Energy Flash 04.09.2019

Im Monat August gingen die Strompreise per Saldo in allen Lieferfristen zurück. Grund für die schwachen Notierungen bei den Terminkontrakten ist nicht etwa die Preisentwicklung am Spotmarkt gewesen, auch wenn es hier wetterbedingt teilweise zu niedrigeren Preisen an einzelnen Tagen kam. Der Preisrückgang der Terminnotierungen am Schweizer Strommarkt liegt primär daran, dass bei den CO2-Emissionsrechten der August in diesem Jahr seinem Ruf als Monat mit positiver Preisentwicklung nicht gerecht wurde. Im Gegenteil, der im Dezember 2019 fällige EUA-Future an der ICE fiel gegenüber dem Schlussstand vom 1. August bei 29.45 Euro je Tonne bis auf 24.81 Euro, was einen Verlust um bis zu 15.8 Prozent bedeutet. In der letzten Augustwoche konnten sich die EUA-Futures zwar etwas erholen, mit 26.32 Euro pro Tonne blieb im Monatsvergleich allerdings immer noch ein Minus, das auch die Strompreise mit nach unten zog. Marktkommentaren einiger Händler zufolge hätten sich wohl einige Spekulanten hinsichtlich des saisonalen Musters bereits im Juli mit EUA-Futures eingedeckt und seien im August zu Gewinnmitnahmen geschritten. Dies dürfte allerdings nicht der wesentliche Grund für die negative Preisentwicklung sein. Vielmehr wurde der Markt mit der Eskalation des US-Handelskriegs gegen China durch die Ankündigung der Strafzölle auf restliche US-Importe aus China auf dem falschen Fuß erwischt. Der grösste Teil der Strafzölle trat am vergangenen Sonntag in Kraft und der Zollsatz wurde nach Gegenmaßnahmen von China auch noch von 10 auf 15 Prozent erhöht. Hierdurch sind die Befürchtungen negativer Auswirkungen auf das globale BIP-Wachstum weiter gestiegen. Die aktuell schwächere Weltkonjunktur bremst auch die Schweizer Wirtschaft. Zudem belastet die grosse Unsicherheit die Investitionstätigkeit der Unternehmen in ihre Produktionskapazitäten. Wächst die Wirtschaft langsamer als erwartet oder sinkt das BIP sogar, dann nimmt auch der Bedarf der Industrie nach CO2-Emissionsrechten ab. Wird dies dann nicht durch einen wetterbedingt höheren Bedarf für den Einsatz von Kohle und Gas für die Stromproduktion kompensiert, so kommt es zu einem Überangebot und fallenden Preisen der CO2-Emissionsrechte, auch wenn das saisonale Muster eigentlich für höhere Notierungen der EUA-Futures sprach. Fallende Preise der CO2-Emissionsrechte drücken dann auch die Strompreise kräftig nach unten.

Von den Erneuerbaren-Energieträgern ging ebenfalls kein hinreichender Impuls für höhere Strompreise aus, da eine geringere Stromproduktion von den Windparks teilweise von einer höheren Erzeugung durch Photovoltaik kompensiert wurde. Im Gegenteil, bei Kohle führten die Erwartungen eines geringeren Wirtschaftswachstums oder gar eines Abgleitens in eine Rezession dazu, dass auch die Notierungen der ICE-Futures auf ARA-Kohle nachgaben. Bei den Terminnotierungen für Erdgas in den kontinentaleuropäischen Marktgebieten gaben das Frontquartal und Kalenderjahr jeweils nach. Lediglich beim Frontmonat ging es durch den Kontraktwechsel nach oben. Auch der letzte fossile Energieträger Öl lieferte im Vier-Wochen-Vergleich kein signifikanter Impuls für die Strompreise, auch wenn hier der Preisrückgang vom 60.50 am Monatsanfang auf 60.43 US-Dollar je Barrel zum Monatsultimo geringer ausfiel.