Ersatz des iranischen Rohöls zu gewinnen. China hat allerdings wiederholt erklärt, dass es keine Pläne habe, sich an das US-Ölembargo gegen den Iran zu halten, das ab dem 4. November in Kraft tritt. Einige Ölanalysten erwarten sogar, dass China die iranischen Importe erhöhen und damit die Bemühungen der USA, den Iran zu isolieren, untergraben wird. In einer Antwort auf eine Frage zu Chinas Plan, weiterhin iranisches Öl zu importieren, weigerte sich Hook, sekundäre Sanktionen gegen Peking als Strafe auszuschliessen. „Die USA hoffen zweifellos auf die vollständige Einhaltung durch alle Nationen“, sagte Hook auf die Frage nach dem Plan der Iran Action Group für den Umgang mit China. China, das mehr als ein Viertel des iranischen Öls kauft, hat wiederholt erklärt, dass der Handel mit dem Iran in einer Reihe von Wirtschafts- und Energiesektoren rechtmässig sei und dass es nicht plane, die Importe zu reduzieren. „Wir sind bereit, sekundäre Sanktionen gegen andere Regierungen zu verhängen, die diese Art von Handel mit dem Iran fortsetzen“, sagte Hook.

Energy Flash 15.08.2018

Energieexperten sind bei der Entwicklung der Strom- und Erdgaspreise für die nächsten sechs Monate geteilter Meinung. 45 Prozent erwarten, dass die Preise steigen, während etwas mehr als die Hälfte von sinkenden Preisen ausgeht, wie aus dem ZEW-Energiemarktbarometer hervorgeht. Bei den Preisen für Kohle geht ein Grossteil der Experten (70 Prozent) von stabilen Preisen in den nächsten sechs Monaten aus. Bei den weltweiten Rohölpreisen erwarten dies nur 30 Prozent. Zwei Drittel rechnen dagegen bei Rohöl kurzfristig eher mit Preissteigerungen. Auf Sicht von fünf Jahren herrscht dagegen grössere Einigkeit: die Mehrheit der befragten Experten rechnet für diesen Zeitraum mit steigenden Preisen für Strom (80 Prozent), Erdgas (60 Prozent) und Rohöl (63 Prozent). Für das Energiemarktbarometer befragt das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim halbjährlich rund 200 Energiemarkt-Experten.

Die Türkei will trotz neuer US-Sanktionen gegen den Iran dort weiter Erdgas kaufen. Die Türkei ist stark abhängig von importierter Energie, und der Iran ist zusammen mit Russland ein Hauptversorger. Die Türkei habe einen Vertrag mit dem Iran bis 2026, und dieses Geschäft werde weitergehen, denn es sei klar, dass die Türkei ihre Bürger nicht frieren oder im Dunkeln sitzen lassen werde, sagte der türkische Energieminister Fatih Dönmez. Das Thema könnte die sowieso schon stark angespannten Beziehungen zwischen den USA und der Türkei weiter verschärfen. Es stehe aber bei Gesprächen einer türkischen Delegation in Washington auf der Agenda. Angeführt vom stellvertretenden Aussenminister Sedat Önal soll die Gruppe aus Ankara laut US-Aussenamt Vize-Aussenminister John Sullivan treffen. Die türkische Ablehnung von Sanktionen gegen den Iran ist nur ein Streitpunkt zwischen den Ländern. Bei den Gesprächen wird es auch um den jüngsten Anlass für schwere Verstimmungen zwischen Ankara und Washington gehen: die Festsetzung des US-Pastors Andrew Brunson in der Türkei wegen Terrorvorwürfen. Die USA hatten deswegen kürzlich zwei türkische Minister mit Sanktionen belegt. Ausserdem haben die Türkei und die USA unterschiedliche Ziele und Alliierte im Syrien-Krieg.

Der Pipelinebauer Nord Stream 2 hat Dänemark eine alternative Route für die umstrittene Ostseepipeline vorge­schlagen. Die Gasleitung könne auch nordwestlich der Insel Bornholm ver­legt werden, teilte das Unternehmen am Freitag in Zug in der Schweiz mit. Damit würde die Pipeline nur durch die dänische Wirtschaftszone lau­fen, nicht aber durch die Hoheitsge­wässer. Die dänische Energiebehörde erklärte, sie habe den Antrag für die neue Strecke bekommen und werde ihn nun prüfen. Dänemark hat die Trasse als einziges der nordischen Länder noch nicht genehmigt. Das Parlament schuf sogar eine neue Rechtsgrundlage, nach der auch aussen-, verteidigungs- und sicher­heitspolitische Gründe herangezo­gen werden können, um das Verlegen von Stromkabel und Rohren auf däni­schem Territorium zu verbieten. Zuvor konnten die Behörden nur Umwelt- und Sicherheitsfragen berücksichti­gen. An der deutschen Ostseeküste werden die ersten Rohre schon ver­legt. Parallel zum neuen Antrag hält Nord Stream 2 an dem bisherigen Streckenvorschlag fest. Der Antrag von April 2017 für die bevorzugte Trasse werde nicht zurückgezogen.

Der Iran will angesichts der Wie­dereinführung von Strafmassnahmen der USA seinen Ölabsatz nach Asien ankurbeln. Auf Rohölverkäufe an asi­atische Abnehmer würden künf­tig Preisnachlässe gewährt. Dass ein Ölpro­duzent Ermässigungen gewähre, sei nicht unüblich. Dies werde auf dem Weltmarkt von allen Ölexpor­teuren so gehandhabt. Bereits am Freitag hatte die Nach­richtenagentur Bloomberg berichtet, dass die staatliche iranische Ölge­sellschaft NIOC von September an den Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl für asiatische Kunden im Ver­gleich zu Rohöl aus Saudi-Arabien auf den tiefsten Stand seit 14 Jah­ren senken werde. Die USA hatten letzte Woche einseiti­ge Sanktionen gegen den Iran wie­der in Kraft gesetzt, die sich zunächst gegen Irans Zugang zu US-Bankno­ten, den Automobilsektor und den Export von Metallen, landwirtschaft­lichen Produkten und Teppichen rich­ten. In einem zweiten Schritt sollen am 5. November weitere US-Sankti­onen folgen - dann ist unter anderem der Ölsektor die Zielscheibe. Wichtige Abnehmer von iranischem Öl wie China und Indien haben ange­kündigt, ihre Importe nicht entschei­dend drosseln zu wollen. Trotzdem erwarten Experten, dass die ira­nischen Exporte von gegenwärtig rund 2.3 Millionen Barrel pro Tag um 700‘000 sinken könnten. Viel hängt dabei von der Europä­ischen Union ab. Brüssel hat ange­kündigt, sich den US-Sanktionen nicht beugen zu wollen, doch sind viele europäische Firmen verwund­barer gegenüber Druck aus Was­hington als asiatische Unternehmen. US-Präsident Donald Trump warnte, wer Geschäfte mit dem Iran mache, werde „keine Geschäfte mit den Ver­einigten Staaten machen“.

Energy Flash 08.08.2018

Wegen der anhaltenden Hitze haben einzelne Kernkraftwerke in Deutschland ihre Leistung heruntergefahren. Dadurch soll der Anstieg der Wassertemperatur in den angrenzenden Flüssen durch das eingeleitete Kühlwasser begrenzt werden. Einschränkungen bei den Kernkraftwerken gibt es auch in der Schweiz. Das KKW Mühleberg musste die Leistung um 10 Prozent drosseln. Dadurch wird die Menge des zurückgeleiteten Kühlwassers reduziert, das den Fluss Aare zusätzlich aufheizt. Das älteste noch in Betrieb befindliche Kraftwerk der Welt in Beznau steuert ebenfalls auf eine erste Drosselung in diesem Jahr zu. Auch in Frankreich mussten letzten Freitag, aufgrund der hohen Wassertemperaturen der Rhone, vier Kernreaktoren den Betrieb einstellen. Insgesamt haben die hohen Temperaturen und die sinkenden Wasserstände der Flüsse die Stromversorgung bislang aber nur wenig beeinträchtigt.

Die Energiebörse EEX wird möglicherweise den Stromhandel bald über zehn Jahre im Voraus ermöglichen. Bisher ist dies für maximal sechs Jahre möglich. Wie eine Börsensprecherin mitteilte, wird das Projekt derzeit von der Börse und ihren Kunden diskutiert. Eine Entscheidung ist bislang nicht gefallen. Auffällig ist, dass sich die Liquidität bei den späten Kontrakten zuletzt deutlich erhöht hat. Wie die Börse weiter mitteilte, sind diese entfernten Kontrakte besonders für das Hedging von Power Purchase Agreements (PPA) interessant. Das sind langfristige Stromabnahmeverträge, die sich zu einem Schlüsselinstrument für die Finanzierung von Erneuerbaren-Projekten entwickelt haben.

Der Ausstoss einer Tonne CO2 wird in der EU schon bald richtig teuer. Das lässt sich aus Preisprognosen von acht Analysten schliessen, die die Nachrichtenagentur Reuters nach ihrer Einschätzung für CO2 in den Jahren 2019, 2020 und erstmals auch 2021 befragt hat. Die Preisentwicklung seit Jahresbeginn – der Benchmark-Kontrakt hat sich auf rund 17.50 Euro verteuert – macht sich beim Blick in die Preiszukunft stark bemerkbar. Die Analysten sehen einen durchschnittlichen EUA-Preis für 2019 von 18.59 Euro je Tonne, im Folgejahr soll er bei 20.76 Euro liegen. Erstmals wagten die Analysten auch einen Blick auf 2021. Im Durchschnitt rechnen sie dann mit 21.88 Euro je Tonne. Das liegt 25 Prozent über dem aktuellen Handelspreis. Auf kurze Sicht hält man aber eine Korrektur für möglich, weil einige Marktteilnehmer versuchen dürften, Gewinne einzufahren.

Chinas Industrie wendet sich auf Druck der Regierung zunehmend von der Kohle ab und dem umweltfreundlicheren Schiefergas zu. Sie hofft damit die strengeren Vorgaben zum Thema Luftverschmutzung erfüllen zu können. Das Land verfügt mit nachgewiesenen 27 Billionen Kubikfuss über die grössten Vorkommen an Schiefergas und ist abgesehen von den USA und Kanada der weltweit grösste Produzent. Um die Lücke bei der Gasversorgung zu schliessen, hat das Finanzministerium im März 2018 die Steuer auf die Förderung um 30 Prozent gesenkt. Durch die staatliche Stimulierung dürften zwar die Investitionen in Schiefergas steigen und den Markt vergrössern. Die Produktion dürfte dennoch hinter den Vorgaben der Regierung zurückbleiben, denn die Exploration des Gases in China bleibt schwierig. Die Vorkommen sind geografisch relativ stark zersplittert und liegen zumeist im Gebirge. Die komplexen geologischen Strukturen sind eine Herausforderung, wenn es um die Kommerzialisierung von Schiefergas geht.

Energy Flash 31.07.2018

Die Europäer werden im grossen Umfang LNG aus den USA importieren. Das hat US-Präsident Donald Trump als ein Ergebnis des Besuchs von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker mitgeteilt. Juncker seinerseits versicherte, dass die Europäer neue Exportterminals für LNG errichten wollten. Wie die Nachrichtenagentur Reuters dazu mitteilte, liegen derzeit allerdings drei Viertel der bestehenden europäischen LNG-Importanlagen still, da der Bedarf an US-Flüssigerdgas limitiert ist. Das US-LNG geht derzeit in andere Märkte, nach Mittel- und Südamerika, nach Indien und in den Fernen Osten, wo höhere Gaspreise erzielt werden. Europa wird hingegen günstig mit Pipelinegas aus Russland und Norwegen versorgt. Die EU erhebt keine Zölle auf US-LNG. Als Mittel, die Einfuhr zu erhöhen, fällt eine Zollsenkung daher aus. Doch die sinkende innereuropäische Gasförderung aus der Nordsee, den Niederlanden, Deutschland und Norwegen eröffnet eine wachsende Lücke, die mit russischem Gas aber auch mit LNG aus den USA gefüllt werden kann. Die Gasproduktion der EU wird sich laut Angaben der Internationalen Energieagentur bis 2040 halbieren. Dann müssen bis zu 84 Prozent des Gasbedarfs importiert werden. Gegenwärtig liegt die Importquote bei 71 Prozent, was auch für Importeure aus den USA einen Spielraum schafft. Einige europäische Unternehmen haben bereits angekündigt, LNG von einer neuen Welle geplanter US-Exportterminals zu übernehmen, darunter die portugiesische Galp, die italienische Edison, sowie British Petroleum und Royal Dutch Shell.

Das Kernkraftwerk Isar 2 mit 1‘400 Megawatt Nettoleistung hat seine Kraftwerksrevision abgeschlossen und speist seit den Abendstunden des Sonntag wieder Strom ins Netz ein. Die Anlage wurde am 14.Juli zur Revision vom Netz getrennt. Isar 2 produziert im Schnitt rund 12 Prozent des bayerischen Stromverbrauchs und trägt durch seine gute Regelfähigkeit dazu bei, die schwankende Einspeisung regenerativer Energien zu kompensieren, d.h. das Netz zu stabilisieren. 2017 entsprach die Leistungsdrosselung (Bereitstellung von Regelleistung) acht Volllasttagen nicht produzierten Stromes, um das Stromnetz sowohl bei Unter- als Überspeisung beispielsweise durch erneuerbare Energien entlasten zu können.

Die Wartungsarbeiten an der Pipeline durch die Ostsee, Nord Stream 1, dauerten bis zum 30. Juli an und zeigten auch in der vergangenen Woche ihre Auswirkungen auf die Einspeicherungen in Deutschland. Nach den vorläufigen Schätzungen von Gas Infrastructure Europe (GIE) wurden in der Woche zum Gastag beginnend am 27. Juli per Saldo nur noch knapp 3.4 TWh eingespeichert, während es in der vorausgehenden Woche noch 5.3 TWh waren. Die Kapazitätsauslastung verbesserte sich von 54.7 auf 56.1 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Abstand von 3.7 auf 5.9 Prozentpunkte erhöht. Trotz des wieder höheren Abstands zur Kapazitätsauslastung in 2017 ist die Speicherlage derzeit kein Grund für höhere Gaspreise. Das Wetter dürfte hinsichtlich der Entwicklung der durchschnittlichen Tagestemperaturen für die Gaspreise eine Belastung werden.

Nach einem Rückgang haben die Ölförderaktivitäten in den USA auf Wochensicht wieder angezogen. Im Handel wird dies als Zeichen gewertet, dass sich die Ölproduzenten durch Pipelineknappheiten und andere Engpässen durchgekämpft haben. Wie die wöchentlich erhobenen Daten des Öldienstleisters Baker Hughes zeigen, kletterte die Anzahl der in den USA aktiven Ölförderanlagen um drei auf nunmehr 861. Die aktiven Erdgasförderanlagen reduzierten sich parallel um eine auf nun 186.

Energy Flash 25.07.2018

Der weltweite Trend zu mehr Inves­titionen in erneuerbare Energiequellen und weniger Investitionen in Erdgas, Kohle und Öl hat sich 2017 nicht fortge­setzt. Das geht aus dem Bericht „World Energy Investments 2018“, der Internationale Energie Agentur (IEA), hervor. Bei den fossilen Energieträgern habe es nach einem „abrupten Einbruch“ von Inves­titionen 2014 aufgrund niedrigerer Prei­se im vergangenen Jahr erstmals wie­der einen Anstieg gegeben, bei Öl und Gas etwa um zwei Prozent, was die IEA auch für 2018 erwartet. 59 Prozent aller Energie-Investitionen seien 2017 auf fossile Energieträger entfallen. Die Investitionen in Erneuerbare und Energieeffizienz seien dagegen nach Jahren des Wachstums um 3 Prozent gesunken und 2018 könnte der Rück­gang sogar noch stärker ausfallen, heisst es in dem Bericht.

Die russische Rohölproduktion ist offenbar deutlich angestiegen. Das Produktionsniveau Mitte Juli soll 11.22 Millionen Barrel pro Tag erreicht haben. Dies entspricht einer Anhebung um 273‘000 Barrel pro Tag gegenüber dem Referenzniveau von Ende 2016. Russland hat damit die im Förderkürzungsabkommen vereinbarte Produktionssenkung nahezu vollständig wieder rückgängig gemacht. Das russische Energieministerium hatte Ende vergangener Woche eine Produktionsanhebung um 200‘000 Barrel pro Tag in Aussicht gestellt, die bei Bedarf auch höher ausfallen könne. Dass dies offensichtlich jetzt schon geschehen ist, ist eine Überraschung. In Libyen hat unterdessen die staatliche Ölgesellschaft NOC „Force majeure“ für Öllieferungen aus einem Hafen verkündet, von dem Öl aus dem Sharara-Feld exportiert wird. Die Produktion im grössten Ölfeld des Landes ist wegen des Abzugs von Personal aus Sicherheitsgründen auf 125‘000 Barrel pro Tag gefallen. Die normale Tagesproduktion liegt bei 300‘000 Barrel. Auch nach der Öffnung der Ölhäfen vor einer Woche bleibt das Ölangebot in Libyen somit risikobehaftet. Der Markt sehe darüber momentan aber ebenso hinweg wie über die Proteste im Süden des Irak, wo sich der Grossteil der irakischen Ölproduktionsanlagen und alle Exporthäfen befinden.

Der französische Energieversorger EDF hat insgesamt 1‘775 Anomalien und 449 Regelabweichungen bei den Komponenten von 46 seiner Atom­reaktoren entdeckt. Dies ist laut fran­zösischen Medien das Ergebnis einer Überprüfung aller Unterlagen zu den Reaktorbauteilen, die aus der Areva-Schmiede Creusot Forge stammen. Die Überprüfung war 2015 beschlos­sen worden, nachdem zum ers­ten Mal Unregelmässigkeiten bei der Fertigungsdokumentation in Creu­sot Forge entdeckt wurden. 31 Reak­toren haben bislang im Rahmen der Überprüfung von der französischen Atomaufsichtsbehörde ASN grünes Licht für den weiteren Betrieb erhal­ten. Die Unterlagen der übrigen 27 EDF-Reaktoren sollen bis Ende des Jahres untersucht werden. Die gröss­ten Probleme hat der Reaktor Bugey 3 mit 94 Anomalien und 19 Regelabwei­chungen an 34 in Creusot hergestell­ten Teilen. Bei Anomalien handelt es sich um Abweichungen von vertraglichen oder gesetzlichen Vorgaben, wohingegen bei Regelabweichungen die internen Vorschriften von Creusot nicht einge­halten wurden.

Energy Flash 18.07.2018

Russland hat die Kritik von US-Präsident Donald Trump an der Ostseepipeline Nord Stream zurückgewiesen. „Wir haben mehrfach gesagt, dass Nord Stream 1 und Nord Stream 2 ausschliesslich kommerzielle Projekte sind, die den Interessen der Erdgaslieferanten wie auch der -käufer in Westeuropa dienen“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Das deutsch-russische Pipelineprojekt Nord Stream bringt russisches Erdgas durch die Ostsee nach Deutschland. Der erste Strang ist seit 2011 in Betrieb, ein Zweiter soll bis Ende 2019 fertig werden. Manche EU-Staaten kritisieren das Projekt, weil sie eine höhere Abhängigkeit von Russland fürchten. Die USA wollen ihrerseits Flüssiggas nach Europa verkaufen und stehen daher im Wettbewerb mit russischem Gas, das durch Pipelines billiger geliefert werden kann. Peskow betonte, Russland werte Attacken auf Nord Stream als unlautere Konkurrenz. Trump hatte am Mittwoch beim Nato-Gipfel in Brüssel kritisiert, mit Nord Stream flössen Milliardenbeträge für Erdgas an Russland, und der Nato-Gegner werde dadurch gestärkt. Deutschland sei ein „Gefangener“ Russlands. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte dies zurückgewiesen. Experten sagen, dass Deutschland zwar einen grossen Teil seiner Energieressourcen in Russland kaufe, aber umgekehrt Russland Deutschland und Westeuropa als Absatzmarkt brauche.

Die Internationale Energieagentur (IEA) sieht die Gefahr, dass die jüngsten Öl-Produktionsausfälle in einigen Ländern freie Produktionskapazitäten in anderen Ländern so stark beanspruchen könnten, dass bald keine freien Kapazitäten mehr vorhanden sind. Wie sie in ihrem aktuellen Monatsbericht schreibt, wäre sie im Falle eines zu starken Absinkens bereit, mit ihren eigenen Reserven einzuspringen. Die OPEC und ihre von Russland angeführten Verbündeten hatten im Juni beschlossen, ihre Produktion anzuheben, um Ausfälle in Venezuela und im Iran auszugleichen. Die IEA warnt nun, dass dadurch die freien Förderkapazitäten „bis ans Limit“ strapaziert würden. Saudi-Arabien hatte seine Tagesproduktion im Juni um 430‘000 Barrel erhöht, und zwar noch, bevor die OPEC den entsprechenden Beschluss gefasst hatte. Doch diese Produktionssteigerung drückte die Reservekapazität, die innerhalb von 90 Tagen mobilisiert werden kann. Das verfügbare Polster des Königreichs - das fast die Hälfte der freien OPEC-Kapazität ausmacht - verringerte sich um 440‘000 auf 1.58 Millionen Barrel pro Tag. Die IEA teilte in dem Bericht mit, dass sie bei Bedarf Abhilfe schaffen könne. Die Agentur überwacht die Freigabe von Notvorräten im Falle von Störungen - eine Entscheidung, die seit ihrer Gründung im Jahr 1974 nur dreimal getroffen wurde. „Wir stehen weiterhin in einem engen Dialog mit den wichtigsten Produzenten und Verbrauchern innerhalb und ausserhalb der IEA“, heisst es in dem Bericht. Die IEA fügte hinzu, dass sie „die Marktentwicklung beobachtet, um bereit zu sein, über jede erforderliche Unterstützung zu beraten“.

Die Umwelt- und Energieminister von neun Ländern haben die Forderung an den Bund bekräftigt, einen Mindest­preis für Kohlendioxid einzuführen. Es werde ein Mechanismus gebraucht, der fossile Energieträger stärker belas­tet und erneuerbare entlastet, heisst es in einem Brief der Grünen-Ressort­chefs an Bundesenergieminister Peter Altmaier (CDU). „Mit der hierdurch erzeugten Lenkungswirkung können wir einen wesentlichen Beitrag zu einer Senkung des Kohlenstoffdioxidgehalts in der Erdatmosphäre leisten.“ Die Zeit dränge, da Deutschland seine Klimaschutzziele bis 2020 deut­lich verfehlen werde. „Je länger wir warten, umso abrupter müssen wir vor 2030 umsteuern“, heisst es in dem Schreiben.

Energy Flash 11.07.2018

Der französische Umwelt- und Energieminister Nicolas Hulot will bis Ende des Jahres einen klaren Zeitplan für die Schliessung der Kernkraftwerke in Frankreich erarbeiten. Dazu will er vor allem den Ausbau der Erneuerbaren vorantreiben. „Keines unserer Ziele darf einem anderen im Weg stehen: Wir wollen bis spätestens 2022 die Kohlekraftwerke schliessen. Ausserdem müssen wir unseren Verbrauch senken, das Kernkraftwerk Fessenheim vom Netz nehmen und auch über die Schliessung anderer Atomkraftwerke sprechen. Bei alldem muss aber immer die Versorgungssicherheit gewahrt werden“. Für die Schliessung der französischen Kernkraftwerke will Hulot bis Ende 2018 ein definitives Datum nennen. „Bis dahin muss klar sein, wie viele und welche Reaktoren geschlossen werden.“ Bislang ist nur beschlossen worden, dass Fessenheim Ende des Jahres vom Netz gehen soll. Klar ist aber: Wenn Frankreich sein Ziel erreichen will, in den kommenden Jahren den Anteil der Kernkraftwerke an der Stromerzeugung von knapp 75 auf 50 Prozent zu senken, müssen mehr Reaktoren abgeschaltet werden. „Wir können den Ausbau der erneuerbaren Energien vielleicht beschleunigen und verstärken, vor allem wenn grosse Unternehmen wie EDF mitziehen“, sagte Hulot. „Wir haben bereits die Erfahrung gemacht, dass unsere Stromnetze mehr erneuerbaren Strom aufnehmen können, als wir bisher angenommen haben.“ Im Mai habe der Anteil des Erneuerbaren-Stroms durchschnittlich bei 27 Prozent gelegen. Bis Ende des Jahres muss Frankreich seine Energie-Strategie (programmation plurianuelle de l‘énergie, PPE) für die Jahre 2018-2023 und 2024-2028 beschlossen haben.

Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hat ein Ende des Baus der Gaspipeline Nord Stream 2 gefordert. „Das ist kein wirtschaftliches Projekt, es ist ein politisches Projekt, sagte Morawiecki. „Es erzeugt ein höheres Risiko von Instabilität in Osteuropa und gibt Russland grossen Einfluss auf die europäische Wirtschaft und Politik.“ Nord Stream 2 soll über eine Länge von 1‘230 Kilometern von Russland durch die Ostsee nach Deutschland führen. Die Leitung wird weitgehend parallel zur Gas-Pipeline Nord Stream 1 verlaufen, die 2011 in Betrieb genommen wurde. Die Bauarbeiten für Nord Stream 2 laufen bereits, die Pipeline soll 2020 in Betrieb gehen. Mehrere osteuropäische Länder fühlen sich durch die Direktverbindung durch die Ostsee übergangen und warnen vor wachsendem Einfluss Moskaus auf Europa.

Die verbliebenen Unterzeichnerstaaten des Atomabkommens mit dem Iran unterstützen trotz drohender US-Sanktionen das Recht Teherans zum Export von Öl und Gas. Beim Aussenministertreffen in Wien erklärten die fünf Staaten China, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und Russland, sie blieben ihren wirtschaftlichen Beziehungen zum Iran verpflichtet. Dies schliesse die „Fortsetzung von Irans Öl- und Gasexport“ ein. Die Zusage ist Teil einer in Wien aufgestellten Liste zur Rettung des Atomabkommens. Die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini leitete die Zusammenkunft mit dem iranischen Aussenminister Mohammed Dschawad Sarif. Es war das erste Treffen dieser Art, seit US-Präsident Donald Trump das Abkommen mit dem Iran vor zwei Monaten einseitig aufgekündigt hat. Trump hatte zugleich bekanntgegeben, dass die Wirtschaftssanktionen gegen den Iran wieder in Kraft gesetzt würden. Teheran drohte daraufhin seinerseits mit einem Ausstieg aus dem Abkommen, sollten die anderen Vertragsstaaten nicht für Teheran einstehen. Der Iran bestreitet, nach Atomwaffen zu streben, und betont, dass seine Atomanlagen ausschliesslich zivilen Zwecken dienten. Das Wiener Atomabkommen von 2015 verpflichtete Teheran, seine Urananreicherung drastisch herunterzufahren und verschärfte internationale Kontrollen zuzulassen. Im Gegenzug sollen die Strafmassnahmen schrittweise aufgehoben werden. Trump fordert ein neues, umfassenderes Abkommen mit Teheran.

Energy Flash 04.07.2018

Der Ölpreis hat einen Sprung nach oben gemacht, nachdem die USA ihre harte Linie bei den iranischen Ölexporten betont haben. Sie fordern, dass alle Länder bis zum 4. November ihre Ölimporte aus dem Iran auf Null senken – ansonsten drohten Sanktionen. Damit verfolgen die USA das Ziel, Iran politisch und wirtschaftlich vollständig zu isolieren. Das Land gibt sich bisher jedoch gelassen. Ein iranischer Staatsvertreter nannte die Entscheidung „nichts Neues“ und sehr schlecht für die Ölmärkte. Die Importeure iranischen Öls waren aber bislang davon ausgegangen, dass die USA einen erheblichen längeren Zeitraum zur Reduktion der Importe einräumen würden.

Sollten die USA Wirtschaftssanktionen gegen die Gaspipeline Nord Stream 2 zwischen Russland und Deutschland verhängen, wäre das nach Einschätzung des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft das Aus für das Milliardenprojekt. „Wenn jetzt ganz harte Sanktionen kommen würden, wäre das Projekt wirtschaftlich nicht mehr darstellbar“, sagte der Chef des Ostausschusses - Osteuropavereins, Michael Harms, in Berlin. Er hält einen Schlag Washingtons gegen Russland für denkbar, obgleich der jüngste Besuch von Präsident Donald Trumps Sicherheitsberater John Bolton in Moskau ein positives Zeichen sei. Das Magazin Foreign Policy hatte Anfang Juni unter Berufung auf Quellen aus dem Weissen Haus gemeldet, dass die US-Administration Unternehmen sanktionieren wolle, die an der Pipeline mitwirken.

Superman fliegt über ein Atomkraftwerk - mit dieser ungewöhnlichen Aktion hat Greenpeace auf Sicherheitsrisiken in Frankreich aufmerksam gemacht. Die Umweltorganisation liess am Dienstag eine Drohne in Form des Superhelden über dem Reaktor in Bugey nahe der ostfranzösischen Stadt Lyon aufsteigen. Ein Video zeigt, wie die Figur mit ihrem blau-roten Kostüm gegen eine Seitenwand des Akws prallt. Mit der "hoch symbolischen" Aktion wollte Greenpeace nach eigenen Angaben auf den unzureichenden Schutz der Abklingbecken für Brennstäbe aufmerksam machen. Nach Angaben des mehrheitlich staatlichen Betreibers Electricité de France (EDF) entstand kein Schaden an dem Kraftwerk. Greenpeace weist seit Monaten mit medienwirksamen Aktionen auf Probleme bei französischen Atomkraftwerken hin, die zum Teil als pannenanfällig gelten. Im Oktober 2017 zündeten Greenpeace-Mitglieder ein Feuerwerk auf dem Gelände des Meilers Cattenom südwestlich von Trier.

Der Block 2 des Kernkraftwerks Beznau mit 365 Megawatt Kapazität ist laut Angaben des Betreibers Axpo am Dienstag, den 26.06.2018 für den Brennelementwechsel planmässig vom Netz genommen worden. Mit der neuen Beladung des Reaktorkerns wird die Anlage für die nächste Betriebsperiode bereit sein. Mit dem Herunterfahren des Blocks 2 endet der am 28. September 2017 begonnene Produktionszyklus. Während der rund zwei Wochen dauernden Abschaltung werden 20 der insgesamt 121 Brennelemente durch neue ausgetauscht und in den Reaktorkern eingesetzt. Zudem werden wiederkehrende Prüfarbeiten und Systemtests ausgeführt und Arbeiten an einzelnen Anlagekomponenten vorgenommen.

Energy Flash 27.06.2018

Französische Gewerkschaften haben ab Dienstag, 19. Juni zu einem zehntägigen Streik im Energiesektor aufgerufen. Der Versorger EDF geht davon aus, dass seine Stromproduktion bis zum geplanten Ende des Streiks am 29. Juni eingeschränkt sein könnte. Welche Kraftwerke genau betroffen sind, teilte der Versorger nicht mit. Am Dienstag wurden bereits Wasserkraftwerke von EDF bestreikt. Den Angaben des Übertragungsnetzbetreibers RTE vom späten Vormittag des Dienstag zufolge hatten die Streiks bislang keine Auswirkungen auf die Stromproduktion. Die Gewerkschaft CGT Mines-Énergie will mit dem Streik unter anderem gegen die Pläne der Regierung protestieren, den Versorger Engie vollständig zu privatisieren. Laut der Agentur Reuters ist auch die Gewerkschaft Force Ouvrière an dem Streikaufruf beteiligt.

Die EU-Staaten sollen 2030 insgesamt 32.5 Prozent Primärenergie weniger verbrauchen, als bei unveränderter Politik zu erwarten wäre. Auf diesen Kompromiss einigten sich Unterhändler von Europäischem Parlament und EU-Staaten in Verhandlungen über die Überarbeitung der Energieeffizienzrichtlinie (2012/27/EU). Das Parlamentsplenum hatte ein Ziel von 35 Prozent gefordert, der Ministerrat wollte 30 Prozent. Der ausgehandelte Kompromiss bedarf noch der Billigung durch beide EU-Institutionen. Fortgeführt werden soll die derzeit geltende Verpflichtung, jährlich bestimmte Effizienzfortschritte zu erzielen. Diese sollen ab 2021 pro Jahr 0.8 Prozent betragen. 2023 sollen die Ziele auf den Prüfstand gestellt werden.

Nach der Einigung der OPEC auf eine höhere Ölproduktion haben auch die nicht zu dem Erdöl-Förder­kartell gehörenden Länder den Plä­nen zugestimmt. Der russische Ener­gieminister Alexander Novak sagte, sein Land unterstütze einen Plan der Organisation der Erdöl exportie­renden Länder, die Rohölproduktion ab dem nächsten Monat um nominal eine Million Barrel pro Tag zu erhö­hen. Es wird jedoch erwartet, dass der tatsächliche Anstieg bei etwa real 600‘000 Barrel pro Tag liegt, da einige Hersteller nicht in der Lage sind, die Produktion zu steigern. Das ist weit weniger als die 1.5 Millionen Barrel pro Tag, die Russland im Vorfeld des OPEC-Treffen in Wien angestrebt hatte. Die OPEC und ihre Verbündeten hatten sich 2016 darauf geeinigt, die Produktion zu zügeln und die Prei­se anzukurbeln. Die Gruppe redu­zierte die Förderung um knapp 2 Pro­zent der Weltproduktion - das waren rund 1.8 Millionen Barrel pro Tag. Dem Pakt ist es gelungen, die Ölschwem­me auf den Weltmärkten einzudäm­men. Da die Nachfrage in letzter Zeit zugenommen hat und es grösse­re Ausfälle in Venezuela und Liby­en gab, sind die Preise stark gestiegen. US-Präsident Donald Trump hat der OPEC vorgeworfen, für die höheren Preise verantwortlich zu sein und die Gruppe aufgefordert, die Ölhähne weiter zu öffnen. Aber auch die Förderländer mögen keine zu hohen Preise, weil sie befürchten, dass die Nachfrage untergraben wird. In einer Mitteilung vom Sams­tag teilte die OPEC mit, das selbst auferlegte Förderlimit bleibt beste­hen, soll aber in den kommenden Monaten auch tatsächlich ausge­schöpft werden. Zuletzt hatten die kooperierenden Staaten weniger produziert, als vereinbart. Das nächs­te Treffen der OPEC - und Nicht- OPEC -Länder soll am 4. Dezember in Wien stattfinden.

Energy Flash 20.06.2018

Mit der offiziellen Einweihung der Transanatolischen Gaspipeline (Tanap) wird nach fast zwei Jahrzehnten Planung der so genannte Südliche Korridor realisiert. Damit will die EU ihre Gasbezugsquellen diversifizieren und ein wenig unabhängiger von russischem Erdgas werden. Für Aserbaidschans Socar bedeutet die neue Adria- Pipeline eigene Absatzmöglichkeiten in der EU, ohne über Russland gehen zu müssen. Das erste Gas aus Aserbaidschan durch die Türkei bis an die griechische Grenze soll aber erst im Juni 2019 fliessen. Tanap soll künftig jährlich 16 Milliarden Kubikmeter Gas aus dem kaspischen Feld Shahdeniz 2 in die Türkei pumpen. Davon sind sechs Milliarden Kubikmeter für den türkischen Markt vorgesehen und zehn Milliarden Kubikmeter fliessen nach Europa. Später soll die Kapazität von Tanap einmal 31 Milliarden Kubikmeter betragen. Tanap wird mehrheitlich vom staatlich aserbaidschanischen Öl- und Gaskonzern Socar mit einem Anteil von 58 Prozent kontrolliert. Weitere 30 Prozent hält die türkische Botas und 12 Prozent gehören BP. Ab 2020 soll die europäische Anschlussleitung Transadriatic Pipeline (TAP) an der griechisch-türkischen Grenze in Betrieb gehen.

Deutschlands Rückstand beim Klimaschutz ist offiziell: Das Kabinett hat den Klimaschutzbericht 2017 beschlossen, der sich mit Wunsch und Wirklichkeit beim CO2-Sparen beschäftigt. Den jüngsten Berechnungen zufolge wird die Bundesrepublik das selbst gesetzte Ziel um voraussichtlich acht Prozentpunkte verpassen. Ziel war es, bis 2020 den Ausstoss von Treibhausgasen im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zu senken. Derzeit scheinen nur 32 Prozent Ersparnis möglich. Gründe hierfür sind unter anderem die in den vergangenen Jahren unerwartet dynamische Konjunkturentwicklung sowie das unerwartet deutliche Bevölkerungswachstum. Bis 2017 waren den Zahlen des Umweltbundesamts zufolge 28 Prozent geschafft. Während etwa in der Energiewirtschaft der CO2-Ausstoss deutlich zurückgeht, tut sich im Bereich Verkehr bisher wenig.

Die weltweite Ölnachfrage wird nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) im nächsten Jahr robust bleiben. Die IEA prognostiziert, dass die Ölnachfrage 2019 wie bereits 2018 um 1.4 Millionen Barrel pro Tag wachsen wird. Ein bedeutender Teil dieses Wachstums dürfte laut IEA durch die steigende Nachfrage der Chemieindustrie getrieben werden. „Zusammen mit dem starken Wirtschaftswachstum wird die Entwicklung der petrochemischen Industrie weltweit das Wachstum der Ölnachfrage unterstützen“, heisst es in dem Bericht. Allerdings weist die in Paris ansässige Organisation darauf hin, dass die Risiken für ihre Prognosen zunehmen. Dazu gehören höhere Preise, eine nachlassendes Geschäftsklima, Handelsprotektionismus und eine weitere Stärkung des US-Dollar. Die IEA prognostiziert, dass das tägliche Ölangebot von ausserhalb der Organisation Erdöl exportierender Länder 2019 um 1.7 Millionen Barrel zunehmen wird, verglichen mit 2.0 Millionen in diesem Jahr. Drei Viertel hiervon sollen auf den USA entfallen, obwohl das Produktionswachstum dort von Engpässen begrenzt werden dürfte.

Bis 2030 sollen 32 Prozent des EU-Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Auf diese Zielvorgabe haben sich Unterhändler des Europäischen Parlaments und des Ministerrats geeinigt. Mitgliedstaaten und EU-Kommission waren mit einem Ziel von 27 Prozent in die Verhandlungen über die Überarbeitung der Richtlinie für erneuerbare Energie (2009/28/EG) gegangen, das Europaparlament wollte 35 Prozent erreichen. Bei der Zielvorgabe für den Einsatz erneuerbarer Energie im Verkehr setzte sich der Rat mit 14 Prozent durch. Biodiesel aus Palmöl darf ab 2030 nicht mehr gefördert und nicht mehr auf das Erneuerbaren-Ziel angerechnet werden. Keinen Kompromiss gab es in den Trilogverhandlungen über die Überarbeitung der Energieeffizienzrichtlinie (2012/27/EU).

Die grössten Industrie- und Schwellenländer haben die Rolle von Erdgas als Übergangsenergie auf dem Weg hin zur Versorgung aus erneuerbaren Energien hervorgehoben. Die Energieminister der G20-Staaten verpflichteten sich auf ihrem Treffen zur Stärkung der Transparenz und Konkurrenzfähigkeit der Gasmärkte weltweit. Sie sprachen sich für den Abbau von Subventionen für fossile Brennstoffe aus, um den Übergang zu erneuerbaren Energien zu beschleunigen. Die Beschlüsse der Energieminister sollen als Vorlage für den G20-Gipfel Ende November in Buenos Aires dienen. Die G20 erwirtschaften 85 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung, repräsentieren zwei Drittel der Weltbevölkerungen und wickeln 75 Prozent des globalen Handels ab. Zudem erzeugen die G20-Staaten über 80 Prozent der erneuerbaren Energie und verbrauchen etwa 77 Prozent der weltweit erzeugten Energie.

Aufwärtstrend wird vermutlich abflauen

Der Aufwärtstrend der Strompreise für das Frontjahr an der Börse seit Mitte 2017 bleibt intakt. Dennoch ist mit einer Deckelung zu rechnen.

Bis Ende des Jahres 2017 war das westeuropäische Stromsystem im letzten Winter etwas angespannt und reagierte empfindlicher auf strenge oder milde Wintertemperaturen wie auch auf Störungen.

So geschehen Mitte Dezember 2017, wo in Baumgarten an der österreichisch-tschechischen Grenze eine Gasstation explodierte. Die europäischen Gasmärkte reagierten darauf umgehend mit einem Preissprung und das schlug auf die Spot- und Terminpreise beim Strom durch. Kurzfristig war nicht absehbar, wie lange die Gasstation ausser Betrieb sein werde und ob die Preise weiter so stark steigen würden. Wie sich später herausstellte, war die Ausserbetriebnahme der Gasstation für die europäische Gasversorgung nicht weiter von Bedeutung.

Nur hatten wohl viele Strom- und Erdgaskunden ihre Portfolien zu diesem Zeitpunkt noch nicht geschlossen, was wiederum eine hektische Einkaufswelle nach sich zog und damit die Nachfrage noch zusätzlich anheizte, was erneut zu höheren Preisen führte. Da war man durch die Strategie des Zuwartens erfolgsverwöhnt und musste nun wohl oder übel in dieser Hektik den Erdgasbedarf und/oder Strombedarf für das Frontjahr an diesen Tagen noch eindecken. Die Reaktion am Markt zeigt, dass sich einige Marktteilnehmer verspekuliert und ihre Risiken nicht gestreut hatten.

Im Januar erfolgte mit dem milderen Wetterausblick eine kleine Entspannung und die Preise fielen bis auf 44 CHF/MWh. Die berühmte Dunkelflaute folgte Ende Februar doch noch, was wiederum der Start für eine Preisrally gab.

Es gibt mehrere Ursachen, die für weiterhin vergleichsweise hohe Strompreise sprechen. In Deutschland wie anderswo in Europa gehen in den kommenden Jahren bedeutsame Kraftwerkskapazitäten vom Netz. Die fehlenden Kapazitäten zu ersetzen, hat seinen Preis: Die Umgestaltung der Energielandschaft in Europa durch erneuerbaren Energien, Speichersysteme, Marktdesign etc. ist nicht gratis zu haben.

Die Gasspeicher wurden im letzten Winter geleert, bzw. es wurden in Europa historische Tiefststände bei den Gasspeichern verzeichnet. Entsprechend werden diese als Vorbereitung für den nächsten Winter wieder gefüllt werden, was im Sommer stabile bis steigende Gaspreise erwarten lässt.

Einen Sondereffekt lässt die Preise an den Weltmärkten für Kohle auf hohem Niveau verharren: In China darf ab diesem Sommer nicht mehr unlimitiert Kraftwerkskohle importiert werden, was aktuell zu Hamsterkäufen bei den betroffenen Gesellschaften führt.

Die internationalen Ölpreise sind aktuell ebenfalls auf hohem Niveau, was auf die weltpolitische Lage zurückzuführen ist. Durch die anziehende US-Produktion ist das Aufwärtspotenzial aber klar begrenzt.

Die Deckelung lässt sich auch bei den Strompreisen erahnen, so halten die Terminkontrakte für 2020 und 2021 aktuell nicht Schritt mit dem Frontjahreskontrakt. Insgesamt ergibt dies ein Bild mit vergleichsweisen hohen Strompreisen, deren inhärentes Aufwärtspotential begrenzt ist. Insbesondere wenn man sich die Tiefstpreise von 30 CHF/MWh im August 2016 bei normaler Marktlage vor Augen hält.

Energy Flash 13.06.2018

Die Reparatur schadhafter Schweiss­nähte beim fast fertiggestellten fran­zösischen Druckwasserreaktor Flamanvil­le wird laut dem Chef der französischen Atomsicherheitsbehörde ASN, Pierre-Franck Chevet, mindestens einige Mona­te in Anspruch nehmen. Rund 35 Pro­zent der untersuchten Schweissnähte wie­sen Defekte auf. Zudem bestehe ein Problem mit den mechanischen Eigenschaften des ver­wendeten Materials, die nicht ganz den Vorgaben entsprächen. Dieses Problem sei deutlich kom­plizierter. Bereits im vergangenen Jahr hatte die ASN verfügt, dass der Deckel des Reaktordruckbehäl­ters wegen Schwachstellen im Material spätestens 2024 ausgetauscht werden muss.

Der norwegische Stromproduzent Statkraft ist an acht der Wasserkraftwerke interessiert, die Frankreich privatisieren will. Insgesamt strebt Statkraft ein Wasserkraftportfolio in Frankreich von 1‘000 Megawatt an. Frankreich verfügt über 25.5 Gigawatt an installierten Wasserkraftwerkskapazitäten, die im vergangenen Jahr 10 Prozent des französischen Strombedarfs deckten. Die Privatisierungspläne haben die Gewerkschaft CGT auf den Plan gerufen, die um die Energiesicherheit des Landes fürchtet und Widerstand gegen das Vorhaben angekündigt hat.

Das Scheitern des G-7-Gipfels hat am Montag die Märkte kaum berührt. Am Montagmittag zeigten sich Erdöl, Gas, Kohle, und Strom zwar mit Abschlägen, die jedoch nicht sehr spektakulär ausfielen. Auch an den Aktienmärkten war zunächst wenig bis nichts von dem politischen Eklat in Kanada spürbar. Eine Reaktion des Aktienmarkts wäre aber ein Signal auch für die Rohstoffmärkte, sich auf niedrigere Preise einzustellen. Ganz ohne Folgen ist die konfrontative US-Wirtschaftspolitik für die deutsche Wirtschaft gleichwohl nicht geblieben. Denn das missglückte G7-Treffen reiht sich ein in eine Kette von handelspolitischen Zuspitzungen, die schon seit Jahresbeginn die wirtschaftliche Lage nach und nach eintrüben.

Auf Unstimmigkeiten und Spannungen zwischen den verschiedenen OPEC-Ländern vor dem OPEC-Gipfel am 22. Juni wurde bereits im Vorfeld hingewiesen. So wollen die Länder mit aktuell hoher Produktion und geringen freien Produktionskapazitäten - z.B. der Irak und Iran - per se keine Produktionsanhebung der Anderen dulden. Saudi-Arabien und Russland sind dagegen gern bereit, ihre Produktion zu erhöhen, um den Angebotsengpässen wegen der Produktionsausfälle in Venezuela und möglicher Exportrestriktionen gegen den Iran vorzubeugen. Schaffen die Letzteren bereits Fakten? So wird von Interfax gemeldet, dass Russland im Juni seine Produktion auf 11.1 Millionen Barrel täglich erhöht hat, den höchsten Stand seit Februar 2017, als die Produktionskürzungen schrittweise umgesetzt wurden. Für den Ölpreis ist aber nicht nur die OPEC, sondern auch die US-Produktion von Bedeutung, die aktuell von Rekord zu Rekord eilt. In der Vorwoche ist die Anzahl der aktiven Bohrungen auf 862 gestiegen, den höchsten Stand seit März 2015. Deshalb dürften die OPEC und IEA dem Beispiel der US-Energiebehörde folgen und ihre Schätzungen für die US-Produktion diese Woche massiv anheben. Dies bewegt wohl auch die Grossanleger dazu, ihre überaus positive Haltung zum Ölpreis zu überdenken.

Energy Flash 06.06.2018

Die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland wünscht sich einen raschen Ausstieg aus der Kohle - allerdings ist die Zustimmung in den betroffenen Kohlegebieten gerin­ger. Das ist das Ergebnis einer Stu­die der Umweltschutzorganisati­on Greenpeace in Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen in der Schweiz. Demnach stimmen bundes­weit 75 Prozent der Befragten über­ein, dass die Regierung „unverzüglich ein Gesetz zum schrittweisen Koh­leausstieg beschliessen“ sollte. In einer zusätzlichen Befragung in den Braunkohlegebieten im Rhein­land und in der Lausitz lag die Zustimmung zu einem Gesetz dem­nach bei 64 beziehungsweise nur 43 Prozent. In der Lausitz ist zudem der Anteil derjenigen, die in dieser Frage unentschlossen sind, mit 21 Prozent am höchsten. In den Kohleregionen, und dabei besonders in der Lau­sitz, ist folglich auch die Sensibilität gegenüber Arbeitsplatzverlusten und den Kosten des Ausstiegs höher als bei den Befragten im gesamten Bun­desgebiet. Was den zeitlichen Horizont betrifft, findet der Umfrage zufolge ein schnellerer Ausstieg bis 2025 mehr Zustimmung (67 Prozent) als ein Aus­stieg bis 2040 (62 Prozent). Dafür würden die Bürger auch persönli­che Nachteile wie höhere Stromkos­ten hinnehmen. Demnach stimmten 69 Prozent der Befragten auch der Aussage zu, dass der Kohleausstieg dabei helfe, die Energieversorgung und damit den Wirtschaftsstandort Deutschland zu modernisieren.

