Energy Flash 14.08.2019

Analysten sehen aktuell nur noch ein begrenztes Abwärtsrisiko für die Ölpreise und rechnen in den kommenden Wochen mit einer leichten Preiserhöhung bei Brent auf 60 US-Dollar pro Barrel. Vom Mitte vergangener Woche verzeichneten 7-Monatstief hat sich Brent mittlerweile rund 3 US-Dollar erholt. Selbst der alles andere als optimistisch klingende Nachfrageausblick der Internationalen Energieagentur hat die Preise nicht erneut unter Druck gebracht. Zudem erwartet die IEA im zweiten Halbjahr 2019 ein beträchtliches Angebotsdefizit am Ölmarkt, sofern die OPEC die aktuelle Ölproduktion von 29.7 Millionen Barrel pro Tag beibehält. Dafür dürfte Saudi-Arabien sorgen. Vor dem Hintergrund des aktuell schwachen Ölpreises versucht Saudi-Arabien offenbar mit allen Mitteln, den Ölmarkt zu stabilisieren. Wie Analysten weiter mitteilten, soll Saudi-Arabien jetzt angekündigt haben, dass die Ölexporte des Landes auch im September bei weniger als 7 Millionen Barrel pro Tag liegen werden. Demnach laufen sich die Zuteilungen der Fördergesellschaft Saudi Aramco an die Kunden zurzeit auf insgesamt rund 700‘000 Barrel pro Tag unter der angefragten Menge. Tatsächlich hätte Saudi-Arabien 10.3 Millionen Barrel pro Tag produzieren können, um die Nachfrage zu bedienen. Danach soll die Ölproduktion im September sogar im Vergleich zum August nochmals gedrosselt werden. Im Juli hatte die Fördermenge des Landes nach Angaben der IEA bei 9.65 Millionen Barrel pro Tag gelegen.

Marktteilnehmer gehen von weiteren Abgaben für das Kohlefrontjahr aus. Die Unterstützung bei 65 US-Dollar wurde letzte Woche durchbrochen. Zurückzuführen ist dies neben der Eskalation im Handels- und Währungsstreit zwischen den USA und China auch auf den Umstand, dass China im ersten Halbjahr 2019 die Genehmigung neuer Kohleminen gegenüber dem Vorjahr spürbar erhöht und deren Kapazität fast verfünffacht hat. Zudem sind die Kohlevorräte der sechs grossen Stromerzeuger Chinas nach wie vor sehr hoch. Darüber hinaus sind zuletzt insbesondere die Kohleexporte Australiens spürbar gestiegen. Alles in allem bleibt das Umfeld für den Kohlemarkt negativ.

Die Gas-Kapazitätsauslastung in Deutschland stieg auf 89.7 Prozent. Im vierten Quartal 2018 lag das Hoch bei 87.90 Prozent. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres waren die deutschen Gasspeicher jedoch nur zu 62.4 Prozent ausgelastet. Bis zum Hoch wurden also in 2018 noch 25.5 Prozent der Kapazität eingespeichert. Dies ist in diesem Jahr nicht mehr möglich. Die kommenden Lieferungen aus Russland sind jedoch entweder abzunehmen oder dennoch zu bezahlen. Sind die Speicher randvoll gefüllt, dann ist es aber weiterhin wirtschaftlich, das Gas abzunehmen und zu verkaufen, solange der Erlös noch höher als die zusätzlichen Kosten für Transport und Einspeisung ins Netz sind. Von daher könnten die Gaspreise in Europa in den kommenden Wochen noch unter Druck geraten. Es wird dann auch davon abhängen, wie sich die Temperaturen im Oktober und November entwickeln, ob es dann durch Ausspeicherungen zu einer Entspannung kommt oder nicht.