Energy Flash 05.06.2019

Bis zum Jahr 2038 müssen nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) etwa 53.8 Gigawatt (GW) Kraftwerks­kapazität in Deutschland ersetzt wer­den. Im Zuge des Atomausstiegs ent­fallen bis 2022 etwa 10.8 GW gesi­cherter Leistung, durch den Kohleaus­stieg weitere 43 GW bis 2038, wie der BDEW am Montag mitteilte. Diese Leis­tung müsse durch intelligente Technolo­gien und Konzepte für ein jederzeit sta­biles Stromversorgungssystem ergänzt werden. Zusammen mit den Investitio­nen in erneuerbare Energien ergibt sich laut BDEW so für die Energiebranche die Chance auf neues Wachstum. Der Verband nannte vornehmlich den Neu­bau von Gaskraftwerken, Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen und Speichertech­nologien. Bei den Speichern seien vor allem sektorübergreifende Energiespei­cher - Power-to-X - von Bedeutung.

Das Kernkraftwerk Leibstadt (KKL) ist am Montag planmässig für die knapp vier Wochen dauernde Jah­reshauptrevision vom Netz genom­men worden. Während den nächs­ten vier Wochen werden im Reaktor­kern 120 von insgesamt 648 Brenne­lementen ausgetauscht. Voraussicht­lich am 3. Juli soll Leibstadt wieder ans Netz gehen. Externe und interne Spezialisten unterziehen im Rahmen der Revisi­onsarbeiten zudem alle im vergange­nen Jahr neu eingesetzten Brennele­mente einer Inspektion. Daneben finden Instandhaltungs­arbeiten und Prüfungen an Syste­men und Komponenten statt. Eben­so erfolgt eine weitere Garantieins­pektion der beiden Wasserabschei­der-Zwischenüberhitzer. Diese zwei im Maschinenhaus eingebauten Gross­komponenten waren während der Jahreshauptrevision 2017 ersetzt wor­den. Die 500 Mitarbeiter des Kern­kraftwerks werden auch in diesem Jahr von rund 1‘000 externen Fach­kräften unterstützt.

Nach einem Erdbeben der Stärke 3.4 in der vergangenen Woche fordert die niederländische Regulierungsbehörde für den Gassektor, SodM, die Reduzierung der Erdgasförderung in der Region Groningen um knapp 40 Prozent. Ab dem kommenden Gasjahr würden damit nur noch jährlich maximal 12 Milliarden Kubikmeter Gas gefördert werden, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Ein Sprecher der niederländischen Regierung hat dieser Forderung jedoch eine Absage erteilt. Es sei sehr schwierig, die Fördermenge so schnell zu reduzieren, hiess es: „Wir suchen nach Möglichkeiten, um die Förderung schneller als bisher geplant zu reduzieren, aber eine Senkung auf unter 12 Milliarden Kubikmeter bereits im kommenden Jahr hätte gravierende Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit“, so der Sprecher. Der Regulierer argumentiert jedoch, ein gewisses Risiko für die Versorgungssicherheit müsse man in Kauf nehmen, um die Risiken für die Einwohner der Region Groningen zu senken. Die Regierung will im Juni einen vorläufigen Plan für die Produktion ab Oktober veröffentlichen. Die bisherige Planung sieht vor, die Erdgasförderung in Groningen von derzeit etwa 19.4 Milliarden Kubikmeter jährlich auf 15.9 Milliarden zu senken.

Die Zukunft der Kernenergie in entwickelten Volkswirtschaften ist ungewiss, da alternde Anlagen in diesen Volkswirtschaften all­mählich stillgelegt werden. Dies sei sowohl auf die Ausstiegspo­litik zurückzuführen als auch auf wirtschaftliche und regulatorische Faktoren, so die Internationale Energieagentur in einer neuen Stu­die. Ohne politische Änderungen könnten fortgeschrittene Volks­wirtschaften bis 2025 rund 25 Pro­zent ihrer nuklearen Kapazität und bis 2040 sogar zwei Drittel davon verlieren, heisst es in dem neuen Bericht Nuclear Power in a Clean Energy System der Internationa­len Energieagentur (IEA). Wenn die Lebensdauer bestehender Kern­kraftwerke nicht verlängert wird und neue Projekte nicht ange­gangen würden, könnten zusätz­lich 4 Milliarden Tonnen CO2 emit­tiert werden. Viele Länder sähen nach wie vor eine Rolle für die Nuklearindus­trie bei ihrer Energiewende, tun dem Bericht zufolge aber nicht genug, um ihre Ziele zu erreichen. Der Bericht wird während des 10. Clean Energy Ministerial im kana­dischen Vancouver veröffentlicht. In den meisten fortgeschrittenen Volkswirtschaften sind langanhal­tende Perioden niedriger Gross­handels-Strompreise zu beobach­ten, Laut der IEA erhöht dies für Kernkraftwerke das Risiko, vorzei­tig vom Netz genommen zu wer­den. So hätten in den USA rund 90 Kernkraftwerke eine Lizenz für eine Betriebszeit von 60 Jah­ren. Einige seien allerdings schon vorfristig aus dem Markt ausge­schieden, bei etlichen anderen werde dies erwogen. „Ohne einen bedeutsamen Beitrag der Kernen­ergie ist die globale Energiewende sehr viel schwieriger umzusetzen“, resümierte IEA-Executive Director Fatih Birol.