Der österreichische Ministerrat hat jetzt die Klima- und Energiestrategie (#mission2030) beschlossen. „Diese Strategie ist die Grundlage für alle Massnahmen der nächsten Jahre“, sagt Nachhaltigkeitsministerin Elisa­beth Köstinger. Der Stromverband Oesterreichs Energie sieht eine spürbare Weiter­entwicklung der Klima- und Energie­strategie. Aus Sicht der Energiebran­che sei beispielsweise das neu auf­genommene Bekenntnis zur wichti­gen Rolle des Stromaustauschs im europäischen Binnenmarkt positiv, erklärte Verbandspräsident Leonhard Schitter. Hervorzuheben sei auch die Feststellung, dass Regel- und Aus­gleichsenergie zur Stabilisierung des Netzbetriebs nicht in die Berech­nung der zu erreichenden 100 Pro­zent erneuerbaren Stromversorgung einbezogen werden soll. Damit las­sen sich die Systemkosten im Sinne der Konsumenten deutlich günstiger gestalten. Zu den wichtigsten Zielen der Klima- und Energiestrategie Öster­reichs gehört, dass bis zum Jahr 2030 die CO2-Emissionen um 36 Prozent reduziert werden und Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energie stammt. Derzeit liegt dieser Anteil bei 72 Prozent. Beim Gesamtenergiebedarf soll der Anteil Erneuerbarer von der­zeit 35 auf langfristig 45 bis 50 Pro­zent steigen.

Der französische Energiekonzern EDF bereitet sich darauf vor, das umstritte­ne Atomkraftwerk Fessenheim nahe der deutschen Grenze länger als bisher geplant laufen zu lassen. Grund sei eine möglicherweise um mehrere Monate verzögerte Inbetriebnahme des neuen Druckwasserreaktors vom Typ EPR in Flamanville am Ärmelkanal. Das könnte bedeu­ten, dass Fessenheim mit seinen bei­den Reaktoren bis zum Sommer 2019 am Netz bleibe. Das Kraftwerk Fessenheim im Elsass gilt bei Kritikern als Sicherheitsrisiko. Es soll - nach einem in Frankreich immer wieder bestätigten Plan - erst dann vom Netz gehen, wenn der EPR in Fla­manville den Betrieb aufnimmt. Das war bisher für Ende 2018, Anfang 2019 vorgesehen. Beim EPR waren aller­dings im Frühjahr Mängel an Schweiss­nähten entdeckt worden.

Energy Flash 30.05.2018

Die chinesische Staatsplankommission will laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters den chinesischen Markt für Kraftwerkskohle abkühlen. Die Kraftwerke wurden angehalten um ihre Kohlereserven zu senken oder zumindest auf weitere Zukäufe zu verzichten. Die chinesischen Kohleminen sollen zudem ihre Spotpreise bis zum 10. Juni auf unter 570 Yuan (90 US-Dollar) je Tonne senken. Derzeit liegen die Preise bei rund 650 Yuan. Die Massnahme hat zu einem deutlichen Rückgang für den chinesischen Kohlepreis geführt und hat auch bearishe Auswirkungen auf den internationalen Kohlemarkt.

Das Rohölkartell Opec könnte bei seinem Treffen in einem Monat über eine Ausweitung der Förderung beraten. Grund hierfür sind die bereits bestehenden bzw. drohenden Angebotsausfälle in Venezuela und im Iran. Mit der höheren Förderung könnte schon im Juni begonnen werden. Die Debatte um höhere Fördermengen gehe von den Golf-Anrainerstaaten aus. Eine Erhöhung der Produktionsmenge würde keine Abkehr vom Kürzungsabkommen bedeuten, betonen die Analysten der Commerzbank. Denn aktuell produziert die Opec rund 800‘000 Barrel pro Tag weniger als laut Abkommen vereinbart. Etwa drei Viertel davon entfallen auf Venezuela. Von daher besteht durchaus Spielraum zu einer Anhebung der Produktion. Dies dürfte weiter steigenden Preisen vorerst entgegenstehen.

Frankreich hat seine Solarkapazität im ersten Quartal 2018 um 246 Mega­watt (MW) auf insgesamt 8.3 Giga­watt (GW) gesteigert. Wie aus einem Bericht des französischen Umweltmi­nisteriums hervorgeht, lag die Stei­gerung im gleichen Vorjahresquartal noch bei 86 MW. Die Kapazität der geplanten Solarprojekte belief sich in den ersten drei Monaten des laufen­den Jahres auf 3.1 GW. Die Stromproduktion aus Solar­anlagen ist im Berichtszeitraum auf 1.6 Terawattstunden (TWh) gestie­gen, gegenüber dem Vorjahresquartal ein Plus von 12 Prozent. Damit macht die Solarstromgewinnung 1.1 Pro­zent des Stromverbrauchs in Frank­reich aus. Die Kapazität der französischen Windkraftanlagen ist unterdessen im ersten Quartal 2018 um 153 MW auf 13.6 GW angestiegen. Insgesamt waren in diesem Zeitraum Projek­te mit einer Kapazität von 11.3 GW in Planung. Die Stromerzeugung aus Windkraftanlagen ist im ersten Quar­tal auf 9.2 TWh angestiegen und macht damit insgesamt 6.3 Prozent des französischen Stromverbrauchs aus. Die Stromproduktion der Atom­kraftwerke ist zwischen Januar und März 2018 um 4 Prozent gestiegen, die Wasserkraftwerke haben ihre Erzeugung um 35 Prozent gesteigert.

In den vergangenen Wochen dominierte ein Thema die Schlagzeilen zu Erdgas, die Pipeline Nord Stream 2. Die Bauarbeiten auf deutscher Seite haben begonnen, auch wenn in einigen anderen Ländern die Genehmigungen noch ausstehen. Aber der Widerstand gegen dieses Projekt ist unverändert gross. Ob die Pipeline gebaut und 2019 in Betrieb genommen werden kann, oder ob sich letztlich die Gegner durchsetzen werden, ist noch offen. Dies dürfte auch für die Gaspreise im nordwestlichen Europa ab 2020 und somit für das nächste Frontjahr und die übernächste Wintersaison 2019/20 Auswirkungen haben. Da kommunale Stadtwerke oder private Versorgungsunternehmen sich bereits für diese Zeiträume absichern, ist dieses Thema auch für den Preisausblick relevant.

Energy Flash 23.05.2018

Der russische Präsident Wladimir Putin will den Gastransit durch die Ukraine auch nach dem Bau der umstrittenen Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 fortsetzen. Gemäss ihm werden die Lieferungen fortgesetzt, wenn dies wirtschaftlich begründet und sinnvoll ist für alle Beteiligten. Putin betonte, er sehe Nord Stream 2 als wirtschaftliches Projekt, nicht als politisches. Beim Treffen in Sotschi sagte Kanzlerin Angela Merkel, die Überzeugung Deutschlands sei, dass auch nach dem Bau von Nord Stream 2 die Transit-Rolle der Ukraine weiter bestehen muss. Dies sei von strategischer Bedeutung. Deutschland sei bereit, sich zu engagieren. Die Frage sei, was der Ukraine an Garantien gegeben werden könne. Auch Deutschland sehe Nord Stream 2 als wirtschaftliches Projekt, es gebe aber auch andere Aspekte. Im politischen Streit um den Bau der Ostseepipeline Nord Stream 2 hat sich die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern unterdessen hinter das Projekt gestellt. Dass die Bundesregierung auch die Interessen der kleineren osteuropäischen Staaten im Blick hat, zeigten die Gespräche, die aktuell zur Pipeline geführt werden.

Frankreichs Europaministerin Nathalie Loiseau lehnt ein rasches Ende des umstrittenen Atomkraftwerks Cattenom unweit der deutschen Grenze ab. „Cattenom ist nicht dazu geeignet, in naher Zukunft zu schliessen“, sagte die Ministerin letzten Freitag in Paris bei der Vorstellung eines Berichts zur Entwicklung der deutsch-französischen Zusammenarbeit in der Grenzregion. Das Kraftwerk erfülle alle Sicherheitsgarantien. Gemäss Loiseau besteht ein enger Dialog mit den Partnern über Sicherheitsfragen des Kraftwerks. Cattenom ist seit 1986 am Netz. Das Kraftwerk gilt als sehr störanfällig. Das Saarland, Rheinland-Pfalz und das Grossherzogtum Luxemburg streben eine Stilllegung der Anlage an. Für das elsässische Atomkraftwerk Fessenheim gibt es hingegen einen Schliessungsbeschluss - es soll vom Netz gehen, wenn der neue Europäische Druckwasserreaktor (EPR) in Flamanville am Ärmelkanal den Betrieb aufnimmt. Das ist für Ende 2018, Anfang 2019 vorgesehen. Loiseau berichtete von intensiven deutsch-französischen Regierungskontakten zu verschiedenen Themen. Am 19. Juni sei in Deutschland ein deutsch-französisches Ministertreffen mit Staatspräsident Emmanuel Macron und Kanzlerin Angela Merkel geplant. Zudem wollen die beiden EU-Schwergewichte ihren Élysée-Freundschaftsvertrag noch in diesem Jahr erneuern.

Vattenfall hat jetzt seinen grössten Batteriespeicher in Wales mit einer Leistung von 22 Megawatt in Betrieb genommen. Am Standort Pen y Cymoedd betreibt der schwedische Energiekonzern auch einen Onshore-Windpark mit 228 MW. Der Speicher „battery@pyc“ soll nun Regelleistung zur Stabilisierung des britischen Übertragungsnetzes liefern. Der Batteriespeicher und der Windpark teilen die gleiche elektrische Infrastruktur am Standort Pen y Cymoedd.

Die Schweizer Wasserreservoire wiesen am 14.5. einen Füllstand von 21.1 Prozent auf. Laut einer Medieninformation vom Bundesamt für Energie ist dies im Vergleich mit der Vorwoche ein Plus von 4.4 Prozentpunkten. Der aktuelle Wert liege 10.0 Prozentpunkte über dem Wert der Vorjahreswoche.

Energy Flash 16.05.2018

Die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, Sanktionen gegen Iran wieder in Kraft zu setzen, hat zu einem deutlichen Aufwärtsimpuls bei den Notierungen für Energieträger geführt. So lag der Ölpreis gegenüber dem Tief vom Dienstag knapp 3 US-Dollar je Barrel höher. Für das Kohlefrontjahr ergab sich ein Plus von einem US-Dollar, Gas legte knapp 0.5 Euro zu, die Emissionszertifikate zogen um 0.5 Euro an. Das Kalenderjahr 2019 stieg in Deutschland und in der Schweiz um 0.5 Euro und in Frankreich um knapp 1 Euro. Nach dem Sanktionsbeschluss von Trump sind die Märkte nervös. Doch noch sind die Wirkungen der US-Sanktionen auf den Ölmarkt nicht absehbar. Entscheidend wird sein, in welchem Umfang es den USA gelingt, andere Staaten davon zu überzeugen, sich an den Sanktionen zu beteiligen. Iran führt schon seit Jahrzehnten kein Öl mehr in die USA aus. Die Exporte sind nach Europa und vor allem nach Asien gerichtet. Sollte Iran durch die Sanktionen auf einen Ölexport zurückfallen, wie er vor der Aufhebung der Sanktionen bestand, könnte dies auch eine steigende US-Förderung nicht so schnell ausgleichen.

Die Energy Information Administration (EIA) hat ihre Prognosen für die Ölproduktion in den USA angehoben. Wie aus dem monatlichen Bericht der US-Behörde hervorgeht, wurde die Schätzung für 2018 minimal um 0.3 Prozent auf 10.72 Millionen Barrel pro Tag erhöht. Die Erwartung für 2019 wurde um 3.6 Prozent auf 11.86 Millionen Barrel pro Tag angehoben. Auch ihre Erwartungen an die Preise für die US-Sorte WTI und Brent im Jahr 2018 hob die EIA deutlich an. Für WTI um 10.5 Prozent auf 65.58 Dollar und für Brent um 11.6 Prozent auf 70.68 Dollar.

In Deutschland sind die Gasspeicher nun zu 25.3 Prozent gefüllt, gegenüber dem Tiefstand von 15.0 Prozent Anfang April ist dies schon eine deutliche Zunahme. Aber in diesem Jahr müssen auch 30.6 Terawattstunden mehr als im Vorjahr eingespeichert werden, um Mitte Oktober wieder auf dem gleichen Stand wie in der Spitze des Vorjahres zu liegen. Von daher sind auch höhere Importe zum Auffüllen der Speicher willkommen. Aber die Lage ist in den anderen Ländern schlechter. So sind in Frankreich die Kapazitäten nur zu 14.0 Prozent ausgelastet. Der Auslastungsgrad der niederländischen Gasspeicher liegt mit 20.9 Prozent ebenfalls noch recht tief. In beiden Ländern ist eine Kapazitätsauslastung von über 90.0 Prozent zum Start der Entnahmen im Winter normal. Somit besteht auch in den Nachbarländern ein erheblicher Gasbedarf, um wieder gut gerüstet in die nächste Wintersaison zu gehen.

Der Karlsruher Energiekonzern EnBW hat den Block 2 seines Kernkraftwerks Philippsburg am Freitag für die jährliche Revision vom Netz genommen. Neben verschiedenen Routinearbeiten wird die Wartung nach Angaben des Konzerns auch mehrere Instandhaltungsmassnahmen an Grosskomponenten umfassen. Rund 800 Mitarbeiter von Hersteller- und Spezialfirmen sind voraussichtlich bis 14. Juni an der Revision beteiligt. Der 1984 erstmals ans Netz gegangene Druckwasserreaktor Philippsburg 2 verfügt über eine elektrische Leistung von 1‘468 Megawatt. Die Anlage soll noch bis Ende 2019 Strom erzeugen und anschliessend endgültig vom Netz gehen.

Energy Flash 09.05.2018

Am 1. Januar 2018 waren in der Schweiz 650 Wasserkraft-Zentralen mit einer Leistung grösser als 300 Kilo­watt in Betrieb (1.1.2017: 643 Anlagen). Wie die schweizerische Regierung wei­ter mitteilte, hat die maximale mögli­che Leistung aller Anlagen zusammen ab Generator gegenüber dem Vorjahr um 545 Megawatt zugenommen. Der grösste Anteil der Zunahme erfolgte auf­grund der Inbetriebnahme des Pump­speicherkraftwerkes Linth Limmern. Gemäss dem neuen Energiegesetz soll die durchschnittliche jährliche Wasser­kraftproduktion bis 2035 auf 37‘400 GWh ansteigen. Mit einem jährlichen Zubau in der Grössenordnung des Jah­res 2017 (+63 GWh) kann dieser Richt­wert erreicht werden. Die Wasserkraft hat auf der Basis der mittleren Produk­tionserwartung einen Anteil von rund 57 Prozent an der Stromproduktion in der Schweiz.

Trotz aller Klimaschutzanstrengungen ist der Ausstoss von Kohlendioxid aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas in der Europäischen Union 2017 gestiegen. Die Statistikbehörde Eurostat schätzte am Freitag eine Zunahme um 1.8 Prozent. Für Deutschland gehen die Statistiker indes von einem Rückgang um 0.2 Prozent aus. Die Europäische Union hat sich international zur Senkung des CO2-Ausstosses verpflichtet. Grosse Länder wie Spanien, Frankreich, Italien oder Polen verzeichneten im vergangenen Jahr nach Schätzung von Eurostat aber deutliche Anstiege, ebenso einige kleinere Länder wie Malta, Estland und Bulgarien. Gesunken sind die CO2-Emissionen dagegen nur in sieben der 28 EU-Länder, nämlich Finnland, Dänemark, Grossbritannien, Irland, Belgien, Lettland und eben minimal auch in Deutschland, das allerdings alleine für fast ein Viertel der gesamten CO2-Emissionen der EU steht. Wie viel fossile Brennstoffe verfeuert werden, hängt unter anderem von den Temperaturen im Winter, aber auch von der Konjunktur ab. Eurostat schätzt nach eigenen Angaben auf Grundlage der monatlichen Energiestatistiken.

Im französischen Atomreaktor-Neubau in Flamanville am Ärmelkanal sind Vorhängeschlösser von EDV-Schränken verschwunden. Der Stromkonzern EDF sprach von einer „böswilligen Tat“ und erstattete eine Anzeige gegen unbekannt. Die betroffenen Schränke enthalten demnach Computertechnik, die zum Kontroll- und Steuerungssystem der noch nicht in Betrieb genommenen Anlage gehört. Die Siegel im Inneren der Schränke seien nicht beschädigt worden, der Vorfall habe keine Auswirkungen auf die Sicherheit gehabt. Die Schränke, in denen sich die Hardware zum Schutz des nuklearen Dampferzeugers befindet, seien nicht betroffen gewesen. Der neue Druckwasserreaktor des Typs EPR soll nach bisherigen Plänen Ende dieses Jahres mit nuklearem Brennstoff beladen werden. Allerdings waren vor kurzem Mängel an Schweissnähten entdeckt worden - es ist noch unklar, ob dies die Inbetriebnahme verzögert. Mit dem Reaktor ist das Schicksal des umstrittenen Atomkraftwerks Fessenheim im Elsass verknüpft. Die Anlage unmittelbar an der deutschen Grenze soll erst abgeschaltet werden, wenn der Neubau ans Netz geht. Die Fertigstellung des Reaktors von Flamanville hatte sich schon mehrfach verzögert, die Kosten haben sich gegenüber den ursprünglichen Plänen auf 10.5 Milliarden Euro mehr als verdreifacht.

Energy Flash 25.04.2018

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) strebt kein rasches Abschalten von Kohlekraftwerken in Deutschland an. Der Ausstieg aus der Kohleverstromung werde nicht „zwei, drei Jahre dauern, sondern viel länger“, sagte der CDU-Politiker in seiner Rede auf einer grossen Energiekonferenz im Auswärtigen Amt. Bis 2030 wolle Deutschland die Stromproduktion aus Kohle halbieren, erklärte Altmaier. Im Pariser Klimaschutzabkommen hat sich die Bundesrepublik verpflichtet, bis zur Mitte des Jahrhunderts fossile Brenn- und Kraftstoffe aus der Energieerzeugung zu verbannen. Grüne und Umweltverbände drängen die Koalition dazu, das Ziel schneller anzugehen. Eine Kohlekommission soll nun bis Ende des Jahres Empfehlungen erarbeiten, wie und wann die mit Kohle befeuerten Turbinen vom Netz gehen müssen.

Die Investitionen in die Windkraftbranche in Europa sind im vergangenen Jahr um neun Prozent auf 51.2 Milliarden Euro gestiegen, obwohl die Aufwendungen für neu installierte Windparks von 28 Milliarden im Vorjahr auf nunmehr 22 Milliarden Euro gesunken sind. Der EU-Verband WindEurope, der die Zahlen vorgelegt hat, begründet diesen Rückgang mit der Kostensenkung in der Windkraftindustrie. Denn trotzt geringerer Investitionen ist die installierte Kapazität 2017 von zuvor 10.3 Gigawatt (GW) auf 11.5 GW gestiegen. „Mit 51.2 Milliarden Euro deckt die Windenergie die Hälfte der Investitionen im Stromsektor 2017“, erklärte Pierre Tardieu, Chief Policy Officer von WindEurope in Brüssel. Die Windkraftbranche stelle inzwischen mehr Kapazität für weniger Geld zur Verfügung. „Dies ist grösstenteils auf den stärkeren Wettbewerb in den Ausschreibungen und der Kostensenkung durch technologische Entwicklung zurückzuführen“, führte Tardieu aus.

Mit einem Preisanstieg hat Rohöl auf einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters reagiert. Demzufolge Saudi-Arabien an einem Ölpreis zwischen 80 und 100 US-Dollar je Barrel interessiert ist. Grund für den Wunsch nach einem höheren Ölpreis sei demnach, die Bewertung von Saudi Aramco vor dem geplanten Börsengang zu erhöhen. Auch danach könnte Saudi-Arabien an einem hohen Ölpreis interessiert sein, um den Umbau der Wirtschaft, den geplanten Bau der Megastadt Neom und den Krieg im Jemen zu finanzieren, so die Analysten der Commerzbank.

Die Zahl der aktiven Ölförderstellen in den USA ist in den vergangenen Wochen um fünf auf insgesamt 820 gestiegen. Damit setzte sich der jüngste Trend zunehmender Produktionsstandorte fort. Wie der Ölfelddienstleister Baker Hughes weiter mitteilte, nahm auch die Gesamtzahl der aktiven Förderstellen, inklusive jener für Erdgas, um fünf auf 1‘013 zu. Am Ölmarkt zeigen sich die Preise von den Daten zunächst unbeeindruckt.

Energy Flash 18.04.2018

Die französische Atomaufsicht ASN hat weitere Kontrollen von Schweissnähten beim französischen Atomreaktor-Neubau Flamanville gefordert, der Ende 2018 ans Netz gehen soll. Der Betreiber EDF hatte bereits von sich aus Kontrollen für die 150 betroffenen Schweissnähte des Sekundärkreislaufs angesetzt, nachdem an diesen Risse entdeckt worden waren. „ASN ist allerdings der Ansicht, dass EDF eine Ausweitung dieser Kontrollen auf andere Kreisläufe vorschlagen muss“, teilte die Behörde mit. Der Sekundärkreislauf ist einer der beiden Kühlkreisläufe des Reaktors. Das in ihm fliessende Wasser ist im Gegensatz zum Primärkreislauf nicht radioaktiv. Eine Inspektion der Atomaufsicht kritisierte nun die Organisation und Arbeitsbedingungen bei diesen Kontrollen. Sie sprach zudem von einer „ungeeigneten Überwachung“ durch EDF und den Atomkonzern Framatome. EDF will der Atomaufsicht auf Grundlage der nun laufenden Untersuchungen einen Vorschlag machen, wie das Problem gelöst werden kann. Der Stromkonzern kann nach eigener Aussage erst danach einschätzen, ob sich das Kraftwerksprojekt Flamanville deshalb verzögert. Mit dem neuen Druckwasserreaktor des Typs EPR ist das Schicksal des umstrittenen Atomkraftwerks Fessenheim im Elsass verknüpft. Die pannenträchtige Anlage unmittelbar an der deutschen Grenze soll erst dann abgeschaltet werden, wenn der Reaktor-Neubau in Flamanville ans Netz geht.

Französische Gewerkschaften haben für Mittwoch, 21.00 Uhr, zu einem 24 Stunden dauernden Streik bei dem Versorger EDF aufgerufen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet, machte EDF keine Angaben ob die Stromproduktion des Landes dadurch eingeschränkt wird. Die Gewerkschaft CGT hat für Donnerstag zu landesweiten Protesten aufgerufen, um die von Staatspräsident Emmanuel Macron geplanten Reformen zu verhindern.

Das umstrittene belgische Kernkraft­werk Tihange 2 verletzt nach Einschät­zung eines Experten-Netzwerks inter­national anerkannte Sicherheits­massstäbe. Der Reaktor mit Tausen­den Rissen müsse nach dem jetzi­gen Stand der Erkenntnisse vorerst stillgelegt werden, heisst es in einer Erklärung, die das Netzwerk Inrag bei seiner Fachtagung am Sams­tag in Aachen verabschieden woll­te. Die Herkunft der Risse im Reak­tordruckbehälter sei nicht mit ausrei­chender Sicherheit geklärt, führten die Experten des Netzwerks am Frei­tag in Aachen aus. Die belgische Atomaufsicht gehe davon aus, dass sie bei der Produk­tion des Bauteils entstanden seien. „Das Teil hätte nie eingebaut werden dürfen“, sagte dazu Professor Wolf­gang Renneberg, der frühere Leiter der Abteilung für Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium. „Ein Reaktorbehälter darf nicht kaputtgehen. Wenn er kaputtgeht, gibt es keine Sicherheitssysteme, die das auffangen“. Darum werde die ganze Sicherheit in die Qualität des Stahls und des Mate­rials gesteckt. „Jetzt hat man den absoluten Sonderfall, dass hier bei einem Reaktordruckbehälter diese Prinzipien offensichtlich verletzt wor­den sind“. Die Bundesregierung hatte Belgien gebeten, Tihange 2 vorerst vom Netz zu nehmen, weil wegen der Risse Zweifel an der Sicherheit in einem Störfall bestünden. Die belgische Atomaufsicht sah indessen bisher keinen Grund für eine Abschaltung: Tihange 2 und auch Doel 3 bei Antwerpen, in dem es ebenfalls Risse gibt, seien sicher, hiess es dazu aus belgischen Regie­rungskreisen. In der Dreiländerregion bei Aachen gibt es Widerstand der Kommunen gegen Tihange 2, dem sich zuletzt auch belgische Kommunen ange­schlossen hatten.

Energy Flash 11.04.2018

Der CO2-Ausstoss aller Anlagen, die 2017 am Europäischen Emissionshan­del teilgenommen haben, hat gegen­über dem Vorjahr um 0.3 Prozent auf 1‘756 Milliarden Tonnen von 1‘750 Milliarden Tonnen zugenommen. Das hat das britische Analysehaus Sand­bag auf Grundlage der Daten ermit­telt, die die Europäische Kommission am Dienstag veröffentlicht hat. Es han­delt sich dabei um Rohdaten, zusam­mengefasste und aufbereitete Anga­ben wurden von der Behörde nicht zur Verfügung gestellt. Da zum Stichtag 1. April nur 95 Prozent der Angaben vor­lagen, hat das Analysehaus die fehlen­den Zahlen mit den Angaben für 2016 ergänzt. Die Industrieemissionen wuch­sen laut Sandbag infolge der erhöhten industriellen Aktivität und einer gestie­genen Stahlproduktion das erste Mal seit 2010. Ihr Anstieg betrug 2 Prozent auf 743 Millionen Tonnen.

Das Kernkraftwerk Brokdorf mit 1‘400 Megawatt Leistung ist am Sonntag zum jährlichen Brennelementwechsel und zu der damit verbundenen Revisi­on vom Netz genommen worden. Geplant seien umfangreiche Prüfun­gen, instandhaltungsarbeiten und „Massnahmen zum Erhalt und zur Erhöhung der Sicherheit der Anla­ge“. Die Revision dauere etwa vier Wochen, teilte das für die Reaktorsi­cherheit zuständige Energiewende­ministerium mit. „Sämtliche Arbei­ten werden von der Reaktorsicher­heitsbehörde intensiv kontrolliert“, hiess es. Im Zuge der Jahresrevision im ver­gangenen Jahr war im Februar 2017 Rost an Brennstäben festgestellt wor­den, der nicht nur dicker war, sondern auch schneller und an anderen Stel­len auftrat als erwartet. Die Revision damals sollte ursprünglich drei Wochen dauern, zog sich aber wegen der Rostfunde fast sechs Monate hin. Experten fanden heraus, dass zu der auffälligen Oxidation der Brenn­stäbe ausser dem Hüllrohrmateri­al auch die im Jahr 2006 erhöhte Leistung und ein immer häufigeres schnelles Hoch- und Herunterfah­ren des Reaktors geführt hatten. Die Atomaufsicht ordnete an, die soge­nannte Lastwechselgeschwindigkeit zu halbieren. Die beim vergangenen Brennele­mentwechsel auffälligen M5-Brenn­elemente sollen jetzt nicht nur visu­ell geprüft werden, sondern es wer­den auch Oxidschichtdicken gemes­sen, wie das Ministerium ankündigte. Bei der Revision will die Betreiberge­sellschaft PreussenElektra den Reak­tordruckbehälter mit bis zu 52 neuen Brennelementen beladen. Geplant sind auch Funktionsprü­fungen an Ventilen im nicht-nuklea­ren Wasserdampfkreislauf. Das Kern­kraftwerk darf noch bis 2021 Strom erzeugen.

Im Atomkraftwerk Fessenheim soll ein seit knapp zwei Jahren abgeschalte­ter Reaktorblock entgegen früherer Pla­nungen erst am Freitag wieder hoch­gefahren werden. Die Inbetriebnah­me von Block 2 sei auf dieses spä­tere Datum verschoben worden, teil­te ein Sprecher des französischen Stromkonzerns EDF mit. Zu den Gründen machte er keine Angaben. Ursprünglich war geplant gewesen, dass der Reaktorblock am späten Dienstagabend den Betrieb wieder aufnimmt. Auf einer Seite des Über­tragungsnetzbetreibers RTE war dann auch am Dienstabend zu lesen, dass der Ausfall des Reaktors beendet sei. Diese Information wurde am Mittwoch geändert: Auf der Internetseite stand nun, dass der Ausfall erst am Freitag beendet sein soll. Das Atomkraftwerk Fessenheim in unmittelbarer Nähe zur deutschen Grenze ist die älteste noch laufende Anlage Frankreichs und gilt Kritikern als Sicherheitsrisiko. Sie soll nach derzeitigem Planungsstand Ende 2018, Anfang 2019 abgeschaltet wer­den. Voraussetzung dafür ist, dass dann der neue Reaktor Flamanville 3 in Betrieb ist.

Energy Flash 04.04.2018

Angesichts der bevorstehenden Schliessung des umstrittenen Atom­kraftwerks im elsässischen Fessen­heim soll ein neuer Sonderbeauftrag­ter Pläne für die Zukunft der Region schmieden. David Coste, bisher Beam­ter in der Kontrollbehörde der französi­schen Verwaltung, wurde am Mittwoch für den neuen Posten ernannt. Das Atomkraftwerk Fessenheim in unmittelbarer Nähe zur deutschen Grenze gilt Kritikern seit Jahrzehn­ten als Sicherheitsrisiko. Es soll nach derzeitigen Plänen der französischen Regierung und des staatlichen Betrei­bers EDF Ende 2018 oder Anfang 2019 vom Netz gehen, wenn der neue Reak­tor Flamanville 3 in Betrieb genommen wurde. Am Beispiel von Fessenheim solle für die Zukunft ein fester Rahmen für die Schliessung von Atomkraftwerken erar­beitet werden, sagte Frankreichs Umwelt­minister Nicolas Hulot. Auch will Hulot feste Standards einführen, nach denen künftig entschieden wird, welche Kraft­werke als nächstes vom Netz gehen sollen. Gegen das Ende der Laufzeit des Kraftwerks in Fessenheim gibt es der­weil in der ländlich geprägten Regi­on Proteste. Nach Angaben des Fes­senheimer Bürgermeisters werden mit der Schliessung mehr als 2.000 Arbeits­plätze verloren gehen. Angesichts die­ser Sorgen hatte der Umwelt-Staats­sekretär Sébastien Lecornu bereits im Januar ein eigenes Komitee ins Leben gerufen. Darin beraten Vertreter aus Wirt­schaft, Gewerkschaften und Politik über die Zukunft Fessenheims ohne das Kraftwerk. Im Gespräch ist ein deutsch-französischer Industriepark. Der Rückbau des Kraftwerks wird nach Angaben der Betriebsleitung rund 20 Jahre in Anspruch nehmen.

Der französische Energieversorger EDF will bis 2035 8 Milliarden Euro in die Entwicklung von Stromspeichern investieren. Ziel sei, in Europa Markt­führer auf diesem Gebiet zu werden, teilte das Unternehmen jetzt mit. Zu den bereits existierenden 5 Giga­watt Speicher sollen bis 2035 weite­re 10 Gigawatt hinzukommen. Geeig­nete Speicherlösungen seien ein zen­traler Baustein für die Energiewende, vor allem angesichts der zunehmen­den Bedeutung von Wind- und Solar­kraft für die Energiebranche, teilte das Unternehmen mit. EDF will mit seinen Investitionen die Belastbarkeit von Stromnetzen stei­gern, aber auch privaten Besitzern von Photovoltaikanlagen ermöglichen, ihren Strom zu speichern.

Die führenden deutschen Umweltverbände stellen Bedingungen an die geplante Kommission zur Vorbereitung des Kohleausstiegs. Für zwingend notwendig halten sie eine ausgewogene Besetzung, eine gemeinsame Federführung von Wirtschafts- und Umweltministerium und einen „klaren Ausstiegspfad“ für die Stromgewinnung aus Kohle. Zudem fordern sie ein Sofortprogramm für die Erreichung des deutschen Klimaziels für 2020 und ein Mandat, das im Einklang mit den internationalen Klimazielen des Pariser Abkommens steht. Darauf verständigten sich Nabu, WWF, Deutscher Naturschutzring, Greenpeace, Umwelthilfe und Germanwatch. Union und SPD wollen eine Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ einsetzen. Diese soll noch in diesem Jahr ein Enddatum für den Kohleausstieg nennen und Massnahmen bestimmen, mit denen sich Deutschland seinem nationalen Klimaziel so weit wie möglich annähern kann. Bis zum Jahr 2020 soll der CO2-Ausstoss eigentlich 40 Prozent unter dem Stand von 1990 liegen. Noch ist nicht bekannt, wer die Kommission leiten wird und wer dabei sein soll – im Koalitionsvertrag ist von „Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Umweltverbänden, Gewerkschaften sowie betroffenen Ländern und Regionen“ die Rede. Die Umweltverbände fordern, dass Klimaschutz-Sofortmassnahmen schon parallel zur Berufung der Kommission festgezurrt werden, insbesondere die Drosselung und Stilllegung von Kohlekraftwerken. Für den Kohleausstieg wollen sie neben einem Enddatum ein Zwischenziel für 2025 und einen festgeschriebenen Emissionsabbau, der auch kontrolliert wird. Wirtschaftliche, ökologische und soziale Interessen sollen nach dem Willen der Verbände ausgewogen vertreten sein - und zwar auch im Vorsitz der Kommission. Dass Deutschland sein 2005 beschlossenes Klimaziel für 2020 kaum noch schaffen kann, ist trotz 2014 beschlossener Zusatzmassnahmen schon länger klar.

Energy Flash 28.03.2018

Vergangene Woche konnte ein signifikanter Preisanstieg auf dem Strommarkt verzeichnet werden. Aktuell ist der Energiemarkt in einer angespannten Situation: Die Temperaturen sind weiterhin und in absehbarer Zukunft unter Norm, d.h. der Frühling ist kälter als üblich und dieser Zustand hält an. Durch die sehr kalten Temperaturen Mitte Februar bis Anfang März sind die Gasspeicherstände auf sehr niedrigem Level. Zusätzlich war die Prognose der Einspeisung von Windkraftwerken letzte Woche relativ tief. In einer so angespannten Situation schlagen kleine Störungen enorm auf die Strompreise durch.

Aktuell findet auf dem CO2 Markt eine Hausse statt, aber Fundamentale Faktoren sind für den Preisanstieg nicht erkennbar. Nächste Woche werden die verifizierten Emissionen in der EU veröffentlicht, weswegen diese Aufwärtsentwicklung ziemlich sicher eine spekulative Blase ist, die dann ihr Ende finden dürfte. Momentan sind auch die Ölpreise am steigen, was vor allem auf die Weltpolitische Lage zurückzuführen ist. Der herbeigerufene Handelskrieg vom amerikanischen Präsidenten und die Kriege in Syrien und anderswo entfalten hier ihre Wirkung. Zudem wurde letzte Woche die Nachricht bekannt, dass die Pläne vom Kernkraftwerk Cattenom gestohlen wurden. Dies liess Befürchtungen über terroristische Anschläge kursieren. Mittlerweile sind die Windprognosen wieder etwas höher und der letzte Lauf der Wettermodelle lässt mildere Temperaturen für die kommende Woche erwarten. Die Lage auf dem Strommarkt bleibt angespannt, die Preise bewegen sich weiterhin aufwärts.

Der Schweizer Energiekonzern Alpiq will mit einer Umstrukturierung wieder positive Zahlen schreiben. So kündigte das Unternehmen bei der Vorlage seiner Jahreszahlen für 2017 den Verkauf seines Industriegeschäfts an die französische Bouygues Construction für 850 Millionen Schweizer Franken an. Die zufliessenden Mittel führten zu einer vollständigen Nettoentschuldung. Der Energieversorger erhöhte seinen Umsatz 2017 gegenüber dem Vorjahr um 1.1 Milliarden auf nunmehr 7.2 Milliarden Franken. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) fiel hingegen von 395 Millionen auf 301 Millionen Franken. Um sich künftig auf das Kerngeschäft zu konzentrieren, trennt sich Alpiq von seinem Engineering-Services-Geschäfts, welches aus der InTec und der Kraftanlagen-Gruppe besteht. Der Verkauf an das französische Unternehmen steht vorbehaltlich der Zustimmung durch die Wettbewerbsbehörden der Schweiz und der EU. Alpiq verkauft den Bereich, weil das Unternehmen nach eigenen Angaben derzeit nicht über die finanziellen Mittel verfügt, um das Engineering-Service-Geschäft weiterzuentwickeln. Darüber hinaus verschaffe sich Alpiq mit dem Verkauf einen deutlichen Mehrwert für den Konzern. In Zukunft will sich der Versorger auf sein Hauptgeschäft der Stromproduktion in der Schweiz sowie auf die internationalen Aktivitäten mit flexiblen Kraftwerken, erneuerbaren Energien und Energiehandel fokussieren. Zudem will Alpiq das neue Geschäft mit Smart Solutions auch ausserhalb der Schweiz weiter ausbauen.

Energy Flash 21.03.2018

Energiekonzerne in der Schweiz sollen ihre Infrastrukturanlagen nicht an ausländische Investoren verkaufen dürfen. Die zuständige Nationalratskommission hatte einem Vorstoss von SP-Nationalrätin Jacqueline Badran zugestimmt, dass strategisch wichtige Infrastrukturanlagen wie Wasserkraftwerke, Gas- und Stromnetze ebenfalls unter die sogenannte Lex Koller gestellt werden. Ob die Idee Badrans realisiert wird, hängt massgeblich von der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie (Urek) des Ständerates ab. Stimmt sie der Initiative zu, wird ein Umsetzungsvorschlag ausgearbeitet. Teile der Strombranche arbeiten aber gemäss „Tages-Anzeiger“ darauf hin, dies zu verhindern. Mit einem Brief wandte sich der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen an die Energiepolitiker des Ständerates, worin gewarnt wird, dass der Verband allfällige Verkaufsbeschränkungen die Kantone und Gemeinden teuer zu stehen kämen. Die Anwendung der Lex Koller auf Strominfrastrukturen würde „die bereits angespannte Lage der Elektrizitätswirtschaft zusätzlich verschärfen“, indem „Verkaufsverhandlungen und Reorganisationen erschwert“ würden. Dies ginge letztlich zulasten der öffentlichen Hand. Dass Infrastrukturanlagen durchaus das Interesse ausländischer Investoren wecken können, zeigt sich regelmässig am Kaufhunger chinesischer Staatsfonds. Denn chinesische Investoren erwerben immer wieder auch Anteile an Stromnetzen, Kraftwerken oder Kommunikationsinfrastruktur. Sie beteiligen sich etwa am britischen Kernkraftwerk Hinkley Point oder am deutschen Nordseewindpark Meerwind. In Europa fliessen 28 Prozent der chinesischen Direktinvestitionen in den Energiebereich.

Die französische Atomaufsicht ASN hat den Reaktorblock 2 des von EdF betriebenen Kernkraftwerks in Fessenheim mit 880 Megawatt Nettokapazität wieder für die Stromproduktion freigegeben. Das geht aus einer Mitteilung des baden-württembergischen Umweltministeriums hervor. Seit Sommer 2016 war der Block aus Sicherheitsgründen außer Betrieb, weil ein Dampferzeuger nicht der geforderten Fertigungsqualität und damit den Sicherheitsvorschriften entsprach. Die französische Regierung will Fessenheim Ende 2018 ganz stilllegen. EdF will das AKW in Fessenheim jedoch bis zuletzt nutzen. In diesem Punkt habe sich AKW-Direktor Marc Simon-Jean anlässlich einer Pressekonferenz vor wenigen Tagen unmissverständlich geäussert und ein baldiges Wiederhochfahren von Block 2 angekündigt.

Der starke Wettbewerb auf dem österreichischen Energiemarkt sorgt für stabile Preise und einen intensiven Lieferantenwechsel der Kunden. Im vergangenen Jahr verzeichnete Österreich die höchsten Wechselzahlen seit Beginn der Liberalisierung im Jahr 2000, wie die Regulierungsbehörde E-Control mitteilt. Demnach haben bereits 26 Stromlieferanten ihre Preise verringert. Auf dem österreichischen Energiemarkt sind nach Angaben der Regulierungsbehörde zurzeit rund 150 Stromlieferanten tätig, die etwa fünf Millionen Haushalte, Gewerbebetriebe und sonstige Kleinkunden beliefern. Je nach Region stehen in der Regel einem angestammten Lieferanten 25 alternative Lieferanten gegenüber. Auf dem Gasmarkt sind 44 Lieferanten aktiv, die rund 1,3 Millionen Kunden beliefern. Die Preise für Haushaltskunden sind im Strombereich 2017 relativ stabil geblieben. Dagegen sind die Industriepreise im vergangenen Jahr gesunken. Auch im Gasbereich blieben die Haushaltspreise im Jahresvergleich relativ stabil, während die Industriepreise in der ersten Jahreshälfte 2017 weiter gefallen sind.

Das US-Energieministerium rechnet in seinem aktuellen Drilling Productivity Report für April mit einem Anstieg der US-Erdölproduktion um 131‘000 Barrel auf ein neues Rekordniveau von 6.95 Millionen Barrel pro Tag. Den größten Beitrag leistet erneut das Schieferölvorkommen Permian Basin, wo die Produktion um 80‘000 auf 3.16 Millionen Barrel pro Tag steigen soll. Die Schieferölproduktion in den vorherigen sieben Monaten wurde außerdem um durchschnittlich 84‘000 Barrel pro Tag nach oben revidiert. Dieser Anstieg reicht aus, um den globalen Nachfrageanstieg komplett zu decken. Das Rohölkartell Opec hat somit keinen Spielraum, die Produktion vom derzeitigen Niveau aus zu erhöhen. Laut dem Iran soll zwar bei der nächsten OPEC-Sitzung im Juni über einen Ausstieg aus den Produktionskürzungen im nächsten Jahr gesprochen werden. Im aktuellen Marktumfeld würde eine höhere OPEC-Produktion aber zu einem erneuten Überangebot führen und die Ölpreise belasten, so die Analysten.

Energy Flash 14.03.2018

Die jüngste Kältewelle hat die Erdgas­speicher in Deutschland kräftig geleert. Die Reserve ist zum Ende des Win­ters auf ungefähr 55 Terawattstunden zusammengeschmolzen und damit so niedrig wie seit fünf Jahren nicht. Die rund 50 deutschen Gasspeicher sind im Schnitt noch zu 23.8 Prozent gefüllt. Das geht aus den aktuellen Speicher­daten der europäischen Gasorganisati­on GIE hervor. Noch vor einem Monat enthielten die Speicher rund doppelt so viel Gas. Die Gasversorgung der Haushal­te ist aber noch nicht in Gefahr. Sollte es dazu kommen, würde Deutschland nach einem EU-einheitlichen Verfah­ren eine Frühwarnstufe auslösen. Das ist schon in Italien vorsorglich gesche­hen. In Europa insgesamt sind die Gas­speicher zu 26.2 Prozent gefüllt. Eini­ge Länder liegen deutlich darunter, etwa Frankreich und Belgien mit Stän­den um die zehn Prozent. Üblicherwei­se werden die deutschen Gasspeicher von April bis Oktober befüllt und von November bis März geleert.

Das US-Energieministerium hat seine Prognose zum Anstieg der US-Rohölproduktion im laufenden Jahr nochmals erhöht und prognostiziert nun einen Anstieg um 1.4 Millionen Barrel pro Tag. Das Produktionsniveau von 11 Millionen Barrel pro Tag soll nun schon im Oktober erreicht werden, einen Monat früher als bislang erwartet. Die USA würden damit im vierten Quartal zum weltgrössten Rohölproduzenten aufsteigen. Die deutlich höhere US-Ölproduktion trägt dazu bei, dass das Nicht-Opec-Angebot in diesem Jahr laut Schätzung der Behörde um 2.5 Millionen Barrel pro Tag steigen wird. Den Anstieg der globalen Ölnachfrage beziffert das Energieministerium dagegen nur auf 1.7 Millionen Barrel pro Tag. Der Bedarf an Opec-Öl sinkt daraufhin in diesem Jahr auf gut 32 Millionen Barrel pro Tag, was nochmals 200‘000 bis 300‘000 Barrel pro Tag unter der aktuellen Opec-Produktion liegt und somit zusätzlichen Kürzungsbedarf impliziert.

Die französische Atomstrompro­duktion hat sich im laufenden Quar­tal erholt. Dennoch bestehen weiter Risiken für die kommenden Monate, schreibt Platts in einer Analyse der monatlichen Produktionsdaten. Vor dem Jahr 2020 sei es unwahrschein­lich, dass die Produktion noch einmal die derzeitigen Niveaus erreicht. Hin­tergrund sind Wartungsarbeiten und Überprüfungen, die in diesem und dem kommenden Jahr anstehen. Platts geht davon aus, dass die Produktion sich im ersten Quartal 2018 auf durchschnittlich 52 Giga­watt beläuft. Gegenüber dem vierten Quartal 2017 mit etwa 43 Gigawatt im Durchschnitt wäre das eine Stei­gerung von mehr als 20 Prozent. Laut den Daten des Übertragungsnetzbe­treibers RTE wurde im Schlussquartal 2017 die schwächste Produktion der französischen Kernkraftwerksflotte in einem Winterquartal verzeichnet. Angesichts der vom EDF geplan­ten Revisionen ist aber nicht davon auszugehen, dass der Durchschnitt des ersten Quartals 2018 im laufen­den oder im kommenden Jahr noch einmal erreicht wird. Grund dafür ist unter anderem die geplante Abschal­tung des Kernkraftwerks Fessen­heim. „Vor allem im Zeitraum Juni bis August 2019 könnte die französische Atomstromproduktion neue Tiefstän­de erreichen“, so die Analysten von Platts. Die jährliche Produktion soll im kommenden Jahr auf das Niveau von 2017 fallen. EDF selbst geht für 2019 von einer geringeren Erzeugung aus, nennt aber keine konkreten Zahlen.

Energy Flash 07.03.2018

Nach drei Jahren Stillstand darf der Block 1 des Kernkraftwerks Beznau wieder ans Netz. Die Axpo hat nachgewiesen, dass die im Stahl des Reaktordruckbehälters gefundenen Aluminiumoxid-Einschlüsse keinen negativen Einfluss auf die Sicherheit haben. Die Nuklearaufsichtsbehörde ENSI hat den Nachweis geprüft und akzeptiert. Das ENSI hatte 2015 gefordert, dass die Axpo die Ultraschallanzeige, welche auf die Befunde im Stahl des Reaktordruckbehälters hinweisen, untersucht, charakterisiert und bewertet. Weil man keine grösseren Proben aus dem Reaktordruckbehälter entnehmen konnte, liess die Axpo nach demselben Verfahren eine Kopie des Reaktordruckbehälters herstellen. Ultraschalluntersuchungen an der Replika zeigten ein ähnliches Bild wie beim Original. Beznau 1 wird nun allerdings nicht sofort ans Netz gehen. Zuerst muss der Kern neu beladen werden, ehe das ENSI weitere Tests durchführt. Danach erfolgt, wie nach jeder Revision die Freigabe für das Wiederanfahren. Dabei wird die Anlage stufenweise hinaufgefahren.

Der Reform des europäischen Emissionshandelssystems EU-ETS steht nichts mehr im Wege. Letzte Woche hat erwartungsgemäss auch der EU-Ministerrat dem Reformpaket für die Zeit nach 2020 zugestimmt. Offiziell können die Reformen 20 Tage nach ihrer Veröffentlichung im EU-Amtsblatt in Kraft treten. Die Massnahmen zur Stärkung des Instruments, das die EU als ihr wichtigstes im Kampf gegen den Klimawandel sieht, sind insgesamt strenger ausgefallen als von der EU-Kommission zunächst vorgesehen. Mit der Marktstabilisierungsreserve (MSR) beginnt der „Angriff“ auf die rund 1.5 Milliarden überschüssigen Zertifikate bereits 2019. Bis 2023 werden 24 Prozent und damit doppelt so viele Berechtigungen in die MSR übertragen wie ursprünglich von der EU-Kommission vorgesehen. Von 2023 an wird ein Grossteil der in der Reserve angesammelten überschüssigen Zertifikate gelöscht.

