Energy Flash 16.10.2019

Für die beiden international führenden Rohölsorten Brent und West Texas Intermediate (WTI) gingen die Notierungen bis zur Mitte der Vorwoche nicht wie erwartet nach oben, allerdings drehten diese sich ab der zweiten Wochenhälfte ins Plus. Zu der Erholung trugen insgesamt drei Faktoren bei. Zum einen erklärte der OPEC-Generalsekretär Barkindo am vergangenen Donnerstag, dass die OPEC+ beim Treffen im kommenden Dezember auch über die Ölförderung in 2020 beraten wird und alle Optionen offen seien. Schnell wurde die Meldung von Händlern als eine Produktionskürzung interpretiert, obwohl dies noch nicht entschieden ist. Der zweite Faktor war der vom Iran gemeldete Anschlag durch zwei Raketen auf einen iranischen Tanker im Roten Meer vor Saudi-Arabien. Die Meldung liess die Notierungen kräftig steigen, da die geopolitische Risikoprämie wieder zunahm. Da sich der Tanker in internationalen Gewässern vor Saudi-Arabien befand, wurde zunächst der Verdacht geäussert, dass der Anschlag auch aus diesem Land gekommen sein könnte. Aber der Iran zog dies noch am Freitag wieder zurück. Der dritte Faktor waren die Hoffnungen auf ein Abkommen zur Beendigung des Handelskriegs der USA gegen China, die die Ölpreise am Freitag beflügelten. Allerdings kann die Übereinkunft zwischen China und USA bestenfalls als Minimalkompromiss zur Abwendung weiterer US-Strafzölle angesehen werden. Von einem Ende des Handelskriegs ist man noch weit entfernt.

Für die Preisbewegungen bei Strom in der Vorwoche, insbesondere beim Cal 20 war jedoch nicht die Preisentwicklung am Ölmarkt der Hauptfaktor, auch wenn sich die Strompreise auffällig am Preisverlauf von Brent und Gasöl orientiert hatten, sondern vielmehr die Entwicklung bei den CO2-Emissionsrechten. Der im Dezember 2019 fällige EUA-Future an der ICE konnte sich zu Beginn der Vorwoche zunächst leicht erholen, fiel jedoch am Dienstag wieder deutlich zurück und erreichte das Wochentief bei 22.03 Euro je Tonne. Belastet wurden die Notierungen von Aussagen aus London nach einem Telefonat vom britischen Premierminister Boris Johnson mit der Bundeskanzlerin Merkel, wonach ein Abkommen nahezu unmöglich sei. Der Markt befürchtete somit einen harten Brexit und weitere Verkäufe seitens britischer Unternehmen. Aber zum Wochenschluss kamen mit dem Treffen von Boris Johnson und seinem irischen Amtskollegen Leo Varadkar Hoffnung auf, dass doch noch ein Durchbruch für ein Austrittsabkommen erzielt werden könnte. Zusammen mit den Aussichten auf ein Teilabkommen zwischen den USA und China führte dies zu einem deutlichen Anstieg des EUA-Futures, der im Wochenvergleich um 6.5 Prozent auf 24.44 Euro je Tonne zulegte. Wie nachhaltig der Anstieg der CO2-Preise und damit auch für den Strom ist, bleibt abzuwarten, was die weiteren Gespräche bis Ende dieser Woche bringen werden. EU-Diplomaten wollten keine Prognose über den Ausgang wagen, liessen trotz Annäherungen aber auch Skepsis durchblicken. Gäbe es bis zum 19.10.2019 keinen Deal, muss Boris Johnson von Gesetzes wegen bei der EU noch einmal eine Verlängerung des Austrittsdatums beantragen, was der Premier bisher kategorisch ausgeschlossen hat. Allerdings sagte er auch nebulös, dass er das Gesetz natürlich einhalten werde.