Energy Flash 09.10.2019

Das schweizerische Bundesamt für Energie erwägt eine längere Laufzeit für die Kernkraftwerke. Laut Angaben der Neuen Zürcher Zeitung wurde bisher davon ausgegangen, dass die Kernkraftwerke in der Schweiz 50 Jahre lang betrieben werden. Dies ergäbe als Enddatum 2034 für die Atomkraft in der Schweiz, wenn das jüngste AKW, Leibstadt, 50 Jahre Betriebszeit erreicht hat. Derzeit revidieren die Fachleute des Bundes jedoch die Szenarien; sie sollen nächstes Jahr vorliegen. Fest steht bereits: Neu wird in den Szenarien auch mit einer Betriebsdauer der AKW von 60 Jahren gerechnet. Dies ergäbe ein Auslaufdatum 2044. „Die Realität hat die bisher unterlegten 50 Jahre überholt“, sagt BFE-Sprecherin Marianne Zünd. Einerseits gehe Mühleberg bereits dieses Jahr nach 47 Betriebsjahren vom Netz. Andererseits trete Beznau 1 dieser Tage in sein 51. Betriebsjahr. „Wir können das Szenario nicht mehr mit nur 50 Jahren machen. Es geht darum, die Modellrechnung mit 60 Jahren näher entlang der Realität zu zeichnen“, sagte Zünd.

Einen Verlust von knapp 2 Euro in nur drei Tagen weist der Dec-19-Kontrakt am Emissionsmarkt aus. Neben schwachen Konjunkturdaten drücken die Brexit-Unsicherheit und ein negatives charttechnisches Bild, nachdem Anfang letzte Woche die 200-Tage-Linie bei knapp 25 Euro nach unten durchbrochen wurde, heisst es dazu von den Analysten der Commerzbank. Ein Marktbeobachter wies darauf hin, dass der Markt akut vor allem von den Brexitsorgen belastet werde. Die Rede des britischen Premierministers Boris Johnson auf dem Tory-Parteitag sei in Brüssel und Dublin nicht wohlwollend aufgenommen worden. Möglicherweise hätten einige britische Adressen bereits die Geduld verloren und werfen die Zertifikate auf den Markt, von denen sie annehmen, dass sie sie nach dem 31. Oktober nicht mehr benötigen werden. Am Donnerstag allein verlor der Markt gut einen Euro. Der Umstand, dass die deutschen Handelstische feiertagsbedingt nicht besetzt waren, sei nicht der Hauptauslöser des Kursrutsches gewesen, so der Marktbeobachter weiter. Die nächsten Unterstützungen für die Zertifikate sieht er bei 23 Euro, die allerdings nur psychologisch, nicht technisch eine gute Haltemarke seien, bei 22.72 Euro (Fibonacci) und schliesslich bei 20.50 Euro, dem Tief vom März. Mit weiteren Abgaben müsse gerechnet werden, so dieser Marktbeobachter, da sich keine Besserung des Marktumfelds abzeichne.

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat das geplante Klimapaket der Bundesregierung gelobt. „Dies ist das erste seiner Art“, sagte der Exekutivdirektor Fatih Birol anlässlich der Globalen Ministerkonferenz zur Systemintegration von erneuerbaren Energien in Berlin, die von der IEA und dem Bundeswirtschaftsministerium organisiert wurde. Seine Agentur habe die Massnahmen einem internationalen Vergleich unterzogen, und er wolle der Bundesregierung zu diesem „mutigen“ Schritt gratulieren. Von Deutschland sei bei der UN-Klimakonferenz in New York eine der wenigen konkreten Zusagen gekommen, lobte der IEA-Direktor. Allerdings brauche es grössere Anstrengungen beim Ausbau von Windenergie an Land und bei der Dekarbonisierung des Verkehrs. Weltweit seien die sinkenden Kosten von Energie aus Wind und Sonne eine grosse Chance. „Die Stromversorgungssysteme müssen jedoch flexibler werden und das Marktdesign muss angepasst werden, um unbeabsichtigte Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit zu vermeiden“, so Birol.