Die USA werden nach Einschätzung der Internationalen Energie-Agentur (IEA) bis zum Jahr 2023 Russland als grössten Ölproduzenten der Welt überholen. Die US-Rohölproduktion werde 2023 voraussichtlich einen Rekord von 12.1 Millionen Barrel pro Tag erreichen, ein Anstieg von etwa 2 Millionen Barrel gegenüber dem aktuellen Niveau. Russland fördert derzeit rund 11 Millionen Barrel pro Tag. Die USA erleben nach der Fünfjahresprognose der IEA eine Fortsetzung ihres Öl- und Gasbooms, unterstützt von technologischen Fortschritten, verbesserter Effizienz und einer Erholung der Ölpreise, was die Schieferölfirmen ermutigt, ihre Bohrungen zu verstärken. Einst stark von Importen aus dem Nahen Osten abhängig, nähern sich die USA ihrem Ziel, genügend Rohöl zu produzieren, um die Inlandsnachfrage zu decken. Der Einfluss der USA auf die globalen Ölmärkte dürfte ebenfalls zunehmen, wobei sich die US-Ölexporte nach Einschätzung der IEA bis 2023 auf 4.9 Millionen Barrel pro Tag mehr als verdoppeln werden. Bis 2015 exportierten die USA per Gesetz kein Rohöl, aber in fünf Jahren dürfte das Land zu den grössten Exporteuren der Welt gehören.

Energy Flash 28.02.2018

Die Temperaturen sind aktuell weit unter der Norm. Entsprechend werden die Strompreise generell gestützt durch den temperatursensiblen französischen Markt. Der Effekt auf die Strompreise, den Solar- oder Windenergie auf die Preise ausüben können, wird dadurch gedämpft. Aufgrund der tiefen Temperaturen hat der Versorger EDF die Revisionszeiten für die beiden 900-Megawatt-Reaktoren Gravelines 6 und Tricastin 4 um eine Woche auf den 4. März nach hinten verschoben. Aber mit dem absehbaren Ende der Kältewelle preist der Markt die niedrigen Temperaturen bereits wieder aus. Der Tiefpunkt der Temperaturen ist bereits für Mittwoch zu erwarten.

Wie der Betreiber EDF bestätigt, entsprechen 38 von 66 Schweissnähten für das Kühlsystem im Sekundärkreislauf des neuen Kernkraftwerksblocks in Flamanville den Qualitätsanforderungen nicht, mit denen ein absoluter Schutz vor einem Bruch des Metalls gewährleistet werden soll. Dies habe jedoch keinen Effekt für die Sicherheit des Reaktors oder auf den Zeitplan für seine Indienststellung. Auch zusätzliche Kosten fielen nicht an. Trotz ihrer minderen Qualität entsprächen die Teile den Anforderungen der Nuklearsicherheitsbehörde ASN. Der Reaktor soll Ende Dezember mit Kernbrennstoff beladen werden und im vierten Quartal 2019 seine volle Produktionskapazität erreichen. Die französische Atomaufsichtsbehörde ASN hat den Kraftwerksbetreiber EDF und den Hersteller Framatome aufgefordert, den Baufortschritt am Reaktor Flamanville 3 zu verbessern. Die Unternehmen müssten den Ablauf der Vorab-Tests und den Umgang mit Problemen optimieren. ASN-Präsident Pierre-Frank Chevet sagte, die Qualitätsmängel bei den Schweissnähten seien eine ernste Angelegenheit. Er sei sehr weit davon entfernt, den Flamanville-Zeitplan bestätigen zu können.

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hofft, den Rahmen einer langfristigen Partnerschaft mit Produzenten ausserhalb des Kartells wie Russland bis zum Jahresende abzuschliessen. Bei einer Konferenz sagte Suhail al-Mazroui, Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate und Opec-Präsident, dass es einen Entwurf für ein solches Rahmenwerk gibt. Im November 2017 hatten die 14 Opec-Mitglieder und zehn Produzenten ausserhalb der Gruppe vereinbart, die 2016 verfügte Förderbremse bis Ende 2018 zu verlängern. Die gemeinsame tägliche Förderung wird demnach um 1.8 Millionen Barrel niedriger gehalten als im Oktober 2016. Aber es gab Zweifel, ob Russland, der grösste Ölproduzent der Welt und das grösste Nicht-Opec-Mitglied in der Koalition, die Anstrengungen auf lange Sicht fortsetzen wird. Al-Mazroui sagte, dass Russland ein wesentlicher Teil der Gruppe sei und dass das Abkommen mit einer Förderdisziplin von 107 Prozent im Jahr 2017 erfolgreich gewesen sei.

Strom aus neu geplanten grossen Solarparks hat inzwischen das Preisniveau von Strom aus Windkraft erreicht. Zu dieser Einschätzung kommt der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) aufgrund der Ergebnisse der Solar-Ausschreibung vom 1. Februar. Nach Angaben der Bundesnetzagentur liegt der Zuschlagpreis bei neuen Photovoltaikanlagen auf Freiflächen im Schnitt bei 4.3 Cent pro Kilowattstunde (kWh), bei Onshore-Windparks sind es 4.6 Cent. Damit unterschreite Strom aus Ökostromanlagen die Erzeugungskosten von Strom aus neuen Kohlekraftwerken, die bei rund 6 Cent lägen. Dieses sei das Ergebnis einer beispiellosen Kostensenkung infolge von Innovationen und eines harten Wettbewerbs.

Energy Flash 21.02.2018

Frankreich hat 2017 etwa 482 Terawattstunden (TWh) Strom verbraucht. Damit ist der Verbrauch zum Vorjahr (483 Terawattstunden) in etwa stabil geblieben. Gleichzeitig ist die gesamte Stromproduktion des Landes etwas zurückgegangen und zwar um 0.4 Prozent auf 529.4 TWh. Dieser Rückgang geht laut dem französischen Übertragungsnetzbetreiber RTE vor allem auf eine geringere Produktion der Atomkraftwerke zurück. Diese haben aufgrund längerer teils ungeplanter Reaktorausfälle im vergangenen Jahr 379.1 TWh Strom produziert und damit um 1.3 Prozent weniger als 2016. Der Anteil der Atomkraft an der gesamten Stromproduktion ist damit auf 71.6 Prozent gefallen. Zudem ist die Stromerzeugung aus Wasserkraftwerken um 16.3 Prozent zurückgegangen auf 53.6 TWh. Die Produktion der Windkraft- und Solaranlagen hat hingegen zugenommen und macht damit erstmals ein Drittel der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien in Frankreich aus.

Weltweit hat sich der Ausbau der Windkraft beschleunigt, Europa blickt auf ein Rekordausbaujahr 2017 zurück. Dabei sind auch die Kosten für die Stromerzeugung aus Windenergie gefallen. Laut Global Wind Energy Council (GWEC) wurden im vergangenen Jahr über 50 Gigawatt Windenergie - Offshore wie auch Onshore – zugebaut. Mit einer neu installierten Leistung von 19.5 GW bleibt China beim Zubau weltweit der führende Windenergiemarkt. Inzwischen kann die Windkraft mit stark subventionierten fossilen Technologien konkurrieren. Der europäische Markt ist im vergangenen Jahr um 12.5 GW Onshore und 3.2 GW Offshore gewachsen. Das entspricht einer Steigerung von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2016. Den grössten Zubau verzeichnete Deutschland mit insgesamt sechs GW, gefolgt von Grossbritannien und Frankreich. Die EU-Länder verfügen zurzeit über eine installierte Windenergieleistung von insgesamt 169.3 GW.

Die Rohölproduktion der USA und einiger anderer Produzenten ausserhalb der Organisation der Erdöl exportierender Länder (Opec) wird voraussichtlich die globale Ölnachfrage übersteigen und die Preise in diesem Jahr belasten. Die Internationale Energieagentur erklärte, die aktuelle Phase erinnere „an die erste Welle des US-Schieferölwachstums“ zu Beginn dieses Jahrzehnts, die schliesslich den Markt überschwemmte und den Ölpreis Ende 2014 in die Tiefe stürzte. „Heute, nachdem die US-Produzenten die Kosten drastisch gesenkt haben, erfreuen sie sich einer zweiten Wachstumswelle, die so aussergewöhnlich ist, dass ihr Förderwachstum dem weltweiten Nachfragewachstum in diesem Jahr entsprechen könnte.“ Die tägliche US-Rohölproduktion stieg im Januar um 1.3 Millionen Barrel gegenüber dem Vorjahr, was bedeutet, dass die USA bald die Produktion Saudi-Arabiens übertreffen werden und „möglicherweise auch Russland überholen und zum Weltmarktführer werden könnte“. Der Bericht der IEA kommt kurz nach einer Verkaufswelle am Ölmarkt in der vergangenen Woche, ausgelöst durch Bedenken der Investoren über die steigende US-Produktion. Die Rohölproduktion in den USA ist im November zum ersten Mal seit 1970 über 10 Millionen Barrel pro Tag in die Höhe geschnellt.

Energy Flash 14.02.2018

CDU/CSU und SPD haben sich letzte Woche auf einen Koalitionsvertrag zur Bildung einer neuen Bundesregierung geeinigt. Auch die Ministerposten stehen mehr oder weniger fest. Wirtschaftsminister mit Zuständigkeit für Energie soll der bisherige Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) werden. Altmaier hat bereits Erfahrung mit der Energiepolitik als ehemaliger Umweltminister, als die erneuerbaren Energien noch in die Zuständigkeit des Umweltressorts fielen. Für die Energie- und Klimapolitik wollen die Koalitionäre eine Kommission einrichten, die bis Ende 2018 ein Aktionsprogramm zum Klimaschutz erarbeiten soll. Demnach muss künftig jeder Bereich, auch Verkehr und Landwirtschaft, eigene Klimaziele mit konkreten CO2-Reduktionen erreichen. Ausserdem soll ein Plan zur schrittweisen Reduzierung und Beendigung der Kohleverstromung vorgelegt werden. Die Kommission soll dabei auch strukturpolitische Aspekte in den Kohleländern berücksichtigen. Beim Ausbau der erneuerbaren Energien haben die beiden Parteien das niedergeschrieben, worauf sie sich bereits in den Sondierungsgesprächen geeinigt hatten. Erklärtes Ziel der Regierungskoalition ist es, zusätzliche Ausschreibungen für Windkraft- und Solarenergieprojekte in den nächsten zwei Jahren durchzuführen. Durch diese Sonderausschreibungen sollen acht bis zehn Millionen Tonnen CO2 weniger anfallen. Voraussetzung hierfür ist allerdings die Aufnahmefähigkeit der entsprechenden Netze. Daher wollen die Koalitionspartner weitere Anstrengungen zum Ausbau und zur Modernisierung der Energienetze unternehmen.

Trotz der versprochenen Energiewende ist der Anteil der Öko-Energien an der Stromversorgung in Frankreich rückläufig. Im vergangenen Jahr stammten 18.4 Prozent des verbrauchten Stroms aus Wind, Sonne, Wasserkraft oder Biomasse. Das waren 1.2 Prozentpunkte weniger als 2016 und 0.3 Punkte weniger als 2015. Grund ist nach Angaben des Dachverbandes Syndicat des énergies renouvelables (SER) der um knapp ein Fünftel gesunkene Anteil der Wasserkraft wegen der geringen Regenfälle im vergangenen Jahr. Frankreich bezieht 75 Prozent seines Strombedarfs aus der Atomenergie, das ist der höchste Anteil weltweit.

Neue EU-Regeln für den Handel mit CO2-Luftverschmutzungsrechten für Industrie, Kraftwerke und Flugzeuge sind de facto beschlossen, nachdem das Europäische Parlament grünes Licht dafür gegeben hat. Die Abgeordneten billigten mit 535 gegen 104 Stimmen bei 39 Enthaltungen die Neufassung der Emissionshandelsrichtlinie, auf deren Text sie sich im November mit den Mitgliedsstaaten verständigt hatten. Die neuen Regeln sehen vor, dass Kraftwerke und Fabriken zwischen 2021 und 2030 jedes Jahr 2.2 Prozent weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre blasen dürfen. Derzeit sinkt die erlaubte Menge jährlich um 1.74 Prozent. Gleichzeitig werden Verschmutzungsrechte vom Markt genommen, um das Angebot zu reduzieren. Damit sollen die Zertifikate teurer werden, was Unternehmen mehr Anreiz bieten soll, in Technologien zur Treibhausgasvermeidung zu investieren. Die Gesetzgeber einigten sich, in die ab 2019 geschaffene „Marktstabilisierungsreserve“ (MSR) in den ersten vier Jahren 24 Prozent der überschüssigen Zertifikate übertragen und damit zunächst vom Markt zu nehmen – doppelt so viel wie von der Kommission vorgeschlagen. Analysten gehen davon aus, dass dadurch der CO2-Preis innerhalb der Handelsperiode 2021 bis 2030 von unter 10 Euro pro Tonne auf bis zu 35 Euro steigen wird.

Energy Flash 07.02.2018

Nach der geplanten Abschaltung des Atomkraftwerks Fessenheim Ende dieses Jahres will der Stromkonzern EDF vor 2029 keine weiteren französischen Meiler vom Netz nehmen. „Wir haben ganz klar ein Ziel, unsere Reaktoren auf 50 Jahre (Laufzeit) zu bringen“, so der Leiter der EDF-Nuklearstromproduktion, Philippe Sasseigne. Das würde erste Abschaltungen ab 2029 bedeuten, erklärte er. Frankreich will den Atom-Anteil an seiner Stromproduktion von rund drei Viertel auf 50 Prozent senken und stärker auf erneuerbare Energien setzen. Die Regierung hatte dieses Ziel jedoch kürzlich verschoben: Statt 2025 soll es erst 2030 oder 2035 erreicht werden. „Im Zeitraum 2029 bis 2035 gibt es eine grosse Zahl an Reaktoren, die mit 50 Jahren abgeschaltet werden könnten“, sagte Sasseigne. Es sei vernünftig, manche Reaktoren 50 Jahre laufen zu lassen und andere 60 Jahre, um die Schliessungen zu staffeln.

Der belgische Atomreaktor Tihange-1 mit einer Nettoleistung von 962 Megawatt rückt einem Medienbericht zufolge in der Diskussion um die Sicherheit der Nuklearanlage nahe der deutschen Grenze in den Blickpunkt. Es habe eine deutliche Häufung so genannter „Precursor“-Fälle im Reaktor Tihange-1 nur 70 Kilometer von Aachen entfernt gegeben. Bei einem „Precursor“ (deutsch: Vorbote) handelt es sich um einen Zwischenfall in einem Atomkraftwerk, der unter bestimmten Voraussetzungen zu schweren Schäden am Reaktorkern bis hin zur Kernschmelze führen kann. Den Redaktionen liege ein entsprechendes Schreiben der belgischen Atomaufsicht (FANC) vor. Demnach gab es in den Jahren 2013 bis 2015 insgesamt acht solcher Ereignisse in Tihange-1. Bisher waren wegen Tausender Haarrisse in den Reaktordruckbehältern vor allem Tihange-2 und Doel-3 von deutscher Seite als Sicherheitsrisiko eingeschätzt worden.

Die US-Rohölproduktion hat laut neuesten Schätzungen der US-Energiebehörde bereits im November die Marke von 10 Millionen Barrel pro Tag überschritten. Die Produktionsmenge stieg demzufolge gegenüber Oktober um beachtliche 384‘000 auf 10.038 Millionen Barrel pro Tag und liegt damit nur noch knapp unter dem Rekordniveau von November 1970. Darauf haben die Analysten der Commerzbank aufmerksam gemacht. Bislang ging die EIA für November von 9.87 Millionen Barrel pro Tag aus. Die Marke von 10 Millionen Barrel pro Tag sollte erst im Februar übertroffen werden. Die EIA dürfte somit im nächsten Monatsbericht ihre Prognose für die US-Rohölproduktion 2018 und 2019 nochmals deutlich nach oben revidieren. Dies dürfte für die OPEC zu einem Problem werden, heisst es in dem Research-Report der Analysten. Denn durch die stärker steigende US-Ölproduktion werde auch das Nicht-Opec-Angebot deutlich stärker steigen als die globale Ölnachfrage und der Bedarf an Opec-Öl entsprechend sinken. Laut einer Reuters-Umfrage produzierte die OPEC im Januar 32.4 Millionen Barrel pro Tag, was in etwa der benötigten OPEC-Menge entspricht, also weder zu einem Lageraufbau noch zu einem Lagerabbau führt. Die Umsetzung der Produktionskürzungen lag demnach im Januar bei 138 Prozent. Der grösste Beitrag kam dabei von Venezuela, wo die Produktion im Januar nur noch bei 1.6 Millionen Barrel pro Tag lag. Die daraus resultierende Kürzung um 467‘000 Barrel pro Tag war fast fünfmal so hoch wie erforderlich und erklärt die beträchtliche Übererfüllung der Opec fast alleine. Das Kartell profitiert derzeit also im hohen Masse von den unfreiwilligen Produktionsausfällen in Venezuela, ohne die der Ölmarkt überversorgt wäre.

Energy Flash 31.01.2018

Nach Einschätzung von RWE-Vorstandschef Rolf Martin Schmitz braucht Deutschland noch die fossil betriebenen Kraftwerke in den nächsten zehn Jahren als Backup-Kapazitäten. In den nächsten fünf Jahren gehen gemäss Schmitz etwa 20 Gigawatt an Kapazitäten (Kernenergieausstieg, Braunkohlereserve, Stilllegungsliste) vom Markt und es bleiben noch knapp 90 Gigawatt übrig, bei einem bundesweiten Höchstbedarf von rund 85 Gigawatt. Daher solle die Netzagentur gemeinsam mit den Netzbetreibern einen „Stresstest“ durchführen und mitteilen, auf wie viel gesicherte Leistung das System tatsächlich noch verzichten könnte. In diesem Zusammenhang erneuerte der RWE-Chef die Forderung nach einem Kapazitätsmarkt. Für die Anlagen, die als Backup benötigt werden, müsse ein Marktdesign eingeführt werden, damit Versorgungssicherheit vergütet und somit garantiert wird. Schmitz rechnet damit, dass der zügige Ausbau erneuerbarer Energien ohnehin die Kohlekraftwerke langfristig aus dem Markt drängen wird. Er warnte daher vor voreiligen Beschlüssen, ein kurzfristiges Datum für den Ausstieg aus der Kohleverstromung zu setzen. RWE will seine Kohleanlagen – je nach Alter – bis 2050 laufen lassen. Ein schnellerer Kohleausstieg könne nur dann erfolgen, wenn die Kraftwerksbetreiber dafür Kompensationen erhielten.

Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron hat das Aus für die Kohlekraftwerke in Frankreich um zwei Jahre nach vorn verlegt. Nun soll schon 2021 Schluss mit der Verstromung von Kohle sein. Man habe beschlossen, Frankreich zum Modell im Kampf gegen den Klimawandel zu machen. Allerdings produzieren Kohlekraftwerke nur noch rund 1 Prozent des in Frankreich erzeugten Stroms.

Die französische Atomsicherheitsbehörde ASN hat die Wiederaufnahme der Fertigung in Creusot Forge gestattet, die 2016 wegen Qualitätsproblemen gestoppt worden war. Wie französische Zeitungen weiter berichten, soll die Produktion von Komponenten für die französischen Kernkraftwerke im März wieder anfahren. Vollkommen still stand der Betreib allerdings nie. Für ausländische Kunden, insbesondere für das geplante Kraftwerk Hinkley Point in Grossbritannien, lief die Fertigung weiter. Inzwischen ist der Zustand der französischen Atomkraftwerke besser als vor einem Jahr. Bauliche Mängel an einigen Reaktoren sind behoben worden. Man geht davon aus, dass die derzeitige finanzielle Umstrukturierung der Atomindustrie sich positiv auf die Sicherheit der Kraftwerke im Land auswirken wird. Ende 2017 wurde der verlustreiche Hersteller Areva vom französischen Staat aufgeteilt und rekapitalisiert. EDF hatte die Mehrheit an der Reaktorsparte für 2.47 Milliarden Euro übernommen.

Energy Flash 24.01.2018

Im Jahr 2017 ist es beim Betrieb der schweizerischen Kernkraftwerke zu keinem Vorkommnis gekommen, das die Sicherheit von Mensch und Umwelt gefährdet hat. Dieses Fazit zieht das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) in einer ersten Bilanz. Das vergangene Betriebsjahr war zwar von längeren Stillständen geprägt. „Doch dies ist auch ein Beleg für die funktionierende Sicherheitskultur in den Kernkraftwerken der Schweiz“, erklärt ENSI-Direktor Hans Wanner. Das Kernkraftwerk Beznau 1 steht seit März 2015 still. Die Sicherheitsüberprüfungen für den Reaktordruckbehälter dauern an. Das Kernkraftwerk Leibstadt stand von Herbst 2016 bis Mitte Februar 2017 unter anderem aufgrund der Ursachenabklärung von lokalen Dryouts still. Auch die Revision 2017 des Kernkraftwerks Leibstadt erfuhr eine mehrwöchige Verlängerung wegen des vorsorglichen Austausches von 22 Brennelementen, die gemäss Information des Herstellers nicht den Spezifikationen entsprachen. Die Zahl der meldepflichtigen Vorkommnisse, die im Betriebsjahr 2017 für die nukleare Sicherheit relevant waren, lag unter der Anzahl der Vorjahre. Sämtliche Vorkommnisse des Betriebsjahrs 2017 wurden der Stufe INES 0 zugeordnet. Die vorliegende provisorische Übersicht für das Jahr 2017 ergibt 29 Meldungen. Im Jahr 2016 wurden 31 meldepflichtige Vorkommnisse gezählt und im Jahr 2015 waren es 37. 2017 kam es zu zwei Reaktorschnellabschaltungen. Im Kernkraftwerk Leibstadt musste im Februar eine Reaktorschnellabschaltung manuell ausgelöst werden, im Dezember kam es zu einer automatischen Reaktorschnellabschaltung. 2016 war es in den schweizerischen Kernkraftwerken zu keiner, 2015 zu vier Schnellabschaltungen gekommen.

Die französische Regierung erwar­tet, dass das umstrittene Atomkraft­werk Fessenheim nahe der deutschen Grenze in rund einem Jahr stillgelegt wird. Der Betreiber EDF habe zuletzt von einem Ende der Anlage „Ende 2018, Anfang 2019“ gesprochen, sagte der französische Umwelt-Staatssekre­tär Sébastien Lecornu am Freitag. Die Regierung habe ein Gremium einge­setzt, um die Schliessung voranzutrei­ben. Das sogenannte Leitungsteam zu Fessenheim umfasst Vertreter aus Wirtschaft und Politik. Die Entschei­dung über den genauen Zeitpunkt der Schliessung liege jedoch bei EDF, nicht bei der Regierung. Fessenheim ist das älteste Atom­kraftwerk Frankreichs, das noch in Betrieb ist. Die beiden Reaktoren direkt an der deutschen Grenze sollen end­gültig abgeschaltet werden, wenn der neue Europäische Druckwas­serreaktor in Flamanville am Ärmel­kanal in Betrieb geht. Nach zahlrei­chen Verzögerungen ist das nun zum Jahreswechsel geplant. Lecornu war diese Woche ins Elsass gereist, um mit Gewerkschaftern und Kommunalpoliti­kern Pläne für die Zeit nach der Schlie­ssung zu erarbeiten. In Frankreich gibt es Proteste gegen die Stilllegung des Kraftwerks.

Der französischen Regierung liegen zwei Szenarien vor, die die Abschaltung von 9 bis 16 Atomreaktoren bis zum Jahr 2035 vorsehen. Vorgestellt wurden diese Szenarien laut französischen Medienberichten vom Übertragungsnetzbetreiber RTE im Rahmen von Beratungen zur strategischen Planung der Energieversorgung Frankreichs im Zeitraum von 2018 bis 2023. Bis etwa 2030 soll der Anteil der Atomkraft an der französischen Stromproduktion von derzeit 75 auf 50 Prozent gesenkt werden. Um dies zu erreichen, müssten einige der 58 Atomreaktoren abgeschaltet werden. Allerdings habe RTE nur die zwei Szenarien vorgestellt, die die geringste Zahl an Abschaltungen voraussetzen. Zwei weitere Modelle seien aber auf Bitten des zuständigen Ministeriumsausschusses nicht vorgestellt worden.

Energy Flash 17.01.2018

CDU/CSU und SPD haben bei ihren Sondierungsgesprächen letzte Woche das bisherige Klimaziel der deutschen Bundesregierung aufgegeben, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu verringern. Man möchte ein Massnahmenpaket vereinbaren, mit dem die Lücke so weit wie möglich geschlossen und das Ziel Anfang der 2020er Jahre erreicht wird. Zentral bleibt das Ziel für 2030, das eine Verringerung der Emissionen um 55 Prozent verglichen mit 1990 vorsieht. Es soll unter Beachtung des Zieldreiecks Sauberkeit, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit erreicht werden. Union und SPD einigten sich ferner auf ein Ziel des Anteils erneuerbarer Energien am Stromverbrauch bis 2030 von 65 Prozent. Für dieses Jahr gab es bisher keine Vorgabe. Bis 2025 sind bisher 45 bis 55 Prozent ins Auge gefasst. Auch soll eine Kommission zur Zukunft der Braunkohle eingesetzt werden, die bis Ende 2018 einen Plan zur schrittweisen Reduzierung und Beendigung der Kohleverstromung einschliesslich eines Abschlussdatums vorlegen soll. Damit würde erstmals ein Endtermin für den Kohleausstieg festgelegt.

Britische Kohlekraftwerke dürfen vom 1. Oktober 2025 an nur noch maximal 450 Gramm CO2 je Kilowattstunde ausstossen. Wer gegen diese Auflage verstösst, muss seine Anlage schliessen oder sie mit Technologie zur Abscheidung und Speicherung von CO2 ausstatten. Das Datum wurde so gewählt, dass Kraftwerke, die keine Klimaschutzmassnahmen verfolgen, nicht mehr bei den Auktionen für den Kapazitätsmarkt zur Lieferung 2025/26 und später teilnehmen können. Das Ministerium geht davon aus, dass der Grossteil der Kraftwerke in den frühen 2020-er Jahren entweder stillgelegt oder nachgerüstet sein wird. Nur rund 1.5 Gigawatt Kapazität dürften 2025 noch nicht klimafreundlich sein. Aktuell liegt die Kapazität der britischen Kohlekraftwerke bei 6 Gigawatt.

China hat im Gesamtjahr 2017 so viel Kohle importiert wie zuletzt 2014. Die Einfuhren beliefen sich demnach auf 271 Millionen Tonnen, gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 6.1 Prozent. Es ist davon auszugehen, dass der Kohlebedarf Chinas zumindest 2018 etwa auf Vorjahresniveau bleibt.

Die Niederlande will die Gasförderung in der Region Groningen schneller reduzieren als bisher geplant. Die Koalitionsvereinbarung der niederländischen Regierung sieht eine Rückführung der Erdgasproduktion um knapp 2 Milliarden auf 20 Milliarden Kubikmeter jährlich vor. Ein Erdbeben mit einer Stärke von 3.4 auf der Richter-Skala erschütterte die Region Groningen letzte Woche. Experten führen die lokalen Erdstösse auf die Gasgewinnung in dem Gebiet zurück.

Energy Flash 10.01.2018

Nach der zum Jahresende 2017 erfolgten endgültigen Stilllegung des Kernkraftwerkblocks Gundremmin­gen B mit einer Nettoleistung von 1‘284 Megawatt sind nun noch sie­ben Atommeiler in Deutschland in Betrieb. Diese sollen bis Dezember 2022 gleichfalls abgeschaltet wer­den. Auf 2019 ist das Betriebsende für Philippsburg 2 (1‘402 Megawatt) terminiert, 2021 folgen die Kraftwer­ke in Brokdorf (1‘410 MW), Grohn­de (1‘360 MW) und der Reaktor C in Gundremmingen (1‘288 MW). Noch bis 2022 dürfen die Reaktoren Ems­land (1‘329 MW), Neckarwestheim 2 (1‘400 MW) und Isar 2 (1‘410 MW) laufen. Block B in Gundremmingen war im Rahmen des Atomausstiegs am Ende seiner festgelegten Laufzeit abge­schaltet worden. Dieser war nach der Katastrophe im japanischen Fukushi­ma 2011 fixiert worden, wie für die anderen damals noch aktiven Anla­gen auch. Gundremmingen war der letz­te Standort in Deutschland mit noch zwei aktiven Reaktoren.

Die französische Regierung will die zugesagte Schliessung des umstritte­nen Atomkraftwerks Fessenheim am Oberrhein voranbringen. Umwelt­staatssekretär Sébastien Lecornu kündigte für den 18. Januar einen Besuch in dem elsäs­sischen Kraftwerk im Grenzgebiet zu Deutschland an. Lecornu sagte im Radiosender RTL, er werde ein Leitungsteam einsetzen, das Vertreter aus Wirtschaft und Poli­tik umfasse. Damit werde das Verfah­ren zur Entscheidung über die Zukunft von Fessenheim in Gang gebracht. Französische Lokalpolitiker und Gewerkschaften fürchten den Verlust von Arbeitsplätzen. Die Regierung in Paris will das Atomkraftwerk am Oberrhein abschal­ten, sobald im nordfranzösischen Fla­manville ein neuer Druckwasserre­aktor in Betrieb ist. Der Bau hat sich wegen Pannen jedoch verzögert, nun peilt der Betreiber das Jahr 2019 an. Die Bundesregierung fordert die Still­legung des ältesten französischen Atomkraftwerks, das seit rund 40 Jah­ren in Betrieb ist. Wegen Problemen mit einem Dampfgenerator ist Reak­tor zwei seit Juni 2017 abgeschaltet. Atom­kraftgegner sehen Fessenheim als besonders unsicher an.

Die europäische Cross-Border-Intra­day-Lösung (XBID) für den Stromhan­del und zehn lokale Implementierungs­projekte sollen am 13. März 2018 an den Start gehen. Erste Lieferungen sind für den 14. März vorgesehen. Wie die beteiligten Börsen und Übertra­gungsnetzbetreiber mitteilten, stehen diese Daten noch unter dem Vorbehalt letzter Tests und Genehmigungen. Die XBID-Lösung enthält ein gemeinsames Orderbuch. Dadurch wird es Marktteil­nehmern möglich, über Strompreiszo­nen hinweg zu handeln, solange dafür Übertragungskapazitäten vorhanden sind. Das Projekt ermöglicht damit fort­laufenden Intraday-Handel in Deutsch­land, Österreich, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Dänemark, Nor­wegen, Finnland, Litauen. Estland und Lettland. Die meisten anderen europä­ischen Staaten werden sich dem Sys­tem im Frühjahr 2019 anschliessen.

Energy Flash 20.12.2017

Das schweizerische Kernkraftwerk Leibstadt darf mit verminderter Leistung wieder angefahren werden. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI hat am Ende der ordentlichen Jahresrevision laut eigenen Angaben die Freigabe erteilt. Zuvor habe sich die Aufsichtsbehörde anhand von Inspektionen vergewissert, dass die Revisionsarbeiten korrekt und vorschriftsgemäss ausgeführt worden seien. Allerdings verlangte die Behörde die Beibehaltung einer verschärften Begrenzung der Brennelementleistung und des Kerndurchflusses, die der Betreiber für den letzten Zyklus im Februar 2017 ergriffenhatte, um lokale Dryouts zu vermeiden. Dadurch sinkt die durchschnittliche thermische Leistung auf 86 Prozent der Kapazität von 1‘220 Megawatt.

Die EU-Staaten haben sich gestern auf einen Kompromiss für Eckpunkte einer Energiewende bis 2030 geeinigt. Bis dahin sollen erneuerbare Energien 27 Prozent des gesamten Bedarfs decken. Zudem soll der Strommarkt in Europa enger verzahnt werden. In der Nacht auf Dienstag zurrten die Energieminister in Brüssel ihre Positionen zu insgesamt vier Gesetzen fest, über die sie nun mit dem Europaparlament verhandeln müssen. Die Parlamentarier wollen den Ausbau von Ökoenergie deutlich schneller vorantreiben und 2030 bereits 35 Prozent erreichen. Die Gesetze sind Teil eines Pakets, das die EU-Kommission vor einem Jahr vorgelegt hatte. Sie sollen dazu beitragen, dass die EU 2030 mindestens 40 Prozent weniger Klimagase produziert als 1990.

Elf von insgesamt 58 französischen Atomreaktoren sind aktuell wegen geplanter und ungeplanter Revisionsarbeiten nicht am Netz. Dies entspricht einer Kapazität von 11.3 Gigawatt von insgesamt 63.3 Gigawatt. Allerdings seien nur drei Reaktoren mit einer Leistung von 3.1 Gigawatt den ganzen Winter über nicht in Betrieb. Die Angaben von EDF werden jedoch immer wieder geändert, wobei es regelmässig zu einer Ausweitung der Revisionszeiten kommt. Vor einem Monat hatte der Chef der EDF-Nuklearflotte, Dominique Minière, erklärt, dass sich in diesem Winter maximal vier bis fünf Reaktoren offline befinden würden gegenüber neun im vergangenen Winter.

Nach einer Explosion letzter Woche in einer Gasverteilstation im österreichischen Baumgarten läuft in der international wichtigen Anlage die Versorgung wieder an. Der Betreiber Gas Connect begann nach eigenen Angaben, Teile wieder hochzufahren, um die Gasleitungen zu beschicken. Die Erdgasstation Baumgarten ist eine der bedeutendsten Drehscheiben für die europäische Erdgasversorgung. Über die Station werden grosse Mengen an Erdgas aus Russland nach Österreich sowie nach West-, Süd- und Südosteuropa verteilt. Das Unglück brachte den russischen Gasexport zeitweise empfindlich durcheinander. Die Sorgen um mögliche Versorgungsengpässe liessen die Gaspreise zwischenzeitlich kräftig steigen.

Der nächste Energy Flash erscheint am Mittwoch 10.01.2018.

Die EBM Energie AG wünscht Ihnen frohe Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2018.

Energy Flash 13.12.2017

Der schweizerische Stromnetzbetreiber Swissgrid nimmt eine Kapitalerhöhung vor. Einen entsprechenden Antrag des Verwaltungsgrats haben jetzt die Aktionäre von Swissgrid abgesegnet. Die Kapitalerhöhung sei aufgrund der Übernahme weiterer Anlagen zum 3. Januar 2018 beschlossen worden. Die aus transaktionalen Gründen notwendigen Statutenänderungen sollen bis Ende Dezember 2017 vom Bundesrat genehmigt werden. Swissgrid wird nach Angaben zum 3. Januar weitere zum Übertragungsnetz gehörende Anlagen übernehmen, deren provisorische Buchwerte insgesamt 2.3 Millionen Schweizer Franken betragen. Im Herbst kommenden Jahres soll eine Bewertungsanpassung vorgenommen werden, um die Differenz zwischen den Buchwerten und den im Laufe des Jahres 2018 von der Eidgenössischen Elektrizitätskommission ElCom verfügten Anlagenwerten auszugleichen. Wie bei den Übernahmetransaktionen per Anfang 2013, 2014, 2015 und 2016 werden die ehemaligen Eigentümer zu 30 Prozent mit Swissgrid-Aktien und zu 70 Prozent mit Darlehen entschädigt. Durch eine Kapitalerhöhung werden dafür neue Swissgrid-Aktien im Nominalwert von 0.2 Millionen Franken geschaffen. Das Aktienkapital steigt dadurch auf rund 318 Millionen Franken.

Bei einer Routinekontrolle im Atomkraftwerk Grohnde ist eine undichte Stelle im Zwischenkühlsystem festgestellt worden. Das teilte am Mittwoch das Umweltministerium in Hannover mit. Die Betriebsbereitschaft sei dadurch nicht beeinträchtigt. Es bestehe auch keine Gefahr für die Umwelt. Das Zwischenkühlsystem enthalte keine radioaktiven Stoffe. Die PreussenElektra als Betreiberin des Atomkraftwerks plane derzeit die Reparatur. Schon Anfang November hatte es dort Probleme gegeben: Wegen eines Lecks an einer Leitung ging das Kraftwerk an der Oberweser für zwei Wochen vom Netz. Grohnde soll Ende 2021 stillgelegt werden. Kritiker fordern seit Jahren ein sofortiges Aus für den Meiler, in dem es immer wieder Pannen gab.

Der Energiekonzern EDF will die Atomreaktoren Fessenheim 1 und 2 zum 1. Januar 2019 abschalten. Das teilte das französische Unternehmen am Freitag auf seiner Internetseite mit. Bislang hatte EDF lediglich angekündigt, dass Fessenheim abgeschaltet werden soll, wenn der Europäische Druckwasserreaktor Flamanville 3 am Netz ist. Fessenheim ist das älteste Atomkraftwerk von EDF, die Abschaltung ist schon seit längerem im Gespräch, weil es immer wieder zu Zwischenfällen kommt. Hintergrund für die geplante Abschaltung ist auch, dass das französische Energiewendegesetz den Atompark des Landes auf eine Leistung von 63.2 Gigawatt begrenzt. Die Inbetriebnahme von Flamanville 3 plant EDF für Ende 2018. Die endgültige Entscheidung liegt aber bei der Atomaufsichtsbehörde ASN.

SPD-Chef Martin Schulz hat für einen Ausstieg aus dem klimaschädlichem Kohlestrom geworben – allerdings müsse auf die Beschäftigten in der Branche Rücksicht genommen werden. „Die Wahrheit ist: Wir wollen die Klimaziele erreichen, und die Wahrheit ist auch, das geht einher mit dem Ende der Kohleverstromung“, sagte Schulz am Donnerstag vor rund 600 Delegierten in Berlin. Den Menschen in der Lausitz, im Mitteldeutschen und im rheinischen Revier helfe nicht „Realitätsverweigerung“, sondern ein Konzept für die Zukunft. „Aufgabe der Sozialdemokratie ist es nicht, Strukturen der Vergangenheit zu konservieren“, sagte Schulz. Der Kohleausstieg dürfe aber nicht auf Kosten der Versorgungssicherheit oder der Beschäftigten gehen. Es brauche Milliardeninvestitionen in Netze und die betroffenen Regionen.

Energy Flash 06.12.2017

Wer von einer Einmalvergütung des Bundes für eine Solaranlage profitieren will, muss künftig statt Monate, Jahre auf das Geld warten. Die Wartefristen für kleine Anlagen steigen laut BFE auf mindestens zweieinhalb Jahre, für grosse Anlagen gar auf sechs Jahre. Die längeren Wartezeiten sind die Folge der neuen Energiestrategie. Diese sorgt dafür, dass insgesamt mehr Fördermittel zur Verfügung stehen. Diese reichen aber nicht aus, um die Warteliste vollständig abzubauen, da neu auch Betreiber grosser Anlagen bis 50 Megawatt eine Vergütung beantragen können. Die Förderung, die neben der Photovoltaik auch der Wasserkraft, der Windenergie, Geothermie und Biomasse zukommt, wird über den Netzzuschlag finanziert. Das ergibt zusätzliche rund 480 Millionen Franken, die pro Jahr ausgeschüttet werden können. Ein Viertel davon kommt bestehenden Grosswasserkraftwerken zugute.

Sechs Schweizer Versorger aus der Stadtwerke-Allianz Swisspower haben eine Kooperation beim Thema Blockchain vereinbart. Ziel der Zusammenarbeit soll es sein, bereits im kommenden Jahr konkrete Anwendungen im Energiesektor zu identifizieren und in Pilotanwendungen umzusetzen. An dem Zusammenschluss beteiligt sind die Services Industriels de Lausanne, Services Industriels de Genève, die Industriellen Werke Basel, Energie Wasser Bern, die IBAarau AG und die St.Galler Stadtwerke. Insgesamt gehören Swisspower 22 Schweizer Stadtwerke an. Als technischen Unterbau nutzen die Unternehmen die Blockchain-Plattform der Energy Web Foundation (EWF). Diese soll ab 2018 die nötigen Funktionalitäten bereitstellen, um Anwendungen im großen Maßstab umzusetzen. Die EWF ist eine globale Nonprofit-Organisation mit Sitz im Schweizerischen Zug, welche sich auf die rasche Anwendung der Blockchain-Technologie im Energiesektor konzentriert.

Die französische Atomaufsichtsbehörde ASN will bald eine Entscheidung über das mögliche Wiederanfahren des Atomkraftwerks Tricastin treffen. Der Bericht des technischen ASN-Arms IRSN wird in den kommenden Tagen erwartet. ASN überprüft außerdem weiterhin die Dokumentation der Kraftwerksteile, die in der Areva-Gießerei Creusot Forge hergestellt wurden. Im vergangenen Sommer waren Fehler in der Dokumentation festgestellt worden. Derzeit würden auch die Dokumente geprüft, die das Kraftwerk Fessenheim 2 betreffen. Insgesamt werde es noch etwa 5 bis 10 Jahre dauern, bis am gesamten französischen Kraftwerkspark, die nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima beschlossenen Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt seien. Ausserdem will ASN bis spätestens 2021 über die Laufzeitverlängerung der französischen Kraftwerke entscheiden.

Energy Flash 29.11.2017

Im Schweizer Parlament baut sich Widerstand gegen das geplante gemeinsame Emissionshandelssystem der Schweiz und der EU auf. Zwar hat EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker seinen Besuch bei der Schweizer Bundespräsidentin Doris Leuthard genutzt, um das Abkommen über ein gemeinsames Emissionshandelssystem zu unterschreiben. Doch nun muss das Abkommen aber noch den Schweizer Bundesrat und das Parlament sowie das EU-Parlament passieren. Die SVP sieht das Abkommen als Teil einer Salamitaktik, mit welcher der Bundesrat die Schweiz klimapolitisch immer enger ans Ausland anbinden wolle. Die genauen Konsequenzen seien aber unbekannt. Die grünen lehnen das Abkommen aus klimapolitischen Gründen ab. Nationalrat Bastien Girod schlägt vor, das Schweizer Emissionshandelssystem ganz aufzugeben und die beteiligten 54 Unternehmen mittels Zielvereinbarung zur Senkung ihrer Treibhausgasemissionen zu verpflichten. Er verwies auf den Überschuss an CO2-Zertifikaten im europäischen Emissionshandelssystem und die daraus resultierenden niedrigen Preise für CO2-Berechtigungen.

Frankreich hat im dritten Quartal 2017 500 Megawatt Windkraftkapazität neu installiert. Damit beläuft sich der Zubau seit Jahresanfang auf 1‘019 MW. Ende September umfassten die französischen Windkraftkapazitäten 12.9 Gigawatt. Sie sollen bis Ende 2018 auf 15 GW anwachsen. Die Elektrizitätsproduktion aus Windturbinen erreichte in den ersten drei Quartalen demnach 15.5 Terawattstunden, was 4.5 Prozent des französischen Stromverbrauchs entspricht.

Das französische Finanzministerium erwägt derzeit verschiedene Restrukturierungsszenarios für den mehrheitlich staatlichen Versorger EDF. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Hinweis auf gut unterrichtete Kreise berichtet, soll die nukleare Stromgewinnung möglicherweise in eine eigene Gesellschaft überführt werden. Der französische Fernsehsender BFM TV berichtet von Überlegungen, den Strom aus der neuen Nukleareinheit für alle Marktteilnehmer zu fixen Preisen abzugeben. Die Bank UBS hatte unlängst eine Aufspaltung von EDF gemäss dem Modell von RWE ins Spiel gebracht. Demnach würde eine Gesellschaft die Kraftwerke übernehmen, die andere das Geschäft mit Netzen, Erneuerbaren und Retail-Kunden.

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) und Russland haben sich laut einem Medienbericht auf die Grundzüge einer Verlängerung der Förderbegrenzung bis Ende 2018 geeinigt. Allerdings müssten beide Seiten noch Details einer neuen Vereinbarung ausarbeiten. Der neue Beschluss soll aber bereits auf dem nächsten Opec-Treffen am 30. November gefasst werden. Derzeit gilt eine Vereinbarung zur Förderbegrenzung bis zum März kommenden Jahres. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg seien sich Vertreter Russlands und Saudi-Arabiens nach tagelangen Verhandlungen einig, dass eine Verlängerung der aktuell geltenden Vereinbarung notwendig sei. Russland besteht aber darauf, dass sich der Umfang der künftigen Drosselung an der Lage am Ölmarkt orientieren soll. Seit Einführung der Fördergrenze zu Beginn des Jahres kam es zunächst zu deutlichen Schwankungen bei den Ölpreisen. Seit dem Sommer ging es mit den Preisen aber tendenziell nach oben.

Energy Flash 22.11.2017

19 der 58 Atomreaktoren des französischen Stromversorgers EDF sind derzeit ausser Betrieb. Davon sollen 15 bis Mitte Dezember wieder ans Netz gehen. Maximal vier bis fünf Reaktoren werden im Laufe des Winters nicht verfügbar sein, nachdem es im vergangenen Winter neun waren. Fessenheim 2 soll allerdings nicht wie bisher geplant im Januar 2018 wieder in Betrieb genommen werden. Auch Paluel 2 bleibt länger vom Netz als zunächst angenommen. Derzeit will EDF den Reaktor am 15. April 2018 wieder in Betrieb nehmen. EDF räumte ein, dass auch künftige Abschaltungen länger andauern werden. Entsprechend würde die durchschnittliche Verfügbarkeit im ersten Teil des Jahres reduziert sein.

Laut dem Präsidenten des französischen Übertragungsnetzbetreibers RTE, François Brottes, bestehe im kommenden Winter in Frankreich ein geringeres Risiko für einen Engpass bei der Stromversorgung als im Winter 2016/17. Im vergangenen Winter sind zeitweise 9 Reaktoren gleichzeitig abgeschaltet gewesen, dennoch hat RTE nicht die zur Verfügung stehenden Notfallkapazitäten in Anspruch nehmen müssen, um einen Blackout zu verhindern. Weniger optimistisch ist der Betriebsrat von EDF. Gemäss der Zeitung le Dauphiné Libéré warnt das Gremium vor Versorgungsengpässen im Falle einer Kältewelle. Laut dem EDF-Betriebsrat sei man Ende Januar 2017 knapp an einem Engpass vorbeigeschrammt, als die Temperaturen deutlich niedriger waren als vorhergesagt. Ein Grund für die Besorgnis ist, dass einige der Heizkraftwerke, die im Januar die Ausfälle der Kernkraftwerke ausgeglichen hatten, nicht mehr verfügbar sind. So sind die Kraftwerke Porcheville und Cordemais inzwischen abgeschaltet worden, weil sie zu schmutzig und nicht mehr wirtschaftlich waren. Ausserdem sind die Wasserspeicher in Frankreich aufgrund geringer Niederschläge zu tief.

Grossbritannien, Kanada und mehrere andere Staaten haben sich auf der Weltklimakonferenz letzte Woche in Bonn zu einer internationalen Allianz für den Kohleausstieg zusammengeschlossen. Weitere Mitglieder der „Powering Past Coal Alliance“ sind unter anderem Frankreich, Italien, die Niederlande, Mexiko und die Schweiz. Die Regierungen legen sich in ihrer Erklärung auf eine Abkehr von der traditionellen Kohle-Energie fest. Einzeln hatten sie das zum Teil in der Vergangenheit schon angekündigt. Die britische Regierung erklärte etwa, bis 2025 alle Kohlekraftwerke abschalten zu wollen. Das maximal mögliche Ausstiegsdatum liegt aber bei allen im Jahr 2030. Das Bündnis stellte sich damit nur einen Tag nach der Rede von der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Klimakonferenz auf. Merkel war dabei unkonkret geblieben, wie und wann Deutschland aus der sehr klimaschädlichen Kohlenutzung aussteigen werde.

Energy Flash 15.11.2017

Das schweizerische Kernkraftwerk Leibstadt mit einer Kapazität von 1‘220 Megawatt muss 24 Brennelemente austauschen, die nicht den Spezifikationen entsprechen. Wie der Betreiber mitteilte, bedingt die Massnahme eine Neuauslegung des Reaktorkerns. Die Wiederinbetriebnahme verzögert sich bis voraussichtlich gegen Ende Dezember 2017. Die Kernkraftwerk Leibstadt AG hatte Ende November über eine mehrtägige Verlängerung der Jahreshauptrevision informiert, weil 16 Brennelemente nicht den Spezifikationen entsprachen und ersetzt werden müssen. Mittlerweile ergaben Abklärungen beim Lieferanten, dass weitere Brennelemente im 648 Brennelemente umfassenden Reaktorkern von den gleichen Spezifikationsabweichungen betroffen sind. Das Kernkraftwerk Leibstadt hat sich entschieden, diese Brennelemente ebenfalls vorsorglich noch während der laufenden Jahreshauptrevision zu ersetzen. Durch den Ersatz der Brennelemente wird eine Neuauslegung des Reaktorkerns einschließlich eines umfassenden Freigabeprozesses durch die Aufsichtsbehörde notwendig.

