Aufwärtstrend wird vermutlich abflauen

Der Aufwärtstrend der Strompreise für das Frontjahr an der Börse seit Mitte 2017 bleibt intakt. Dennoch ist mit einer Deckelung zu rechnen.

Bis Ende des Jahres 2017 war das westeuropäische Stromsystem im letzten Winter etwas angespannt und reagierte empfindlicher auf strenge oder milde Wintertemperaturen wie auch auf Störungen.

So geschehen Mitte Dezember 2017, wo in Baumgarten an der österreichisch-tschechischen Grenze eine Gasstation explodierte. Die europäischen Gasmärkte reagierten darauf umgehend mit einem Preissprung und das schlug auf die Spot- und Terminpreise beim Strom durch. Kurzfristig war nicht absehbar, wie lange die Gasstation ausser Betrieb sein werde und ob die Preise weiter so stark steigen würden. Wie sich später herausstellte, war die Ausserbetriebnahme der Gasstation für die europäische Gasversorgung nicht weiter von Bedeutung.

Nur hatten wohl viele Strom- und Erdgaskunden ihre Portfolien zu diesem Zeitpunkt noch nicht geschlossen, was wiederum eine hektische Einkaufswelle nach sich zog und damit die Nachfrage noch zusätzlich anheizte, was erneut zu höheren Preisen führte. Da war man durch die Strategie des Zuwartens erfolgsverwöhnt und musste nun wohl oder übel in dieser Hektik den Erdgasbedarf und/oder Strombedarf für das Frontjahr an diesen Tagen noch eindecken. Die Reaktion am Markt zeigt, dass sich einige Marktteilnehmer verspekuliert und ihre Risiken nicht gestreut hatten.

Im Januar erfolgte mit dem milderen Wetterausblick eine kleine Entspannung und die Preise fielen bis auf 44 CHF/MWh. Die berühmte Dunkelflaute folgte Ende Februar doch noch, was wiederum der Start für eine Preisrally gab.

Es gibt mehrere Ursachen, die für weiterhin vergleichsweise hohe Strompreise sprechen. In Deutschland wie anderswo in Europa gehen in den kommenden Jahren bedeutsame Kraftwerkskapazitäten vom Netz. Die fehlenden Kapazitäten zu ersetzen, hat seinen Preis: Die Umgestaltung der Energielandschaft in Europa durch erneuerbaren Energien, Speichersysteme, Marktdesign etc. ist nicht gratis zu haben.

Die Gasspeicher wurden im letzten Winter geleert, bzw. es wurden in Europa historische Tiefststände bei den Gasspeichern verzeichnet. Entsprechend werden diese als Vorbereitung für den nächsten Winter wieder gefüllt werden, was im Sommer stabile bis steigende Gaspreise erwarten lässt.

Einen Sondereffekt lässt die Preise an den Weltmärkten für Kohle auf hohem Niveau verharren: In China darf ab diesem Sommer nicht mehr unlimitiert Kraftwerkskohle importiert werden, was aktuell zu Hamsterkäufen bei den betroffenen Gesellschaften führt.

Die internationalen Ölpreise sind aktuell ebenfalls auf hohem Niveau, was auf die weltpolitische Lage zurückzuführen ist. Durch die anziehende US-Produktion ist das Aufwärtspotenzial aber klar begrenzt.

Die Deckelung lässt sich auch bei den Strompreisen erahnen, so halten die Terminkontrakte für 2020 und 2021 aktuell nicht Schritt mit dem Frontjahreskontrakt. Insgesamt ergibt dies ein Bild mit vergleichsweisen hohen Strompreisen, deren inhärentes Aufwärtspotential begrenzt ist. Insbesondere wenn man sich die Tiefstpreise von 30 CHF/MWh im August 2016 bei normaler Marktlage vor Augen hält.