Energy Flash 10.07.2019

Die von Russland angeführte Staatengruppe, die mit der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) eine Allianz bildet, hat eine Verlängerung der Förderkürzung um neun Monate gebilligt. Im Dezember 2018 hatte die Allianz beschlossen, die Ölproduktion um 1.2 Millionen Barrel pro Tag zu drosseln. Ausserdem besiegelte die OPEC einen langfristigen Kooperationsvertrag mit Russland, womit sie eine vor zwei Jahren gegründete Partnerschaft verlängerte. Diese Partnerschaft richtet sich gegen die Ölschwemme aus den USA, die die Preismacht des Kartells stört. Dass sich die OPEC nun auf eine Verlängerung um gleich neun Monate einigen konnte, werten Analysten als deutliches Zeichen der Einigkeit. Die OPEC sei offensichtlich sehr bestrebt, Einigkeit und Handlungsfähigkeit zu zeigen. Die Analysten sind aber dennoch skeptisch, ob sich letztlich alle Länder an ihre Zusagen halten werden. Vor allem für Saudi-Arabien ist es wichtig, dass der Ölpreis weiter steigt. Laut einer Berechnung des Internationalen Währungsfonds benötigt Saudi-Arabien einen Ölpreis von etwa 85 USD pro Barrel für einen ausgeglichenen Staatshaushalt. Saudi-Arabien hat zuletzt seine Ölförderung deutlich stärker gekürzt, als es mit Blick auf die Absprachen nötig gewesen wäre. Die 14 OPEC-Staaten pumpen gemeinsam rund ein Drittel des gesamten Ölangebots aus dem Boden, die 24 „OPEC+“ Staaten gemeinsam fast die Hälfte. Insgesamt liegt das Ölangebot bei rund 99 Millionen Barrel Öl pro Tag, während die Nachfrage laut der IEA für 2019 im Schnitt bei 100.4 Millionen Barrel pro Tag liegt.

Die Stimmung am Kohlemarkt hat sich etwas aufgehellt. Ein bullisher Faktor ist unter anderem der derzeit recht hohe Kohlebedarf im asiatischen Raum. Der erneut gestiegene Baltic Dry Index legt nahe, dass die Nachfrage nach Trockenfrachten weiterhin sehr hoch ist. Dies zeigen die monatlichen Importdaten für China und Indien. Der Baltic Dry Index ist ein wichtiger Preisindex für das weltweite Verschiffen von Hauptfrachtgütern, hauptsächlich Kohle, Eisenerz und Getreide. Die Frachtraten werden ausschliesslich aus den Angaben von Schiffsmaklern, Reedern und Charterern ermittelt. In den Preis fliessen nur die reale Nachfrage und das reale Angebot für den Transport von Rohstoffen auf Standardrouten ein. Auch der Blick auf die Charttechnik zeigt verbesserte Aussichten für die Kohlepreise. Zwar dürfte es für die Kohlenotierungen weiterhin schwierig sein, nachhaltig zuzulegen, aber das Umfeld ist deutlich freundlicher als noch im Juli. Ein Test der psychologischen Marke von 70.00 USD ist nicht auszuschliessen.

In Deutschland sind die Gaseinspeicherungen etwas zurückgegangen. Die geringeren Lieferungen sowie höhere Spotpreise haben die Einspeicherungen etwas gebremst. Dennoch stieg die Auslastung der Kapazitäten von 80.7 Prozent auf 82.7 Prozent. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres lag die Kapazitätsauslastung nur bei 49.5 Prozent. Mit den jährlichen Wartungsarbeiten an der Jamal-Pipeline könnte weniger Gas aus Russland geliefert werden, sodass auch die Einspeicherungen abnehmen könnten. Die Jamal-Leitung ist eine knapp 4‘200 km lange Pipeline, durch die Erdgas von der Jamal-Halbinsel in Sibirien durch Russland, Weissrussland, Polen bis nach Deutschland transportiert wird. Dennoch bleibt die Gefahr bestehen, dass in der Sommersaison die Gasspeicher vollständig gefüllt werden. Das Wetter könnte hinsichtlich der durchschnittlichen Tagestemperaturen zu einer Belastung für die Gaspreise an den Spotmärkten werden. Für Deutschland und die Schweiz sagen die jüngsten Prognosen des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersagen einen erneuten Anstieg der Temperaturen im Tagesmittel voraus.