Aus Sicht der EU-Staaten ist der Weg zur Verknüpfung der CO2-Emissionshandelssysteme von EU und Schweiz frei. Die für den Handel zuständigen EU-Minister billigten am Freitag die Unterzeichnung eines entsprechenden Abkommens mit der Schweiz. Der Schweizer Bundesrat hatte im Sommer bereits grünes Licht dafür gegeben. Nun muss die Unterzeichnung noch vom Europäischen Parlament abgesegnet werden. Beide Seiten versprechen sich von dem Abkommen neue Möglichkeiten zur Reduktion des CO2-Ausstosses sowie geringere Kosten.

Der französische Kraftwerksbetreiber EDF hat am Dienstag das Wiederanfahren des Atomkraftreaktors Tricastin 1 (915 Megawatt) auf den 31. Dezember 2017 verschoben. Auch weitere vier Reaktoren mit einer Gesamtleistung von 4‘605 MW sollen später wieder ans Netz gehen als zunächst geplant. Die vier Reaktoren des Atomkraftwerks Tricastin sollten ursprünglich am 2. November wieder in Betrieb genommen werden, Ende Oktober hatte EDF das Wiederanfahren auf den 27. November verschoben. Das Unternehmen war von der Atomaufsichtsbehörde ASN aufgefordert worden, den Damm am nahegelegenen Kanal zu reparieren, da dieser einem Erdbeben möglicherweise nicht standhalten könnte. Die geforderten Verstärkungsarbeiten am Deich sind am 27. Oktober abgeschlossen worden. Die entsprechenden Dokumente werden nun von den Behörden geprüft.

Die Pariser Regierung will den bisherigen Zeitplan für eine Energiewende hin zu weniger Atomstrom in Frankreich über Bord werfen. Das gesetzliche Ziel, den Atomanteil an der Stromproduktion auf 50 Prozent zu senken, soll mit Blick auf den Klimaschutz erst mehrere Jahre später erreicht werden. „Wenn man am Datum 2025 festhalten will, wird das zum Nachteil unserer Klima-Ziele geschehen“, sagte Umweltminister Nicolas Hulot nach einer Kabinettssitzung in Paris. Denn dann müsse im Gegenzug die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen angekurbelt werden. Der französische Übertragungsnetzbetreiber RTE hatte am Dienstag Szenarien für die künftige Entwicklung der Stromversorgung in Frankreich vorgelegt. Dieser Analyse zufolge würde der CO2-Ausstoss des französischen Strom-Systems deutlich steigen, falls Frankreich am Datum 2025 für das 50-Prozent-Ziel festhält. Statt 22 Millionen Tonnen klimaschädliches CO2 im Jahr 2016 würden demnach 2025 je nach Variante 38 bis 55 Millionen Tonnen CO2 ausgestossen.

Energy Flash 08.11.2017

Die Schweiz wird bis 2035 ausreichend Strom zur Verfügung haben, wenn drei Voraussetzungen erfüllt sind. So muss die Integration in den europäischen Strommarkt gelingen, die Energieeffizienz gesteigert werden und der Anteil an erneuerbaren Energien wachsen, wie es in einer aktuellen Studie des schweizerischen Bundesamts für Energie heisst. Die Stromversorgung der Schweiz müsse sicher sowie wirtschaftlich und umweltverträglich sein. Dabei sei der gegenwärtig tiefe CO2-Anteil am Schweizer Energiemix zu wahren, was einen Ausbau der erneuerbaren Energiequellen erfordere. Die Versorgungssicherheit werde durch eine gute Vernetzung mit den Nachbarländern gestärkt. Es sei in unserem Interesse, beim Stromhandel grenzüberschreitend zusammenzuarbeiten. Wird die Zusammenarbeit innerhalb der EU institutionalisiert, könnte die Schweiz den Anschluss verlieren, warnte Bundespräsidentin Doris Leuthard bei der Vorstellung der Studie. Der Strommarkt der Zukunft müsse überdies neue dezentrale Produktionen integrieren, Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen, neue Akteure, Tarife und Zahlungssysteme möglich machen und der Innovation genug Raum verschaffen. Dafür brauche es etwa einen funktionierenden europäischen Emissionsmarkt, einen Abbau von Markthemmnissen, Speicherlösungen und einen Ausbau des Übertragungsnetzes.

Die Schweiz hat ihr CO2-Reduktionsziel für 2016 verfehlt, deshalb steigt die CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe wie Heizöl oder Erdgas zum Jahreswechsel um zwölf auf 96 Franken je Tonne. Eigentlich wollte die Schweiz ihren CO2-Ausstoss um 27 Prozent unter den Wert des Vergleichsjahres 1990 senken. Die CO2-Abgabe wird seit 2008 erhoben. Sie wird automatisch erhöht, wenn die in der CO2-Verordnung festgelegten Zwischenziele für die Emissionen aus Brennstoffen nicht erreicht werden.

Bei dem schweizerischen Kernkraftwerk Leibstadt mit 1‘275 Megawatt Kapazität verlängert sich die derzeit laufende Jahreshauptrevision um zehn Tage vermutlich bis zum 17. November. Wie die Kernkraftwerk Leibstadt AG mitteilte, waren 16 nicht spezifikationsgerechte Brennelemente für den nächsten Betriebszyklus geliefert worden, die nun ersetzt werden müssen.

Frankreich wird Ende 2018 darüber entscheiden wie viele Kernkraftwerke vom Netz gehen werden, um das Ziel einer Zurückführung der Atomenergie zu erreichen. Frankreich will den Beitrag der Atomenergie zur Stromgewinnung von derzeit 75 Prozent bis 2025 auf 50 Prozent reduzieren. Im Juli hatte Umweltminister Nicolas Hulot ausgeführt, Frankreich werde bis zu 17 Kernkraftwerke schliessen müssen, um seine energiepolitischen Ziele zu erreichen. Der Minister war aber in späteren Interviews nicht mehr auf diese Zahl zurückgekommen. Nun betonte Hulot, er werde bei der Umsetzung seiner Pläne darauf achten, jegliche Stromknappheit zu vermeiden.

Der weltweite Markt für Kraftwerkskohle könnte in den kommenden Monaten auf einen Versorgungsengpass zusteuern. Die Preise legen derzeit weiter zu und Lieferschwierigkeiten in exportierenden Ländern sowie die steigende Nachfrage aus Asien sprechen für einen anhaltenden Aufwärtstrend. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters ist die gesamte asiatische Kohlenachfrage im Oktober auf über 80 Millionen Tonnen gestiegen, nachdem sie sich in den vergangenen zwei Jahren auf 60 bis 70 Millionen Tonnen im Monat eingependelt hatte. Die Regierung Chinas, des am Weltmarkt dominierenden Players, beschränkt seit Sommer die Kohleeinfuhren. Marktteilnehmer gehen derzeit dennoch von einem anhaltend hohen Bedarf aus. Die höheren Preise und die knappe Verfügbarkeit könnten dazu führen, dass sich chinesische Kraftwerksbetreiber im Laufe des Winters weiterhin am Weltmarkt eindecken müssen. Auch für Südkorea und Indien gehen Experten von einer Steigerung der Kohlenachfrage aus.

Energy Flash 01.11.2017

Der französische Kraftwerksbetreiber EDF hat das Wiederanfahren der vier Reaktoren des Atomkraftwerks Tricastin verschoben. Laut der Webseite von EDF sollen alle vier Reaktoren mit einer Gesamtkapazität von 3‘600 Megawatt erst am 27. November wieder hochgefahren werden. Einen Grund für die Verzögerung nannte der Konzern nicht. Die Atomaufsichtsbehörde ASN hatte Ende September das Herunterfahren des Kraftwerks gefordert. Sie ging davon aus, dass ein Damm an dem nahegelegenen Kanal im Falle eines Erdbebens brechen könnte und hatte EDF aufgefordert, den Damm zu reparieren. Eigentlich sollten die Reaktoren am 2. November wieder ans Netz gehen. Laut Angaben einer ASN-Sprecherin dürften die Sicherungsarbeiten an dem erwähnten Deich zwei bis drei Monate in Anspruch nehmen. Die französischen Frontmonat November zeigte sich in Folge am Freitagmittag mit einem Plus von 3.30 Euro auf 63.75 Euro. Wie EDF separat mitteilte, ist das Wiederanfahren des Reaktors Paluel 2 mit einer Kapazität von 1‘300 Megawatt um zwei Monate auf den 15. April verschoben worden. Im März 2016 war während einer Revision der 450 Tonnen wiegende Dampfgenerator auf den Boden des Reaktors gestürzt und hatte ausgedehnte Schäden verursacht.

Die Temperaturen in Frankreich und großen Teilen Westeuropas werden im kommenden Winter voraussichtlich mild ausfallen. Zu dieser Einschätzung kommen die Meteorologen von Météo France in ihrer Prognose für die Monate November, Dezember und Januar. Die Wahrscheinlichkeit von milden Temperaturen liegt laut Météo France in Frankreich, dem Großteil Westeuropas sowie dem südlichen Teil Skandinaviens bei 50 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit von Temperaturen unter dem saisonalen Durchschnitt liegt demnach bei 20 Prozent. Milderes Wetter sorgt in Frankreich für eine geringere Stromnachfrage. Der französische Übertragungsnetzbetreiber RTE geht laut der Nachrichtenagentur Reuters davon aus, dass ein Rückgang der Temperatur um 1 Grad Celsius unter den saisonalen Durchschnitt über einen längeren Zeitraum den Strombedarf um 2‘400 Megawatt steigern würde. Das entspricht der Erzeugungskapazität von zweieinhalb Atomreaktoren.

Die beiden großen Ölförder­länder Saudi-Arabien und Russ­land wollen ihre Vereinbarung zur Kürzung der Ölproduktion bis zum Ende des kommenden Jahres ver­längern. Wie mit den Plänen ver­traute Personen sagten, soll damit ein reibungsloser Ausstieg vorberei­tet werden, so dass der Markt nicht von einer plötzlichen Rückkehr der Ölschwemme erschüttert wird. Bislang gilt die Vereinbarung zwi­schen der Organisation Erdöl expor­tierender Länder (Opec) und nicht Opec-Mitgliedern unter der Führung Russlands bis März nächsten Jah­res. Die Ölproduzenten wollen sich am 30. November treffen, um über ihr weiteres Vorgehen zu beraten. Mittlerweile mehren sich die Stimmen derer, die für eine Verlängerung der Förderbeschränkung bis Ende 2018 plädieren.

Energy Flash 25.10.2017

Der Chef der französischen Atombehörde ASN, Pierre-Franck Chevet, schliesst weitere sicherheitsrelevante Vorfälle und Auffälligkeiten an französischen Kraftwerken nicht aus. Erst letzte Woche hatte ASN davor gewarnt, dass in 29 französischen Atomkraftreaktoren die Kühlung ausfallen könnte. Bei einem Erdbeben könnten die Pumpen des Reservewasserkreislaufs ausfallen. Dieses Risiko wurde als Ereignis der Klasse 2 auf der siebenstufigen internationalen nuklearen Störfall-Skala Ines eingestuft. Von einem weiteren Vorfall der Stufe 2 sind 10 französische Kraftwerke betroffen. Bei diesen sind einige Bauteile im Fall eines Erdbebens möglicherweise nicht stabil genug. Laut Chevet gibt es üblicherweise im Jahr fünf bis zehn Ereignisse der Stufe 2. Jetzt gab es drei Ereignisse innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums. In gewissem Sinne seien die Vorfälle auch eine Möglichkeit, die Sicherheit langfristig zu verbessern. Es sei aber eine „beispiellose Herausforderung“, die Sicherheit des französischen Atomparks zu verbessern und die Lebensdauer der Kraftwerke zu verlängern. Der Betreiber EDF will bis 2025 im Schnitt vier Milliarden Euro pro Jahr investieren, um eine Laufzeitverlängerung seiner Kraftwerke zu erreichen. Weltweit gebe es keinen unmittelbaren Grund zur Sorge, aber ein „wachsendes systemisches Risiko“. Die Herausforderungen bezüglich der Sicherheit wachsen für die Industrie, gleichzeitig haben die Unternehmen wirtschaftliche und finanzielle Schwierigkeiten. Diese zunehmende Diskrepanz zwischen dem was zu tun ist und den dafür vorhandenen Mitteln birgt langfristig Risiken. Laut Chevet sei die Situation besorgniserregend und man müsse sich „darum kümmern“.

Der französische Übertragungsnetzbetreiber RTE veröffentlicht am 07. November seinen Winterausblick. Das Dokument zeigt auf, wie gut Frankreich im kommenden Winter auf eine Verknappung des Stromangebots im Falle von Atomkraftwerksausfällen vorbereitet ist. Zudem wird ein Ausblick auf die französische Energieversorgung in den kommenden 18 Jahren veröffentlicht. Um den Jahreswechsel 2016/17 war das Land aufgrund eines harten Winters zu grossen Teilen von Stromlieferungen aus dem Ausland sowie Strom aus fossilen Brennstoffen abhängig. Sébastien Lecornu, Staatssekretär im Ministerium für den ökologischen und solidarischen Wandel in Frankreich, sagte man werde alles tun, um Versorgungsengpässe im Winter zu vermeiden.

Berlin will bis 2030 aus der Kohlenutzung aussteigen und legt diesen Termin als erstes Bundesland gesetzlich fest. Letzten Donnerstag beschloss das Abgeordnetenhaus ein entsprechendes Gesetz. Das Ziel dieses Schritts ist eine Senkung der CO2-Emissionen und eine schrittweise Umstellung Berlins auf erneuerbare Energien. Bereits seit einigen Monaten verzichtet die Hauptstadt auf die Stromerzeugung aus Braunkohle. Im Mai ging das letzte Berliner Braunkohlekraftwerk vom Netz, bis spätestens 2030 soll dann mit den Steinkohlekraftwerken Schluss sein; derzeit gibt es noch drei davon.

Die Niederlande wollen für den Elektrizitätssektor 2020 einen CO2-Minimumpreis einführen. Der Preis soll anfänglich 18 Euro pro Tonne betragen und bis 2030 auf 43 Euro steigen. Der Gesetzgeber in den Niederlanden hat die entsprechende Vorlage allerdings noch nicht gebilligt. Die Absicht der Niederlande zur Besteuerung von CO2 treibt die langfristigen Strompreise ab 2020. Seit der Ankündigung der Steuer hat sich Strom zur Lieferung 2020 um 4 Euro je Megawattstunde erhöht. Mit der CO2-Steuer sollen nach britischem Vorbild Kohlekraftwerke aus dem Markt gedrängt werden.

Energy Flash 18.10.2017

Der Energieversorger E.ON sieht grosses Potenzial im Stromhandel über die Blockchain-Technologie. Vergangene Woche hatten E.ON und Enel erstmals Strom über die „Enerchain“-Applikation gehandelt. Für E.ON soll dies aber nicht eine einmalige Sache sein, sondern der tatsächliche Einstieg in die Nutzung der Technologie. Den Vorteil der Blockchain für die Energiewirtschaft sieht E.ON darin, dass der Handel „schneller, schlanker und für den Kunden am Ende günstiger“ wird. Das gelte vor allem für Industriekunden, die sehr große Strommengen verbrauchen. Dem dezentralen Handel zwischen privaten „Prosumern“ stehen derzeit noch gesetzliche Hürden im Weg. Denn im Gegensatz zu virtuellen Währungen wie Bitcoin gibt es beim Stromhandel engmaschige gesetzliche Regulierungen, auch wenn dieser über die Blockchain läuft. So müsse es beispielsweise weiterhin einen Bilanzkreisverantwortlichen geben. Mit Blockchain verändere sich im Prinzip nur die Art der „Vertragsablage“, dahinter stehe aber immer noch ein rechtlich gültiger Vertrag. Das Projekt Enerchain, in dem E.ON mit anderen Energieversorgern zusammengeschlossen ist, umfasst derzeit 33 Unternehmen. Die Firma Ponton ist für die technische Entwicklung von Enerchain verantwortlich. Eine flächendeckende Verbreitung des Stromhandels über die Blockchain wird aus Sicht der Experten aber noch einige Zeit dauern. Die Strombörsen als Vermittler dürften damit - zumindest mittelfristig - nicht so schnell abgelöst werden.

Der französische Versorger EDF repariert derzeit die Pumpstationen von 20 Atomreaktoren. Wie der Versorger laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters mitteilte, könnten sie sich im Falle eines Erdbebens als nicht robust genug erweisen und damit zum Risiko für das Kühlsystem werden. In einigen Abschnitten zeigten sich an den Rohrleitungen Verdünnungen des Metalls, weshalb ihre seismische Widerstandsfähigkeit nicht garantiert werden könne. Der Versorger teilte nicht mit, wie viel Zeit für die Reparaturen benötigt wird. Derzeit sind 21 der 58 französischen Atomkraftwerke nicht am Netz. Die verfügbare nukleare Kapazität in Frankreich beläuft sich auf nur noch 63.8 Prozent der nominellen Gesamtkapazität, was am Markt zu Besorgnissen in Bezug auf die Versorgungssicherheit im Winter Anlass gibt.

In Deutschland werden im Jahr 2021 die ersten Windenergieanlagen das Förderregime des Erneuerbare-Energien-Gesetzes verlassen, da der 20-jährige Förderzeitraum ausläuft. Aus technischer Sicht ist ein Weiterbetrieb einiger Anlagen möglich. Doch wenn die Strompreise in der nächsten Dekade nicht steigen, werden sich nur wenige Anlagen ohne Förderung am Markt behaupten. Energy Brainpool hat auf Basis zweier unterschiedlicher Szenarien die wirtschaftlichen Voraussetzungen eines Weiterbetriebs berechnet. In beiden Fällen, die grundsätzlich von einem Preisanstieg ausgehen, können Onshore-Windenergieanlagen in Zukunft Vermarktungserlöse erzielen, welche höher sind als ihre Betriebskosten. Der Vermarktungserlös des „High Price“-Szenarios liegt für das Jahr 2030 insgesamt um 64 Prozent über dem des „Low Price“-Szenarios. Die Szenarien gehen von einem Anstieg der CO2-Preise ab dem Jahr 2021 aus, jedoch in unterschiedlicher Höhe. Bleiben die Rohstoff- und CO2-Preise konstant auf dem heutigen Terminmarktpreisniveau für das Jahr 2020, werden nur wenige Anlagen über den Förderzeitraum hinaus bestehen bleiben. Das zeigt, dass die Wirtschaftlichkeit der Anlagen beispielsweise von der CO2-Preissteigerung abhängt. Je höher die Preissteigerung der CO2- beziehungsweise Brennstoffkosten ausfällt, desto mehr Anlagen könnten weiterbetrieben werden. In den ersten drei Betriebsjahren nach 2021 sind die Erlöse noch gering. Nur Anlagen, die unter technischen Gesichtspunkten auch über diesen Zeitraum hinaus laufen, profitieren von den steigenden Erlösen im weiteren Verlauf.

Energy Flash 11.10.2017

Im südfranzösischen Kernkraftwerk Tricastin sind am Wochenende drei Reaktoren heruntergefahren worden. Kraftwerksbetreiber EDF ist damit der Aufforderung der nationalen Atomaufsichtsbehörde ASN nachgekommen, nach deren Einschätzung ein Damm an dem nahegelegenen Kanal im Falle eines Erdbebens brechen könnte. Der vierte Reaktor sei aufgrund von Wartungsarbeiten bereits abgeschaltet gewesen und sollte eigentlich am 7. Oktober wieder in Betrieb genommen werden. Nun will EDF alle vier Reaktoren nach Reparatur des Damms am 2. November in Betrieb nehmen. Außerdem will EDF eine zusätzliche Unterstützung der Schutzmauer installieren, die verhindern soll, dass Wasser in den Bereich der Reaktoren gelangt. Weitere ungeplante Ausfälle der Kernkraftwerke Chooz mit 1‘500 Megawatt Kapazität und Flammanville 2 mit 1‘330 Megawatt Kapazität stützen momentan die französischen Strompreise.

Ein Rahmenwerk für Elektrifizierung und Sektorkopplung, bessere Märkte und ordentliche Investitionsanreize fordert der europäische Dachverband der Stromwirtschaft Eurelectric. Generalsekretär Kristian Ruby sieht ein kohärentes Rahmenwerk für die europäische Industrie als zentralen Bestandteil, damit die Energiewende und die „Defossilierung“ der Gesellschaft gelingen. Ein wichtiger Bestandteil dieses äußeren Rahmens ist für ihn die Reform des europäischen Emissionshandelssystems (EU-ETS). Dabei muss man das System genau kalibrieren. Denn wenn man das falsch macht, könnte man mit etwas Gutem etwas Anderes kaputt machen.

Die Energieversorger E.ON und Enel haben jetzt erstmals Strom über einen Marktplatz gehandelt, der die Blockchain-Technlogie nutzt. Gemeinsam mit anderen Energieversorgern haben sich die Unternehmen in der Initiative Enerchain zusammengeschlossen, für die Ponton Consulting ein entsprechendes Peer-To-Peer-Netzwerk entwickelt hat. Die Blockchain-Technik erlaubt es Handelspartnern, in Sekunden Geschäfte untereinander abzuwickeln, für die üblicherweise ein zentraler Vermittler erforderlich ist. Damit sollen auch die Kosten der Strombeschaffung sinken, wovon künftig auch die Kunden profitieren sollen. Ziel der inzwischen 33 zusammengeschlossenen Unternehmen sei es, einen dezentralen Europäischen Marktplatz für den Energiehandel zu entwickeln.

In Deutschland soll die künftige Bundesregierung nach Ansicht der Monopolkommission das Auslaufen der Förderung erneuerbarer Energien auf den Weg bringen. Auf diese Weise könnten die Belastungen der Energiewende für Stromverbraucher und Industrieunternehmen verringert werden, heißt es in dem Sondergutachten für die Energiemärkte der Monopolkommission. Sie berät die Bundesregierung in Wettbewerbsfragen. Die Reduktion von Treibhausgasen müssen dann vollständig über den europäischen CO2-Emissionshandel organisiert werden.

Die neue Stromverbindung zwischen Deutschland und Norwegen hat eine weitere Etappe genommen. Am Freitag wurde in der Gemeinde Wilster/Nortorf Richtfest für die Konverterstation gefeiert, über die vom Jahr 2020 an Wasser- bzw Windstrom in die Versorgungsnetze beider Länder eingespeist werden soll. „Wir liegen im Zeitplan und sind im Budget“, sagte Lex Hartman, Mitglied der Geschäftsführung des Übertragungsnetzbetreibers Tennet. Bis zu zwei Milliarden Euro sind für das Gesamtprojekt mit Kabelverlegungen, Anlagen in Norwegen sowie neuer Konverterstation nebst Umspannwerk in Wilster (Kreis Steinburg) geplant. Die Nordlink-Leitung hat eine Kapazität von 1‘400 Megawatt.

Energy Flash 04.10.2017

Die Wiederinbetriebnahme von Block 1 des Kernkraftwerks Beznau verzögert sich weiter. Wie der Versorger Axpo mitteilte, hat das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat weitere Materialuntersuchungen angeordnet. Axpo geht davon aus, dass die Anlage Ende Februar 2018 wieder angefahren werden kann. Axpo erklärte sich trotz der erneuten Verzögerung überzeugt, dass keine sicherheitstechnischen Vorbehalte gegenüber dem Weiterbetrieb der Anlage bestehen. Alle bisher durchgeführten Untersuchungen und Analysen hätten dies wiederholt bestätigt. Beznau 1 ist seit März 2015 vom Netz. Im Sommer des gleichen Jahres wurden am Reaktordruckbehälter rund 925 Materialfehler entdeckt, die laut Axpo während der Schmiedung des Druckbehälters 1965 in Frankreich entstanden sind. Der Block 2 von Beznau ist hingegen nach abgeschlossener Revision seit letztem Donnerstag wieder am Netz.

Das südfranzösische Kernkraftwerk Tricastin mit seinen vier Blöcken mit je 915 Megawatt Kapazität wird aus Sicherheitsgründen heruntergefahren. Der Betreiber EDF teilte letzte Woche in Paris mit, die Reaktoren nördlich von Avignon würden vorübergehend abgeschaltet. Die nationale Atomaufsichtsbehörde ASN hat den Schritt angeordnet, damit eine unsichere Staumauer an einem benachbarten Kanal durch EDF repariert werden kann. EDF betonte, sie werde der Weisung innerhalb eines Monats nachkommen. Allerdings teile sie nicht der Meinung der Atomaufsicht, dass für die Arbeiten eine Abschaltung aller Reaktoren erforderlich sei. Die Sicherheitsbehörde sieht das Gebiet im Rhône-Graben einem erhöhten Erdbeben-Risiko ausgesetzt. Im Fall einer starken Erschütterung drohe ein Teil des Damms an dem Kanal neben dem Kernkraftwerk zu brechen. Bei einer dadurch verursachten Überschwemmung könne es zu einem Störfall kommen.

Frankreich will in den Jahren 2018 bis 2022 rund 20 Milliarden Euro in die Modernisierung des eigenen Energiesektors stecken. Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters sollen 9 Milliarden Euro davon in die bessere Wärmedämmung von Sozialwohnungen und Regierungsgebäuden gesteckt werden. Der Ausbau der erneuerbaren Energien soll mit 7 Milliarden Euro gefördert werden. Für die kommenden fünf Jahre strebt die Regierung ein Wachstum der Erneuerbaren-Kapazität um 70 Prozent an. Mit 4 Milliarden Euro will die Regierung den Wechsel zu umweltfreundlicheren Fahrzeugen vorantreiben. Geplant ist die Stilllegung von bis zu 10 Millionen alter Automobile, die vor 1997 (Benziner) bzw 2001 (Dieselfahrzeuge) zugelassen wurden.

Energy Flash 27.09.2017

Der Energiekonzern E.ON hat das Grosskundengeschäft des italienischen Versorgers Electra Italia sowie einen Mehrheitsanteil von 74.9 Prozent am italienischen Erneuerbaren-Dienstleister Casa delle Nuove Energie (CDNE) vom Schweizer Versorger BKW übernommen. Über den Kaufpreis machten beide Seiten keine Angaben. BKW hat ausserdem auch die KMU- und Wiederverkäufersparte von Electra Italia veräussert, Käufer ist der italienische Strom- und Gasversorger Illumia.

Deutschland könnte einer Studie zufolge das EU-Ziel für den Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Energieverbrauch deutlich verfehlen. 2020 soll der Anteil laut EU-Richtlinie bei 18 Prozent liegen - unter derzeitigen Bedingungen dürfte er in den kommenden drei Jahren aber nur auf 16 Prozent steigen, hat der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) in einer aktualisierten Trendanalyse errechnet. Dabei geht es nicht nur um den Ökostrom-Anteil beim Stromverbrauch, sondern auch um den Wärme-und Verkehrssektor. Im April hatte der BEE noch einen Anteil von 16.7 Prozent für 2020 vorhergesagt. Als Grund für die Änderung gibt der Verband einen Anstieg des Energieverbrauchs im Wärme- und Verkehrsbereich an. Die aktuelle Prognose geht unter anderem davon aus, dass sich der Trend zu steigendem Kraftstoff-Verbrauch im Verkehr bis 2020 rund halb so hoch fortsetzt wie im ersten Halbjahr 2017. Der Verband bezeichnet diese Rechnung als „konservativ“. Das 18-Prozent-Ziel werde in „noch weitere Ferne rücken, wenn sich der Verbrauchsanstieg im Wärme-, Verkehrs-und Stromsektor ungemindert fortsetzt“, heisst es beim BEE. Einer EU-Richtlinie zufolge soll der Anteil von Energie aus erneuerbaren Quellen am Bruttoendenergieverbrauch im Jahr 2020 bei 18 Prozent liegen. Für andere Länder gibt es andere Vorgaben, im EU-Schnitt sind 20 Prozent das Ziel. Dem BEE zufolge drohen nur fünf der 28 EU-Mitgliedsstaaten ihre Vorgaben zu verfehlen, neben Deutschland seien das Irland, Grossbritannien, die Niederlande und Luxemburg. „Die nächste Bundesregierung muss die Regelungen der Energiewirtschaft grundlegend modernisieren“, forderte BEE-Geschäftsführer Peter Röttgen. Beim Stromverbrauch lag der Anteil der erneuerbaren Energien laut BEE bei 31.7 Prozent, im Bereich Wärme allerdings nur bei gut 13 Prozent und im Verkehr nur bei gut 5 Prozent.

Greenpeace Energy hat am Dienstag Beschwerde bei der EU-Kommission gegen Staatsbeihilfen für den französischen Energiekonzern EDF eingelegt. Die Ökostrom-Tochter der Umweltschutzorganisation Greenpeace moniert, dass die französische Regierung EDF als grösster Anteilseigner zusätzliches Kapital von rund 6.8 Milliarden Euro verschafft habe. Nach Einschätzung von Greenpeace Energy wurde das Geld bereitgestellt, damit EDF für höhere Kosten für sein umstrittenes AKW-Bauprojekt Hinkley Point C in Grossbritannien aufkommen kann. Wie Greenpeace Energy mitteilte, erhält Hinkley Point C bereits britische Subventionen in Milliardenhöhe. „Die zusätzlichen französischen Finanzmittel sind eine unverhältnismässige und rechtswidrige Beihilfe, die den Wettbewerb auf dem europäischen Energiemarkt stört“, erklärte Sönke Tangermann, Vorstand bei Greenpeace Energy. Die EU-Kommission müsse jetzt die Subventionen aus Paris prüfen, forderte die Energiegenossenschaft. Nach Einschätzung von Greenpeace Energy sind die Beihilfen für EDF nicht mit den EU-Vorgaben vereinbar und daher unzulässig. Sie störten den Wettbewerb auf dem europäischen Strombinnenmarkt. EDF könne nämlich mit den Finanzhilfen seinen Strom aus Atomkraftwerken deutlich günstiger am Markt anbieten, als es ohne Beihilfen der Fall wäre.

Energy Flash 20.09.2017

Die Kernkraftwerk-Beteiligungsgesellschaft (KBG), hinter der die Schweizer Energiekonzerne Alpiq, Axpo und BKW stehen, löst zum Jahresende den Vertrag für den Strombezug aus dem französischen Kernkraftwerk Fessenheim auf. Der Vertrag mit dem Fessenheim-Betreiber EDF gewährleistete KBG einen Strombezug von 15 Prozent der Produktion aus jedem der beiden Blöcke. Dies entsprach jährlich rund 1‘700 Gigawattstunden Strom. Alpiq, Axpo und BKW sind an der KBG je zu einem Drittel beteiligt und beziehen den Strom entsprechend ihres Anteils. Der Vertrag endet nun am 31. Dezember 2017.

Das Kernkraftwerk Leibstadt wurde am Montag für die Jahreshauptrevision vom Netz genommen und abgeschaltet. Die Wartung dauert knapp sieben Wochen. Während dieser Zeit werden 76 von insgesamt 648 Brennelementen ausgetauscht sowie Instandhaltungsarbeiten und umfassende Prüfungen an Systemen, Komponenten und Armaturen vorgenommen.

Der Schweizer Energiekonzern BKW hat die geplanten Stilllegungsarbeiten am Kernkraftwerk Mühleberg nachvollziehbar dargelegt. Nach Angaben des Schweizer Bundesamts für Energie aus dem Gutachten des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (ENSI) würden die grundlegenden Schutzziele eingehalten. Das ENSI hat die Projektunterlagen der BKW Energie AG in den vergangenen Monaten eingehend geprüft. Im Oktober 2013 hatte die BKW entschieden, die Stromproduktion des Meilers Ende 2019 einzustellen und das Werk stillzulegen.

Der französische Energiekonzern EDF hat abermals versichert, dass von den in der Giesserei Creusot Forge gefertigten Bauteilen für Atomkraftwerke keine Sicherheitsrisiken ausgehen. Laut EDF werde die Zielsetzung für die Stromproduktion der Atommeiler im laufenden Jahr erreicht. Auch für 2018 erwartet der Konzern keine Beeinträchtigung durch die ausgedehnten Überprüfungen. Die französische Nuklearaufsicht ASN verlangt, dass EDF bis Ende 2018 alle Komponenten seiner Kernkraftwerke überprüft, die von der Areva-Schmiede Creusot Forge stammen. Der Versorger muss die benötigten Unterlagen jeweils zwei Monate vor dem Neustart eines Reaktors nach einem Brennelementewechsel zur Verfügung stellen. ASN hat unterdessen ein Kernkraftwerk unter verschärfte Aufsicht gestellt. Im KKW im zentral-französischen Belleville-sur-Loire sei eine „Verschlechterung des Sicherheitsniveaus“ verzeichnet worden. Demnach kam es in der Anlage mit ihren beiden rund 30 Jahre alten Reaktoren zu einer „Zunahme der bedeutsamen Vorkommnisse“. Dem Betreiber EDF wirft die Atomaufsicht Mängel bei Kontrolle und Wartung der Anlage vor. Die deswegen eingeleitete verstärkte Aufsicht über ein Kernkraftwerk ist in Frankreich ein seltener Schritt.

Energy Flash 13.09.2017

Die E.ON-Netztochter Bayernwerk testet im Raum Deggendorf den Ein­satz von Batteriespeichern, um nied­rigere Solarstromerzeugung im Netz auszugleichen. Der Strom solle für die Nacht oder schlechtes Wetter gespeichert werden, heißt es in einem Bericht des Bayerischen Rundfunks. Zu diesem Zweck nahm Bayernwerk-Chef Reimund Gotzel jetzt drei Gross­batterien in Betrieb. Mit dem Test wolle das Unternehmen mehr über die Speicherung von Strom lernen. In Niederbayern, wo sehr viel Solar­strom erzeugt wird, sei es notwendig, Strom für erzeugungsschwache Zei­ten zu speichern. Später soll das Projekt Erkenntnis­se für die Installation von Stromspei­chern in Privathaushalten mit Solar­dachanlagen liefern.

In der Europäischen Union wächst der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix, während die Atomkraft weiter an Bedeutung verliert. Wie aus Daten der Internationalen Atomener­gie-Organisation (IAEA) hervorgeht, sank die Produktion von Atomstrom im immer älter werdenden EU-Kraftwerkspark 2016 im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent auf rund 800 Milliarden Kilowattstunden (kWh). Im Gegenzug erhöhte sich die Stromproduktion aus Erneuerbaren um gut zwei Prozent auf mehr als 950 Milliarden kWh. Dabei konnten nach Daten von Agora Energiewende alle wichtigen Erneuerbaren-Technologien leicht zule­gen. „Der Trend geht klar in Richtung erneuerbare Energien, auch wenn der Ausbau noch zügiger voranschrei­ten kann“, erklärte der stellvertretende Geschäftsführer der Agentur für Erneu­erbare Energien (AEE), Nils Boenigk. In den kommenden Jahren wer­den die Erneuerbaren laut AEE-Prog­nose weiter zulegen. Denn die instal­lierte Leistung erneuerbarer Energien sei 2016 und 2017 in zahlreichen EU-Mitgliedstaaten spürbar gestiegen. In Frankreich erhöhte sich 2016 die Leis­tung in den Sparten Windkraft und Bio­energie binnen Jahresfrist jeweils zwei­stellig. Insgesamt stieg die installier­te Anlagenleistung erneuerbarer Ener­gien zur Stromproduktion in Frank­reich um 2.200 Megawatt (MW) auf knapp 46.000 MW. Die neue französi­sche Regierung hat das Ziel bekräftigt, den dominierenden Anteil der Atomen­ergie bis 2025 auf 50 Prozent abzusen­ken und dazu bis zu 17 Atomreaktoren stillzulegen. Knapp die Hälfte aller EU-Atomreak­toren steht in Frankreich. In Deutsch­land geht Ende dieses Jahres Block B des Kernkraftwerks Gundremmingen vom Netz. Dann verbleiben noch sie­ben Reaktoren, darunter Brokdorf, wo es in diesem Jahr zu einer langen Pro­duktionspause gekommen war. Trotz Atomausstiegsbeschluss ist Deutsch­land bislang vor Großbritannien und Schweden immer noch der zweitgröß­te EU-Atomstromproduzent. Trotz des Aufstiegs der erneuerbaren Energi­en halten einzelne EU-Länder an der Kernkraft fest, darunter Großbritannien und Finnland, wo geplante oder in Bau befindliche Neubauprojekte mit großen Schwierigkeiten und Verzögerungen behaftet seien. Die EU-Kommission hat hohe Sub­ventionen der britischen Regierung für das Kernkraftwerk an der englischen Westküste genehmigt, das knapp 21.4 Milliarden Euro kosten und in zehn Jahren erstmals Strom produzieren soll. Die EU-Kommission hat in die­sem Sommer auch ihre Unterstützung für den so genannten Keltischen Inter­konnektor zugesagt, eine 600 Kilome­ter lange Stromtrasse von Frankreich nach Irland, die eine direkte Verbin­dung der Iren zum europäischen Fest­land bieten soll.

Energy Flash 06.09.2017

Der Schweizer Bundesrat hat die von der Bundesversammlung am 17. März 2017 beschlossene Änderung des Stromversorgungsgesetzes per 1. Oktober 2017 in Kraft gesetzt. Damit werden den Regierungsangaben zufolge die Vorränge für Stromlieferungen übe die Grenze neu geregelt. Vorrang haben nur noch Lieferungen aus vor dem 31. Oktober 2002 abgeschlossenen Langfristverträgen sowie aus Grenzwasserkraftwerken. Der Vorrang für Stromlieferungen an Endverbraucher in der Grundversorgung und Lieferungen aus erneuerbaren Energien wird aufgehoben. Würden letztere Vorränge zunehmend eingefordert, könnte es zu Überlastungen im grenzüberschreitenden Übertragungsnetz kommen, welche die Systemstabilität und letztlich die Versorgungsicherheit in der Schweiz gefährden.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will sich zu einer möglichen Stilllegung des Atomkraftwerks Cattenom direkt an der Grenze zu Luxemburg und Deutschland nicht festlegen. „Ich weiss, dass das ein sensibles Thema ist“, sagte Macron nach einem Gespräch mit dem luxemburgischen Regierungschef Xavier Bettel. Luxemburg sowie die Regierungen des Saarlandes und Rheinland-Pfalz fordern eine rasche Stilllegung des vom französischen Versorger EDF betriebenen Kraftwerks Cattenom. Der 1986 in Betrieb genommene Atommeiler gilt als pannenanfällig. Bettel erneuerte das Angebot Luxemburgs, sich finanziell am Rückbau Cattenoms und auch an alternativen Energieprojekten in der Region zu beteiligen. Macron sagte lediglich, er unterstütze engere regionale Zusammenarbeit. Die französische Regierung wisse, dass sie auch künftig noch über das Thema Cattenom sprechen müsse.

Laut einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) verlagert sich der Strombedarf in Europa durch den Klimawandel zunehmend von Norden nach Süden und vom Winter in den Sommer. Wie das Institut mitteilte, bedeuten die steigenden Temperaturen einen „zusätzlichen Druck auf Europas Energieversorgungsnetze“. Der Effekt entsteht demnach vor allem durch gekühlte Innenräume: Der gestiegene Bedarf für Klimaanlagen wird Druck auf die Elektrizitätsnetze ausüben, wenn es draussen heiss ist und Stromerzeugungs- und Übertragungsinfrastrukturen ohnehin belastet sind. Noch vor wenigen Jahrzehnten hatte kein Auto in Europa eine Klimaanlage, heute fast jedes. Die gleiche Entwicklung wird es wohl auch für Gebäude in Europa geben. Um ihre Produktivität im Alltag und bei der Arbeit aufrechterhalten zu können, müssen die Menschen die Räume kühlen. Der Studie zufolge wird sich der Elektrizitätsbedarf von Ländern wie Schweden und Norwegen auf Staaten wie Portugal und Spanien verlagern. Gleichzeitig wird sich die jährliche Spitzenlast „in den meisten Ländern wohl von Winter auf den Sommer verschieben“.

Energy Flash 30.08.2017

Der Energiekonzern Alpiq hat im ersten Halbjahr 14.6 Prozent mehr umgesetzt als in der Vorjahresperiode, aber einen Verlust von 109 Millionen Franken eingefahren. Das teilte der Konzern am Montagmorgen mit. In der Vorjahresperiode standen unterm Strich nur zwei Millionen Franken Verlust, also 54.5 Mal weniger. Jasmin Staiblin, CEO von Alpiq, dürfte mit dem Ergebnis des ersten Halbjahres nicht zufrieden sein. Und auch nicht mit dem Verkauf von Stauseen und Wasserkraftwerken: «Die Öffnung des Wasserkraftportfolios ist sistiert», schreibt das Unternehmen. Diesen hatte Alpiq nach einem Verlust von 830 Millionen Franken im Jahr 2015 noch im März 2016 gross angekündigt. Die Hälfte des Wasserkraftportfolios, das von Zervreila ob Vals GR bis zum Bauwerk Grande Dixence im Wallis reicht, sollte abgestossen werden. Mit dem Verkauf wollte Alpiq die Abhängigkeit von den Strompreisen an den Grosshandelsmärkten reduzieren und damit die defizitäre Wasserkraftproduktion wieder auf eine zukunftsfähige Basis stellen. Denn an den Märkten wird seit Jahren weniger für Strom aus Wasserkraft bezahlt, als dessen Herstellung kostet.

Die Kosten für neue Solar- und Wind­kraftwerke in Deutschland und Europa liegen unter denen für neue Kohle- oder Gaskraftwerke. Das geht aus einer Analyse des Öko-Instituts hervor. So kommen Onshore- und Offshore-Windkraftanlagen sowie größere Solar­anlagen auf Vollkosten von 50 bis 70 Euro pro Megawattstunde (MWh). Fos­sile Kraftwerke liegen derzeit bei 70 bis 100 Euro je MWh bei aktuellen CO2-Preisen. Auch in den USA, wo günstige Gas­preise herrschen, sind Wind- und Solaranlagen laut Öko-Institut nicht teurer. Die Stromerzeugungskosten für Gaskraftwerke werden in den USA mit etwa 60 Euro je MWh angegeben, für Kohlekraftwerke liegen diese bei 75 Euro. Auch die Annahme weiter sinken­der Gaspreise durch Fracking in den USA werde bei Gaskraftwerken maxi­mal zu ähnlichen Preisniveaus wie für Solar- oder Windkraftanlagen führen. Das Öko-Institiut erwartet, dass die Stromerzeugungskosten für erneu­erbare Energien in den kommenden Jahren weiter sinken.

Die Ölpreise reagieren uneinheit­lich auf die erheblichen Beeinträchtigungen der US-Ölproduktion und Rohölverarbeitung durch den Wirbel­sturm Harvey. Brent stieg in der Nacht zum Montag zunächst auf knapp 53 US-Dollar je Barrel, gab die Gewin­ne aber schnell wieder ab. WTI stieg kurzzeitig über 48 US-Dollar, notierte aber am Montagmorgen bei 47.5 Dol­lar sogar im Minus. Die Preisdifferenz zwischen Brent und WTI weitete sich bis auf knapp 5 Dollar je Barrel aus, was dem höchsten Preisabstand seit zwei Jahren entspricht. Harvey hat laut den Analysten sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf den Ölpreis. Die amerikanische Rohölproduktion im Golf von Mexico musste teilweise unterbrochen werden. Die Ausfälle belaufen sich laut Schätzung des Amtes für Sicherheit und Umwelt auf 379‘000 Barrel pro Tag. Wie lange die Raffinerien geschlossen bleiben, lässt sich im Moment noch nicht abschätzen. Der US-Benzinpreis erreichte bei 178 US-Cents je Gallone ein Zweijahreshoch. Durch die Schlie­ßung des Houston Ship Channel und einiger Verladeterminals im Großraum Houston dürften auch die Importe und Exporte von Rohöl und Ölprodukten beeinträchtigt sein. Die genannten Auswirkungen von Hurrikan Harvey dürften damit den Angaben zufolge auch für erhebliche Verzerrungen in der kommenden US-Lagerstatistik sorgen.

Energy Flash 23.08.2017

Die neuen Schweizer Mega-Pumpspeicherkraftwerke in den Alpen gehen später in Betrieb als geplant. Technische Probleme an den hochkomplexen und Milliarden von Franken teuren Anlagen sind der Grund dafür, aber auch die tiefen Preise am Strommarkt. Im Herbst letzten Jahres gab die Gesellschaft Nant de Drance, an welcher der Energiekonzern Alpiq und die SBB beteiligt sind, bekannt, das sich die für 2018 geplante Inbetriebnahme des gleichnamigen Pumpspeicherkraftwerks in der Walliser Gemeinde Finhaut um sechs bis zwölf Monate verzögere. Bei den Schweissnähten an Stahlbauteilen in der Maschinenkaverne waren Qualitätsprobleme aufgetaucht. Das knapp zwei Milliarden Franken teure Kraftwerk soll nun ab Ende 2019 schrittweise in Betrieb gehen. Es soll in Zukunft unter anderem dazu beitragen, die Stromspitzen bei den SBB zu bewältigen. Mit den aktuell schwierigen Marktbedingungen zu kämpfen hat auch die Axpo. Die Axpo baute zuhinterst im Glarnerland, in Linthal, für ebenfalls rund zwei Milliarden Franken das Pumpspeicherkraftwerk Linth-Limmern. Die Axpo bestätigte am Montag, dass die Anlage den kommerziellen Betrieb erst Ende 2017 aufnimmt statt Mitte 2016. Das dritte Milliardenprojekt war vor noch ein paar Jahren jenes eines neuen Pumpspeicherkraftwerks im bündnerischen Puschlav. Der Bündner Stromkonzern Repower plante, Wasser von Lago di Poschiavo zum Lago Bianco am Berninapass zu pumpen, um es bei Bedarf rückwärts fliessen zu lassen und zu verstromen. 2019 hätte das Werk in Betrieb genommen werden sollen. Das war der Plan vor nicht ganz zehn Jahren. Vor zehn Monaten noch genehmigte die Bündner Regierung das Kraftwerk. Gebaut wird es vorläufig jedoch sicher nicht. Bauherrin Repower legte das Projekt auf Eis, ohne verbindlich anzugeben, wann es wieder vorangetrieben werden könnte.

Die Europäische Union und die Schweiz bereiten die Verknüpfung ihrer Emissionshandelssysteme vor. Ein bereits im Januar 2016 paraphiertes Abkommen soll noch in diesem Jahr unterschrieben werden. Vorschläge zur Unterzeichnung sowie zur Ratifizierung würden nun den Mitgliedstaaten zur Beratung vorgelegt. Auch das Europäische Parlament muss dem Vorhaben zustimmen. Der Schweizer Bundesrat teilte ebenfalls mit, er habe grünes Licht für die Unterzeichnung gegeben und stellt die Unterzeichnung vor Jahresende in Aussicht. Beide Seiten versprechen sich von dem Abkommen neue Möglichkeiten zur Reduktion des CO2-Ausstosses sowie geringe Kosten. Sobald beide Handelssysteme verbunden sind, können die Teilnehmer auch Einheiten aus dem jeweils anderen System verwenden. In das Emissionshandelssystem der Schweiz sind laut Bundesrat derzeit 54 CO2-intensive Unternehmen eingebunden.

Niedrige Kohlelagerbestände in Nordostasien und weniger Exporte Indonesiens halten die derzeitige Kohle-Rallye am Laufen. Schon seit sechs bis acht Wochen sind die Temperaturen in Nordostasien höher als normal. Das erhöht den Bedarf nach Strom für Kühlgeräte und nach Kohle, die verstromt wird. Zudem hat ein ungewöhnlich nasser Sommer die Kohle-Exportkapazität Indonesiens beeinträchtigt. Hinzu kommen Streiks und Ausfälle in südafrikanischen und australischen Minen. Die Kohlelagerbestände in den Kraftwerken sind stark zurückgegangen und müssen noch vor dem Winter wieder aufgefüllt werden. Dafür wird die Zeit aber schon knapp. Dies erklärt den Umstand, dass auch auf dem derzeitigen hohen Preisniveau weiter Kohle zugekauft werde. Die ungewöhnliche warme Witterung in Nordostasien soll noch eine Weile anhalten. Mit einem raschen Rückgang der Kohlepreise ist auch wegen des Zwangs zur Auffüllung der Lagerbestände nicht zu rechnen.

