Energy Flash 17.07.2019

Der gesamte Strommarkt wurde am Montag, nach Einschätzung von Händlern, vor allem durch die anhaltende Rally am CO2-Markt, sowie das insgesamt feste Umfeld gestützt. Hohe Temperaturen und eine eher geringe Windeinspeisung sorgen dabei auch für feste Gaspreise: Ein Blick auf die Clean Spark und Dark Spreads verrät, dass Gas für den Day-ahead und den Frontmonat wettbewerbsfähiger ist als Kohle. Diese Faktoren treiben auch die Preise am langen Ende des Strommarktes, wobei kaum noch auseinander zu halten ist, ob die Strompreise dieser Tage den CO2-Markt stützen oder umgekehrt. Das kurze und das lange Ende stützen sich also gegenseitig. Die derzeitige Lage zeigt sehr schön, wie eng die Energiemärkte untereinander und jeweils auch mit dem CO2-Markt verbunden sind. Bei keinem der Energieträger lässt sich der derzeitige Preisanstieg isoliert betrachten. Das Strom-Cal-20 kletterte am Montag über die Marke von 53.00 Euro, am CO2-Markt lag der Benchmark-Kontrakt Dec-19 am Nachmittag mit 29.30 um 0.51 Euro über dem Vortagesschluss. In der Spitze war der Kontrakt auf 29.50 Euro geklettert. Grund für die Rally bei den Zertifikaten sind nach Einschätzung von Händlern neben den zuvor beschriebenen Entwicklungen an den Energiemärkten auch die verringerten Auktionsvolumina im August, die bei vielen Marktteilnehmern zu einer vorausschauenden Eindeckung führen, sowie das Urteil des EuGH zur kostenlosen Zuteilung für Heizkraftwerke. Die kostenlos zugeteilten Zertifikate müssen rückwirkend zurückgegeben werden. Die betroffenen Anlagen müssen entsprechend Zertifikate kaufen.

Nach Abschluss des jährlichen Brennelementewechsels und der damit verbundenen Revision darf das Atomkraftwerk Brokdorf (Kreis Steinburg) wieder ans Netz gehen. Aufgrund erhöhter Oxidation an Brennelementen darf der Meiler aber weiter nur mit bis zu 95 Prozent Leistung laufen, wie das für die Atomaufsicht zuständige Energieministerium in Kiel mitteilte. Der Reaktor war am 8. Juni für die Arbeiten vom Netz genommen worden. Betreiber PreussenElektra will den abgesicherten Modus laut Ministerium bis zum Ende der Restlaufzeit fortsetzen. Das Kraftwerk mit einer elektrischen Leistung von rund 1‘480 Megawatt und rund 500 Mitarbeitern muss spätestens am 31. Dezember 2021 endgültig vom Netz. Es war im Oktober 1986 in Betrieb genommen worden.

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) hat die Wachstums-prognose für die Ölförderung ihrer nicht kartellgebundenen Konkurrenten für dieses Jahr gesenkt. In ihrem monatlichen Ölmarktbericht reduzierte die OPEC ihre Prognose für das Angebotswachstum 2019 ausserhalb der OPEC auf 2.05 Millionen Barrel pro Tag. Diese Zahl markierte einen Rückgang von 95‘000 Barrel pro Tag. „Obwohl nach wie vor grosse Unsicherheiten bestehen, gehen die aktuellen Wachstumsprognosen nicht von weiteren Abwärtsrisiken aus, insbesondere davon, dass die Handelsstreitigkeiten nicht weiter eskalieren“, hiess es in dem Bericht. Dennoch dürfte die Reduzierung der Förderprognose wenig dazu beitragen, die Anleger zu beruhigen, die sich Sorgen um eine wachsende globale Ölschwemme machen. Die Ölvorräte der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) stiegen im Mai um 41.5 Millionen Barrel, was einen deutlichen Anstieg gegenüber dem Plus im April bedeutet. Die US-Rohölproduktion stieg indessen um 246‘000 Barrel pro Tag, hiess es im Bericht. Auch Saudi-Arabien, das mehr als seinen Anteil an den Angebotskürzungen übernommen hat, trug mit einer Produktionssteigerung von 112‘000 Barrel im Juni zu steigenden Lagerbeständen bei. Auch Nigeria verzeichnete im Juni einen Produktionsanstieg von 307‘000 Barrel. Um den steigenden globalen Lagerbeständen entgegenzuwirken und die Ölpreise zu stützen, haben sich die OPEC und ihre Verbündeten im Juni darauf geeinigt, ihre laufende Produktionssenkung um weitere neun Monate zu verlängern. Der Markt zeigte sich jedoch enttäuscht von der Ankündigung, da der Ölpreis im Zuge der Ankündigung stark gefallen war. Die Investoren nannten eine Reihe von Gründen, darunter die Dauer der Verlängerung, als Zeichen für mangelndes Vertrauen in den Markt; zudem dürfte eine künstliche Angebotsknappheit, die bald in ihr viertes Jahr eintreten wird, nicht ewig anhalten. Derzeit konzentrieren sich die Anleger auf prognostizierte Stürme im Golf von Mexiko - ein Drittel der Produktionskapazität der Region ist bereits geschlossen - sowie auf immer häufiger auftretende Scharmützel zwischen dem Iran und westlichen Nationen im Persischen Golf.