Energy Flash 11.09.2019

Beachtlich ist die Entwicklung bei den CO2 Emissionsrechten vor dem Hintergrund der Entwicklung im UK. Boris Johnson hat zwei bittere Abstimmungsniederlagen erlitten und verlor die Handlungsfreiheit. Sein Trick mit der Zwangspause hat sich gerächt, denn das Unterhaus brachte in den wenigen Sitzungstagen ein Gesetz durch, dass einen Antrag auf Verschiebung des Termins für den Brexit vorsieht, wenn nicht bis Mitte-Oktober ein Austrittsvertrag verabschiedet wird. Das Gesetz passierte auch das Oberhaus. Zu vorgezogenen Neuwahlen dürfte es auch nicht kommen, denn Boris Johnson hat sein Vertrauen bei den Parlamentariern verspielt und benötigt hierfür eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Insgesamt bedeutet diese Entwicklung im UK, dass das Risiko eines harten Brexit ohne Abkommen deutlich geringer wurde. Aber noch besteht ein Restrisiko, dass ein Mitgliedsland der EU einem solchen Antrag nicht zustimmen könnte. Dennoch ist auch die Wahrscheinlichkeit für eine Verkaufswelle von CO2-Emissionsrechten seitens britischer Unternehmen geringer geworden, was eigentlich die Preise unterstützen sollte. Die Querelen um den Brexit wirken sich auch auf das spekulative Element im CO2-Markt aus. Es gibt deutlich weniger spekulatives Interesse im Markt als noch vor einem Jahr. Der Open Interest an der Börse auf Call- und Put-Optionen ist um 57 Millionen Tonnen niedriger als vor Jahresfrist. Dabei gibt es mehr Calls (Open Interest bei 299 Millionen Tonnen) als Puts (Open Interest bei 211 Millionen

Tonnen).

Saudi-Arabiens König hat den Energieminister von seinem Posten entbunden und als Nachfolger seinen eigenen Sohn und Bruder des Kronprinzen ernannt. Es wird erwartet, dass der neue Energieminister die Politik seines Vorgängers fortsetzt oder noch verschärft, um das Ölangebot knapp zu halten. In den vergangenen Monaten hatte Saudi- Arabien die Ölproduktion deutlich stärker gekürzt als laut OPEC-Plus-Abkommen eigentlich notwendig wäre. China hat im August wieder deutlich mehr Rohöl importiert. Gemäss Daten der chinesischen Zollbehörde beliefen sich die Einfuhren auf 42.17 Millionen Tonnen. Das waren gut 1 Millionen Tonnen bzw. 3 Prozent mehr als im Vormonat. Das Vorjahresniveau wurde um knapp 10 Prozent übertroffen. China bleibt damit die wichtigste Säule für das Wachstum der Ölnachfrage in diesem Jahr. Ein Teil des importierten Rohöls wird allerdings in Form von verarbeiteten Ölprodukten wieder exportiert. Analysten rechnen in den kommenden Monaten mit einem recht stabilen Ölpreis von durchschnittlich 60 USD je Barrel. Es wird nicht erwartet, dass der Preis deutlich unter die 60 USD fallen wird, insbesondere nicht angesichts des Willens der OPEC und vor allem Saudi-Arabiens, die Preise zu stabilisieren.

Die europäischen Gasspeicher sind bereits zu über 95 Prozent gefüllt und es könnte theoretisch noch etwa vier Wochen eingespeichert werden. Die Speicher dürften daher bereits vor dem Ende der Speichersaison voll sein, was weiter auf die Spot-Preise drücken dürfte. Auch die LNG-Mengen, die derzeit noch nach Europa kommen, drücken auf die Preise. Die Tatsache, dass auch der Frontmonat Oktober im Fahrwasser der Spotpreise in den vergangenen Tagen nachgegeben hat, dürfte LNG-Lieferungen nach Europa für die USA aber zunehmend unattraktiv machen, sodass ein Teil dieser Mengen nach Asien gehen könnte, wo die LNG-Preise im Vergleich derzeit noch etwas über den europäischen Gaspreisen liegen. Spätestens im Oktober- sollte dieser nicht allzu mild ausfallen - könnte dann aber eine Gegenbewegung einsetzen.