Energy Flash 16.08.2017

In der Stahlplattierung des Reaktordruckbehälters des AKW Beznau 1, das seit März 2015 stillsteht, sind bei Revisionsarbeiten „Vertiefungen“ festgestellt worden. Gemäss der Betreiberin Axpo und der Atomaufsichtsbehörde ENSI sind die Befunde nicht sicherheitsrelevant. Sämtliche Auffälligkeiten seien untersucht und bewertet worden. Auf die Funktion beziehungsweise die Integrität des Reaktordruckbehälters hätten die Vertiefungen keine Auswirkungen. Der Energiekonzern meldete den Befund dem eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat. Die Atomaufsichtsbehörde ordnete die Befunde auf der Internationalen Bewertungsskala für nukleare und radiologische Ereignisse (INES) auf der untersten Stufe 0 („Abweichung“) zu. Bei der genaueren Messung im Jahr 2015 sind drei bewertungspflichtige Befunde zum Vorschein gekommen, deren Tief etwa die halbe Dicke der Plattierung betrage. Der Energiekonzern Axpo hatte die Öffentlichkeit nicht über diese Befunde informiert. Der Fokus der Kommunikation sei auf den Befunden im Zusammenhang mit den Aluminiumoxideinschlüssen im Reaktorbehälter gelegen. Axpo gibt sich zuversichtlich, Beznau 1 am 31. Oktober wieder anfahren zu können.

Bei dem jüngst verabschiedeten US-Gesetz zu Russland-Sanktionen geht es im Kern um strategische Wirtschaftsinteressen – die angestrebte Dominanz der USA im globalen Energiemarkt. Dies stellte der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns Uniper, Klaus Schäfer, letzte Woche klar. Sollten die USA tatsächlich Sanktionen gegen Unternehmen verhängen, die die geplante Nord-Stream-2-Pipeline unterstützen, „wäre nicht nur dieses Projekt betroffen“. In einem Szenario der Sanktionen und Gegensanktionen könne praktisch jedes energiewirtschaftliche Infrastrukturprojekt torpediert werden. Der Uniper-Chef zeigte sich überzeugt, dass Europa in Zukunft auf steigende Gas-Importe angewiesen ist. Denn die Gasquellen versiegen sowohl in der EU als auch in Norwegen und die Nachfrage werde steigen. Deshalb ist der Ausbau der europäischen Gas-Infrastruktur eine schlichte Notwendigkeit für die Versorgungssicherheit Europas. Dazu gehören zusätzliche Gas-Transportkapazitäten aus Russland und anderen Regionen. Russisches Pipelinegas ist seit den siebziger Jahren eine berechenbare Grösse. Anders sieht es bei verflüssigtem Erdgas (LNG) aus: Ob überhaupt LNG-Schifflieferungen nach Europa kommen, hängt von der jeweils aktuellen Nachfrage und den Preisen in anderen Weltgegenden ab, vor allem von der Nachfrage aus Asien. Wenn in Asien hohe Preise für LNG gezahlt werden, drehen sich die Tanker sofort Richtung Japan oder China. Europa muss bereit sein, in den Preiswettbewerb mit Asien einzusteigen, wenn sie sich künftig überwiegend mit LNG versorgen will. Im Vergleich zu europäischen Handelsmarkt-Preisen für Erdgas sind US-LNG-Cargos deutlich zu teuer. Aktuell liegen die US-LNG-Preise auf Vollkostenbasis zwischen 5 und 10 Euro je Megawattstunde über den Referenzpreisen in Europa. Seit der Ausfuhr von US-LNG im Frühjahr vergangenen Jahres sind weltweit 155 US-LNG-Schiffe in den Export gestartet, davon sind 17 in Europa angekommen. Der Rest ging überwiegend nach Südamerika, Indien oder China. Dies sind Destinationen mit niedrigeren Transportkosten oder Hochpreis-Regionen. In Europa liegen die Kapazitäten zur Regasifizierung im Dornröschenschlaf. Nur rund ein Viertel der LNG-Kapazitäten in Westeuropa sind zuletzt überhaupt genutzt worden. In diesem Jahr sind bisher gerade einmal 30 Milliarden Kubikmeter LNG nach Europa geliefert worden, davon sind nur 1.2 Milliarden Kubikmeter aus den USA gekommen. Zum Vergleich: Europa benötigt derzeit im Jahr 200 Milliarden Kubikmeter an Gas-Importen. Beide Wege der Gasversorgung, also LNG und Pipelinegas, haben ihre Funktion und Berechtigung im künftigen Erdgas-Weltmarkt. Kunden und Abnehmer benötigen diese Vielfalt an Zugängen. In einer unsicheren Welt ist es wichtig, sich viele Wege offen zu halten.

Das globale Ölangebot ist im Juli den dritten Monat in Folge gestiegen. Wie aus dem neuen Monatsbericht der Internationalen Energie-Agentur (IEA) hervorgeht, legte das Angebot um 520‘000 Barrel täglich auf 98.16 Millionen Barrel pro Tag zu. Auch die Opec-Produktion nahm zu – trotz den Bemühungen, die Förderung zu begrenzen. Dieser Anstieg führt die IEA auf eine schlechtere Umsetzung des Abkommens zur Förderbeschränkung zurück, das Opec- und andere Produzentenländer beschlossen haben. Die Vereinbarung wird nur noch zu 75 Prozent umgesetzt, was das niedrigste Niveau im laufenden Jahr ist. Hinzu kommt die Erholung der Förderung in Libyen und Nigeria. Diese beiden Länder fallen nicht unter den Opec-Deal, weil ihre Ölförderung durch politische Unruhen beeinträchtigt war.

Energy Flash 09.08.2017

Der Energiekonzern Axpo hat Block 2 des Schweizer Kernkraftwerks Beznau gestern Montagmorgen wieder in Betrieb genommen. Der Atommeiler war in der Nacht zum Samstag teilweise abgeschaltet worden. Grund dafür war ein Ölleck an einer Leitung, das bei einem Kontrollgang entdeckt wurde. Die Reparaturarbeiten an einem 220-Kilovolt-Kabel eines Transformators im nicht-nuklearen Teil seien abgeschlossen. Die Atomanlage verfügt über 365 Megawatt Kapazität.

Die Preise für die unterschiedlichen Energiegüter werden innerhalb der nächsten sechs Monate stagnieren. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Befragung von 151 Energiemarktexperten in Deutschland durch das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für das ZEW Energiemarktbarometer. Die Mehrheit der Befragten erwarten demnach gleichbleibende Grosshandelspreise für Strom (71%), Rohöl (77%), Erdgas (81%) und Kohle (79%). Die mittelfristigen Einschätzungen sehen hingegen anders aus: Drei Viertel rechnen in den nächsten fünf Jahren mit steigenden Strompreisen. Ähnlich eingeschätzt werden auch die weltweiten Rohölpreise (67%) und die Erdgaspreise in Deutschland (63%). Anders gestaltet sich das Bild bei den Kohlepreisen: Hier erwarten 31 Prozent der Befragten sinkende Preise und nur rund ein Viertel steigende Preise in der mittleren Frist. Mit Blick auf europäische CO2-Emissionsrechte erwarten rund zwei Drittel der Teilnehmer einen Preis zwischen 5 Euro und 10 Euro pro Tonne in den nächsten sechs Monaten.

Das geplante Stromkabel zwischen Norwegen und Deutschland ist einen wichtigen Schritt vorangekommen. Im südnorwegischen Vollesfjord hat letzte Woche die Verlegung des Seekabels auf dem Meeresboden begonnen. Ab 2020 sollen über das Kabel die Strommärkte Norwegens und Deutschlands miteinander verknüpft werden. Je nach Marktlage fliesst norwegischer Strom aus Wasserkraft nach Deutschland oder deutscher Windstrom in die umgekehrte Richtung. Das NordLink-Kabel hat ein Übertragungsvermögen von 1‘400 Megawatt. Das entspricht der Kapazität eines grossen Atomkraftwerks.

Energy Flash 02.08.2017

Brent ist wieder im Aufwärtstrend

Die bei der letzten Analyse erwarte­te Erholung von Brent hatte sich auch bis Anfang Juli noch fortgesetzt. Aber die folgende Korrektur fiel nicht so kräftig aus wie befürchtet und das Juli-Tief blieb mit 46.11 US-Dollar je Bar­rel deutlich über dem Tief des Vormo­nats. In der dritten Juniwoche konnte Brent die Marke von 50.00 US-Dollar kurzfristig überwinden und lag somit höher als zum Monatsanfang. Dies bedeutet, dass nach der Dow-Theorie der Trend wieder gewechselt hat und nun aufwärts gerichtet ist. In dieser Woche stieg der Ölpreis weiter an und Brent konnte auch erstmals wieder über 50.00 US-Dollar aus dem Han­del gehen. Seit dem Juni-Tief hat sich eine Aufwärtstrendlinie gebildet, die drei Punkte verbindet und somit auf einen stärkeren Trend hinweist.

CO2 – Dezember 2017 erholt sich zögernd von jüngstem Preisrutsch

Der CO2-Markt erholt sich nur zögernd vom jüngsten Preisrutsch. Am Freitag war der Benchmark-Kontrakt EUA Dezember 2017 in den letzten Handelsminuten auf 5.07 Euro gedrückt worden, der Schlusskurs am Montag lautete auf 5.14 Euro. Am Dienstag wurde der Dezember 2017 um 16.10 Uhr mit 5.17 Euro gehandelt, bis zu diesem Zeitpunkt wechselten 5.6 Millionen Berechtigungen den Besitzer. Der CO2-Analyst der BayernLB sieht den mittelfristigen Aufwärtstrend dennoch als intakt an, wenn auch der Freitag viel kaputt gemacht habe. Nun müsse sich CO2 aber in den nächsten Tagen zu einem Sprung nach oben aufraffen, damit der Trend erhalten bleibe. "Wir sind in einer kritischen Phase. Wenn die 5.07 Euro auch auf Schlusskursbasis erreicht werden sollten, wäre der Aufwärtstrend kaputt", sagte er. Wirklich optimistisch werde er erst wieder sein, wenn der Markt über der Marke von 5.20 Euro schließe. Er hofft dabei auf die Saisonalität: Der August sei in den vergangenen Jahren eigentlich immer positiv für den Markt gewesen, es habe noch nie einen Rückgang gegeben. "Aus technischer Sicht kann es in den nächsten Tagen leicht nach oben gehen. Dann wird sich zeigen, ob das letzte Hoch von 5.60 Euro gebrochen wird oder ob es tendenziell eher nach unten geht", sagte ein Händler. Von der Saisonalität her sollte der CO2-Preis nach seiner Einschätzung wie in den Jahren zuvor auch diesen August leicht nach oben tendieren. "Wenn die 5.62 Euro auf Tagesschlusskursbasis durchbrochen werden, könnten sich Anschlusskäufe herausbilden", sagte er. Unter das jüngste Verlaufstief von Ende Juni von 4.77 Euro sollte der Dezember 2017 aber nicht rutschen. Wirklich interessant werde es erst wieder im September, wenn die Händler aus dem Urlaub zurückkommen und sich für das Jahresende positionieren. Das Interesse an der Versteigerung von 4‘261‘500 Berechtigungen aus EU-Bestand war am Vormittag hoch. 25 Bieter beteiligten sich an der Auktion, die Überzeichungsquote lag nach Angaben der Energiebörse EEX bei 4.01. Die Zertifikate wurden bei 5.12 Euro zugeschlagen.

Energy Flash 26.07.2017

Der US-Kongress bereitet für diese Woche Sanktionsbeschlüsse gegen Russland, den Iran und Nordkorea vor. Das Weisse Haus signalisierte, dass Präsident Donald Trump die Beschlüsse in Kraft setzen will. Zunächst hatte es so ausgesehen, als wenn das Weisse Haus gegen die Sanktionen sein Veto einlegen werde. Der Senat beschloss schon Mitte Juni fast einstimmig eine Gesetzesinitiative mit Sanktionen gegen Russland und den Iran. Das Vorhaben wurde dann aber im Repräsentantenhaus eine Weile aufgehalten. Am letzten Samstag wurde nun eine Einigung erzielt. Die Sanktionsbeschlüsse gegen Russland beziehen sich auf die von Moskau verkündete Annexion der Schwarzmeerhalbinsel Krim. Die deutsche Bundesregierung in Berlin befürchtet, dass mit den neuen US-Sanktionen auch Unternehmen in Deutschland und anderen europäischen Staaten auf dem US-Markt Strafen drohen, wenn sie sich an Projekten wie der Erdgaspipeline Nord Stream 2 mit Russland beteiligen. Bei Nord Stream 2 im Boot sind unter anderem Wintershall, Uniper, OMV, Engie und Shell. Energiemarktexperten sehen hinter den geplanten Sanktionen der USA gegen Russlands Öl- und Gaslieferungen nach Westeuropa wirtschaftsegoistische und machtpolitische Motive. Besorgt zeigte sich auch die EU-Kommission und drohte zugleich mit Gegenmassnahmen. Die Kommission verfolgt den US-Entwurf zu den Russland-Sanktionen mit einiger Sorge, vor allem wegen ihrer möglichen Auswirkungen auf die Energieunabhängigkeit der EU.

Saudi-Arabien will die eigenen Rohölexporte von 7.2 Millionen auf 6.6 Millionen Barrel senken. Ausserdem will Nigeria künftig eine Förderobergrenze von 1.8 Millionen Barrel täglich einhalten. Bisher war Nigeria von Limits ausgenommen. Libyen, für das gleichfalls bislang keine Obergrenze galt, soll seine Produktion auf 1.25 Millionen Barrel täglich beschränken. Bei dem Treffen in St. Petersburg war auf die beiden Opec-Mitglieder Druck ausgeübt worden, sich an der Kürzungsvereinbarung zu beteiligen. Laut Rohstoffanalysten könnte die saudische Exportkürzung die Balance von Angebot und Nachfrage am Rohölmarkt verändern. Die Kürzung der Exporte könnte kurzfristig zu höheren Preisen führen aber längerfristig vor allem den Ländern nützen, die sich nicht am Förderkürzungsprogramm der Opec und einiger Nicht-Opec-Staaten beteiligt haben, allen voran den USA. Der Opec droht damit ein weiterer Verlust von Marktanteilen. Die einzige nachhaltige langfristige Strategie des Rohölkartells wäre es, die Produktion zu erhöhen, so andere Anbieter aus dem Markt zu drängen und die erhöhte Nachfrage dann wiederum zu höheren Preisen zu bedienen. Es ist allerdings sehr unwahrscheinlich, dass die Opec ihre Strategie in absehbarer Zeit ändern wird.

Im ersten Halbjahr 2017 haben 108 Offshore-Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 626 Megawatt in Deutschland erstmals in Netz eingespeist. Damit waren zum 30. Juni 2017 insgesamt 1‘055 Anlagen mit einer Leistung von 4‘750 MW am Netz. Für das Gesamtjahr 2017 rechnet die Branche mit rund 900 MW Zubau. Die Offshore-Windenergie hat im ersten Halbjahr bislang 8‘480 Gigawattstunden Strom produziert. Das sind rund 70 Prozent der gesamten Vorjahresarbeit.

Energy Flash 19.07.2017

US-Erdölproduktion übertrifft Importe

Vor kurzem rief Präsident Donald Trump in typisch zügelloser Manier nicht nur die Energieunabhängigkeit, sondern die Energiedominanz aus. Die Förderung von Öl, Kohle und Gas soll entfesselt werden. Washington ist bereits aus dem Pariser Klimaschutzabkommen ausgestiegen. Die Atomkraft soll gestärkt werden, erneuerbare Energien kommen nur am Rande vor. Die amerikanische Regierung geht davon aus, dass bereits im Jahr 2020 die USA zum Netto-Exporteur von Energie aufsteigen wird. Grosse Hoffnungen setzt Washington in die Ausfuhr von verflüssigtem Erdgas (LNG). Mit dem in den USA gewonnenen Schieferöl kam der Ölpreis unter Druck und die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) in die Bredouille. Die USA erhielten Zugang zu günstiger Energie, was manche Wirtschaftszweige förderte. Zudem verringerte Washington bereits das Handelsbilanzdefizit, indem weniger Energiegüter importiert werden. Mit der Gewinnung von Öl und Gas aus Schieferöl wurden die USA auch das Zünglein an der Preiswaage und verdrängten damit die Opec bzw. Saudiarabien. Schieferölproduzenten können schneller als traditionelle Förderer auf Preisveränderungen reagieren. Dies heisst auch, dass mehr produziert wird, wenn der Preis steigt, womit das Angebot zunimmt, wodurch der Preis wieder sinkt.

Finanzbücher der Wasserkraft unter der Lupe

Der Zerfall der Strompreise im europäischen Grosshandel in den letzten Jahren macht den Schweizer Stromproduzenten zu schaffen. Dies trifft vor allem Stromkonzerne wie Axpo und Alpiq, die keine Privathaushalte und KMU zu garantiert kostendeckenden Preisen im noch geschlossenen Teil des Strommarkts beliefern können. Etwa die Hälfte des Stroms aus der Wasserkraft wird nicht in Monopolen abgesetzt und fährt laut Branchenvertretern Verluste von total 500 bis 600 Millionen Franken pro Jahr ein. Die vom Volk im Mai angenommene Energievorlage bringt der Wasserkraft eine Subvention von 120 Millionen Franken pro Jahr. Die vom Bundesrat jüngst vorgeschlagene Senkung der Wasserzinsen für die Standortkantone würde die Wasserkraftwerke um weitere 150 Millionen Franken pro Jahr entlasten, wovon etwa die Hälfte auf den «notleidenden» Teil der Produzenten entfallen könnte. Doch die Vorlage ist umstritten. Zum einen wehren sich die Bergkantone heftig, zum anderen ist die finanzielle Lage der Wasserkraft Gegenstand von Kontroversen. Die Energiekommission des Nationalrats hat Ende Juni deshalb weitere Abklärungen über die Finanzlage der Branche beschlossen.

Studie untersucht Gesundheitsrisiken

Das Bundesamt für Strahlenschutz will mehr über die Gesundheitsrisiken von Stromnetzen wissen und hat in Berlin eine Forschungsinitiative zu dem Thema vorgestellt. Es geht unter anderem um die Frage, welche Auswirkungen elektrische und magnetische Felder zum Beispiel an Hochspannungsleitungen haben können und welche Schutzmaßnahmen es gibt. 33 Studien in verschiedenen Forschungsbereichen sollen Klarheit bringen. Hintergrund ist die Energiewende: Um Atomkraft und Kohle durch Ökostrom zu ersetzen, muss das deutsche Stromnetz massiv erweitert werden.

Energy Flash 12.07.2017

Der G20-Gipfel hat dem Klimaschutz keinen neuen Schwung bringen können. Nach der Abkehr der USA vom Klimaabkommen stellten sich die anderen G20-Staaten zwar gegen US-Präsident Donald Trump und bekannten sich zu einer zügigen Umsetzung des Vertrages. Neue Initiativen gab es aber nicht. Auch torpedierte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan nach dem Treffen in Hamburg die zur Schau gestellte Einigkeit. Er stellte die Umsetzung des historischen Vertrages durch die Türkei infrage und nutzte den Gipfel, um Ansprüche für sein Land aus dem Klimafonds geltend zu machen. Im Windschatten des Rückzugs von Trump warnte Erdogan, dass das türkische Parlament das Abkommen nicht ratifizieren werde, wenn die Türkei nicht wie versprochen als Entwicklungsland eingestuft werde. Um den Klimaschutz voranzubringen, kündigte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron an, am 12. Dezember in Paris einen „Etappengipfel“ abzuhalten – auch um über Finanzierungsinstrumente zu sprechen. Er nannte den Ausstieg der USA einen grossen Fehler. Im Kommuniqué nehmen die anderen G20-Mitglieder die Abkehr der USA vom gemeinsamen Klimaschutz nur zur Kenntnis. Dem amerikanischen Wunsch nach Neuverhandlungen wird eine klare Absage erteilt, indem das Abkommen als unumkehrbar bezeichnet wird.

Ungeachtet aller Bekenntnisse zum Klimaschutz stellen die 20 mächtigsten Industrie- und Schwellenländer viel mehr staatliches Geld für Kohle- und Gaskraftwerke bereit als für grünen Strom. Demnach fliessen vier Mal so viele öffentliche Mittel – wie Kredite und Bürgschaften – für fossile Kraftwerke als in Windräder und Solaranlagen, wie eine Auswertung verschiedener Umweltverbände zeigt. Die Analyse bezieht sich auf die Jahre 2013 bis 2015. Die G20 unterstützten laut den Umweltverbänden fossile Energie mit jährlich 71.8 Milliarden US-Dollar, saubere Energie wie Solar und Wind mit 18.7 Milliarden.

Frankreich könnte nach Angaben von Umweltminister Nicolas Hulot in den kommenden acht Jahren bis zu 17 Atomreaktoren abschalten. Er begründete dies am Montag mit dem Ziel des französischen Energiewende-Gesetzes, den Atomanteil an der Stromproduktion bis 2025 auf 50 Prozent zu senken. Nach seiner Darstellung soll parallel der Verbrauch sinken und die Stromproduktion diversifiziert werden. Details oder einen klaren Fahrplan nannte er nicht. Bislang gibt es nur für das umstrittene Atomkraftwerk Fessenheim einen Plan zur Schliessung. Ein entsprechendes Dekret hatte die Vorgängerregierung nach langem Ringen mit Betreiber EDF im April auf den Weg gebracht. Allerdings soll es erst vom Netz gehen, wenn ein neuer Reaktor in Flamanville am Ärmelkanal startet. Dieser soll nach Verzögerungen Ende 2018 fertig werden. Der im Mai gewählte neue Präsident Emmanuel Macron hatte sich in seinem Wahlprogramm zur Schliessung Fessenheims bekannt und auch das 50-Prozent-Ziel für Atomstrom bestätigt. Der mehrheitlich vom Staat kontrollierte Atomkraftwerkebetreiber EDF will bis 2025 im Schnitt 4 Milliarden Euro pro Jahr investieren, um seine Kernkraftwerke für eine Laufzeitverlängerung fit zu machen. Kritiker rechnen allerdings mit deutlich höheren Kosten.

Der bedrängte Golfstaat Katar hat eine kräftige Steigerung seiner Erdgasproduktion angekündigt. Bis 2024 wird Katar rund 30 Prozent mehr Erdgas produzieren. Die Produktion würde dann bei 100 Millionen Tonnen liegen. Katar ist Weltmarktführer bei verflüssigtem Erdgas (LNG). Der Golfstaat steckt in einer schweren Krise: Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten am 5. Juni ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen und eine Verkehrs- und Handelsblockade gegen den Wüstenstaat verhängt. Sie werfen Katar die Unterstützung von Terrorgruppen vor und legten Doha eine Liste mit 13 ultimativen Forderungen vor.

Energy Flash 05.07.2017

Trump will mit fossiler Energie den Weltmarkt dominieren

"Wir haben für nahezu 100 Jahre Erdgas und für mehr als 250 Jahre saubere, schöne Kohle", sagte Trump am Donnerstag im Energieministerium in Washington. Diese nahezu unbegrenzten Vorräte setzten die USA "an die Spitze einer echten Energierevolution", angetrieben von Innovation und Technologie. Ziel sei nicht nur die Unabhängigkeit von Energieimporten, sondern die US-Dominanz des globalen Markts. Er stellte mehrere Initiativen vor, die auf dieses Ziel hinarbeiten und Exporte von Energie steigern sollen.

Atomkonzerne überweisen 24 Milliarden Euro für Endlagerung

Die Energiekonzerne in Deutschland haben sich von den Kosten zur Zwischen- und Endlagerung des Atommülls endgültig "freigekauft". Die vier Kernkraftwerks-Betreiber Eon, RWE, EnBW sowie Vattenfall haben insgesamt 24.1 Milliarden Euro "fristgerecht und vollständig" auf Konten des staatlichen Entsorgungsfonds eingezahlt, wie das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin mitteilte: "Damit ist ihre Haftung für Kosten der nuklearen Entsorgung im Bereich Zwischen- und Endlagerung beendet." Mit der Überweisung wird der Finanzpakt zwischen dem Staat und den Energiekonzernen zur Finanzierung nuklearer Altlasten umgesetzt. Der staatliche Entsorgungsfonds soll die Zwischen- und Endlagerung des Atommülls managen. Für Stilllegung und Abriss der Kernkraftwerke sowie die Verpackung des Mülls bleiben die Konzerne verantwortlich. Spätestens Ende 2022 werden alle Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet. Der Pakt soll die Finanzierung des Atomausstiegs sichern - auch im Fall möglicher Konzernpleiten. Der staatliche Entsorgungsfonds soll die eingezahlten Geldmittel den Angaben zufolge "nachhaltig anlegen, um die Finanzierung der Kosten im Bereich Zwischen- und Endlagerung langfristig zu sichern".

Konzept Windenergie verabschiedet

Die schweizerische Regierung hat das Konzept Windenergie verabschie­det. Es legt fest, wie die Bundesinte­ressen bei der Planung von Winden­ergieanlagen zu berücksichtigen sind und zeigt mögliche Räume mit Poten­zial zur Nutzung von Windenergie auf. Planungs- und Projektträger verfü­gen damit über eine Entscheidungs- und Planungshilfe, wie offiziell mitge­teilt wurde. Windenergie könne gerade in den Wintermonaten einen wichtigen Bei­trag zur Versorgungssicherheit leis­ten. Die Windenergieanlagen stellten damit eine gute Ergänzung zu Wasserkraftwerken und Solaranlagen dar. Die Energiestrategie 2050 rech­net mit einer deutlich zunehmenden Stromproduktion aus Windenergie.

Energy Flash 28.06.2017

Die Schweiz hat im vergangenen Jahr mehr Energie verbraucht als im Vorjahr 2015. Wie das Bundesamt für Energie (BFE) der Schweizerischen Eidgenossenschaft mitteilte, stieg der Endenergieverbrauch der Schweiz 2016 gemessen am Vorjahr um 1.9 Prozent auf 854‘300 Terajoule. Als Ursache des Zuwachses wird insbesondere kühlere Witterung genannt. Zum Verbrauchsanstieg trug aber auch eine positive Wirtschaftsentwicklung und anhaltendes Bevölkerungswachstum bei. Aufgrund der niedrigeren Temperaturen hat etwa die Anzahl der Heizgradtage im Vergleich zu 2015 um 6.7 Prozent zugenommen.

Eine Voraussetzung für die Verknüpfung des Schweizer Emissionshandelssystems mit dem der Europäischen Union ist der Einbezug der Schweizer Treibhausgasemissionen der Luftfahrt. Der Schweizer Bundesrat hat nun die Verordnung genehmigt, die die Erhebung der luftfahrtbezogenen Daten regelt. Vom Zeitpunkt der Verknüpfung beider Systeme an soll demnach die Luftfahrt in der Schweiz emissionshandelspflichtig werden. Von der Erhebung der Daten sind nach Angaben des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) nur Flüge innerhalb der Schweiz sowie Flüge von der Schweiz in ein Land des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) betroffen. Das Abkommen über die Verknüpfung der Emissionshandelssysteme war im Januar 2016 paraphiert worden.

Ein Mindestpreis für CO2-Emissionszertifikate hätte negative Folgen für die energieintensive Industrie in Deutschland. Das geht aus einer Analyse von Pöyry Management Consulting über den entsprechenden Vorschlag des französischen Präsidenten Emmanuel Macron hervor. Macron hatte nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg einen Mindestpreis für CO2-Zertifikate von 30 Euro je Tonne ins Spiel gebracht, um CO2-Emissionsziele in Europa schneller zu erreichen. Aktuell schwankt der Preis für CO2-Zertifikate um 5 Euro. Eine sechsfach höhere Abgabe auf CO2-Emissionen würde die Strompreise in den meisten EU-Ländern steigen lassen. In Deutschland könnten die Strompreise dadurch um rund 40 Prozent anziehen. Frankreich selbst wäre von der Massnahme hingegen weniger stark betroffen. Seine Energieversorgung basiert zu fast 90 Prozent auf CO2-freien Atomkraft- und Wasserkraftwerken. Kohlestrom hat lediglich einen Anteil von 1.5 Prozent am Strommix. Die Einführung eines CO2-Mindespreises von 30 Euro würde Frankreichs Wirtschaft weitgehend ungeschoren lassen, zugleich aber all europäischen Wettbewerber der französischen Industrie massiv belasten. Laut Pöyry bedroht der von Macron geforderte CO2-Mindestpreis sofort tausende Arbeitsplätze in Kohlekraftwerken, gefährdet die Versorgungssicherheit mit Energie und führt unweigerlich zu Wettbewerbsnachteilen für exportorientierte, energieintensive Branchen in Deutschland.

Geschätzte 315‘000 der 3.1 Millionen Gigawattstunden Strom, die 2016 in der Europäischen Union erzeugt wurden, stammen aus Windkraftanlagen. Damit hat sich der Anteil der Windkraft am Strommix seit 2005 nach Angaben von Eurostat verfünffacht. Nach der konventionellen thermischen Stromerzeugung (49 Prozent), Kernkraft (26 Prozent) und Wasserkraft (12 Prozent) rangiert Windkraft mit 10 Prozent Anteil auf Rang vier.

Leichte Erholung bei den Strompreisen​

Seit Februar 2016 sind die Strompreise wegen der anziehenden Konjunktur tendenziell gestiegen. Momentan sind sie in einer Seitwärtsbewegung gefangen.

Seit 2011 kannten die Strompreise nur eine Richtung: nach unten. Der langjährige Tiefpunkt wurde mit rund 20 €/MWh beim Terminpreis Base 2018 an der EEX im Februar 2016 erreicht. Anschliessend sorgte die anziehende Konjunktur, einhergehend mit steigenden Primärenergiepreisen bis November 2016, für eine moderate Erholung der Strompreise. Der sich abzeichnende milde Winter liess zwar die Preise im Dezember wiederum etwas einbrechen, aber Probleme bei französischen Kernreaktoren liessen die Strompreise auch in den Nachbarländern rapide nach oben klettern. Areva hatte Unregelmässigkeiten zu Bauteilen entdeckt, die hundertfach in französischen Kernreaktoren eingebaut wurden, was zur Folge hatte, dass 23 von 58 Kernreaktoren zeitweise vom Netz genommen wurden. Seit Januar 2017 lässt sich eine Seitwärtsbewegung des Terminkontrakts Base 2018 zwischen 28.00 und 31.50 €/MWh feststellen. In der Folge ging im letzten Halbjahr die Liquidität in der Schweiz auf dem Strommarkt signifikant zurück.

Energy Flash 21.06.2017

Atomkraftwerk Beznau

Axpo verschiebt das Wiederanfahren des Atomkraftwerks Beznau 1 auf Herbst. Der Grund: Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI verlangt zusätzliche Informationen zum Sicherheitsnachweis. Neuer Zieltermin für die Rückkehr des Meilers ist der 31. Oktober 2017. Mitte November 2016 hatte Axpo den Sicherheitsnachweis für den Reaktordruckbehälter von Block 1 eingereicht. In der Folge rechnete Axpo damit, die Anlage im Laufe des Frühjahrs 2017 wieder ans Netz zu bringen. Aufgrund der Prüfkommentare der Aufsichtsbehörde ergebe sich nun eine Verschiebung, teilte der Konzern mit. Das Unternehmen zeigt sich überzeugt, dass keine sicherheitstechnischen Vorbehalte gegen einen Weiterbetrieb bestehen. Block 1, mit rund 48 Betriebsjahren einer der ältesten kommerziellen Reaktoren der Welt, ist seit März 2015 vom Netz. Im Sommer des gleichen Jahres wurden am Reaktordruckbehälter 925 Materialfehler entdeckt. Beznau 1 hat eine Kapazität von 365 Megawatt.

Japanisches Gericht genehmigt AKW-Neustart

Mehr als sechs Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima hat ein japanisches Gericht am Diens­tag die Wiederinbetriebnahme zweier Atomreaktoren genehmigt. Die Reak­toren 3 und 4 des Atomkraftwerks Genkai im Südwesten Japans dürften nach dem Gerichtsurteil wieder ans Netz gehen. Anwohner hatten versucht, aus Sicher­heitsgründen eine einstweilige Verfü­gung gegen den Neustart der Reakto­ren zu erreichen. Das Atomkraftwerk Genkai liegt hundert Kilometer nördlich der Prä­fektur Kumamoto, die im vergange­nen Jahr von einem schweren Erdbe­ben erschüttert wurde. Die Anwohner werfen dem Betreiberkonzern Kyus­hu Electric Power vor, keine ausrei­chenden Maßnahmen zum Schutz vor Naturkatastrophen zu treffen. Nach der Katastrophe von Fukushi­ma im März 2011 waren alle Atoman­lagen in Japan abgeschaltet worden. Seitdem gelten schärfere Sicherheits­auflagen. 2015 wurden im Südwesten Japans die ersten zwei Reaktoren wie­der ans Netz genommen. Mittlerweile sind landesweit wieder fünf in Betrieb. Erst vor einer Woche war ein Reaktor im Atomkraftwerk Takahama wieder hochgefahren worden. Japan will bis zum Jahr 2030 bis zu 22 Prozent seiner Energie wieder aus Atomstrom beziehen. In Fukushima war infolge eines schweren Erdbebens und eines Tsuna­mis am 11. März 2011 das Kühlsystem ausgefallen, woraufhin es in mehreren Reaktoren zur Kernschmelze kam. Drei der sechs Reaktoren wurden bei der Katastrophe zerstört und das umlie­gende Gebiet radioaktiv verseucht. Die Aufräumarbeiten sollen noch vier Jahr­zehnte dauern.

Kohleproduktion geht um 6,2 Prozent zurück

Die globale Kohleproduktion ist 2016 um 6,2 Prozent zurückgegangen. Das geht aus dem Welt-Energierückblick von BP hervor. Demnach sank die US-Förderung um 19 Prozent und die chinesische Produktion verminderte sich um knapp 8 Prozent. Die Öl- und Gasgesellschaft betrachtet hierfür eine Verschiebung des Markts hin zu weniger klimaschädlichen Energieträgern und zu erneuerbaren Energien als ursächlich. Der Kohleverbrauch in den USA ging 2016 um knapp 9 Prozent zurück, der chinesische Bedarf sank um fast 2 Prozent.

Globaler Ölmarkt bleibt überversorgt

Das Überangebot an Öl wird im laufenden Jahr nicht abflauen, da die Bemühungen der Opec zur Förderbegrenzung durch Produktionsausweitungen in den USA und anderen Ländern kompensiert werden. Die ohnehin bereits hohen Ölvorräte in den Industrienationen stiegen im April um weitere 18,6 Millionen Barrel. Sie liegen damit um 292 Millionen Barrel über dem Fünfjahres-Durchschnitt. Die Lagerbestände gelten als wichtiger Indikator für das Überangebot. Das aktuelle Niveau verdeutlicht, warum die Ölpreise unterhalb eines Niveaus liegen, dass die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) anstrebt. Die Gesamtförderung der Länder außerhalb der Opec dürfte im laufenden Jahr um 700.000 und im kommenden Jahr um 1,5 Millionen Barrel pro Tag steigen. Das wiederum ist mehr als die prognostizierte Zunahme der globalen Nachfrage.

Energy Flash 14.06.2017

In der Bundesverfassung wird definitiv kein Artikel zu Energie-Lenkungsabgaben verankert. Nach dem Nationalrat hat sich auch der Ständerat dagegen ausgesprochen. Der Entscheid war nur noch Formsache, eine Abstimmung erübrigte sich. Der Ständerat beschloss am Montag oppositionslos, nicht auf die Vorlage des Bunderates einzutreten. Zwar lehnen nicht alle Parteien ein Lenkungssystem grundsätzlich ab. Die Befürworter halten aber einen neuen Verfassungsartikel für unnötig oder die vorgeschlagenen Instrumente für unzureichend. Die vorberatende Kommission hat die Weiterverfolgung des Geschäftes als aussichtslos beurteilt. Sie ist sich aber bewusst, dass es mit einer Ablehnung nicht getan ist. Die Energiekommissionen beider Räte haben die Diskussion aufgenommen, unter dem Stichwort „Marktdesign“. Die Vorlage war unter Ueli Maurers Vorgängerin Eveline Widmer-Schlumpf im Finanzdepartement erarbeitet worden. Der Bundesrat schlug vor, das System zur Förderung erneuerbarer Energien ab 2021 durch ein Lenkungssystem abzulösen, das Klima- und Energielenkungssystem (Kels). Dieses war als zweite Etappe der Energiestrategie 2050 gedacht. Ein neuer Verfassungsartikel hätte dem Bund ermöglicht, Klimaabgaben auf Brenn- und Treibstoffen sowie eine Stromabgabe zu erheben. Die rechtsbürgerliche Seite favorisierte zwar einst Lenkungsabgaben gegenüber der Förderung, lehnt diese im aktuellen Marktumfeld nun aber ab. Die links-grüne Seite befürwortet Lenkungsabgaben grundsätzlich, hält aber einen neuen Verfassungsartikel für unnötig, zumal eine Stromabgabe beim derzeitigen europäischen Stromüberschuss wenig sinnvoll erscheine.

Seit 2009 können sich stromintensive Unternehmen in der Schweiz den Netzzuschlag zur Förderung der erneuerbaren Energien vollständig oder teilweise zurückerstatten lassen. Aufgrund einer vom Parlament beschlossenen Revision des Energiegesetzes können seit Januar 2014 mehr Unternehmen von der Rückerstattung profitieren, müssen dazu aber mit dem Bund eine verbindliche, zehnjährige Zielvereinbarung zur Steigerung ihrer Energieeffizienz abschliessen. 2014 haben laut Schweizer Regierungsangaben 61 Unternehmen und im Jahr danach 104 Unternehmen davon Gebrauch gemacht. Die Rückerstattungssumme lag 2014 bei 21.1 Millionen Franken und 2015 bei 45.4 Millionen Franken. Die Zahlen für 2016 sind noch unvollständig: die Rückerstattungssumme wird voraussichtlich zwischen 54 und 68 Millionen Franken liegen. In den bis Ende 2016 abgemachten Zielvereinbarungen haben sich 174 Unternehmen zu einer Steigerung ihrer Energieeffizienz verpflichtet.

Krise in Nahost, doch die Energiemärkte bleiben gelassen. Trotz der diplomatischen Eskalation zwischen dem Emirat Katar und seinem mächtigen Nachbarn Saudi-Arabien haben sich die Preise für Öl und Gas auf den Weltmärkten nicht dramatisch bewegt. Experten erwarten auch kurzfristig keine Turbulenzen auf den Märkten, obwohl das kleine Emirat über rund 13 Prozent der bekannten Gasreserven auf dem Planeten verfügt. Vor der Küste im persischen Golf erstreckt sich das South-Pars-Gasfeld, das grösste der Welt, das Katar und Iran für sich beanspruchen. Katar hat sich in den vergangenen Jahren vor allem als Exporteur von verflüssigtem Erdgas (LNG) eine herausragende Marktstellung erarbeitet. Katar lieferte dem Weltmarkt im vergangenen Jahr mehr als 77 Millionen Tonnen LNG, das sind rund 30 Prozent der Gesamtmenge. Gemäss Rainer Wiek vom Energie-Informationsdienst EID in Hamburg erleben wir derzeit bei Öl und Gas eine Schwemme. Der europäische Markt ist - auch über Pipelines - reichlich versorgt. Selbst wenn sich die Krise auf bislang unbekannte Weise verschärfen sollte, wären die Lieferungen aus Katar wohl ersetzbar. Insgesamt steuert das Emirat trotz seiner starken Position bei LNG kaum mehr als 5 Prozent zur Welt-Gasversorgung bei. Europa bekommt importiertes Erdgas überwiegend aus Russland. Auch Steffen Bukold von der Plattform EnergyComment verweist auf die fundamentale Marktverfassung. Würden jedoch die Fahrpläne der Tanker gestört und die Lieferungen eingeschränkt, wäre das Herz der Wirtschaft Katars getroffen. Verharmlosen wollen die Experten die Krise zwischen Katar und Saudi-Arabien jedoch nicht. Saudi-Arabien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain hatten letzte Woche die diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen.

Energy Flash 07.06.2017

Importrisiken bei der Stromversorgung werden zunehmen

Die Abhängigkeit der Strombeschaffung aus dem Ausland wird für die Schweiz künftig steigen. Der Hauptgrund dafür ist die wegfallende Energie aus Kernkraftwerken. Die Stromversorgungsqualität war gemäss Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom) in den vergangenen Jahren ausgezeichnet. So hätte die Unterbrechungsdauer für einen Schweizer Endverbraucher in der Grundversorgung im Schnitt nur 19 Minuten betragen (Vergleich: EBM 15.3 Minuten). Neben der Netzverfügbarkeit benötige es aber auch genügend Energie, sagte der ElCom Präsident Schmid-Sutter. Der schleppende Zubau von erneuerbaren Energien werde die abnehmende Kernkraftwerkskapazität in der Schweiz nicht kompensieren können. Diese Lücke führe zu einem höheren Importbedarf, was zu Versorgungsengpässen führen könne. Die Bedeutung der Importverfügbarkeit zeigte sich im vergangenen Winter. Laut ElCom mussten wegen des kalten Winterwetters die Speicherreserven in der Schweiz massiv eingesetzt werden. Die Füllstände der Speicherseen sanken in der Folge auf historisch tiefe Niveaus. Zudem fielen die Kernkraftwerke Leibstadt und Beznau 1 zeitweise aus. Die verfügbaren Importkapazitäten wurden vollends ausgenutzt und teilweise wurde bis zu 5500 Megawatt importiert. Zum Vergleich: Die verfügbare Importkapazität bei voller Kernkraftkapazität der Schweizer Kernkraftwerke beträgt 2500 Megawatt. Auch die Situation in Europa war wegen der kalten und trockenen Witterung angespannt. Besonders in Frankreich sei die Lage heikel gewesen, weil mehrere Kernkraftwerke ausfielen und der Stromverbrauch in der Kältephase stark anstieg. Das habe die Verfügbarkeit in der Schweiz eingeschränkt. Wegen des künftig höheren Importbedarfs dürften sich kritische Netzsituationen häufen. Diese Importrisiken können durch den Netzausbau wie beispielsweise die Spannungserhöhung zwischen Bassecourt und Mühleberg oder den Transformator in Mühleberg minimiert werden. Dennoch werde die Importkapazität massgeblich durch die Exportbereitschaft der Nachbarländer beeinflusst. Die Situation in diesem Winter habe gezeigt, dass die Verfügbarkeit von ausländischem Strom wegen Ausfällen von Kernkraftwerken oder Netzengpässen nicht immer garantiert sei. Das Risiko werde sich mit Blick auf die Ausserbetriebnahmen der restlichen Kernkraftwerke in Süddeutschland bis 2022 sowie auf die Verzögerungen beim innerdeutschen Netzausbau noch vergrössern.

Globaler Solarzubau soll 2017 bei 80 GW liegen

Der weltweite Boom von Solaranlagen hält 2017 an. Nach einer Prognose des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW) sollen in diesem Jahr Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtkapazität von rund 80 Gigawatt neu installiert werden. Im vergangenen Jahr waren es 75 GW.

Mit 6.6 Cent je Kilowattstunde habe im Kraftwerksmassstab erzeugter Solarstrom in Deutschland die Erzeugungskosten von Strom aus neu errichteten fossil befeuerten Kraftwerken unterschritten, sagt BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Daher gebe es keinen Grund mehr, die Photovoltaik zu deckeln.

Trump kündigt Pariser Klimaabkommen auf

In einer weltweit nahezu einstimmig kritisierten Entscheidung ziehen sich die Vereinigten Staaten aus dem historischen Klimaabkommen von Paris zurück. Der Pakt sieht klare Ziele für die Begrenzung der gefährlichen Erderwärmung vor. US-Präsident Donald Trump begründete den Rückzug der größten Volkswirtschaft in Washington damit, amerikanische Interessen für immer an die erste Stelle zu setzen. Man wolle sofort mit Verhandlungen für ein besseres Abkommen beginnen, sagte Trump. Es müsse aber klar sein, dass ein neuer Vertrag besser für die amerikanischen Arbeiter sei. Das jetzige Abkommen lade die Kosten bei den amerikanischen Bürgern ab. „Der Rückzug liegt im ökonomischen Interesse und wird für das Klima keine Rolle spielen“, sagte er. Der Ausstieg der Vereinigten Staaten - weltweit nach China zweitgrößter Produzent von Treibhausgasen - ist ein massiver Schlag gegen das internationale Regelwerk. Zwar wollen neben China auch andere wichtige Länder den Vertrag weiter befolgen. Es wird aber befürchtet, dass Trumps Alleingang eine Kettenreaktion auslöst und sich andere der 195 Unterzeichner vom Klimaschutz verabschieden.

Energy Flash 30.05.2017

Der Schweizer Nationalrat will nichts übereilen bei neuen Hilfsmassnahmen für die Wasserkraft. Er hat am Dienstag beschlossen, erst die Konsequenzen zu klären. Mit 131 zu 58 Stimmen bei 3 Enthaltungen nahm der Rat einen entsprechenden Antrag von FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen an. Damit entschied er sich gegen den Vorschlag seiner Energiekommission, den die Grünen sowie Teile der SP und der CVP unterstützten. Die Kommission war zum Schluss gekommen, es brauche rasch Hilfe für die Wasserkraftwerke. Sie wollte deshalb neue Regeln zur Grundversorgung in die Vorlage über den Um- und Ausbau der Stromnetze einbauen. Damit reagierte sie auf einen Entscheid des Ständerates. Dieser will Stromunternehmen wieder erlauben, die Kosten der Eigenproduktion vollständig den gebundenen Kunden in der Grundversorgung anzulasten. Von günstig zugekauftem Strom würden damit nur die Grosskunden profitieren – eine Praxis, die das Bundesgericht gestoppt hatte. Die Nationalratskommission bevorzugte eine andere Lösung: Verbraucher in der Grundversorgung sollten nur noch Strom aus Wasserkraft erhalten – für die Wasserkraftwerke eine faktische Abnahmegarantie. Was diese Haushalte und KMU kosten würde, wurde aber nicht abgeklärt. Zudem gab es nie eine Vernehmlassung. Im Nationalrat befand nun die Mehrheit, dieses Vorgehen sei nicht seriös. Der Rat hat deshalb den umstrittenen Teil der Vorlage an die Kommission zurückgewiesen.

Der Block 3 des Kernkraftwerks Cattenom mit 1‘300 Megawatt Kapazität ist am Montag vom Netz genommen worden. Wie der Betreiber EDF mitteilte, wurde der Meiler abgeschaltet, nachdem ein Test mit einem der beiden Hilfsdiesel unbefriedigend ausgefallen war. EDF machte keine Angaben dazu, wann Cattenom 3 wieder ans Netz gehen kann. Am letzten Freitag hatte sich bereits Cattenom Block 1 mit gleichfalls 1‘300 MW Kapazität automatisch abgeschaltet. Erste Untersuchungen hätten sich in diesem Fall auf den Haupttransformator konzentriert, über den der Strom aus dem Kraftwerk in das Netz gespeist wird.

An den Küsten Europas wird in diesem Sommer die lang erwartete Welle von Flüssigerdgas (LNG) aus den USA anbranden. Das zusätzliche Angebot impliziert schlechte Aussichten für die Entwicklung der europäischen Gaspreise. So rechnen die Analysten von Citi Research auch vor dem Hintergrund starker Pipeline-Importe bis 2019 nur mit sehr geringen Preissteigerungen. Gemäss Thierry Bros von Researchhaus Oxford Institute for Energy Studies ist der Preiskampf zwischen den neuen Anbietern von US-LNG und dem traditionellen Lieferer von Pipelinegas nach Europa, dem russischen Versorger Gazprom, bereits im Gange. Bros zufolge steigt das Angebot an LNG bis 2020 Jahr um Jahr weltweit um jeweils gut 20 Millionen Tonnen, was 27.6 Milliarden Kubikmeter regasifiziertem Erdgas entspricht. Derzeit seien insgesamt Verflüssigungsanlagen mit einer Kapazität von 104 Millionen Tonnen pro Jahr im Bau, davon allein für 49 Millionen Tonnen in den USA. Mit diesen Bauvorhaben werden die USA rasch zu den grossen LNG-Lieferländer Katar und Australien aufschliessen. Damit werden die Gaspreise in den USA in zunehmendem Masse wichtig für das Preisniveau in Europa. Auch die Betreibergesellschaft der Pipeline Nord Stream 2, hinter der der russische Versorger Gazprom steckt, sieht Flüssigerdgas mittlerweile als Hauptwettbewerber im Kampf um Marktanteile in Europa. Sie rechnet für die Jahre bis 2035 mit einer stabilen europäischen Nachfrage von 472 Milliarden Kubikmetern Gas. Infolge der rückläufigen Produktion innerhalb der EU und Norwegens aber auch Nordafrikas soll diesen Angaben zufolge ein zusätzlicher jährlicher europäischer Importbedarf von 120 Milliarden Kubikmetern erwachsen. Dieser kann nur durch russisches Erdgas oder LNG gefüllt werden. Über die Anteile, die auf jeden der beiden Player entfallen, entscheidet der Markt.

Die Allianz aus Opec- und Nicht-Opec-Staaten hält an ihrer Strategie einer knapperen Produktion fest, um den Ölpreis zu stabilisieren. Die Fachminister der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) beschlossen in Wien, die seit Januar geltende Produktionskürzung für Rohöl um neun Monate bis zum März 2018 zu verlängern. Auch Nicht-Opec-Mitglieder wie Russland beteiligen sich an diesem Schritt, durch den insgesamt 1.8 Millionen Barrel täglich weniger Rohöl gefördert werden sollen.

Energy Flash 23.05.2017

Das Schweizer Stimmvolk hat das Energiegesetz überraschend deutlich angenommen. 58.2 Prozent haben am letzten Sonntag Ja gesagt. Das Ja hatte sich in den Umfragen abgezeichnet, doch war es im Verlauf des Abstimmungskampfes geschrumpft. In der Schlussphase konnten nun offenbar die Befürworter punkten. Somit ist der Ausstieg aus der Atomenergie sechs Jahre nach Fukushima beschlossen. Die bestehenden Kraftwerke sollen am Netz bleiben, solange sie von der Aufsichtsbehörde als sicher eingestuft werden. Bei den Instrumenten setzt die Energiestrategie auf das Bewährte. Photovoltaik- oder Windanlagen werden weiterhin über den Netzzuschlag gefördert. Gleichzeitig wird die Unterstützung befristet. Neue Einspeisevergütungen werden nur noch bis Ende 2022 bewilligt, Investitionsbeiträge bis 2030. Ein Teil der Gelder ist für Subventionen an bestehende Grosswasserkraftwerke reserviert. Daneben ist mehr Energieeffizienz angesagt. Der Energieverbrauch pro Kopf soll bemessen am Stand des Jahres 2000 bis 2035 um 43 Prozent sinken, der Stromverbrauch um 13 Prozent. Zentrales Instrument bleibt das Gebäudeprogramm, für das pro Jahr 450 Millionen Franken statt wie heute 300 Millionen Franken aus der CO2-Abgabe eingesetzt werden können. Mit dem Ja vom Sonntag sind die Weichen gestellt, doch werden weitere energiepolitische Entscheide folgen. Am Sonntag haben sich die Kantone bereits in die Debatte eingeschaltet. Sie fordern Sofortmassnahmen für die Wasserkraft und unterstützen dabei den Entscheid der Umweltkommission des Nationalrates. Diese will die Wasserkraft mit einer Abnahmegarantie stärken: Verbraucher in der Grundversorgung sollen nur noch Strom aus Wasserkraft erhalten. Der Nationalrat befasst sich in der Sommersession mit dem Geschäft. Eine wichtige Rolle spielen auch die Wasserzinsen – eine bedeutende Einnahmequelle für die Berggebiete. Das geltende Modell läuft 2019 aus. Der Bundesrat wird laut Doris Leuthard voraussichtlich noch vor den Sommerferien eine Revision des Wasserrechtsgesetzes in die Vernehmlassung schicken. Ein nächster Meilenstein wird auch die Revision des CO2-Gesetzes sein. Daneben haben die Diskussionen über neue Marktmodelle begonnen, welche die Versorgungssicherheit gewährleisten sollen. Kraftwerksbetreiber könnten künftig dafür entschädigt werden, dass sie Kapazitäten bereithalten.

Der schweizerische Versorger Axpo hat den Termin für die Wiederinbetriebnahme von Beznau 1 erneut vertagt. Zuletzt hatte der Stromkonzern den Neustart für Ende Mai angekündigt, nun ist der 30. Juni 2017 als Termin angegeben. Der Block 1, mit knapp 48 Betriebsjahren einer der ältesten kommerziellen Reaktoren der Welt, ist seit März 2015 vom Netz.

Vor dem Hintergrund der geplanten Aufteilung der deutsch-österreichischen Preiszone wir die Energiebörse (EEX) finanziell abgewickelte Stromfutures für Österreich einführen. Die neuen Produkte werden laut Börsenangaben am 26. Juni gestartet und umfassen Grund- und Spitzenlastkontrakte mit einer monatlichen, vierteljährlichen und jährlichen Fälligkeit. Damit folgt die EEX der Nachfrage von Marktteilnehmern nach einem zusätzlichen Produkt, das es den Börsenteilnehmern ermöglicht, sich auch gegen Preisänderungen im österreichischen Markt abzusichern.

Mit dem Bau von zehn Atomkraftwerken will Indien die heimische Industrie stärken und die Versorgung mit Nuklearenergie deutlich ausbauen. Einen entsprechenden Plan genehmigte die Regierung letzte Woche. Die Atommeiler sollen demnach ausschliesslich von indischen Unternehmen gebaut werden, dabei rechnet die Regierung mit mehr als 33‘000 neuen Stellen. Die zehn Meiler werden eine zusätzliche Kapazität von insgesamt 7‘000 MW haben und damit die derzeitige verdoppeln.

Energy Flash 16.05.2017

Der europäische Energiehändlerverband EFET plädiert dafür, die geplante Aufspaltung der deutsch-österreichischen Strompreiszone um sechs Monate auf Januar 2019 zu verschieben. Das geht aus einer Stellungnahme gegenüber der Bundesnetzagentur und anderen Marktteilnehmern hervor. Die Bundesnetzagentur hatte die vier deutschen Stromübertragungsnetzbetreiber im Oktober vergangenen Jahres aufgefordert, an der deutsch-österreichischen Grenze eine Bewirtschaftung der Transportkapazitäten vorzubereiten. Das Engpassmanagement soll ab 3. Juli 2018 einsatzbereit sein. Damit würde der gemeinsamen Strompreiszone von Deutschland und Österreich das Ende drohen. Die Energiehändlervereinigung fordert nun, die Aufspaltung der Preiszone erst zum Jahreswechsel 2018/2019 vorzunehmen. Eine Teilung mitten im Jahr 2018 würde de facto die Kalenderjahreskontrakte ungültig machen und Marktteilnehmer zwingen, ihre Hedgingstrategien für 2018 kurzfristig umzustellen. Eine Verschiebung auf den 1. Januar 2019 würde dagegen ausreichend Zeit geben für die Vorbereitung der Preiszonentrennung und für Testläufe der Übertragungsnetzbetreiber. Zudem könnten sich Marktteilnehmer an die neuen Verfahren zur Kapazitätsberechnung und –allokation gewöhnen.

Die USA werden ihre Entscheidung, ob sie Mitglied des Pariser Klimaschutzabkommens bleiben, nicht mehr vor dem G7-Gipfel am 26. und 27. Mai auf Sizilien bekanntgeben. Das Weisse Haus hatte ein für letzte Woche geplantes, hochrangiges Treffen zur Positionierung beim Klimaschutz verschoben. Gemäss dem Sprecher des Weissen Hauses, Sean Spicer, sei der US-Präsident Donald Trump weiter dabei, sich eine Meinung zu bilden, was in der Abwägung ökonomischer und ökologischer Fragen die Interessen der USA am besten abdecke. Eine Entscheidung, ob die USA ihre Mitgliedschaft beim Pariser Klimaschutzabkommen beenden, wird damit um mehrere Wochen aufgeschoben. Präsident Trump hatte wiederholt erklärt, er tendiere dazu, die Mitgliedschaft zu beenden. Allerdings gibt es erhebliche Widerstände, auch in der Industrie. Die Energieunternehmen gehen Trumps Linie, auf alte Energieträger wie Kohle und Öl zu setzen, mehrheitlich nicht mit. In den USA hat inzwischen ein Gasboom eingesetzt, auch der Übergang zu erneuerbaren Energien ist in vollem Gange.

Die anhaltenden Probleme mit der extremen Luftverschmutzung in zahlreichen chinesischen Städten beschleunigen die Pläne zu einer breit angelegten Vergasung der chinesischen Steinkohle. Damit versucht die Volksrepublik, sich an die Beschlüsse des Pariser Klimagipfels zu halten ohne auf die Nutzung der riesigen Kohlereserven zu verzichten. 12 Prozent des gesamten chinesischen Gasbedarfs soll das aus Steinkohle gewonnene Gas spätestens vom Jahr 2020 an decken. Ein Teil dieser Gasmengen dürfte dann voraussichtlich in Gaskraftwerken in elektrische Energie umgewandelt werden. Damit nicht genug: China plant neben der Vergasung zugleich auch den Ausbau der Anlagen zur Konversion von Kohle in Kraftstoffe und petrochemische Rohstoffe. Präsident Xi Jinping hat schon zu Beginn dieses Jahres unter anderem in Ningxia den Startschuss zum Bau einer Mammut-Anlage zur Konversion von Kohle zu Kraftstoffen gegeben.

Energy Flash 09.05.2017

Laut dem Analysehaus Pira hat der Sieg von Emmanuel Macron bei den französischen Präsidentschaftswahlen strukturell bullishe Effekte für die Preise am französischen Strommarkt. Macron strebt eine Rückführung des Kernenergie-Anteils an der französischen Stromgewinnung bis 2025 auf 50 Prozent von derzeit 75 Prozent an. Dies wäre gleichbedeutend mit einer Verminderung der nuklearen Kapazitäten um 25 Gigawatt. Damit würde sich Frankreich zudem immer mehr von einem Stromexporteur zu einem Importeur von Strom wandeln. Der bestehende Ausbaupfad für die Erneuerbaren wäre laut den Analysten nicht steil genug, um eine Rückführung der Kernkraft in diesem Umfang abzufedern. So halten sie das Ziel einer Rückführung bis 2025 auf 70 Prozent für realistischer. Das von Macron für diesen Zeitpunkt avisierte 50-Prozent-Ziel ist wohl erst gegen 2030 erreichbar. Ausserdem möchte der neue Präsident den Beitrag der Wind- und Solarenergie bis 2022 verdoppeln. Das letzte Kohlekraftwerk in Frankreich soll gleichfalls 2022 vom Netz. Der Abschied von der Kohle soll laut Macron durch einen Mindestpreis auf CO2-Emissionen beschleunigt werden.

Am 1. Januar 2017 waren in der Schweiz 643 Wasserkraft-Zentralen mit einer Leistung grösser 300 Kilowatt in Betrieb. Das ist eine Zunahme um 20 Anlagen gegenüber dem 1. Januar 2016. Der grösste Anteil der Zunahme erfolgte aufgrund der Inbetriebnahme von Pumpspeicherkraftwerken. Die erwartete Energieproduktion stieg gegenüber dem Vorjahr um 89 Gigawattstunden auf 36‘264 GWh. Die Wasserkraft hat auf der Basis der Produktionserwartung einen Anteil von rund 56 Prozent an der Stromproduktion in der Schweiz.

Vor der niederländischen Küste ist gestern Montag einer der weltweit grössten Offshore-Windparks in Betrieb genommen worden. Der 2.8 Milliarden Euro teure Gemini-Windpark befindet sich rund 85 Kilometer vor der Küste in der Nordsee und verfügt über 150 Turbinen. Bei voller Windkraft verfügt die Anlage nach Angaben des Betreibers über eine Kapazität von 600 Megawatt. Rund 800‘000 niederländische Haushalte sollen so mit erneuerbarer Energie versorgt werden. Der Windpark trägt einen Anteil von 13 Prozent der Versorgung durch erneuerbare Energien in den Niederlanden.

Bei der Revision des belgischen Atomreaktors Tihange 2 hat die belgische Nuklearaufsichtsbehörde FANC keine neuen Risse im Reaktordruckbehälter entdeckt. Wie FANC mitteilte, kann der Reaktor mit einer Kapazität von 1‘008 Megawatt in den kommenden Tagen wieder ans Netz. Wegen der Risse, die auf Wasserstoffeinschlüsse bei der Produktion der Behälter zurückgingen, war die Stromproduktion 2012 gestoppt worden und der Reaktor konnte erst im Spätjahr 2015 wieder angefahren werden. Gegen den Meiler formiert sich seit langem Protest. Die Städte und Gemeinden der Grenzregion Deutschland, den Niederlanden und Luxemburg fordern die Stilllegung des umstrittenen Kernkraftwerks und haben in Brüssel eine Klage auf den Weg gebracht.

Energy Flash 02.05.2017

Der neue Deutschland-Future der Energiebörse EEX könnte zum neuen Benchmark-Produkt für den europäischen Stromhandel werden. Das Produkt, mit dem die Strombörse auf die für Juli 2018 avisierte mögliche Spaltung der deutsch-österreichischen Strompreiszone reagiert, wird erst seit dem vergangenen Dienstag gehandelt und die Umsätze in ihm sind noch gering. Der neue Future bietet die einzige Möglichkeit, sich zu hundert Prozent für den deutschen Markt abzusichern. Deshalb ist zu erwarten, dass viele Handelsteilnehmer den bisherigen Deutschland-Österreich-Future verkaufen. Dies wird spätestens dann geschehen, wenn an der Börse auch ein Österreich-Future aufgelegt wird und sich zwischen dem deutschen und dem österreichischen Produkt ein Spread entwickelt. Der Chef der Energiebörse EEX, Peter Reitz, kann sich die Einführung eines solchen Futures für Österreich gut vorstellen. Der Börsenmanager, der sich für die Beibehaltung der Preiszone ausspricht, will aber vor einem solchen Schritt zunächst die Entwicklung des Deutschland-Futures abwarten.

Kraftwerke in Europa sollten künftig weniger Feinstaub, Stickoxide und andere gesundheitsgefährdende Schadstoffe in die Luft blasen. Das zuständige EU-Gremium einigte sich am Freitag auf schärfere Vorgaben für die Anlagen – gegen den Widerstand Deutschlands. Die Bundesregierung befürchtet, dass Braunkohlekraftwerke die neuen Grenzen nur mit überteuren Investitionen einhalten können und stimmte deshalb dagegen. Beschlossen wurde, dass Grossfeuerungsanlagen die beste verfügbare Technik einsetzen müssen, um Schadstoffe zu reduzieren. Neben Feinstaub und Stickoxiden zählen dazu Schweldioxid und Quecksilber.

US-Energieminister Rick Perry hat sich gegen einen Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen ausgesprochen – will aber, dass es neu verhandelt wird. Die US-Regierung will nach eigenen Angaben vor dem G7-Gipfel Ende Mai über einen Verbleib entscheiden. Präsident Donald Trump hat bereits im März ein Dekret unterschrieben, mit dem zentrale Bestimmungen zum Klimaschutz aufgeweicht, abgebaut oder abgeschafft werden. Er hatte in der Vergangenheit den menschengemachten Klimawandel angezweifelt und mit dem Ausstieg aus dem Abkommen gedroht, auf das sich Ende 2015 in Paris 195 Staaten geeinigt hatten.

Energy Flash 25.04.2017

In der Schweiz wurden im vergangenen Jahr mit 58.24 Milliarden Kilowattstunden praktisch genauso viel Strom verbraucht wie im Vorjahr 2015. Verbrauchssteigernde Faktoren, etwa eine positive Wirtschaftsentwicklung mit einem Plus von 1.3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sowie ein etwas höheren Energieverbrauch für Heizzwecke wurden durch Effizienzsteigerungen kompensiert. Der durchschnittliche Stromverbrauch pro Kopf belief sich im vergangenen Jahr auf 6.956 KWh. Aufgeteilt nach Energieträgern nahm die Wasserkraft mit 59 Prozent den Löwenanteil an der schweizerischen Stromerzeugung ein, gefolgt von der Kernkraft mit rund 33 Prozent. Die konventionell-thermischen Anlagen und Öko-Kraftwerke kamen zusammen auf rund 8 Prozent.

Es bleibt offen, wann der seit zwei Jahren abgeschaltete Block 1 des schweizerischen Atomkraftwerk Beznau im Kanton Aargau wieder ans Netz geht. Die Prüfung der Unterlagen zum Sicherheitsnachweis für den Reaktordruckbehälter dauert an. Es gibt keinen Termin für eine Freigabe zum Hochfahren der Anlage. Für den Block 1 liegt auch noch keine Freigabe zum Beladen des Reaktors mit Brennelementen vor. Der Block 1, mit knapp 48 Betriebsjahren einer der ältesten kommerziellen Reaktoren der Welt, ist seit März 2015 vom Netz. Im Sommer des gleichen Jahres wurden am Reaktordruckbehälter rund 925 Materialfehler entdeckt. Der Block 1 von Beznau hat eine Kapazität von 365 Megawatt.

Deutschland droht neben seinen Klimaschutzzielen auch sein Erneuerbare Energien-Ziel für 2020 deutlich zu verfehlen. Demnach wird der Anteil Erneuerbarer Energien von derzeit 14.6 Prozent bei Fortsetzung des jetzigen Ausbautempos bei lediglich 16.7 Prozent liegen. Verbindliches EU-Ziel ist jedoch ein Anteil von 18 Prozent am gesamten Endenergieverbrauch im Jahr 2020. Während 23 EU-Mitgliedsstaaten ihre Ziele beim Ausbau Erneuerbarer Energie erreichen oder sogar übertreffen, gehört Deutschland zu den wenigen Staaten, die das Ziel verfehlen, wenn die Politik nicht rasch reagiert.

Das US-Energieministerium hat die kurzfristige Prognose für die US-Schieferölproduktion kräftig erhöht. Im Mai dürfte die amerikanische Schieferölförderung mit 123‘000 Barrel täglich den stärksten Monatsanstieg seit Februar 2015 verzeichnen und mit 5.19 Millionen Barrel am Tag das höchste Niveau seit November 2015 erreichen. Damit wird die US-Schieferölproduktion allein seit Jahresbeginn um mehr als 9 Prozent beziehungsweise rund 440‘000 Barrel täglich steigen. Nach Einschätzung der deutschen Commerzbank torpedieren die Nicht-Opec-Produzenten, allen voran die USA, die Anstrengungen der Opec, ein nachhaltiges Produktionsdefizit auf dem Ölmarkt zu schaffen.

Energy Flash 18.04.2017

Europas Stromkonzerne haben überraschend den Einstieg in den Kohleausstieg bekannt gegeben. Eurelectric, der Verband der europäischen Stromerzeuger, hat beschlossen, ab 2020 nicht mehr in den Neubau von Kohlekraftwerken zu investieren. De facto bedeutet dies, dass nach 2020 kein neues Kohlekraftwerk mehr ans Netz geht – mit zwei Ausnahmen: Polen und Griechenland haben sich die Selbstverpflichtung nicht zu eigen gemacht. In der EU sind gemäss der Umweltorganisation Coalswarm derzeit sechs Kohlekraftwerke im Bau, drei weitere sind in Planung. Da diese Kraftwerke kaum vor dem Jahr 2020 am Netz sein dürften, sind sie direkt von der Eurelectric-Ankündigung betroffen. Nicht betroffen von der Ankündigung sind die zehn Kraftwerke in Polen, sowie zwei in Griechenland. Damit stehen diese Länder im Gegensatz zu einem globalen Trend. Letztes Jahr wurde weltweit mit dem Bau von Kohlekraftwerken mit einer Kapazität von 65 Gigawatt begonnen. Dies sind zwei Drittel weniger als noch im Jahr 2015. Indien geht mittlerweile davon aus, keine zusätzlichen Kraftwerke mehr zu benötigen. In China wird die Arbeit an halbfertigen Meilern gestoppt und in den USA kann auch US-Präsident Donald Trump den Niedergang der Kohle nicht stoppen. Derzeit ist in den USA ein einziges neues Kraftwerk im Bau, zwei weitere sind in Planung. Dafür stehen viele vor der Abschaltung. Mehr als die Hälfte aller US-Kraftwerke wurde vor dem Jahr 1980 errichtet.

In der EU ist der Gasverbrauch 2016 im zweiten Jahr in Folge gestiegen. So verbrauchten die 28 Mitgliedsstaaten mit rund 4‘928 Terawattstunden 7 Prozent mehr Erdgas als im Vorjahr 2015. Der europäische Verband Eurogas begründet den Zuwachs zum einen mit tieferen Temperaturen. Zum anderen ist Gas stärker bei der Stromerzeugung, in der industriellen Produktion und im Verkehrssektor zum Einsatz gekommen. Durch den höheren Gaseinsatz ging der Verbrauch von Kohle in Europa zurück. Dies wiederum führte zu einem Rückgang der CO2-Emissionen im vergangenen Jahr um 4.5 Prozent. Vor allem bei der Stromerzeugung und beim Heizen ist das Potenzial von Gas zur CO2-Verringerung sehr gross. Der Verband sieht Erdgas aufgrund seiner flexiblen Einsatzmöglichkeiten als optimale Ergänzung zu erneuerbaren Energien. In Deutschland beispielsweise wurde 2016 mehr Gas bei der Stromerzeugung eingesetzt, weil die Windstromverfügbarkeit zurückging.

Die Förderung der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) ist im März weiter gesunken, da sich ihre Mitglieder offenbar weitgehend an die vereinbarte Förderbremse halten. Damit entstehen anscheinend Lücken, die von US-Produzenten aufgefüllt werden. Wie die Opec im Monatsbericht mitteilte, sank ihre tägliche Förderung im März um 153‘000 Barrel auf 31.9 Millionen Barrel. Die Organisation hat aber ihre Prognose für die US-Ölförderung 2017 um 200‘000 Barrel pro Tag erhöht. Die Zahl der Bohrlöcher und die Reaktivierung von Projekten sind die wichtigsten Faktoren für diese Revision. In den vergangenen zwölf Monaten ist die Zahl der Bohrstellen um 374 auf 824 gestiegen. Die Opec hatte am 30. November 2016 beschlossen, ihre Produktion ab 1. Januar 2017 um 1.2 Millionen Barrel zu drosseln, um die anhaltende Ölschwemme einzudämmen. Elf weitere Länder ausserhalb der Opec waren daraufhin am 10. Dezember eine Selbstverpflichtung eingegangen, ihre Förderung um weitere 558‘000 Barrel zu senken. Seitdem sind die Ölpreise um rund 20 Prozent gestiegen.

Energy Flash 11.04.2017

Der erste von acht deutschen Reaktoren, die nach der Atomkatastrophe von Fukushima 2011 vom Netz genommen worden waren, wird zurückgebaut. Seit diesem Montag läuft der Abriss von Block 1 des Atomkraftwerks Neckarwestheim bei Heilbronn. Der Abriss kann bis zu 15 Jahre dauern – das strahlende Material wird der Standort wohl noch lange nicht los. Der Konzern rechnet mit etwa 331‘000 Tonnen Müll. 96 Prozent davon seien unbelastet und könnten konventionell auf Deponien gelagert oder weiter genutzt werden, etwa im Strassenbau. Weniger als ein Prozent gilt als radioaktiver Abfall, der zunächst im Zwischenlager unweit des Kraftwerks verbleibt. Mit Block 1 war seit 1976 Strom produziert worden. Block 2 darf noch bis 2022 Strom produzieren.

Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal will die Stilllegung des Atomkraftwerks Fessenheim trotz Verzögerung des Betreibers in den kommenden Wochen besiegeln. Das Dekret werde noch vor der Wahl eines neuen Staatspräsidenten im Mai erlassen. Das umstrittene Kraftwerk an der deutschen Grenze soll wie geplant 2018 geschlossen werden. Mit Blick auf die bevorstehenden Wahlen versicherte Royal, auch ein neuer Präsident und eine neue Regierung könnten das Dekret nicht zurücknehmen, ausser wenn die das Gesetz ändern würde. Der konservative Kandidat François Fillon und die Rechtpopulistin Marine Le Pen sind gegen die Schliessung von Fessenheim, der als Favorit gehandelte Emmanuel Macron ist dafür. Fessenheim ist das älteste noch laufende französische Atomkraftwerk. Die geplante Schliessung stösst in Frankreich schon lange auf heftigen Widerstand der Gewerkschaften. Zwar gehört EDF mehrheitlich dem Staat, laut französischen Medien enthielten sich dessen Vertreter im Verwaltungsrat bei der Fessenheim-Entscheidung aber wegen eines Interessenkonflikts.

Nachdem Grossbritannien, aufgrund des nationalen CO2-Mindestpreises und der Schliessung dreier grosser Kraftwerke, seine CO2-Emissionen aus Kohlekraftwerken 2016 drastisch um 58 Prozent reduziert hat, befinden sich sieben der zehn grössten Treibhausgas-Verschmutzungsquellen in Deutschland. Zwei weitere Kraftwerke liegen in Polen, eines in Italien. Dies geht aus einer Auswertung der von der EU-Kommission vorgelegten bestätigten Emissionswerte für 2016 hervor. Bei den zehn bedeutendsten Emissionsquellen, die vom CO2-Emissionshandel erfasst sind, handelt es sich ausschliesslich um Stein- oder Braunkohlekraftwerke. Die 280 Kohlekraftwerke unter den rund 13‘000 dem EU-Emissionshandel unterliegenden Anlagen sind für 39 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich.

Die Ölpreise haben nach dem US-Luftangriff in Syrien von der Sorge profitiert, dass mit der Verschärfung des Konflikts im Nahen Osten das Angebot knapper werden könnte. Syrien spielt zwar für die Ölförderung eigentlich keine Rolle, aber ein Konflikt mit Russland und Iran in der Region könnte den Rohölnachschub empfindlich treffen. Zeitweise kletterte Brent über 56 US-Dollar je Barrel. Zudem profierten die Ölpreise von der Nachricht, dass die Förderung im Buzzard-Ölfeld in der Nordsee aufgrund eines technischen Problems vorübergehend unterbrochen wurde. Dort werden täglich 180‘000 Barrel produziert. Ebenfalls sollen wegen eines Ausfalls in einer Ölsand-Produktionsanlage in Kanada den ganzen April über 350‘000 Barrel pro Tag weniger Rohöl zur Verfügung stehen.

Energy Flash 04.04.2017

Gemäss der Netzbetreiberin Swissgrid gibt es zunehmend Engpässe im Schweizer Stromnetz, weil die Nachbarländer ihre Netze verstärkt zusammenschliessen, ohne dass die Schweiz darauf Einfluss hat. Der Grund der Engpässe ist Strom, der ungeplant durch die Schweiz fliesst. Dies hat Swissgrid bei den Untersuchungen der Netzengpässe vom Winter 2015/2016 herausgefunden. Damals hätten sich die Zeiten mit kritischen Überlastungen verzehnfacht. Der Grund dafür ist, dass 2015 ein Teil der Schweizer Nachbarländer zu einem hoch integrierten Strommarkt zusammengeschlossen wurde. Technisch funktioniert dieser Markt so, als gehört die Schweiz mit unbeschränkten Kapazitäten dazu. Nun wird in Europa zu viel Strom gehandelt und dieser fliesst dann teilweise durch die Schweiz. Selbst dann, wenn er beispielsweise von Frankreich ins Nachbarland Deutschland exportiert wird. Dagegen wehren kann sich die Schweiz schlecht, denn sie ist bei wichtigen europäischen Gremien nicht mehr dabei. 2014 wurde Swissgrid aus der europäischen Arbeitsgruppe zur Weiterentwicklung der Stromnetze ausgeschlossen. Erst im vergangenen Dezember lehnte die EU-Kommission zudem einen Vorschlag von Swissgrid ab, wie die Schweiz hätte enger in den Tageshandel für Strom integriert werden können. Swissgrid bleibt nichts anderes übrig, als das Schweizer Netz für die ungewollten Stromflüsse und zur Entlastung auszubauen.

Der US-Präsident Donald Trump startet zum Frontalangriff auf die Klimaschutzpolitik von Barack Obama. Trump wollte letzte Woche eine Anordnung in Kraft setzen, die darauf abzielt, die von seinem Vorgänger festgesetzten Zielmarken zur Reduktion der Treibhausgase im Energiesektor zu kippen. Stattdessen will Trump wieder die fossilen Energieträger, insbesondere die Kohle, fördern. Hauptzielscheibe von Trumps Erlass ist Obamas sogenannter Clean Power Plan von 2015. Damit sollten erstmals landesweit verbindliche Ziele für die Reduzierung von Treibhausgasen vorgeschrieben werden. Im Vergleich zum Jahr 2005 sollte der Kohlendioxidausstoss von Kraftwerken bis 2030 um 32 Prozent gesenkt werden. Dieser Plan würde voraussichtlich zur Schliessung von hunderten Kohlekraftwerken führen – er trat jedoch nie in Kraft, weil ihn rund 30 US-Bundesstaaten juristisch anfochten. Trump hingegen hatte in der Vergangenheit den menschengemachten Klimawandel in Abrede gestellt und sich damit gegen den nahezu einhelligen Konsens der internationalen Wissenschaftsgemeinde gestellt. Eine offizielle Position zum Pariser Abkommen hat die neue US-Regierung bislang nicht bezogen. Doch selbst wenn die USA das Abkommen nicht formell aufkündigen, hätte die Aufhebung des Obama-Programms wohl zur Folge, dass die US-Klimaziele kaum noch erreichbar wären. Experten zogen zudem in Zweifel, dass Trump dem Kohlesektor zu dem von ihm versprochenen Job-Aufschwung verhelfen kann. Der Niedergang dieser Branche ist in erster Linie auf die gestiegenen Förderkosten sowie die wachsende Konkurrenz durch Erdgas und erneuerbare Energien zurückzuführen.

Der weltweite Ausbau der erneuerbaren Energien hat vergangenes Jahr einen Rekordwert erreicht. Kapazitäten mit mehr als 160 Gigawatt Leistung sind in aller Welt neu aufgebaut worden. Damit wuchsen sie insgesamt auf mehr als 2‘000 Gigawatt. Dies sind 8.7 Prozent mehr als Ende 2015. Allerdings werden mit den Erneuerbaren nicht einmal fünf Prozent des weltweiten Energiebedarfs gedeckt. Bei der Stromerzeugung haben sie einen Anteil von rund einem Viertel. Erstmals seit 2013 wurde die Solarkraft stärker ausgebaut als die Windkraft. Mehr als die Hälfte der neuen umweltfreundlichen Kraftwerke wurde in Asien errichtet.

Energy Flash 28.03.2017

In zwei Monaten entscheidet das Schweizer Stimmvolk über das revidierte Energiegesetz. Es ist das erste von zwei Massnahmepaketen der Energiestrategie 2050 und hat zum Ziel, erneuerbare Energien zu fördern und den Energieverbrauch zu senken. Die Vorlage zur Energiestrategie 2050 ist umstritten und spaltet die Wirtschaftsverbände. Forschende Ökonomen in der Schweiz sind sich einig: Mit je rund 60 Prozent fordert eine klare Mehrheit mehr Massnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs und zur Förderung erneuerbarer Energien. Dies zeigt eine Umfrage von SRF Wirtschaft und der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, bei der rund 100 Ökonomen aus Forschung und Lehre in der Schweiz teilgenommen haben. KOF-Chef Jan-Egbert Sturm zeigt sich überrascht von diesem eindeutigen Ergebnis. Sturm hat ein ausgewogeneres Resultat erwartet. Aber er sieht, dass im Energiesektor ein vollständig offener Markt nicht perfekt funktionieren kann. Ein gewisses Eingreifen des Staates sei daher notwendig. Wenn der Staat eingreift, dann soll er das nicht primär über Subventionen, sondern über steuerliche Anreize oder Lenkungsabgaben tun. Das finden rund 90 Prozent der befragten Ökonomen. Das könnte etwa heissen, wer viel Strom verbraucht, soll höhere Steuern zahlen. Ob Subventionen oder Steueranreize, sobald der Staat eingreife, gebe es Gewinner und Verlierer. Die Verlierer seien in diesem Fall eher kleine Firmen. Dieser Ansicht sind auch die befragten Ökonomen. Ein Drittel denkt, durch die Förderung erneuerbarer Energien würde die Wettbewerbsfähigkeit kleiner Firmen sinken. Bei den grossen Firmen sind im Vergleich dazu nur ein Fünftel der Ökonomen dieser Meinung.

Die Schweiz verliert den Anschluss an den europäischen Strommarkt. Neustes Indiz dafür ist eine Verordnung, welche die EU Mitte März verabschiedet hat. Als letzten von acht sogenannten „Network Codes“ reguliert sie den Handel mit der Regelenergie. Die Schweiz kann sich daran nur noch in Notfällen beteiligen. Die Regelenergie ist jene Energie, die das Netz stabil hält. Für die Schweiz ist der Handel lukrativ, weil sie dank den Speicherwerken kurzfristig Energie anbieten kann. Ursprünglich wollte die EU-Kommission die Schweiz ganz aus dem Regelenergie-Markt draussen haben. Auf Druck der benachbarten Netzbetreiber in Deutschland, Frankreich sowie der Europäischen Vereinigung der Stromhändler wurde indes eine Lockerung erreicht: Geht es um die eigene Systemstabilität „der Netze der Union“, darf sich Swissgrid ausnahmsweise und ohne Stromabkommen am Regelenergie-Markt beteiligen. Darüber hinaus droht weiteres Ungemach. Die EU-Strombörsen und die Übertragungsnetzbetreiber planen eine neue Plattform für den Tageshandel mit Strom, das sogenannte „Cross-Border Intraday Market Project“. Die Plattform soll Mitte Jahr eingeführt werden – ohne die Schweiz. Dies beunruhigt insbesondere die grossen Stromhändler. Sie rechnen mit weiteren Hindernissen im Stromhandel und fragen sich, ob der bestehende kurzfristige Börsenhandel weiterhin Bestand haben wird. Besonders bedroht sind die Pumpspeicherkraftwerke, wie etwa Linth-Limmern oder Nant de Drance. Die beiden Werke wurden gerade für den kurzfristigen Handel mit Strom errichtet, der nun erschwert werden soll. Für eine abschliessende Abschätzung ist es aber noch zu früh.

Das schweizerische Kernkraftwerk Leibstadt hat 2016 laut eigenen Angaben netto 6‘075 Gigawattstunden Strom produziert gegenüber 8‘599 GWh im Vorjahr. Das erste Halbjahr 2016 war durch einen nahezu störungsfreien Betrieb gekennzeichnet. Bis zur Jahreshauptrevision produzierte die Anlage ohne Unterbrechung. Im Rahmen der Hauptrevision wurden verstärkte Oxidationen an Brennstäben entdeckt. Die daraufhin notwendig gewordenen, vertieften Inspektionen und Sicherheitsbewertungen führten dazu, dass die Anlage erst im Februar 2017 wieder in Betrieb genommen werden konnte. Aus diesem Grund reduzierte sich die Jahresproduktion 2016.

Frankreich und die EU-Kommission haben wichtige Hürden für eine Schliessung des umstrittenen Atomkraftwerks Fessenheim im Elsass aus dem Weg geräumt. Die Paris Regierung erfüllte eine Bedingung des Stromkonzerns EDF. Sie gab grünes Licht für die Fortsetzung des Baus eines neuen Atomreaktors in Flamanville am Ärmelkanal. Die bislang im April ablaufende Frist für die Inbetriebnahme des Europäischen Druckwasserreaktors wurde um drei Jahre verschoben.

Energy Flash 21.03.2017

Der schweizerische Atomreaktor Beznau Block 1 geht später ans Netz als bislang kommuniziert. Wie die Aargauer Zeitung berichtet, hat der Betreiber Axpo den 30. April als neuen Termin genannt. Bislang rechnete der Energiekonzern damit, dass Beznau 1 Ende März wieder in Betrieb geht. Gegenüber der Zeitung bestätigte ein Axpo-Sprecher die Verschiebung des Termins und begründete dies mit dem Zeitbedarf, den die Atomaufsichtsbehörde ENSI für die Prüfung von sicherheitsrelevanten Unterlagen benötige. Das ENSI selbst wollte sich nicht auf einen Termin zum Wiederanfahren festlegen. Beznau 1 steht seit März 2015 still. Grund sind Materialfehler, die im Stahl des Reaktordruckbehälters entdeckt wurden.

Die Energiebörse EEX hat ihr Produktangebot am Strom-Terminmarkt um Tages- und Wochenend-Futures für die Grundlastlieferung im Marktgebiet Schweiz ergänzt. Am ersten Handelstag, dem 15. März, registrierte die EEX laut eigenen Angaben ein Volumen von 5‘400 Megawattstunden in den neuen schweizerischen Tages-Futures. Die neuen Kontrakte ergänzen die bereits bestehenden Terminkontrakte für Strom für das Marktgebiet Schweiz mit wöchentlichen, monatlichen, quartalsweisen und jährlichen Fälligkeiten.

In arktischen Gewässern soll im Hoheitsgebiet der zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) gehörenden Staaten nach Meinung des Europäischen Parlaments nicht mehr nach Öl gebohrt werden dürfen. Eine entsprechende, nicht rechtsverbindliche Entschliessung wurde letzte Woche mit 483 zu 100 Stimmen bei 37 Enthaltungen angenommen.

Gemäss dem EU-Statistikamt Eurostat wurden im Jahr 2015 16.7 Prozent der in der EU verbrauchten Energie aus erneuerbaren Quellen erzeugt. Der Anstieg zum Vorjahr betrug 0.7 Prozentpunkte. Ziel der EU ist es, bis 2020 den Anteil der erneuerbaren Energie auf insgesamt 20 Prozent zu steigern. Den mit Abstand höchsten Anteil an Erneuerbaren wies 2015 weiterhin Schweden aus mit 53.9 Prozent, gefolgt von Finnland und Lettland. Die niedrigsten Anteile verzeichneten Luxemburg, Malta und die Niederlande.

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) könnte ihre Produktionskürzungen ausweiten. Laut dem Saudi-Arabischen Energieminister hätten die Mitglieder des Kartells eine grosse Bereitschaft, ihre Vereinbarung bei ihrem Treffen im Mai zu verlängern. Die Opec-Mitglieder hatten sich im November darauf verständigt, ihre Produktion um fast 4 Prozent oder 1.2 Millionen Barrel pro Tag zu drosseln, um dem Ölpreisverfall Einhalt zu gebieten.

Energy Flash 14.03.2017

In Alaska ist ein riesiges Erdölvorkommen über 1.2 Milliarden Barrel von der spanischen Ölgesellschaft Repsol und ihrem US-Partner Armstrong Energy entdeckt worden. Es handele sich um den größten Fund von konventionellem Erdöl seit 30 Jahren auf US-Boden. Das Förderpotenzial beträgt laut einer Mitteilung bis zu 120.000 Barrel Öl pro Tag, die Förderung der neu entdeckten Reserven soll im Jahr 2021 beginnen. Derzeit werden in Alaska 600.000 Barrel pro Tag gefördert.

Die Internationale Energieagentur (IEA) mahnt weltweite Investitionen in den Ölmarkt an, damit die Nachfrage auch nach 2022 noch erfüllt werden kann. Für die kommenden drei Jahre sehe die Lage zwar noch „komfortabel“ aus. Wenn weltweit nicht wieder mehr investiert werde, drohe erneut eine Sprunghaftigkeit bei den Preisen. Mehr Öl wird dem Bericht zufolge vor allem aus den USA kommen. Verantwortlich für den steigenden Ölbedarf werden nach Ansicht der Energieexperten die Entwicklungsländer sein. Die Nachfrage aus Indien werde die aus China überholen. Asien werde für Ölimporte über den Mittleren Osten hinausgucken müssen.

Wie aus einer Analyse der Beratungsgesellschaft McKinsey hervorgeht, ist die Energiewende in Deutschland vor allem erfolgreich durch Subventionen beim Ausbau von Wind- und Solarkraftanlagen - gleichzeitig steigen dadurch aber die Kosten für die Stromversorgung. Bis zum Jahr 2025 sollen die Kosten für die Stromversorgung in Deutschland auf jährlich 77 Milliarden Euro wachsen von 63 Milliarden im Jahr 2015. Als zentrale Kostentreiber der Energiewende macht McKinsey vor allem den weiteren Ausbau und die Förderung erneuerbarer Energien aus.

Europa hat im vergangenen Jahr brutto 12.5 GW an Windkraftkapazität installiert. Das sind 3 Prozent weniger als im Jahr zuvor, wie der Branchenverband Wind Europe mitteilte. Mit einer installierten Kapazität von insgesamt 153.7 Gigawatt hat die Windenergie die Kohle als zweitgrösste Stromerzeugungsquelle abgelöst. Die Windenergie generierte 2016 knapp 300 TWh und bestritt damit 10.4 Prozent der europäischen Stromnachfrage.

Die österreichische Elektrizitätswirtschaft weist in ihrer aktuellen Projektliste konkrete Vorhaben und Projektkonzepte für einen Ausbau der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien im Ausmass von mehr als 8 TWh aus. Das entspricht ungefähr einer Erhöhung der erneuerbaren Stromproduktion im Inland um rund 15 Prozent. Doch die immer komplexer werdende Genehmigungsverfahren und die stagnierenden Strompreise, die deutlich unter den Gestehungskosten der Erneuerbaren-Technologien liegen, verzögern derzeit einen Umbau des österreichischen Energiesystems.

Polen will nach den Worten seines Energieministers Krzysztof Tchorzewski in naher Zukunft ein Atomkraftwerk bauen, um die EU-Klimaschutzziele zu erfüllen. Der Bau soll mit einem „völlig neuen Finanzierungsmodell“ erfolgen, weil bisherige Pläne jeweils eine zu grosse Belastung für das Staatsbudget bedeutet hätten. Nach Ansicht von Atomgegnern ist der Bau und Betrieb von AKW nur mit milliardenschweren staatlichen Beihilfen möglich.

Energy Flash 07.03.2017

Der Schweizer Bundesrat hat den Bericht „Konzipierung und Umsetzung von Fördermassnahmen für die Nutzung der tiefen Geothermie in der Schweiz“ gutgeheissen. Fazit des Berichts ist, dass Energie aus dem Erdinneren einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit der Schweiz leisten könnte. Das vom Parlament am 30. September 2016 verabschiedete erste Paket der Energiestrategie 2050 enthält Massnahmen, mit denen das Potential der Geothermie über Technologieentwicklung, Forschung und Innovation künftig besser erschlossen werden kann. Weitere Massnahmen erachtet der Bundesrat derzeit als nicht nötig. Theoretisch ist das Potential der tiefen Geothermie sehr gross. In vier bis fünf Kilometern unter der Erdoberfläche lagert so viel Erdwärme, dass sie ein Vielfaches des Schweizer Strom- und Wärmebedarfs decken könnte.

Ebenfalls hat der Schweizer Bundesrat seine Haltung zur Nutzung des Untergrundes durch Fracking festgelegt. Grundsätzlich soll der Einsatz dieser Technologie unter gewissen Bedingungen möglich sein, insbesondere bei Bohrungen für die Gewinnung von Erdwärme aus grosser Tiefe. Die Erschliessung von Gasvorkommen mittels Fracking unterstützt der Bundesrat aus klimapolitischen Gründen hingegen nicht. Für ein Moratorium sieht er keinen Anlass.

Deutschland hat im vergangenen Jahr mit knapp 54 Milliarden Kilowattstunden einen Rekordüberschuss beim Stromaustausch mit dem Ausland erzielt. Besonders hohe Exportüberschüsse waren wieder im Austausch mit den Niederlanden (15.5 Mrd. kWh), der Schweiz (14.6 Mrd. kWh) und Österreich (12.4 Mrd. kWh) zu verzeichnen.

China steuert den Energiesektor noch radikaler um als von Experten lange angenommen und mausert sich immer offensichtlicher zum globalen Vorreiter beim Umstieg auf sauberere Energien. Verlierer Nummer eins ist die Kohle. Die Volksrepublik hat nun schon das dritte Jahr in Folge weniger von dem schwarzen Brennstoff verbraucht. Demnach ist der Kohleverbrauch im vergangenen Jahr um weitere 4.7 Prozent zurückgegangen. Die eingesparte Menge entspricht deutlich mehr als dem gesamten Kohlebedarf von Grossbritannien. Die Entwicklung kommt einer Energie-Sensation gleich. Noch vor gut zwei Jahren hatte die Internationale Energieagentur erwartet, Chinas Kohleverbrauch werde bis 2030 unablässig steigen. Damit ist China zwar noch immer der grösste Kohle-Konsument der Welt. Doch das Land setzt zunehmend auf andere Energiequellen. Der Kohleanteil am gesamten Energieverbrauch Chinas sank binnen Jahresfrist von 64 auf 62 Prozent. Auch das zuletzt etwas niedrigere Wirtschaftswachstum hat dazu geführt, dass Kohlekraftwerke weniger stark ausgelastet sind.

Energy Flash 28.02.2017

Der schweizerische Stromversorger Axpo propagiert eine CO2-Abgabe, die auf dem gesamten in der Schweiz verbrauchten Strom erhoben werden soll. Dadurch wird der Strompreis für Unternehmen und Private Axpo-Schätzungen zufolge um rund 5 Prozent steigen. Gemäss Axpo-Chef Andrew Walo könnte das Modell bereits ab 2021 eingeführt werden und würde pro Jahr rund 500 bis 600 Millionen Franken bringen. Walo begründete die Pläne damit, dass der Strompreis auf dem Grosshandelsmarkt heute so tief sei, dass niemand mehr Geld in die Sanierung oder den Bau von Kraftwerken stecke. Fehlende Kraftwerke seien aber eine ebenso grosse Gefahr für eine sichere Stromversorgung wie fehlende Leitungen. Ausserdem steige Deutschland aus der Kernenergie aus, und die französischen Kraftwerke würden immer älter. Laut Walo warnen europäische Übertragungsnetzbetreiber davor, dass die zwei Länder um 2025 nicht mehr jederzeit fähig sein würden, Strom zu exportieren. Walo zeigte sich überzeugt, dass nach Umsetzung des Vorschlags in die Wasserkraft, aber auch in Holz- oder Biomassekraftwerke investiert werde.

Das Schweizer Atomkraftwerk Leibstadt ist nach einer Störung der Abgasanlage und vorübergehender Abschaltung wieder am Netz. Der Reaktor an der deutschen Grenze wurde letzte Woche wieder hochgefahren. Die Anlage war sechs Monate lang wegen oxidierter Brennstäbe abgeschaltet.

Die Füllstände der deutschen Erdgasspeicher sind derzeit so niedrig wie lange nicht. Laut Daten der europäischen Gasspeicher-Betreiber sind die Speicher in Deutschland gegenwärtig nur noch zu rund 30 Prozent gefüllt. Üblicherweise liegt der Füllstand zu dieser Zeit des Jahres um die 60 Prozent. Mitte Januar lag der Füllstand noch bei 57 Prozent. Der deutsche Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sieht die Lage gelassen. Bei der Diskussion um die Speicherstände werde oft vergessen, dass eine sichere Versorgung mit Erdgas nicht allein auf Speichern, sondern auf mehreren Säulen basiert. Auch während der Wintermonate beziehe Deutschland Erdgas aus zahlreichen Ländern und aus eigener Förderung. Zudem könne Gas in Europa kurzfristig beschafft und verteilt werden. Bei Gas gibt es im Gegensatz zu Rohöl und Ölprodukten keine strategische Reserve.

Energy Flash 21.02.17

Das Schweizer Kernkraftwerk Leibstadt ist in der Nacht auf letzten Samstag, kurz nach seiner Wiederinbetriebnahme, erneut vom Netz genommen worden. Im Rahmen eines Funktionstests hat eine Abgasanlage des Turbinenkondensators nicht ordnungsgemäss funktioniert. Die Anlage ist bei noch tiefer Reaktorleistung von Hand abgeschaltet worden. Es sei zu keiner erhöhten Freisetzung von radioaktiven Stoffen gekommen. Die KKW Leibstadt AG wollte die Abgasanlage am Wochenende reparieren und das Kraftwerk am Montagabend wieder hochfahren. Die Anlage war zuvor seit August 2016 nicht in Betrieb gewesen, weil bei der Jahresrevision an Hüllrohren der Brennstäbe Rost gefunden worden war. Sie ging am Freitag wieder ans Netz – mit geringerer Leistung, um weitere solche Schäden zu vermeiden.

Der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron will im Falle eines Wahlsieges alle Kohlekraftwerke in Frankreich bis 2022 schliessen. Diese tragen rund 1 Prozent zur französischen Stromproduktion bei. Laut Angaben der Nachrichtenagentur Reuters hat sich Macron auch für ein Verbot der Öl- und Gassuche in französischen Territorialgewässern ausgesprochen. Macron möchte an Regierungsplänen festhalten, bis 2025 den nuklearen Anteil am französischen Energiemix auf 50 Prozent zu reduzieren. Am Beginn einer möglichen Amtszeit will der Kandidat einen Tender über eine Kapazität von 26‘000 Megawatt Erneuerbaren-Kapazität ausschreiben. Macron werden bei den Präsidentenwahlen in Frankreich sehr gute Chancen eingeräumt. Die Präsidentschaftswahlen finden am Sonntag, den 23. April (1. Wahlgang) und am Sonntag, den 7. Mai (2. Wahlgang), statt.

Gemäss einer Umfrage unter 200 Energiemarkt-Experten zeichnen sich in den kommenden fünf Jahren bei den meisten Energieträgern tendenziell höhere Preise ab. Eine deutliche Mehrheit der Umfrageteilnehmer rechnet mit steigenden Preisen für Strom (77 Prozent), Öl (75 Prozent) und Erdgas (65 Prozent). Ein anderes Bild zeigt sich bei den Kohlepreiserwartungen. 40 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass der Kohlepreis in den kommenden fünf Jahren stagnieren wird. Zwar erwarten immer noch 30 Prozent steigende Preise, allerdings liegt der Anteil der Experten mit sinkenden Preiserwartungen fast gleichauf bei 28 Prozent. Bei den Preisen für Öl (55 Prozent), Erdgas (66 Prozent) und Kohle (70 Prozent) geht eine deutliche Mehrheit von gleichbleibenden Preisen in den kommenden sechs Monaten aus. Auch für die Strompreise erwarten 49 Prozent, dass diese kurzfristig stagnieren. Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befragt die Energiemarktexperten im halbjährlichen Rhythmus.

Am langen Ende der Stromkurve legten die Kalenderjahre in einem insgesamt freundlichen Umfeld zu. Aktuell notiert das Deutsche Frontjahr Base 2018 bei 30.80 €/MWh, das Schweizer Frontjahr Base handelt bei 35.00 €/MWh. Die Kohle- und Gaspreise zeigen sich ebenfalls fester, die Emissionszertifikate mussten leichte Abgaben hinnehmen.

Energy Flash 13.02.2017

Ein Brand im Maschinenraum des französischen Atomkraftwerks Flamanville am Ärmelkanal hat eine Detonation ausgelöst. Der Kraftwerksbetreiber EDF teilt mit, dass der Brand am Donnerstagvormittag im nicht-nuklearen Teil der Anlage ausgebrochen sei und die Detonation verursacht habe. Der Reaktor 1 des Kraftwerks, zu dem der betroffene Maschinenraum gehört, wurde automatisch von Netz genommen und soll bis am 19. Februar ausser Betreib bleiben. Das Atomkraftwerk in der Normandie besteht aus zwei Reaktoren mit einer Leistung von jeweils 1‘300 Megawatt, die 1985 und 1986 ans Netz gingen. In Flamanville wird zudem ein neuer Reaktor des Typs EPR (Europäischer Druckwasserreaktor) gebaut – das Projekt machte immer wieder Schlagzeilen, weil es sich bereits mehrfach verzögerte.

Die europäische Windkraft hat im vergangenen Jahr wieder deutlich zugelegt. Der Neubau an Onshore- und Offshore-Kapazitäten belief sich nach Angaben des Verbands Windeurope auf 12.5 Gigawatt. Davon entfielen allein auf Deutschland 44 Prozent. Die Investitionen erreichten 2016 mit 27.5 Milliarden Euro einen Rekord. In den 28 EU-Staaten wurden neue Onshore-Windkraftanlagen mit einer Kapazität von 10.9 Gigawatt errichtet, bei Offshore waren es 1.6 Gigawatt. Damit lag die Gesamtkapazität der europäischen Windenergie per Ende 2016 bei 153.7 Gigawatt und nahm einen Anteil von 10.4 Prozent an der Stromerzeugung ein. Frankreich, die Niederlande, Finnland, Irland und Litauen erreichten Rekordwerte beim Zubau von Windenergie.

Der Solarzubau in Europa hingegen hat sich im vergangenen Jahr deutlich abgeschwächt. So verringerte sich die neu installierte Solarkapazität in Europa gegenüber 2015 um 20 Prozent auf 6.9 Gigawatt. Dagegen verdoppelte sich der weltweite Neubau von Photovoltaikanlagen auf rund 76 Gigawatt. Inzwischen hat Asien der europäischen Solarbranche den Rang abgelaufen. Sie erreichten 2016 die höchsten Zubauraten. SolarPower Europe appelliert an die EU-Politiker, die Rahmenbedingungen für den Ausbau solarer Energie zu verbessern. Die EU-Regierungen müssten die Marktregeln anpassen, damit sich Solarenergie auf den flexiblen Strommärkten behaupten kann.

Die deutschen Börsenstrompreise sind 2017 erstmals seit fünf Jahren höher in das neue Jahr gestartet als ein Jahr zuvor. Die Analysten der Commerzbank halten diese Erholung aber nicht für nachhaltig. Sie gehen davon aus, dass der Preis für das Kalenderjahr 2018 Base bis Jahresende auf 26 €/MWh fallen wird. Ausschlaggebend dafür ist der Preisdruck am Kohlemarkt aufgrund des nachlassenden Importsogs aus China. Der tendenziell fallende Strombedarf in Deutschland und der Erneuerbaren-Ausbau würden die Börsenstrompreise auch mittelfristig belasten. Derzeit notiert das Kalenderjahr 2018 im Bereich von 29.75 €/MWh. Wie die Analysten erläutern, sind für die kurzfristigen Tendenzen am langen Ende der Strombörse die Erzeugungskosten der Kohlekraftwerke massgeblich, auch wenn die Kohleverstromung an Bedeutung verliert. Und für die Kohle erwartet die Commerzbank einen Preisrückgang auf 60 US-Dollar je Tonne zum Jahresende. Der zweite variable Kostenfaktor bei der kohlebasierten Stromerzeugung ist der Ausstoss von CO2. Diese Kosten fallen aufgrund des niedrigen Niveaus der Emissionspreisen nicht so stark ins Gewicht. Ohnehin sei aus fundamentaler Sicht das Erholungspotenzial für die CO2-Preise begrenzt. Der kumulierte Überschuss an Emissionsrechten könne mittlerweile 3 Milliarden Tonnen übersteigen und bald doppelt so hoch sein wie der Jahresbedarf. Dennoch hält die Bank an der Erwartung mittelfristig steigender CO2-Preise fest. Als zusätzliche Belastung werden strukturelle Trends genannt sowohl auf der Nachfrage- als auch auf der Angebotsseite. So geht der Strombedarf in Deutschland kontinuierlich zurück, etwa aufgrund der Effizienzfortschritte in der Gerätetechnik. Zudem sei zu berücksichtigen, dass die Eigenerzeugung weiter steigen dürfte und zwar in den nächsten fünf Jahren um einen Prozentpunkt auf dann 13 Prozent des Nettostrombedarfs.

Energy Flash 06.02.2017

Die Schweizerische Regierung hat die öffentliche Anhörung (Vernehmlassung) zu den Verordnungsrevisionen des ersten Massnahmenpakets der Energiestrategie 2050 eröffnet. Laut regierungsamtlicher Mitteilung sollen sie am 01. Januar 2018 in Kraft treten, falls das Volk die vom Parlament verabschiedete Vorlage in einer für den 21. Mai 2017 angesetzten Abstimmung bestätigt. Das Energiegesetz, das im Mai an die Urne kommt, enthält neben dem Verbot neuer Atomkraftwerke und den grundsätzlichen Zielen der Energiewende die befristete Aufstockung des Netzzuschlags von 1.5 auf 2.3 Rappen pro Kilowattstunde Strom, aus der die kostendeckende Einspeisevergütung und einmalige Investitionsbeiträge für Erneuerbare sowie Marktstützungen für notleidende, grosse Wasserkraftwerke bezahlt werden.

Finanzinvestoren sind in den vergangenen Jahren stärker in den Energiemarkt eingestiegen. Inzwischen gehen 77 Prozent der Umsätze bei Fusionen und Übernahmen in der Strom- und Gasbranche auf das Konto von Investoren aus der Finanzwelt. Im vergangenen Jahr wurde ein weltweites Rekordhoch von 329 Milliarden Euro generiert. In Zukunft sollen erneuerbare Energien eine Schlüsselrolle für Fusionen und Übernahmen bei Versorgern spielen. In den nächsten zehn Jahren sollen Neugründungen für Erneuerbare ein Investitionsvolumen von rund 250 Milliarden US-Dollar pro Jahr umfassen.

Japan will seine Stromproduktion auf eine breitere Basis stellen. Bis zu 45 neue Kohlekraftwerke sollen die Abhängigkeit von Kernkraft und verflüssigtem Erdgas verringern. In den Kraftwerken soll die HELE-Technologie (high energy, low emissions) zum Einsatz kommen, die hochwertige Steinkohle benötigt. Japan muss 95 Prozent seiner Energierohstoffe einführen. Das Land ist der grösste Abnehmer australischer Kohleprodukte. Japan hat zwar das Pariser Klimaabkommen ratifiziert und will seine CO2-Emissionen bis 2030 um 26 Prozent verringern. Einen Preis auf CO2-Emissionen gibt es aber noch nicht. Aus diesem Grund gebe es zurzeit keinen Anreiz, auf den Bau von Kohlekraftwerken zu verzichten.

Wetterprognosen, die für die neue Woche wenig Wind und eine Rückkehr der Kälte vorhersagen, haben sich bestätigt. Zwar soll es nun doch nicht mehr ganz so kalt werden wie zunächst prognostiziert, dafür verlängert sich aber der Zeitraum unterdurchschnittlicher Temperaturen laut einigen Wetterdiensten sogar bis in den März hinein. Entspannt hat sich die Situation für die Kohlkraftwerke an der Rheinschiene. Die vergangenen Tage haben etwas Regen gebracht und durch die höheren Temperaturen schmolz in tieferen Lagen der Schnee. Das hat zu besseren Bedingungen für die Rheinschifffahrt und damit für die Belieferung der Kohlkraftwerke über den Fluss geführt. Am langen Ende der Stromkurve zeigte sich das Kalenderjahr 2018 in ruhigem Handel mit leichten Abgaben. Derzeit wird insbesondere das Frontjahr von den festen Spotpreisen unterstützt. Der Spread zwischen den Kalenderjahren 2018 und 2019 hat sich ausgeweitet. Das Kalenderjahr 2019 profitiert offenbar weniger von den teuren Preisen am kurzen Ende. Wenn dieser Unterstützungsfaktor wegfällt, könnte das Frontjahr aber wieder an Wert verlieren. Für die laufende Woche erwarten wir eine Handelsbandbreite zwischen 33.50 €/MWh und 35.00 €/MWh.

Energy Flash 31.01.2017

Die Arbeitsgruppe „Winter“ des schweizerischen Übertragungsnetzbetreibers Swissgrid will bis Ende Mai einen Markt mit freiwilligen Angeboten für ein Call-Produkt und ein Swap-Produkt ausarbeiten lassen. Wie Swissgrid mitteilte, sollen beide Absicherungsprodukte dazu dienen, die Netzsicherheit jederzeit auch in extremen Situationen bis zu einem Zeitraum von 48 Stunden sicherzustellen. Eine solche Extremsituation könnte laut Swissgrid-Angaben zum Beispiel ein grosser Transformatorausfall und gleichzeitiger Ausfall eines grösseren Kraftwerks sein.

Die Stilllegung des elsässischen Atomkraftwerks Fessenheim hat eine wichtige Hürde genommen. Der Verwaltungsrat des französischen Stromkonzerns EDF billigte am Dienstag eine Entschädigungsvereinbarung mit dem französischen Staat, wie aus informierten Kreisen verlautet wurde. Damit ist der Weg frei für einen Entzug der Betriebserlaubnis von Frankreichs ältestem Atomreaktor. Der französische Staat will EDF für die Schliessung der Anlage mit mindestens 446 Millionen Euro entschädigen. Im Verwaltungsrat gab es nur eine äusserst knappe Mehrheit für die Entschädigungsvereinbarung. Den Ausschlag gab letztlich die Stimme von Konzernchef Jean-Bernard Lévy. Die Gewerkschaften sind strikt gegen eine Schliessung von Fessenheim. Sie fürchten den Wegfall von hunderten Arbeitsplätzen. Die Stilllegung des Atomkraftwerks ist ein Wahlversprechen von Staatschef François Hollande.

Als die Temperaturen in den Keller fielen, gerieten Frankreichs Stromnetzbetreiber ins Schwitzen. Die Regierung rief die Bevölkerung zum Energiesparen auf, Paris schaltete die Beleuchtung der Kathedrale von Nôtre-Dame ab, und Medien spekulierten über die Gefahr eines Blackouts. Und in Deutschland wurden Reservekraftwerke angefahren, um auf mögliche Probleme schnell reagieren zu können. Letztlich überstand Frankreich die Kältewelle vergangene Woche ohne Probleme, auch dank hochgefahrener Stromimporte. In jedem Fall lenken die Stromsorgen den Blick auf die Abhängigkeit des Landes von seinem alternden Atomkraftwerkspark. Frankreich hat 58 Reaktoren, es erzeugt rund der Viertel seines Stroms aus Atomkraft – so viel wie kein anderes Land. Erneuerbare Energien steuern nur 16.5 Prozent bei. Ein Grund für die angespannte Lage in diesem Winter war, dass eine Reihe von französischen Atomreaktoren teilweise stillstanden. Zum Teil aufgrund geplanter Wartungen, zum Teil infolge von Kontrollen, welche die Atomaufsicht dem Betreiber EDF aufgedrückt hatte.

Das Frontjahr handelt heute in der Schweiz bei 34.30 €/MWh und in Deutschland bei 30.15 €/MWh. Nachdem die Preise Ende letzter Woche aufgrund der wärmeren Temperaturen gesunken sind, haben wir heute wieder höhere Notierungen. Für nächste Woche erwarten wir einen kurzfristigen Temperatureinsturz und dementsprechend für diese Woche Preise zwischen 34.00 €/MWh und 36.00 €/MWh.

Energy Flash 23.01.2017

Die französische Regierung fürchtet trotz der aktuellen Kältewelle keine Blackouts. Energie- und Umweltministerin Ségolène Royal versicherte nach einer Sondersitzung zur Kälte in Paris, es werde zu keinen Stromausfällen kommen. Derzeit seien zwar sechs Atomreaktoren wegen Sicherheitsüberprüfungen abgeschaltet, Windräder und Solarenergie lieferten aber wegen der guten Wetterbedingungen so viel Strom wie acht Atomreaktoren. Royal danke den Bürgern, die dem Aufruf des staatlichen Stromkonzerns EDF zum Energiesparen gefolgt seien. EDF hatte seine Kunden aufgerufen, elektrische Heizungen nicht zu sehr hochzudrehen und das Licht beim Verlassen der Räume auszuschalten. Nach Schätzungen der Umweltagentur Ademe macht das Heizen mit Strom an kalten Abenden bis zu 40 Prozent des Energieverbrauchs in Frankreich aus. Im Stromhandel führte die starke Nachfrage zu hohen Preisen am Spotmarkt. Für den Day-ahead der vergangenen Tage wurden an der Börse Epex Spot jeweils Preise von über 100 Euro bezahlt. Das europäische Wettermodell rechnet für Frankreich erst für Sonntag mit einer Rückkehr zur saisonalen Durchschnittstemperatur.

Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet keine Fortsetzung der Rallye am Kohlemarkt. Als Gründe zählen die IEA, eine weltweite Tendenz zur Nutzung sauberer Energieträger und das rückläufige Wachstum in China auf. China entwickle sich zu einer langsamer wachsenden Wirtschaft und strebe eine breitere Palette von Energieträgern für die Stromgewinnung an. Die Kohlerallye des vergangenen Jahres habe begonnen, nachdem die chinesische Regierung die Arbeitszeiten in den Minen eingeschränkt hat. Dies führte zu einem Anstieg der Preise für Importe nach China und zu einem weltweiten Preisanstieg. Nachdem China die Restriktionen für den eigenen Kohlebergbau gelockert hat, ist die Rallye zum Stillstand gekommen. Laut der IEA legt die Analyse nahe, dass sich der Anstieg der Kohlepreise vom vergangenen Jahr nicht fortsetzt. Die chinesischen Importe sind dabei, um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückzugehen. Laut der IEA dürften sie auch in den kommenden Jahren rückläufig sein. Gemäss der Agentur kann die nachlassende Dynamik am chinesischen Kohlemarkt durch die Nachfrage anderer Länder nicht ersetzt werden. Vor allem Indien wachse nicht stark genug, um die von China nicht benötigten Mengen am internationalen Markt aufzunehmen.

Laut dem amerikanischen Wettermodell soll es in Nordwesteuropa bis Ende des Monats kalt bleiben. Allerdings wird auch keine Verschärfung der Kältewelle mehr erwartet. Die Meteorologen rechnen damit, dass sich die Temperaturen allmählich dem saisonalen Durchschnitt annähern werden. Kältebedingt verbuchten die Frontmonate weitere Aufschläge. Inzwischen ist eine stattliche Sicherheitsmarge aufgebaut worden. Der Februar 2017 in Deutschland notiert derzeit doppelt so hoch wie der Februar im Jahr 2016 geschlossen hat. Am langen Ende der Stromkurve zeigten sich die Kalenderjahre dank den teuren Spotpreisen und der Zugewinne der Kohle ebenfalls befestigt. Aufgrund der Kältewelle dürften die Kalenderjahre für die laufende Woche fest bleiben und wir erwarten für das Frontjahr Base in der Schweiz eine Handelsbandbreite zwischen 34.50 €/MWh und 36.00 €/MWh.

Energy Flash 16.01.2017

Für die Schweiz besteht nach Angaben des Übertragungsnetzbetreibers Swissgrid wegen der für kommende Woche erwarteten Kältewelle keine Gefahr eines Versorgungsengpasses. Eventuell fehlende Bandenergie könnte – sofern im Ausland verfügbar – importiert werden, so ein Swissgrid-Sprecher. Auch wenn die Energie nicht importiert werden kann, seien derzeit genug Reserven in den Speicherkraftwerken, um die Last selbst zu decken. Die Nettoimportkapazität der Schweiz wird derzeit nur teilweise ausgenützt. Ausserbetriebnahmen wurden so weit wie möglich auf die Zeit nach dem Winter verschoben, um die Importkapazität zu maximieren. Als zusätzliche Massnahme für diese Winter ist eine vorzeitige Beschaffung der gesamten Mindestmenge für die Systemdienstleistungen wie etwa Frequenz- und Spannungshaltung erfolgt.

Der französische Versorger EDF wird heute Montag, 20 Uhr, bestreikt. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Bezugnahme auf EDF mitteilte, soll die Arbeitsniederlegung 24 Stunden dauern. Die Gewerkschaft CGT hat die Beschäftigten des Elektrizitäts- und Gassektors zu dem Streik aufgerufen, um gegen Kürzungen von Sozialleistungen durch Unternehmen der Branche zu protestieren. In der kommenden Woche rollt eine Kältewelle auf Frankreich zu. Laut den Prognosen des Übertragungsnetzbetreibers RTE sollen die Temperaturen am Dienstag um 6.5 Grad Celsius unter dem Saisondurchschnitt liegen. Der landesweite Verbrauch soll in der Lastspitze gegen 19 Uhr auf gut 95 Gigawatt steigen. An den Folgetagen soll sich die Lage in Frankreich noch verschärfen. Dann werden Lastspitzen von über 100 Gigawatt erwartet.

Das Handelsvolumen an der Strombörse Epex Spot ist im vergangenen Jahr um 6.3 Prozent auf 529.3 Terawattstunden (TWh) gesunken. Diese Entwicklung führte das Unternehmen vor allem auf eine sinkende Nachfrage zurück. In einer Mitteilung vom Mittwoch stuft die Börse das Volumen gleichwohl als „gesund“ ein. Ausschlaggebend für die Einbussen war das Day-ahead-Geschäft, das um 7.7 Prozent auf 467.7 Terawattstunden schrumpfte. Dagegen erreichte der Intradayhandel im Jahr 2016 mit 61.6 TWh ein Rekordvolumen (2015: 59.4 TWh).

Die Energiebörse European Energy Exchange EEX (zu welcher die Epex Spot gehört) hat im Jahr 2016 die Handelsvolumina ausgebaut. In den Kernmärkten Strom, Gas und CO2 seien Höchstwerte erreicht worden. Neue Produktentwicklungen und Akquisitionen hätten das Wachstum gestützt, teilte die EEX mit. Im neuen Jahr will der Vorstandsvorsitzende Peter Reitz weiter daran arbeiten, die Marktanteile in den Kernmärkten auszubauen und die Liquidität in neuen Märkten zu stärken. An den Strom-Spot- und Terminmärkten der EEX-Gruppe erreichte das Volumen im vergangenen Jahr 4‘455.6 TWh. Das waren 46 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Volumen beinhaltet die Börsen EEX, Epex Spot, die serbische Seepex und die Prager Power Exchange Central Europe (PXE).

Das Frontjahr Base handelt heute in Deutschland bei 29.50 €/MWh und in der Schweiz bei 33.40 €/MWh. Die leicht gestiegenen Preise sind vor allem auf die momentan unter dem Durchschnitt liegenden Temperaturen zurückzuführen. Die kalten Temperaturen könnten noch bis Anfang nächster Woche anhalten. Für diese Woche erwarten wir eine Seitwärtsbewegung mit Preisen zwischen 33.00 €/MWh und 34.00 €/MWh.

Energy Flash 09.01.2017

Die Stromerzeugung aus Kohle in Deutschland ist weiter auf dem Rückzug, der Ökostrom-Anteil dagegen wächst. Demnach liefern erneuerbare Energien wie Solar- und Windkraft inzwischen fast jede dritte Kilowattstunde und deckten 2016 mehr als 32 Prozent des deutschen Stromverbrauchs ab. Zugleich hatten sich Gaskraftwerke kräftig Marktanteile zurückerobert. Gaskraftwerke produzierten gut ein Viertel mehr Strom als im Vorjahr. Dennoch wird das Tempo bei der Energiewende nicht ausreichen, um die Klimaziele bis zum Jahr 2020 zu erreichen.

Die Schliessung des pannengeplagten französischen Atomkraftwerks Fessenheim ist auch dank der Verzögerungstaktik des Betreibers EDF wieder in die Ferne gerückt. Zwar haben sich Regierung und Betreiber im August auf die Zahlung von 400 Millionen Euro als Entschädigung für die rasche Schliessung des Kraftwerks verständigt, doch der EDF-Verwaltungsrat will erst am 24. Januar über den Kompromiss entscheiden. Dann bleibt der derzeitigen Regierung bis zu den Präsidentenwahlen Ende April nur noch wenig Zeit, um die Schliessung zu verfügen. Der amtierende Präsident, François Hollande, tritt nicht mehr an. Seine Motivation, das Wahlversprechen, Fessenheim abzuschalten, einzuhalten, könnte deshalb gering sein.

Der Rohölpreis ist im neuen Jahr auf den höchsten Stand seit 17 Monaten gestiegen. Die Notierungen profitieren von der Hoffnung, dass die am 01.01.2017 in Kraft getretenen Fördersenkungen den Markt 2017 stabilisieren dürften. Dabei hat der Markt bereits 2016 solide Gewinne verzeichnet. So hatte Öl der Sorte Light Sweet Crude ein Jahresplus von nahezu 45 Prozent verbucht, das war der stärkste Anstieg seit dem Jahr 2009.

Eine saisonbedingt starke Importnachfrage Chinas und niedrige Temperaturen in weiten Teilen der Welt stützen derzeit die Preise für Kohle. Allerdings will die chinesische Regierung die Kohleförderung ankurbeln und scheint damit Erfolg zu haben. Im November zog die Produktion auf 308 Mio. Tonnen an nach 282 Mio. Tonnen im Oktober. Diese Entwicklung wird aber erst dann voll auf die Preise durchschlagen, wenn die Witterungseffekte abgeklungen sind. Kurzfristig dürfte Kohle daher auf den aktuellen Levels verharren.

Indien benötigt bis 2027 möglicherweise keine neuen Kohlekraftwerke. Das geht aus einem Entwurf zur Energiepolitik des Landes hervor, den die britische Zeitung The Guardian veröffentlicht hat. Die derzeit geplanten indischen Kohleprojekte mit einer Gesamtkapazität von 50 Gigawatt hätten zumeist keine Zukunft, wenn der Regierungsentwurf umgesetzt werde. 2027 sollen 57 Prozent der gesamten Stromerzeugungskapazität Indiens eine nicht-fossile Basis haben. Die Vereinbarung von Paris sieht nur 40 Prozent bis 2030 vor.

Die Frontjahre Base 2018 notieren heute in Deutschland und der Schweiz bei 28.20 €/MWh sowie 33.00 €/MWh. Seit Jahresbeginn verloren die Kalenderjahre knapp 3 Euro pro Megawattstunde an Wert. Taktgeber war diesmal der CO2-Benchmarktkontrakt EUA Dec-17, der sich innerhalb weniger Tage um gut 25 Prozent verbilligt hat. Unterstützung findet das deutsche Strom-Kalenderjahr 2018 im Bereich von 28 Euro, wo einige Hochs aus dem vergangenen Sommer liegen. Wir rechnen deshalb für die nächsten Tage mit einer Seitwärtsbewegung.

Wochenbericht 19.12.2016

Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI fordert von den Kernkraftwerken Beznau und Gösgen, dass sie die Qualität und die Ausführungen der Schmiedeteile für die Dampferzeuger hinsichtlich der Einhaltung der Materialspezifikationen überprüfen. Das ENSI reagiert damit auf Informationen aus Frankreich. Bis zum jetzigen Zeitpunkt gäbe es laut Georg Schwarz, stellvertretender ENSI-Direktor, keine Hinweise darauf, dass die Dampferzeuger von unzulässigen Abweichungen betroffen wären. Um rasch erste Erkenntnisse zu haben, fordert das ENSI eine vertiefte Überprüfung der Herstellungsunterlagen. Die Ergebnisse müssen dem ENSI bis Ende April 2017 eingereicht werden.

Der Schweizerische Versorger Axpo muss weniger in die Fonds für die Stilllegung seiner Kraftwerke und die Entsorgung von deren nuklearen Abfällen einzahlen. Aufgrund der deutlich späteren Inbetriebnahme der geologischen Tiefenlager und auch wegen der guten Fondsperformance der vergangenen Jahre wird Axpo für die Veranlagungsperiode zwischen 2017 und 2021 für das Kernkraftwerk Beznau laut vorläufigen Berechnungen keine Beiträge zu leisten haben. Bisher hat Axpo für Beznau 91.2 Millionen Franken pro Jahr einbezahlt.

Der Umweltausschuss im EU-Parlament (ENVI) hat letzten Donnerstag über seinen Vorschlag zur Reform des EU-Emissionshandels abgestimmt und das Kompromisspaket deutlich angenommen. Das ENVI-Reformpaket soll dem Europäischen Emissionshandelssystem EU-ETS nach dem Jahr 2020 ein Preissignal verschaffen, das für den Stromsektor und die Industrie Anreize schafft, CO2-Emissionen zu reduzieren. Bis zu 1 Milliarde Zertifikate könnten dem Markt entzogen werden, wenn das EU-Parlament und der Ministerrat dem Bericht des in dem Reformvorhaben federführenden Ausschusses folgen sollten. Im Februar soll das Plenum des Parlaments über die ENVI-Beschlüsse bestimmen.

Das Frontjahr Base handelt heute in Deutschland bei 31.80 €/MWh und in der Schweiz bei rund 38.00 €/MWh. Nach den stark gesunkenen Preisen im Cal-17 gab es letzte Woche eine Gegenbewegung. Für die kommenden zwei Wochen erwarten wir einen wenig liquiden Markt gleichbleibenden Preisen.

Der nächste Marktbericht erscheint am Montag, 09.01.2017.

Die EBM Energie AG wünscht Ihnen frohe Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2017.

Wer Energie spart, kriegt Geld zurück

Unternehmen, die Massnahmen zur Energieeffizienz ergreifen, können sich die Kosten für den Netzzuschlag ganz oder teilweise zurückzahlen lassen. Anbei einige grundlegende Informationen zur Rückerstattung.

Welchen Unternehmen kann auf Gesuch hin der bezahlte Netzzuschlag vollständig oder teilweise rückerstattet werden Endverbraucher, deren Elektrizitätskosten mindestens 5 Prozent der Bruttowertschöpfung betragen, können innerhalb von sechs Monaten nach Abschluss des Geschäftsjahres ein Gesuch für die Rückerstattung des Netzzuschlags beim Bundesamt für Energie einreichen.

Was ist ausserdem zu beachten?
Damit dem Gesuch entsprochen werden und die Rückerstattung erfolgen kann, müssen zusätzlich die folgenden Bedingungen erfüllt sein: Die Rückerstattungssumme muss mindestens 20'000 Franken betragen. Das Unternehmen verfügt über eine abgeschlossene Zielvereinbarung zur Steigerung der Energieeffizienz mit dem Bundesamt für Energie.

Wie muss ein Unternehmen vorgehen, das den Netzzuschlag zurückfordern möchte?
Eine Zielvereinbarung mit einer vom BFE beauftragten privaten Organisation muss erarbeitet werden. Das sind: die Cleantech Agentur Schweiz (act) oder die Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW).

Was ist der "Netzzuschlag"?
Mit dem Zuschlag auf die Übertragungskosten der Hochspannungsnetze, werden unter anderem die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) und die Einmalvergütung für die neuen erneuerbaren Energien sowie die wettbewerblichen Ausschreibungen finanziert.

Wochenbericht 12.12.2016

Die französische Nuklearaufsichtsbehörde (ASN) haut laut französischen Presseberichten das Wiederanfahren von acht Kernreaktorblöcken in Aussicht gestellt, die wegen Problemen mit den Dampfgeneratoren derzeit vom Netz sind. Die Anomalien bei der Herstellung der Dampfgeneratoren waren bei insgesamt 18 französischen Kraftwerksblöcken aufgetreten. Sechs Generatoren aus französischer Produktion wurden mittlerweile sicherheitstechnisch als unbedenklich eingestuft, die entsprechenden Reaktoren wurden bereits wieder hochgefahren. Das restliche problematische Material stammt von der japanischen Spezialschmiede JCFC. Für acht dieser Generatoren hat nun ASN grünes Licht gegeben. Für weitere in den Reaktoren Civaux 1, Gravelines 4, Fessenheim 1 und Tricastin 2 verbaute Teile sollen die Überprüfungen bis Mitte Januar stattfinden.

Die Energiekonzerne E.ON, RWE und Vattenfall sind mit ihren Klagen gegen den Atomausstieg teilweise erfolgreich. Das Bundesverfassungsgericht urteilte letzte Woche, dass der Gesetzgeber bis Mitte 2018 Nachbesserungen beim Atomausstiegsgesetz vornehmen muss und den Unternehmen eine Entschädigung zusteht. Mit der Entscheidung fliesst den Konzernen noch kein Geld zu. Sie schafft aber die Grundlage dafür, dass der Bundestag Entschädigungsregelungen beschliessen muss und die Unternehmen gegebenenfalls ihre Ansprüche in weiteren Verfahren durchsetzen können. Rechtsexperten erwarten, dass der Staat die durch den beschleunigten Atomausstieg verloren gegangenen Reststrommengen mit einem hohen dreistelligen Millionenbetrag, vielleicht sogar einem Milliardenbetrag kompensieren muss. Der beschleunigte Ausstieg aus der Kernkraft verkürzte die Restlaufzeit der Atommeiler und damit die zu produzierende Menge Strom.

Die chinesische Regierung wird alle Anträge auf Eröffnung neuer Kohleminen bis 2018 ablehnen. Zudem werden bis Ende 2017 Anträge auf Errichtung neuer Kohlkraftwerke und für Kohlechemie-Projekte nicht genehmigt. Das Land will die Förderung durch die Reduzierung von Produktionskapazitäten und durch ein verschärftes Vorgehen gegen illegalen Kohlebergbau um 1 Milliarde Tonnen vermindern.

Nach dem drastischen Einbruch ist nun eine Stabilisierung zu erwarten. So notieren heute die Kalenderjahre Base 2017 in Deutschland und der Schweiz bei 30.00 €/MWh respektive 37.25 €/MWh. Bis zum Jahresende dürften sich die Strompreise weiter konsolidieren und wir erwarten eine Handelsbandbreite zwischen 35.50 €/MWh und 37.50 €/MWh.

Wochenbericht 05.12.2016

Der Bundesrat senkt im nächsten Jahr die Vergütungssätze für die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) für Photovoltaik-Anlagen und Kleinwasserkraftwerke. Der Photovoltaik-Vergütungssatz wird in zwei Schritten per 1. April und per 1. Oktober 2017 um bis zu 28 Prozent gesenkt und liegt ab dann für angebaute und freistehende Anlagen einheitlich bei 13.7 Rappen pro Kilowattstunde und für integrierte Anlagen bei 15.8 Rappen pro Kilowattstunde. Die Ansätze der Einmalvergütung (EIV) für kleine Photovoltaikanlagen werden per 1. April 2017 und per 1. April 2018 gesenkt. Für Kleinwasserkraftwerke gelten ab 1. Januar 2017 um bis zu 18% tiefere Grundvergütungen und ein bis zu 50% tieferer Wasserbau-Bonus. Diese und weitere Änderungen hat der Bundesrat am 2. Dezember 2016 in einer Revision der Energieverordnung festgelegt, die per 1. Januar 2017 in Kraft tritt.

Erstmals seit acht Jahren wollen die Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) weniger Öl fördern. Die tägliche Fördermenge werde um 1.2 Millionen auf 32.5 Millionen Barrel gesenkt, sagte der Opec-Präsident. Russland als bedeutendes Ölland ausserhalb der Opec will seine Förderung demnach ebenfalls senken, und zwar um 300‘000 Barrel pro Tag. Die Opec hatte angesichts der anhaltend niedrigen Ölpreise bereits im September grundsätzlich vereinbart, ihre tägliche Fördermenge zu drosseln. Das genaue Vorgehen wurde jedoch erst jetzt geklärt. Den Angaben zufolge kürzt das wichtigste Opec-Land Saudi-Arabien die Ölförderung um 486‘000 Barrel pro Tag. Libyen und Nigeria seien vom Produktionsdeal ausgenommen. Dem Iran werde erlaubt, die Fördermenge auf 3.975 Millionen Barrel pro Tag auszuweiten. Seit Bekanntgabe hat sich ein Barrel Öl der Nordseesorte Brent um 8 Dollar auf heute rund 54.80 $/Barrel erhöht.

Französische Wettbewerbshüter haben die Zentrale des Energieversorgers EDF durchsuchen lassen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters mitteilte, gehen die Ermittler dem Verdacht nach, dass der staatlich dominierte Konzern seine marktbeherrschende Position missbraucht hat. Es seien Dokumente beschlagnahmt worden. Das Unternehmen kooperiere mit den Ermittlern. Die Wettbewerbsbehörde teilte mit, sie habe mehrere Firmen durchsucht. Sie stünden im Verdacht, wettbewerbswidrige Praktiken im Energiesektor angewendet zu haben. Der französische Energiemarkt ist bereits vor Jahren geöffnet worden. Dennoch hat EDF sich weiterhin eine dominante Stellung am Markt erhalten.

Das erste Quartal 2017 hat stark an Boden verloren. Innerhalb von zwei Tagen verbilligte sich der Kontrakt um fast 15 Euro auf heute 51.00 €/MWh. So gab auch das Kalenderjahr 2017 Base um 5 Euro auf 35.70 €/MWh nach. Die heisse Luft, vor allem im Q1, entweicht und die Überbewertung nimmt ab. Gründe dafür sind vor allem, dass sich die Lage in Frankreich zu entspannen scheint. Auch wird ein milderer Winter über dem saisonalen Durchschnitt erwartet. Für diese Woche erwarten wir Preise zwischen 34.50 €/MWh und 36.50 €/MWh.

Wochenbericht 28.11.2016

Die Laufzeit der Schweizer Atomkraftwerke wird nicht befristet. Volk und Stände haben die Atomausstiegsinitiative der Grünen abgelehnt und zwar mit 54.2 Prozent deutlicher als erwartet. Insgesamt lehnten rund 1‘301‘500 Personen die Initiative ab, 1‘098‘500 Personen legten ein Ja in die Urne. Die Vorlage spaltete die Schweiz teilweise entlang des Röstigrabens. Vier Westschweizer Kantone stimmten Ja, die Kantone Freiburg und Wallis lehnten die Initiative relativ knapp ab. In den meisten Deutschschweizer Kantonen war diese dagegen chancenlos, nur die Kantone Base-Stadt und Basel-Landschaft sagten Ja. Mit dem Nein zur Atomausstiegsinitiative bleibt offen, wann das letzte Schweizer AKW vom Netz geht. Die Atomkraftwerke bleiben nun solange am Netz, wie die Aufsichtsbehörde sie als sicher einstuft, sofern die Betreiber sie nicht aus wirtschaftlichen Gründen abschalten. Den Ausgang der Abstimmung dürfte vor allem auch die Diskussion über die Kosten beeinflusst haben. Die AKW-Betreiber wollten Ansprüche geltend machen für nicht amortisierte Investitionen, die sie auf Basis des geltenden Rechts mit unbefristeter Betriebsbewilligung getätigt haben. Die Angst vor Strommangel und Blackouts mag ebenfalls eine Rolle gespielt haben. Zwar hätte der Atomstrom durch Importe ersetzt werden können, laut den Gegnern hätte das aber zur Überlastung der Netzinfrastruktur führen können. Zudem warnten die Gegner, sowie auch Energieministerin Doris Leuthard, vor „Dreckstrom“ aus Atom- und Kohlekraftwerken, den die Schweiz bei einem Ja zur Initiative importieren müsste.

Kanada hat den Ausstieg aus der Kohleverstromung bis zum Jahr 2030 angekündigt. Damit will das Land seine im Rahmen des Pariser Klimaabkommens zugesagte Reduzierung des Treibhausgases CO2 beschleunigen. In Kanada gibt es noch Kohlekraftwerke in vier Provinzen. Sie sind verantwortlich für rund 10 Prozent der gesamten CO2-Emissionen des Landes.

Der Iran rechnet damit, dass sich die Mitglieder des Ölkartells Opec bald auf eine Begrenzung ihrer Fördermengen einigen. Das Ziel der Opec sei ein Korbpreis zwischen 55 und 60 US-Dollar je Barrel. Zuletzt betrug der Korbpreis, der auf Basis der 14 wichtigsten Sorten des Kartells berechnet wird, 42.83 US-Dollar je Barrel. Man sei zuversichtlich und glaube an eine Verbesserung und Stabilisierung des Marktes beim nächsten Opec-Treffen am 30. November in Wien. In den USA hingegen stehen die Zeichen auf eine höhere Ölproduktion. In der vergangenen Woche wurden 19 neue Ölbohrungen in Betrieb genommen. Das ist der stärkste Wochenanstieg seit Juli 2015 und der 19. Anstieg in den letzten 21 Wochen.

Meteorologen gehen davon aus, dass die Temperaturen im Laufe der kommenden Tage stetig sinken werden und sich nur noch wenig oberhalb von Null Grad Celsius bewegen werden. Einige Wetterdienste erwarten eine Kältewelle ab Mitte Dezember, die bis in den Februar hinein anhalten könnte. Die Frontjahre Base notieren derzeit in Deutschland leicht höher bei 31.00 €/MWh und in der Schweiz unverändert bei 42.70 €/MWh. Möglicherweise ist die Korrektur am Strommarkt zunächst einmal beendet und wir sehen für diese Woche Preise zwischen 42.25 €/MWh und 43.50 €/MWh.

Wochenbericht 21.11.2016

Diesen Sonntag ist es soweit und Schweizer Volk sowie Stände stimmen über die Atomausstiegsinitative der Grünen ab. Dabei scheint sich ein enges Rennen abzuzeichnen. Die neusten Umfrageergebnisse des Instituts gfs ergaben 48 Prozent Ja- und 46 Prozent Nein-Stimmen. Eine weitere Befragung der Mediengruppe Tamedia kam auf 57 Prozent Ja- und 42 Prozent Nein-Stimmen. Das Schicksal der Atomausstiegsinitiative könnte sich in den Kantonen Graubünden, Glarus, Uri, Bern, Freiburg und Waadt entscheiden, wie die „Schweiz am Sonntag“ berichtet. Die Kantone zählen gemäss einem neuen Prognosemodell von Politikforscher Claude Longchamp im Fall eines knappen Volksmehrs zu den „Swing States“: Sollte das Nein-Lager auf zwölf Kantone kommen, wird sie abgelehnt, auch wenn eine Mehrheit der Stimmbevölkerung Ja stimmt. In zehn Kantonen gilt ein Nein als wahrscheinlich.

Deutschland, Frankreich, Spanien und Portugal wünschen sich einen umfangreicheren Handel mit erneuerbaren Energien mit Marokko. Die fünf Staaten unterzeichneten letzten Donnerstag am Rande der UN-Klimaschutzkonferenz in Marrakesch einen Fahrplan (Road Map) zum Ausbau der gegenseitigen Beziehungen. In dem Fahrplan wird unterstrichen, dass die EU den Anteil Erneuerbarer an ihrem Energieverbrauch bis 2030 auf 27 Prozent erhöhen will. Marokko könnte für die EU-Staaten zu einem wichtigen Lieferanten von Sonnen- und Windenergie werden. An das EU-Netz sei Marokko bereits über Leitungen nach Spanien angebunden, eine Leitung nach Portugal soll diese Verbindung stärken. Bei Ouarzazate im Landesinneren entsteht derzeit ein riesiger Solarpark der eine Kapazität von 500 Megawatt haben soll.

Das Wachstum der weltweiten Ölnachfrage wird nach Einschätzung des Chefs der Internationalen Energieagentur (IEA), Faith Birol, nicht vor dem Jahr 2040 beendet sein – trotz der beim Weltklimagipfel in Paris im vergangenen Jahr gemachten Zusagen, den Ausstoss von Treibhausemissionen zu stoppen. „Heute stammen 81 Prozent der globalen Energie aus fossilen Energieträgern. Bis 2040 wird dieser Anteil, wenn alle Zusagen erfüllt werden, auf 74 Prozent zurückgehen“, sagte Birol bei der Vorstellung des Jahresberichts. In Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) werde die Ölnachfrage zwar sinken. Dieser Rückgang werde jedoch durch wachsenden Bedarf in anderen Staaten mehr als ausgeglichen. Indien werde das Land mit der stärksten Zunahme sein und China werde die USA in den 2030er Jahren als grösster Ölverbraucher überholen, so die Prognose der Energieagentur.

Binnen einer Woche hat das Cal-17 in Deutschland etwa 4 Euro nachgegeben und handelt heute bei rund 30.05 €/MWh. Auch die Schweiz hat mitgezogen und handelt heute bei rund 42.65 €/MWh. Der Abwärtsdruck wurde durch den Crash der Kohlepreise dominiert. Handelte das Frontjahr am 11. November noch 76.10 $/Tonne, sind wir heute bei rund 63.50 $/Tonne. Bei 62 Dollar könnte eine Auffanglinie sein. Doch ob diese hält, erscheint angesichts des Abwärtstempos eher fraglich. Für diese Woche erwarten wir Preise zwischen 41.50 €/MWh und 42.50 €/MWh.

Wochenbericht 14.11.2016

Die Schweiz will die im geltenden Stromversorgungsgesetz (StromVG) festgelegten Vorränge für Stromlieferungen über die Grenze neu regeln. Wie es in einer Mitteilung der Schweizer Regierung heisst, stellen diese mittlerweile eine Gefahr für die Versorgungssicherheit der Schweiz dar, weil sie die Kapazitäten des Stromübertragungsnetzes über die Grenze hinweg deutlich überschreiten. Vorrang haben sollen nur noch Lieferungen aus vor dem 31. Oktober 2002 abgeschlossenen Langfristverträgen sowie aus Grenzwasserkraftwerken. Der Vorrang für Stromlieferungen an Endverbraucher in der Grundversorgung und für Lieferungen aus erneuerbaren Energien soll aufgehoben werden. Die Regierung beantragt die Annahme dieser Vorlage zur Änderung des StromVG.

Die zeitweise Abschaltung mehrerer Atomreaktoren schürt in Frankreich Sorgen vor möglichen Strom-Engpässen im kommenden Winter. Laut dem Netzbetreiber RTE werde die Versorgungssicherheit schwieriger zu garantieren sein, als in den vergangenen Jahren. Grund der Besorgnis ist, dass im Winter zahlreiche Atomreaktoren keinen Strom produzieren werden. Nach den aktuellen Prognosen werden im Dezember 13 der 58 französischen Reaktoren stillstehen. Deshalb werden im Dezember 11‘300 MW an Erzeugungskapazität weniger zur Verfügung stehen als im vergangenen Winter. Im Januar schliesst sich die Schere wieder ein Stück. Anfang Jahr sollen noch insgesamt neun Reaktoren nicht am Netz sein. Wegen der in Frankreich verbreiteten Elektroheizungen ist die französische Stromnachfrage sehr temperatursensibel. Sinkt die Durchschnittstemperatur um ein Grad, entspricht dies einem Nachfrageplus von bis zu 2‘400 MW. Im milden Winter 2015/16 betrug die Verbrauchsspitze 88.6 GW, im strengen Winter 2011/12 lag sie bei 102.1 GW.

Ende 2025 sollen die Lichter für britische Kohlekraftwerke ausgehen. Schon im Jahr 2023 sollen die Anlagen nur noch ein Stundenkontingent für die Stromproduktion aus Kohle erhalten. Ziel der britischen Regierung ist es, weniger emissionsintensive Arten der Stromproduktion wie Gas einzusetzen, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden. Eine Kombination von neuen Gaskraftwerken und Interkonnektoren mit anderen Staaten sowie erneuerbare Energiequellen soll die Lücke schliessen, die der Kohleausstieg hinterlassen wird.

In Frankreich stellt sich die Lage am kurzen Ende der Stromkurve aktuell weit weniger dramatisch dar als befürchtet. Trotz kalter Temperaturen und schlimmster Befürchtungen sind die Spotpreise im Nachbarland nicht ins Unermessliche gestiegen. Die Kalenderjahre 2017 Base handeln heute in Deutschland und der Schweiz tiefer bei 33.10 €/MWh sowie 44.75 €/MWh. Ausschlaggebend dafür sind die Preisrückgänge am Kohlemarkt. So verlor das Frontjahr 2017 knapp 7 US-Dollar und notiert derzeit bei 72.50 US-Dollar je Tonne. Für die laufende Woche erwarten wir eine Seitwärtsbewegung zwischen 44.00 €/MWh und 45.50 €/MWh.

Wochenbericht 07.11.2016

Die Umsetzung des Mittelfristpakets zur Vermeidung von Engpässen im Schweizer Stromnetz im Winter ist weit vorangekommen. Das hat die Arbeitsgruppe Winter 2016/2017 des nationalen Übertragungsnetzbetreibers Swissgrid klargestellt. So wurden Teilmengen der Systemdienstleistungen (SDL) für den kommenden Winter vorzeitig beschafft, die Abrechnungsdaten der Bilanzgruppen würden schneller validiert und das neue Zuteilungsverfahren bei nicht ausreichender Angebotsmenge in der SDL-Regelleistungsbeschaffung werde zum 1. Februar 2017 umgesetzt. Eine Änderung der Betriebsvorschriften sei absehbar, damit freie Potenziale von Transformatoren ausgenutzt werden können. Der Backup-Transformator Beznau ist voraussichtlich im März 2017 betriebsbereit. Bei einem Vergleich der aktuellen Lage mit der zum Winter 2015/2016 sieht die Swissgrid-Arbeitsgruppe entlastende Faktoren, aber auch Risiken. Zu den Entlastungen zählt, dass der Transformator Laufenburg verfügbar und das Kernkraftwerk Beznau 2 am Netz ist. Zudem ist der Stromtransit vom Norddach nach Italien derzeit gering. Zu den Risiken zählt Swissgrid unter anderem den Ausfall des Atomkraftwerks Leibstadt, weitere Nichtverfügbarkeiten und eine mögliche Kältewelle, nachdem der vorherige Winter vergleichsweise mild ausfiel.

Folgen die Schweizer der Atomausstiegsinitiative, stünde das Übertragungsnetz vor erheblichen Herausforderungen, weil die Infrastruktur nicht so schnell umgebaut werden kann. Darauf weist die Swissgrid hin. Demnach wäre ein Atomausstieg in der Schweiz grundsätzlich möglich. Der Netzumbau brauche aber Zeit und müsse sorgfältig geplant werden. Nach Darstellung des Unternehmes können die Auswirkungen einer Abschaltung der Kernkraftwerke Beznau 1 und 2 durch Installation eines Transformators in Beznau reduziert werden. Die Folgen einer Ausserbetriebnahme des Kernkraftwerks Mühleberg könnten durch die Spannungserhöhung der Leitung Bassecourt – Mühleberg von 220 kV auf 380 kV und einen 380/220 kV-Kuppeltransformator in Mühleberg kompensiert werden. „Damit die Netzinfrastruktur rechtzeitig bereit steht, müssten die Verfahren rund um den Netzausbau gegenüber heute wesentlich beschleunigt werden“, fordert Swissgrid. Die Schweizer stimmen am 27. November über die Atomausstiegsinitiative ab.

Falls die Opec-Mitgliedsländer bei ihrem Treffen am 30. November kein Abkommen zur Förderbegrenzung zustande bringen, könnten die Rohölpreise gemäss Reuters unter 40 US-Dollar je Barrel fallen. Damit dieser bearishe Ausgang vermieden werden kann, wird die Opec wahrscheinlich einen Kompromiss suchen über die Ausnahmen für Iran, Libyen und Nigeria hinaus. Der Iran hat die Ölausfuhren kräftig gesteigert und nach Regierungsangaben Ende Oktober 2.44 Millionen Barrel pro Tag exportiert. Während der westlichen Strafmassnahmen hatte der Iran nur ungefähr 1 Million Barrel Öl am Tag exportiert. Nach dem Wegfall der meisten Sanktionen will das Land die tägliche Produktionsmenge wieder auf das frühere Niveau von etwa 4 Millionen Barrel steigern.

Das Frontjahr Base handelt heute in Deutschland bei 35.30 €/MWh und in der Schweiz bei 46.50 €/MWh. Die Preise auf dem Grosshandelsmarkt für kurzfristige Kontrakte sind weiterhin sehr volatil und stark von Frankreich beeinflusst. Die Kalenderjahre 2018 und 2019 reagieren vor allem auf die Entwicklung auf den Kohlemärkten. Für diese Woche erwarten wir Preise zwischen 45.50 €/MWh und 47.50 €/MWh.

Wochenbericht 31.10.2016

Die Regierung des Kantons Graubünden hat das Gesuch für das 1050 MW‐Pumpspeicherwerk‐Projekt Lagobianco bewilligt. Zwar stuft der Energiekonzern Repower den Bau der eigentlichen Pumpspeicherstufe auf Grund der schwierigen Marktlage weiter als nicht machbar ein, doch könnten nun wichtige Teilprojekte angegangen werden. So bildet die Projektgenehmigung auch die Grundlage zum Weiterbetrieb und zur Weiterentwicklung der bestehenden Anlagen im Tal. Repower will insbesondere das Kraftwerk Robbia erneuern, eine der wichtigsten Anlagen im Kraftwerksportfolio des Unternehmens. Das Management geht aber davon aus, dass das Pumpspeicher‐Kraftwerk Lagobianco für die Erreichung der Ziele der Energiestrategie 2050 der Schweiz noch eine wichtige Rolle spielen kann.

Die französische Atomaufsicht (ASN) rechnet damit, dass weitere Unregelmässigkeiten bei Atomkraftwerken in Frankreich entdeckt werden. Die Behörde brauche noch ein oder zwei Jahre, um tausende weiterer Seiten im Rahmen der Untersuchung von Unregelmässigkeiten in den Berichten der Areva‐Giesserei Creusot zu prüfen. Gemäss ASN‐Chef Pierre‐Franck Chevet werde die ASN wahrscheinlich noch mehr Anomalien und Fehler finden. Am französischen Strommarkt führten die Äusserungen am letzten Mittwoch zu einer weiteren Verteuerung von Terminkontrakten. Areva stellt Bauteile für Atomkraftwerke her. Das Unternehmen hatte im Mai eingeräumt, dass Unterlagen zur Herstellung und Qualitätskontrolle verfälscht sein könnten. Daher stehen in Frankreich diverse Atommeiler still.

Das rasante Wachstum erneuerbarer Energien übertrifft die Erwartungen von Experten. Wie die Internationale Energieagentur (IEA) berichtete, wurden allein in China im Jahr 2015 jede Stunde zwei Windturbinen erstellt. Weltweit seien jeden Tag eine halbe Million Sonnenkollektoren aufgestellt worden. Die Agentur rechnet deshalb jetzt bis 2021 mit 13 Prozent mehr Wachstum bei den erneuerbaren Energien als noch vor einem Jahr. Der Anteil an der Stromversorgung steige bis dahin von 23 auf 28 Prozent.

Die Frontjahre Base handeln in Deutschland und der Schweiz derzeit bei 33.50 €/MWh sowie 43.75 €/MWh. Weiterhin fest präsentieren sich auch die Frontmonate. Neben den Problemen in Frankreich wurden die Kontrakte auch von einer neuen Wetterprognose gestützt. Demnach soll es im November kälter werden als bislang angenommen mit Temperaturen in den ersten Wochen, die unter dem üblichen Niveau liegen. Die Kalenderjahre dürften weiterhin volatil bleiben und wir erwarten eine Handelsbandbreite zwischen 43.00 €/MWh und 45.00 €/MWh.

Wochenbericht 24.10.2016

Am Sonntag, 27. November 2016, stimmen die Schweizer Stimmberechtigen über die Atomausstiegsinitiative ab. Dazu hat die Mediengruppe Tamedia eine nationale Abstimmungsumfrage unternommen, an der rund 20‘000 Personen aus der ganzen Schweiz zwischen dem 17. Und dem 18. Oktober teilgenommen haben. Die Analyse daraus zeigt: Wäre in diesen Tagen abgestimmt worden, wäre die Initiative mit 55 Prozent Ja‐Stimmen angenommen worden. 43 Prozent hätten sicher oder eher ein Nein eingelegt. Zwei Prozent der Befragten machten keine Angaben. Trotz der derzeitigen Mehrheit der Befürworter habe die Initiative einen eher schweren Stand, so Beobachter. Denn in der Regel sinke die Zustimmung zu Volksinitiativen bis zum Abstimmungstermin. Zudem sei die Kampagne der Gegner der Initiative erst vor wenigen Tagen angelaufen.

Diverse Analysten sehen den Kohlemarkt weiter von hektischen Preisbewegungen bei insgesamt steigender Grundtendenz geprägt. Physische Knappheit gepaart mit Spekulation hätten vor allem die Frontmonatskontrakte weltweit hochschnellen lassen, was wiederum auf die Kalenderkontrakte abfärbte. China hat seine Förderung im September um über 11 Prozent zum Vorjahr zurückgefahren. Jedoch könnte der Trend bald umkehren, da die chinesische Regierung die Erlaubnis gegeben hat, die Kohleminen 330 Tage anstatt wie bislang 276 Tage im Jahr laufen zu lassen.

Die französische Regierung steht davor, den Plan zur Einführung einer CO2‐Steuer fallen zu lassen. Das berichtet die Zeitung Les Echos nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters. Unter Berufung auf verschiedene Quellen heisst es, die sozialistische Regierung werde keine CO2‐Steuer in den derzeit diskutierten Entwurf für das Budget‐Update 2016 einbauen. Das Vorhaben gelte als zu kompliziert, zudem gebe es rechtliche Schwierigkeiten. Die Umweltministerin Ségolène Royal, hatte im Frühjahr einseitig einen CO2‐Mindestpreis angekündigt. In der Diskussion war häufig ein Preis von 30 Euro je Tonne genannt worden.

Das Kalenderjahr 2017 handelt heute in Deutschland bei 32.70 €/MWh und in der Schweiz bei rund 43.00 €/MWh. Der Markt bleibt turbulent, weil absolute Ungewissheit über die Verfügbarkeit der Kernkraftwerke herrscht. Es ist kaum möglich die Meldungen, falls überhaupt welche kommen, des französischen Kraftwerksbetreibers EDF einzuschätzen. Zudem hat die Kohle weiterhin einen grossen Einfluss auf den Energiemarkt. Für diese Woche erwarten wir eine hohe Volatilität mit Preisen zwischen 41.50 €/MWh und 43.50 €/MWh.

Wochenbericht 17.10.2016

In der Schweiz werden keine neuen Kernkraftwerke gebaut. Die Versorger Axpo, Alpiq und BKW haben ihre 2008 eingereichten und seit 2011 nicht weiter behandelten Rahmenbewilligungsgesuche für Ersatzkernkraftwerke zurückgezogen. Die Ersatzkernkraftwerke hätten den schweizerischen Atomkraftwerkspark nach dem Ende der Laufzeit der derzeitigen Anlagen ersetzen sollen. Seit der Einreichung der Rahmenbewilligungsgesuche für Ersatzkraftwerke hat sich die Energiewelt fundamental verändert. Am 27. November 2016 entscheiden in der Schweiz Volk und Stände über die Atomausstiegsinitiative. Diese will den Bau neuer Kernkraftwerke verbieten und die Laufzeit der bestehenden auf 45 Jahre begrenzen.

Russland ist nach den Worten von Präsident Wladimir Putin bereit, seine Ölförderung zu drosseln. In der derzeitigen Lage sei ein Einfrieren oder eine Senkung der Produktion „der einzige Weg“, die Stabilität des Energiemarktes zu wahren. Russland sei daher bereit, sich gemeinsamen Initiativen zur Drosselung de Produktion anzuschliessen. Er hoffe, dass dies beim Opec‐Treffen im November in Wien offiziell vereinbart werde.

Iran will seinen Anteil am globalen und insbesondere europäischen Erdgasmarkt deutlich ausweiten. Nach Angaben des iranischen Vize‐Ölministers Araghi soll in den nächsten vier Jahren die Erdgasproduktion von derzeit 600 Millionen auf 1 Milliarde Kubikmeter pro Tag steigen. Dann wäre das Land auch in der Lage, Europa mit 30 Milliarden Kubikmeter Erdgas im Jahr zu versorgen. Der Vizeminister betonte, man wolle jedoch weder Konkurrent noch Alternative zu Russland werden. Das langfristige Ziel Teherans sei, den derzeitigen Anteil im globalen Erdgasmarkt von ein auf zehn Prozent zu erhöhen.

Die Sicherheitsprüfungen bei Atomkraftwerken in Frankreich sorgen nach wie vor für grosse Verunsicherung. Niemand weiss, wie lange diese Prüfungen dauern und welche Risiken dahinter sind. Hinzu kommt die wegen der Trockenheit andauernde geringe Ausbeute der Laufwasserkraftwerke. Ebenfalls massgeblicher Treiber der Strompreise waren erneut die Kohlepreise, das Frontjahr kehrte in die Nähe seines Jahreshochs von 67.50 USD je Tonne zurück. Für die laufende Handelswoche erwarten wir für das Kalenderjahr 2017 Base in der Schweiz eine Bandbreite zwischen 41.00 €/MWh und 42.50 €/MWh.

Wochenbericht 10.10.2016

Die Wiederinbetriebnahme des Schweizer Atomkraftwerks Leibstadt verschiebt sich voraussichtlich auf Februar 2017. Die Inspektion der Brennelement‐Befunde und die Neubeladung des Reaktorkerns nähmen mehr Zeit in Anspruch als geplant, teilte die Kernkraftwerk Leibstadt AG am Donnerstag mit. Der Meiler verfügt über 1‘275 Megawatt Bruttoleistung. Das Atomkraftwerk war am 2. August heruntergefahren worden. Die Jahreshauptrevision sollte ursprünglich knapp vier Wochen dauern. Dann hiess es, der Reaktor werde gegen Ende Oktober wieder ans Netz gehen.

Der Energiekonzern BKW hat sich mit den Westschweizer Kantonen über den Erwerb eines Swissgrid‐Aktienpakets verständigt. Demnach übernimmt die BKW Netzbeteiligung AG 30.3 Prozent der Swissgrid‐Anteile und überträgt ungefähr 4.4 Prozent an Sireso, eine Investmentgesellschaft, an der die Kantone beteiligt sind. Die transferierten Aktien gehören bisher dem Energiekonzern Alpiq. Ihr Wert wird mit rund 300 Millionen Schweizer Franken angegeben. Der BKW‐Konzern misst dem Swissgrid‐Engagement strategische Bedeutung bei. Denn die Beteiligung generiert stabile Erträge, was „im aktuellen Kontext sehr wertvoll ist“, wie Suzanne Thoma, CEO von BKW, sagte.

Die Strommärkte sind derzeit extrem volatil. Die Verfügbarkeit der französischen Kraftwerke ist nach wie vor gering. Meldungen wie die Verschiebung der Wiederinbetriebnahme des Kernkraftwerks Leibstadt oder die kommende Initiative zur Laufzeitbeschränkung Schweizerischer Atomkraftwerke haben derzeit einen grossen Einfluss auf die Energiemärkte. In Europa und besonders Frankreich ist das Sicherheitspolster an Kapazitäten für den Winter so gering eingeschätzt, dass auch relativ kleine Nachrichten eine grosse preisliche Wirkung erzielen können. Über anziehende Dark‐ und Spark‐Spreads treibe der Strommarkt auch die Preise für Kohle und Gas sowie die Notierungen für die Emissionen. Im Falle von erneut schlechten Nachrichten von europäischen Kernkraftwerken, ist mit weiteren Preiserhöhungen für die Kohle zu rechnen.

Das Frontjahr handelt heute in Deutschland bei 30.15 €/MWh und in der Schweiz bei rund 40.50 €/MWh. Die Meldungen über die kommende Initiative für die Laufzeitbeschränkung der Schweizer Atomkraftwerke und die Verschiebung der Wiederinbetriebnahme des Kernkraftwerks Leibstadt, trieben die Preise am Donnerstag und Freitag letzter Woche in die Höhe. Vor allem die letzten Monate im Kalenderjahr 2016 und das erste Quartal 2017 verteuerten sich teils massiv. So erhöhte sich die Nordgrenze im November auf rund 30.00 €/MWh und im Cal‐17 auf über
10.00 €/MWh. Heute hat sich der Schweizer Markt wieder etwas abgekühlt und die Panikkäufe scheinen vorbei. Die Situation bleibt jedoch angespannt. Etwaige schlechte Nachrichten könnten den Preis wieder in die höhe schnellen lassen. Für diese Woche erwarten wir Preise zwischen 39.50 €/MWh und 41.50 €/MWh.

Wochenbericht 03.10.2016

Als Überreaktion des französischen Strommarkts haben Analysten die Preissteigerungen für das 4. Quartal 2016 und für das 1. Quartal 2017 bezeichnet, nachdem EDF seine Prognose für die Nuklearstromproduktion in diesem Jahr auf 380 bis 390 Terawattstunden gesenkt hat. Hintergrund sind zusätzliche zeitaufwändige Sicherheitskontrollen bei den Dampfgeneratoren wegen möglicher Fehler bei der Herstellung. Falls sich bei den Überprüfungen der Reaktoren keine weiteren Auffälligkeiten ergeben und die Preise für die Emissionen und für Kohle auf dem derzeitigen Niveau verbleiben, seien die Preise aus fundamentaler Sich um rund 7 Euro zu teuer gewesen. Allerdings sei das Verhalten des Marktes verständlich gewesen. Die Minderkapazitäten, über die EDF berichtet habe, seien massiver ausgefallen als der Markt erwartet habe. Ein weiterer Grund für die Nervosität des Markts war der sich nähernde Winter mit seinen Verbrauchsspitzen. Im Winter ist die Produktion der französischen Nuklearkraftwerke normalerweise immer hoch. Ab Jahresbeginn wird saisonal‐bedingt in Frankreich auch die Wasserkraft knapper. All dies ist in die heftige Reaktion des Markts eingeflossen.

Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hatte bei ihrem Treffen in Algier am letzten Mittwoch nach sechsstündigen Verhandlungen beschlossen, ihre tägliche Fördermenge auf 32.5 bis 33 Millionen Barrel zu drosseln. Die Senkung um rund 750‘000 Barrel ist die stärkste seit der Finanzkrise 2008. Die genaue Reduktion der einzelnen Mitgliedsländer soll beim Opec‐Gipfel am 30. November festgelegt werden. Wie der algerische Energieminister sagte, fiel die Entscheidung der Opec einstimmig. Sie wurde möglich, weil Saudi‐Arabien zustimmte, dass Iran die Fördermenge nicht drosseln muss. Der Iran will nach dem Wegfall westlicher Sanktionen seine Ölförderung weiter ausbauen und hatte im April eine Opec‐Einigung verhindert. Theoretisch könnte die Übereinkunft Benzin und Heizöl teuer machen, mehrere Analysten bezweifeln aber eine nachhaltige Wirkung der Abmachung. So produziert derzeit etwa Russland, das der Opec nicht angehört, auf Rekordniveau Öl. Zudem ist unklar, wie andere Nicht‐Opec‐Länder wie die USA oder Kanada, reagieren. Trotz der Drosselung der Ölfördermenge bleibt der Markt nach wie vor überversorgt.

Die gesamte Stromkurve wurde erneut von Meldungen aus Frankreich gestützt. In der Folge kletterten die Frontjahre 2017 Base in Deutschland und der Schweiz auf 29.50 €/MWh respektive 37.25 €/MWh. Stützende Faktoren sind weiterhin die Nachwirkungen der geringeren Nuklearstromprognose des französischen Versorgers EDF. Hinzu kommt angesichts der schwachen Windprognose für den Oktober die Angst, dass im ersten Quartal 2017 auch in Deutschland Kapazitäten fehlen könnten, wenn Kernkraftwerke in Revision gingen. Um die Brennelemente‐Steuer zu sparen, sind KKW‐Revisionen auf den Zeitraum von Januar bis März 2017 verschoben worden. Für die laufende Woche erwarten wir eine Handelsbandbreite zwischen 36.00 €/MWh und
38.00 €/MWh.

Wochenbericht 26.09.2016

Vergangene Woche hat der Ständerat die letzten Differenzen der Energiestrategie 2050 bereinigt. Wichtigstes Element der Energiestrategie ist neben dem Ausbau der Erneuerbaren, dass der Bau neuer Atomkraftwerke verboten wird. Das erste Massnahmenpaket sieht vor, dass die Stromproduktion aus neuen erneuerbaren Energien von heute rund 3 Terawattstunden bis 2035 auf mindestens 11.4 Terawattstunden steigt. Das wäre etwa halb so viel wie heute die Schweizer Atomkraftwerke produzieren. Den Strom müssen die Betreiber der Anlagen künftig selber am Markt absetzen. Zum Erlös aus dem Stromverkauf erhalten sie jedoch eine technologiespezifische Einspeiseprämie, mit welcher der ökologische Mehrwert abgeglichen wird. Am meisten zu reden gab der Betrieb der alten Atomkraftwerke. Hier bleibt jedoch alles beim Alten. Die bestehenden AKW dürfen so lange am Netz bleiben wie die Aufsichtsbehörde ENSI sie als sicher einstuft. Auch wenn die Ausbau‐ und Effizienzziele der Strategie im Verlaufe der Beratungen abgeschwächt wurden, wäre die definitive Verabschiedung durch das Parlament am 30. September ein bedeutender Schritt.

Trotz der Nuklearkatastrophe von Fukushima schreitet der weltweite Ausbau der Atomenergie voran. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) rechnet in einer Studie mit einer Zunahme der Kapazitäten bis 2030 um mindestens 1.9 Prozent. Demnach steige die Leistungsfähigkeit der Kraftwerke nach einer Schätzung weltweit auf mehr als 390 Gigawatt im Jahr 2030. Für Europa rechnet die IAEA mit einem leichten Rückgang. Mit an der Spitze der Bewegung des Atomenergieausbaus stehen China und Südkorea. Auch in Nahost und Südasien sind Steigerungen zu erwarten. In der Region ist Indien das Zugpferd.

Der weltweit drittgrösste Treibhausgasemittent Indien will das Pariser UN‐Klimaabkommen Anfang kommenden Monats unterzeichnen. Dies kündigte am Sonntag Regierungschef Narenda Modi an. Mit der Unterschrift Indiens käme das Klimaabkommen seinem Inkrafttreten einen weiteren grossen Schritt näher. Die USA und China als grösste Treibhausgasemittenten hatten es beide am 4. September ratifiziert. In Deutschland haben Bundestag und Bundesrat vor wenigen Tagen den Weg zur Ratifizierung ebenfalls freigemacht. Nun muss noch Bundespräsident Joachim Gauck die Vorlage unterschreiben, dann kann die Ratifizierungsurkunde bei den Vereinten Nationen hinterlegt werden.

Am langen Ende der Stromkurve hat vor allem die geringere Nuklearstromprognose des französischen Versorgers EDF für hektische Handelsaktivitäten gesorgt. So sollen die Kernkraftwerke im Nachbarland in diesem Jahr nur 380 bis 390 Terawattstunden produzieren. Bislang war der französische Stromkonzern von 395 bis 400 Terawattstunden ausgegangen. Die Kalenderjahre handeln deshalb höher, so notiert heute das Frontjahr Base in Deutschland bei 28.20 €/MWh, dasjenige in der Schweiz bei 35.20 €/MWh. Zugleich wurden auch die Frontmonate und das Frontquartal von den Nachrichten aus Frankreich nach oben getrieben. Da die geringere Nuklearstromproduktion von anderen Erzeugungsarten ausgeglichen werden muss, zogen auch die Preise für Kohle, Gas und CO2 an. Nachdem die Strompreise in den letzten Tagen zumeist zugelegt haben, ist für diese Woche eine Korrektur wahrscheinlich.

Wochenbericht 19.09.2016

Der Betreiber BKW hat das Schweizer Atomkraftwerk Mühleberg wieder hochgefahren. Die Jahresrevision sei abgeschlossen, das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI habe der Wiederinbetriebnahme zugestimmt, teilte der Konzern am Montag mit. Bei der Revision, die am 13. August begann, wurden 32 der 240 Brennelemente ausgetauscht sowie umfangreiche präventive Instandhaltungen und Prüfungen vorgenommen. Zudem führe das ENSI zahlreiche Inspektionen durch. Mehr als 600 zusätzliche Fachkräfte hätten die eigenen Mitarbeiter unterstützt, so BKW. Die Grenzwerte für den Kernmantel, die das ENSI festgelegt hat, würden weiter „mit grosser Marge“ unterschritten.

Die Internationale Energie Agentur (IEA) hat ihre Prognose für die globale Ölnachfrage in diesem und im nächsten Jahr kräftig gesenkt. In ihrem aktuellen Monatsbericht sprachen die Experten von „schwankender Nachfrage“ vor allem in Asien. Die Einschätzung der IEA dürfte die Debatte innerhalb der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) über eine Deckelung der Förderung anheizen. Die IEA, die ihre Mitglieder in Energiefragen berät, senkte ihre Prognose zur täglichen Ölnachfrage in diesem Jahr um 100‘000 Barrel. Eine höhere Produktion der Vereinigten Arabischen Emirate und Kuwaits passe zudem zum Bild einer aggressiven Angebotsstrategie, wie sie vom Irak, Iran und Saudi‐Arabien verfolgt werde, so die IEA.

Die britische Regierung hat nach einigem Zögern grünes Licht für das umstrittene AKW‐Projekt Hinkley Point C gegeben. Das neue Atomkraftwerk im Südwesten Englands solle gebaut werden, erklärte Energieminister Greg Clark am Donnerstag in London. Dabei solle mit neuen Massnahmen für eine „erhöhte Sicherheit“ gesorgt werden. Das Kraftwerk wird vom französischen Stromriesen EDF unter Beteiligung des chinesischen Staatskonzerns CGN gebaut. Die rund 21 Milliarden Euro teure Anlage soll 2025 ans Netz gehen und künftig 7 Prozent des britischen Strombedarfs decken.

Das Kalenderjahr 2017 handelt heute in Deutschland bei rund 26.60 €/MWh und in der Schweiz bei 33.15 CHF/MWh. Die höheren Preise sind vor allem auf den gefestigten Kohlemarkt und die starke Stromnachfrage in Frankreich zurückzuführen. Die API2‐Kohle handelt heute bei 58.70 $/Tonne und eine erhöhte Nachfrage ist von China auszumachen. Es ist jedoch zu erwarten, dass die Preise mittelfristig nicht über 60 $/Tonne steigen. In Belgien bleibt das AKW Tihange rund weitere 2 Monate vom Netz. Dadurch stieg die Nachfrage auf dem französischen‐ und deutschen Markt, was die Preise kurzfristig nach oben treibt. Für diese Woche erwarten wir in der Schweiz Preise zwischen 32.50 CHF/MWh und 33.50 CHF/MWh.

Wochenbericht 12.09.2016

Gemäss einer Kurzstudie des Analyse‐ und Beratungshauses Energy Brainpool hat sich die Stabilität der deutschen Stromversorgung trotz des Atomausstiegs verbessert. In der ersten Halbzeit des 2011 begonnenen und auf elf Jahre angelegten Atomausstiegs wurden bislang neun Reaktoren mit einer Leistung von rund 10 Gigawatt weitgehend durch wetterabhängige erneuerbare Energien ersetzt. Dennoch ist die Stromversorgung deutlich seltener ausgefallen. Zudem mussten die Netzbetreiber seit 2011 weit seltener Ungleichgewichte mit Regelleistung ausgleichen. Energy Brainpool führt dies auf eine bessere nationale und internationale Zusammenarbeit der Übertragungsnetzbetreiber sowie auf eine Stärkung des kurzfristigen Stromhandels zurück. Die Untersuchung zeigt zudem, dass sich klimaschädliche Kohlekraftwerke als Reserve für abgeschaltete Atomkraftwerke schrittweise ersetzen lassen. Bereits 2020 könne eine effiziente Steuerung bei Biomasseanlagen, Haushalten und Industrieanlagen die Spitzennachfrage um bis zu 4.5 Gigawatt reduzieren. Entsprechend seltener müssten dann fossile Kraftwerke die gesicherte Leistung bereitstellen.

China und die USA sind dem Pariser Klimaabkommen auf dem G20‐Gipfel in Hangzhou beigetreten. Das Abkommen tritt jedoch erst dann in Kraft, wenn es mindestens 55 Staaten ratifiziert haben, die gemeinsam für mindestens 55 Prozent der weltweiten Treibhausgase verantwortlich sind. Mit den beiden grossen CO2‐Emittenten erhöht sich nun die Zahl der Staaten auf 26, die erst 39 Prozent der globalen Emissionen auf sich vereinen. Laut World Resources Institute (WIR) wollen weitere 31 Staaten dem Pariser Abkommen noch in diesem Jahr beitreten. Andere Beobachter halten es für relativ unrealistisch, dass alle EU‐Mitgliedstaaten die komplette Ratifizierung bis 2017 bewerkstelligen können. Dennoch überwiegt aktuell der Optimismus, dass das Abkommen noch in diesem Jahr in Kraft treten wird. Nach Hangzhou steigt jedenfalls der Druck auf die anderen grossen CO2‐Emittenten wie Indien oder die EU.

Massgebend für die Abgaben des Strom‐Frontjahres sind einmal mehr die schwachen Preise für die Kohle. So notiert das Frontjahr (ARA) heute bei 55.50 USD je Tonne, knapp 4 US‐Dollar tiefer als noch in der Vorwoche. Der Preisrückgang wurde mit Medienberichten in Verbindung gebracht, wonach China seine Politik der Einschränkung der eigenen Kohleförderung wieder lockern könnte. Dies könnte dem Bedarf an Importkohle einen Dämpfer versetzen und die Preise am Kohle‐Weltmarkt belasten. Deshalb handeln heute die Kalenderjahre Base 2017 in Deutschland und der Schweiz ebenfalls tiefer bei 25.10 €/MWh sowie 31.20 €/MWh. Für die laufende Woche erwarten wir eine Stabilisierung auf dem aktuellen Niveau.

Wochenbericht 05.09.2016

In der Schweiz werden die Strompreise in der Grundversorgung im kommenden Jahr voraussichtlich im Mittel leicht sinken, das ergab eine Umfrage des Verbandes Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) bei 30 seiner grösseren Mitglieder. Demnach werden sich betriebliche Effizienzsteigerungen, Kosteneinsparungen beim Stromeinkauf und ein niedrigerer Kapitalkostensatz zur Verzinsung der Netze tendenziell preissenkend auswirken. Dem soll die vom Bund erhobene kostendeckende Einspeisevergütung zur Förderung der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien (KEV) entgegenstehen, die zum 1. Januar 2017 von 1.3 auf 1.5 Rappen je Kilowattstunde steigt. Das Bild der steigenden Strompreise lasse sich laut der Umfrage jedoch nicht beliebig auf alle Haushalte übertragen, betonte der VSE. Vielmehr werden die Strompreise für einige Kunden 2017 demnach wohl steigen, weil die Preisentwicklung bei den einzelnen Unternehmen stark von deren jeweiligen Charakteristika abhängt wie etwa der Höhe des Anteils der eigenen Produktion, den Ersatzinvestitionen in die Netzinfrastruktur oder der Beschaffungsstrategie.

Die Schweiz will den Schulterschluss mit dem Europäischen Emissionshandelssystem EU‐ETS rasch vollziehen. Nur dann könnten die emissionshandelspflichtigen Schweizer Unternehmen noch in der laufenden Verpflichtungsperiode (2013 bis 2020) von den Vorteilen des viel liquideren CO2‐Markts in der EU‐profitieren, heisst es in einer Mitteilung des schweizerischen Umwelt‐ und Energieministeriums (UVEK). Das Abkommen zwischen der Schweiz und der EU über die Verknüpfung der beiden Emissionshandelssysteme wurde Anfang 2016 unterzeichnet, muss aber vom Schweizer Parlament noch ratifiziert werden. Parallel dazu soll nach UVEK‐Angaben das Schweizer CO2‐Gesetz angepasst werden, um auch den Flugverkehr und fossil‐thermische Kraftwerke einzuschliessen.

Das Frontjahr Base handelt heute in Deutschland bei 26.05 €/MWh und in der Schweiz bei 32.10 €/MWh. Für diese Woche erwarten wir eine Seitwärtsbewegung mit Preisen zwischen 31.50 €/MWh und 32.50 €/MWh.

Wochenbericht 29.08.2016

Der Reaktorkern des Schweizer Atomkraftwerks Leibstadt muss für den nächsten Betriebszyklus neu ausgelegt und beladen werden. Daher steht der Meiler voraussichtlich acht Wochen länger still und dürfte demnach erst gegen Ende Oktober wieder ans Netz gehen. Die Neubeladung des Reaktorkerns erfordert komplexe und zeitintensive Berechnungen und Sicherheitsanalysen. Das Atomkraftwerk Leibstadt war am 2. August heruntergefahren worden. Die Jahreshauptrevision sollte ursprünglich knapp vier Wochen dauern.

Skeptisch haben sich die Analysten der Commerzbank zu Spekulationen über eine gemeinsame Aktion des Rohöls‐Förderkartells Opec geäussert. Diese hatten nach der Ankündigung des iranischen Ölministers, an dem Treffen der Ölproduzenten Ende September in Algier teilnehmen zu wollen, neue Nahrung erhalten. Die Abwesenheit des Iran bei dem Treffen in Doha im April hatte massgeblich zum damaligen Scheitern der Gespräche hinsichtlich einer Produktionsobergrenze geführt. Allzu hoch sollte man die Erwartungen aber auch diesmal nicht schrauben. Das hat der saudi‐arabische Energieminister deutlich gemacht. Dieser sieht keine Notwendigkeit für einen starken Eingriff am Ölmarkt und stattdessen die Marktkräfte von Angebot und Nachfrage am Werk. Saudi‐Arabien hat im Juli seine Ölproduktion auf ein Rekordniveau von 10.7 Millionen Barrel pro Tag ausgeweitet und dieses Produktionsniveau seither in etwa beibehalten. Eine Produktionsdeckelung auf diesem Niveau hätte somit ohnehin kaum eine angebotseinschränkende Wirkung, zumal auch andere wichtige Opec‐Produzenten auf einem Rekordniveau produzieren.

Die Frontjahre Base 2017 notieren gegenüber der Vorwoche fast unverändert bei 26.00 €/MWh in Deutschland und 31.50 €/MWh in der Schweiz. Die geringe Dynamik am Markt ist zum einen noch immer dem Sommerloch geschuldet, zum anderen aber auch dem Umstand, dass im Energiesektor insgesamt keine klare Tendenz erkennbar ist. Ob sich die Kalenderjahre im Seitwärtstrend behaupten können, hängt vor allem von der Kohle‐Entwicklung ab. Aktuell zeigt sich die Kohle gut behauptet mit 57.50 US‐Dollar je Tonne für das Frontjahr 2017. Für die laufende Woche erwarten wir einen Preisrange zwischen 31.00 €/MWh und 32.00 €/MWh.

Wochenbericht 22.08.2016

Der Betreiber BKW hat das Atomkraftwerk Mühleberg vom Netz genommen. Letzte Woche begann die rund vierwöchige Jahresrevision. Bei den Arbeiten werden 32 der 240 Brennelemente ausgetauscht und umfangreiche Prüfungen innerhalb und ausserhalb des Reaktordruckbehälters vorgenommen. Dazu gehört die jährliche Untersuchung des Kernmantels. Das Schweizer Atomkraftwerk Mühleberg verfügt über 373 Megawatt Nettoleistung.

Block 2 des Schweizer Atomkraftwerks Beznau ist dafür seit Donnerstag wieder am Netz. Der Atommeiler stand rund zwei Wochen lang still, da turnusgemäss ein Sechstel der insgesamt 121 Brennelemente ausgewechselt werden. Der Block 1 steht weiter still. Grund sind Materialfehler am Reaktordruckbehälter. Axpo hofft, dass dieser Reaktor Ende des Jahres wieder hochgefahren wird.

Norwegen will im Kampf gegen den Klimawandel drastische Massnahmen ergreifen. Wenn es nach der Regierung geht, sollen ab 2025 keine neuen Benzin‐ und Dieselfahrzeuge mehr zugelassen werden. Damit soll der Ausstoss von klimaschädlichen Abgasen verringert werden. Das ist ein wichtiger Punkt im Nationalen Transportplan, der derzeit im Land heftig diskutiert wird. Der Transportsektor ist für ein Drittel des CO2‐Austosses in Norwegen verantwortlich. Auch andere Verkehrsträger sollen umgekrempelt werden. Nach 2030 sollen alle neuen Schiffe und Fähren abgasfrei sein, im Flug‐ und im Schwerlastverkehr soll mehr Biotreibstoff eingesetzt werden. Das Land mit etwas mehr als fünf Millionen Einwohnern ist in Sachen E‐Mobilität bereits führend. In keinem anderen Staat in Europa werden gemessen an der Bevölkerung so viele Elektroautos verkauft. 15 Prozent aller neu zugelassenen Personenwagen fahren mit Strom.

Am langen Ende der Stromkurve gaben die Kalenderjahre bei mässigen Umsätzen deutlich nach. Gründe waren das schwache Umfeld im Kohle‐ und Gasmarkt. So verlor das Kohle‐Frontjahr mehr als 3 USD je Tonne und auch der Gasmarkt musste Abschläge hinnehmen. Die Rohölsorte Brent ist nach seiner Befestigung in der vergangenen Woche wieder unter die Marke von 50 USD je Barrel gerutscht. Für die laufende Woche erwarten wir für das Kalenderjahr 2017 Base in der Schweiz eine Handelsbandbreite zwischen 31.00 €/MWh und 32.00 €/MWh.

Wochenbericht 15.08.2016

Zwei Tochtergesellschaften des Schweizer Energieunternehmens BKW stärken ihre Zusammenarbeit. So gründen AEK Energie aus Solothurn und onyx Energie Mittelland in Langenthal eine gemeinsame Betriebsgesellschaft namens AEK onyx. Ab November dieses Jahres wollen die BKW‐Töchter über die neue Gesellschaft den Markt gemeinsam bearbeiten. Ziel ist es, Synergien beider Gesellschaften zu nutzen.

Nach Ansichten von Professoren der Universität Tsinghua in China und der London School of Economics in England könnte China die Spitze des Kohleverbrauchs bereits hinter sich haben. Gemäss einem Beitrag für das Fachmagazin Nature Geoscience waren für die Ökonomen die Jahre 2013/14 der Wendepunkt. 2013 erreichte der Kohleverbrauch in China 4.3 Milliarden Tonnen, 2014 sank der Verbrauch um 2.9 Prozent und 2015 um weitere 3.5 Prozent. Die Ökonomen sehen darin einen anhaltenden Trend. Aus ihrer Sicht gibt es gewichtige Gründe für diese Einschätzung. Chinas Wirtschaft wachse langsamer und wende sich von energieintensiven Strukturen ab. Gestützt wird der Umschwung durch die politischen Vorgaben zu den Themen Luftverschmutzung, Klimawandel und Effizienz. Dass es zu einer neuerlichen Trendwende kommt, wenn die Wirtschaft erst einmal wieder mehr Schwung aufnimmt, glauben die Professoren nicht. Das Wirtschaftswachstum hänge nicht länger mit dem Kohleverbrauch zusammen.

Die Ölpreise haben ihre Aufwärtsbewegung am Freitag fortgesetzt. Sie profitierten davon, dass Saudi‐Arabien seine Bereitschaft zu Stabilisierungsmassnahmen am Ölmarkt erklärte. Sollte die Notwendigkeit bestehen, derartige Massnahmen zu ergreifen, werde sich Saudi‐Arabien in Kooperation mit den Opec‐ und Nicht‐Opec‐Staaten daran beteiligen. Marktbeobachter interpretierten die Aussage so, dass das Land eine gemeinsame Förderkürzung unterstützen könnte.

Überwiegend fester notiert heute der Strommarkt. Marktteilnehmer führten die Aufschläge vor allem auf die höheren Kohle‐ und Ölpreise zurück. So handelt das Kohlefrontjahr wieder knapp über 60.00 US‐Dollar je Tonne. Eine starke Nachfrage aus Asien und Exportbeschränkungen in Indonesien sollten derzeit verhindern, dass der Kohlepreis wie von einigen Analysten erwartet bis auf 50 US‐Dollar sinken werde. Für die laufende Woche erwarten wir eine Handelsbandbreite zwischen 32.00 €/MWh und 33.00 €/MWh.

Wochenbericht 08.08.2016

Die Übertragungsnetzbetreiber, die in der Beschaffung von Primärregelreserve zusammenarbeiten, haben ihre gemeinsame grenzüberschreitende Auktion gestartet. Erstmals umfasste die Versteigerung auch den belgischen Bedarf. Das teilten der Übertragungsnetzbetreiber Elia aus Belgien und Swissgrid mit. Damit nehmen nun Regelreserveanbieter aus Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz, Österreich und Belgien an der grenzüberschreitenden Auktion teil, wobei belgische Anbieter über die deutsche Ausschreibungsplattform Zutritt haben. Dieser gemeinsame Primärregelmarkt ist der grösste in Europa mit einem Gesamtbedarf von zirka 800 Megawatt. Das entspricht über einem Viertel des Gesamtbedarfs im Synchrongebiet.

Laut einer Studie des Beratungsunternehmens PwC, hat die Blockchain‐Technologie theoretisch das Potenzial, die Energieversorgung der Zukunft massgeblich zu verändern. Blockchain ist eine Technologie für dezentrale Transaktionsplattformen, bei denen die üblichen Intermediären wie Börsen oder Plattformbetreiber wegfallen. Auf diese Weise entstehen neue Marktplätze, bei denen Konsumenten, Energieverbraucher und Erzeuger direkt in Transaktionen miteinander treten. Ein zentrales Element der Blockchain‐Technologie ist die dezentrale Speicherung und Verschlüsselung von Transaktionsdaten, wodurch die Vorgänge ein hohes Sicherheitsniveau erreichen sollen.

Der Softwareentwickler ProCom hat eine App veröffentlicht, mit der sich in Echtzeit das Geschehen des Intraday‐Stromhandels an der Börse Epex Spot nachverfolgen lassen soll. Die Anwendung „ITA mobile“ gibt für die Marktgebiete Deutschland/Österreich, Schweiz und Frankreich einen Überblick über Preise und Preistendenz aller Handelsprodukte inklusive des gehandelten Volumens. Der Anschluss weiterer europäischer Strombörsen ist geplant.

Das Frontjahr Base handelt heute in Deutschland bei 26.45 €/MWh und in der Schweiz bei rund 31.80 €/MWh. Die Strompreise sind vor allem letzten Donnerstag und Freitag deutlich gesunken. Grund für die Abschläge ist weiterhin der tiefere Kohlepreis. Wie sehr der Kohlepreis den Strommarkt momentan beeinflusst zeigt sich in der Tatsache, dass das Cal‐17 sowohl die steigenden Ölpreise am Donnerstagnachmittag als auch die Aufwärtsbewegung bei den CO2‐Zertifikaten am Freitag ignoriert hat. Für diese Woche erwarten wir einen volatilen Markt mit Preisen zwischen 31.00 €/MWh und 32.00 €/MWh.

Wochenbericht 02.08.2016

Russland und die Türkei nehmen die Gespräche über die geplante Gasleitung Turkish Stream wieder auf. Türkische Medien berichten, dass der russische Energieminister Alexander Novak die Einrichtung eines gemeinsamen Fonds für das Projekt angekündigt habe. Das Vorhaben war im vergangenen Herbst auf Eis gelegt worden, nachdem die Türkei einen russischen Kampfjet abgeschossen hatte. In den vergangenen Wochen haben sich die Beziehungen zwischen Ankara und Moskau jedoch wieder verbessert. Die Türkei will rund 16 Milliarden Kubikmeter russisches Erdgas pro Jahr über die Leitung transportieren.

Das weltweite Überangebot lastet momentan stark auf den Ölpreisen. Die saudische Aramco hat ihre Exportpreise in Richtung Asien so stark wie seit zehn Monaten nicht mehr gesenkt. Zudem sollen der Irak und Iran ihre Förderung im Juli deutlich ausgeweitet haben. Und Libyen plant, drei Häfen im Osten des Landes wieder zu eröffnen. Weitere bearishe Faktoren für Erdöl sind das wachsende russische Angebot und erste Anzeichen einer Erholung der US‐Produktion. Das Rohöl der Sorte Brent handelt heute bei rund 42.85 $/Barrel.

Der Verwaltungsrat des französischen Stromkonzerns EDF hat dem umstrittenen Bau von zwei Atomreaktoren im britischen Hinkley Point zugestimmt. Dies teilte das Unternehmen in Paris mit. EDF soll die Reaktoren mit dem chinesischen Konzern CGN bauen. Die britische Regierung will ihre Entscheidung im Herbst treffen. Vor der Sitzung des Verwaltungsrats trat ein Mitglied des Gremiums aus Protest zurück. Er wolle nicht eine Strategie unterstützen, hinter der er nicht stehe, schrieb Gerard Magnin in seinem Rücktrittschreiben. Bereits Anfang März war der EDF‐Finanzchef Thomas Piquemal zurückgetreten, weil er das Vorhaben für ein zu grosses finanzielles Risiko hält.

Das Frontjahr Base handelt heute in Deutschland bei 27.25 €/MWh und in der Schweiz bei rund 32.30 €/MWh. Die tieferen Strompreise sind mehrheitlich auf die schwächeren Kohle‐ und Ölnotierungen zurückzuführen. Kohle handelt im Cal‐17 jedoch weiterhin deutlich über 60 $/Tonne. Falls die Preise für Kohle in dieser Woche weiter fallen, erwarten wir ebenso tiefere Strompreise.

Strompreise auf dem Markt steigen wieder - wie lange?

Nach einem langanhaltenden Umfeld sinkender Strompreise stoppte die Negativspirale Mitte erstes Quartal 2016 erstmals. Seit Mai dieses Jahres erleben wir einen sehr volatilen Strommarkt mit deutlich höheren Preisen. Bei der regelrechten Rallye wurden mehrere Widerstände durchbrochen und neue Jahreshöchstwerte erreicht. Die steigenden Strommarktpreise sind vor allem auf zwei Primärenergieträger zurückzuführen: Rohöl und Kohle. Deshalb lohnt es sich, diese genauer anzuschauen und die preistreibenden Faktoren zu identifizieren.

Rohöl
Der Preis für Rohöl hat im zweiten Quartal 2016 mehrmals den chart-technischen Widerstand von 50 $/Barrel durchbrochen. Widerstände sind wichtige Indikatoren in der Chart-Analyse, um Annahmen über Preisentwicklungen zu treffen. Wird ein Widerstand durchbrochen, gilt eigentlich die Regel, dass die Preise deutlich steigen und der bisherige Widerstand zur Unterstützung wird. Lange Zeit haben sich die Terminkontrakte für Strom den Entwicklungen der Rohölpreise angepasst. Als die Marke von 50 Dollar passiert wurde, stiegen die Strompreise sprungartig an. Der Ölpreis hat sich jedoch nicht weiter verteuert und handelt seitdem auch unter 50 Dollar. Um das erklären zu können, müssen die Ereignisse eruiert werden, die den Ölpreis in den letzten Monaten beeinflusst haben:

  • Flächenbrände in Kanada und daraus resultierende Ausfälle der Produktionsstätten
  • Die Krise in Venezuela macht die Prognose für deren Erdölproduktion zu einem schwierigen Unterfangen.
  • Jahreszeitenbedingt steigt in den USA die Nachfrage nach Benzin.
  • Der US-Dollar wird schwächer und das in Dollar notierte Öl wird teurer.
  • Die Lagerbestände in den USA sind gesunken.

Damit Preise über einen längeren Zeitraum steigen können, braucht es fundamentale Treiber. Die Ereignisse der letzten Monate sind jedoch kurzfristiger Natur und keine Trendwende. Über den Marktteilnehmern schwebt eine Wolke der Unsicherheit, wie sich der mögliche Brexit oder die politisch motivierten Entscheidungen der erdölexportierenden Länder auf den Ölpreis auswirken.

Kohle
Würde man ein Kohle-Chart der letzten Monate über ein Strom-Chart legen, sähen die beiden Linien gleich aus. Das zeigt, dass neben den Ölpreisen auch die Kohlepreise wieder an Boden gewonnen haben und so der Strommarkt unterstützt wurde. Wiederum gilt es die aktuellen Preistreiber für die Kohlemärkte zu identifizieren:

  • Die Einspeisung der Photovoltaikanlagen sowie vor allem der Windkraftwerke ist unterdurchschnittlich.
  • Die Unterdeckung wird durch die Verstromung von Braun- und Steinkohle ausgeglichen.
  • Der US-Dollar wird schwächer und die in Dollar notierte Kohle wird teurer.
  • Der Widerstand von 50 $/Tonne wurde durchbrochen.

Die Grenzkosten für Kohlekraftwerke (Braun- und Steinkohle) liegen bei rund 25 bis 30 €/MWh. In der Merit-Order liegt die Kohle nach den Erneuerbaren und der Kernkraft an dritter Stelle. Durch die derzeitige Wetterlage ist die Einspeisung der Erneuerbaren aber unterdurchschnittlich. Die Fehlmengen werden durch Kohlestrom ausgeglichen und die Nachfrage nach Braun- und Steinkohle steigt. Da derzeit die Kohlekraftwerke die Grenzkraftwerke sind, wird der Strompreis durch ihre variablen Kosten von 25 bis 30 €/MWh bestimmt und angehoben. Die Erneuerbaren haben folglich einen grossen Einfluss darauf, wie sich die Nachfrage nach Kohle entwickelt und sich die Preise verändern. Mit dem weiteren, massiven Zubau von neuen Wind- und Solarkraftwerken ist aber zu erwarten, dass die Nachfrage nach Kohlestrom sinken wird. Trotzdem bestimmt dieser Primärenergieträger derzeit stark den Strompreis.

Unsicherheiten bleiben bestehen
Wir gehen kurzfristig von stark volatilen Strompreisen aus. Mittelfristig gibt es keine fundamentalen Faktoren, welche weiter steigende Preise rechtfertigen würden. Zudem gibt es weiterhin politische Unsicherheiten bezüglich den Rahmenbedingungen der Energiemärkte. So würde Frankreich gerne einen CO2-Mindestpreis von 30 €/Tonne Ausstoss einführen, die EU-Kommission lehnt die Vorlage aber ab. Die Verhandlungen zwischen OPEC-Mitgliedern und anderen Grossförderern wie Russland oder den USA sind zudem arg ins Stocken geraten. Falls sich die Kohlepreise wieder auf tieferes Niveau bewegen und keine Drosselung der Rohölförderung erfolgt, werden bei einem normalen Sommer und entsprechender Wind- und Photovoltaikeinspeisung die Strompreise tendenziell sinken. Joshua Tschan, Vertriebshandel, EBM Energie AG "