Energy Flash 25.09.2019

Die Meldung vom 10.09.2019 des französischen Stromproduzenten EDF, dass das Tochterunternehmen Framatome bei einigen Bauteilen, die in Kernkraftwerken verbaut wurden, Abweichungen von den technischen Standards festgestellt wurden, schockte der Energiemarkt. EDF machte dabei zunächst keine Angaben, wie viele Kernkraftwerke hiervon betroffen sind und, ob diese Bauteile ersetzt werden müssen, was zu einem Herunterfahren der Reaktoren während des Austauschs führen würde. Die Energiemärkte hatten aber noch den Winter 2016/2017 in Erinnerung. Damals mussten ebenfalls Bauteile von Framatome ausgetauscht werden, was zu einem erheblichen Ausfall von Kernkraftwerken über einen längeren Zeitraum führte, in dem die Stromnachfrage in Frankreich saisonbedingt ohnehin höher ist. Da die Informationspolitik von EDF unzuverlässig war und die angekündigten Fristen für das Wiederhochfahren der Reaktoren mehrfach verschoben wurden, ging der Markt dazu über, den Worst Case einzupreisen, noch bevor die Regulierungsbehörde sich geäussert hatte. Da bei einer geringeren Stromproduktion in Frankreich aus Kernkraft im Winter weniger Strom exportiert werden kann oder sogar Strom importiert werden muss, ist die Minderproduktion in Frankreich durch konventionelle Energieträger auszugleichen. Entsprechend preisten die Kohle- und Gasmärkte eine höhere Nachfrage für die Stromproduktion in der Wintersaison ein. Inzwischen hat EDF eine Entwarnung gegeben. EDF hat mitgeteilt, dass insgesamt 16 Dampfgeneratoren von den Problemen mit Schweissnähten betroffen sind. Die Funktionsfähigkeit der Reaktoren sei jedoch nicht eingeschränkt. Deshalb seien aktuell keine Reparaturen notwendig. EDF und Framatome hätten ihre Untersuchungen mit ausserordentlicher Vorsicht ausgeführt. Sie wollen die französische Atomaufsichtsbehörde ASN über ihr weiteres Vorgehen auf dem Laufenden halten. Die ASN muss nun entscheiden, ob sie eine vorläufige Schliessung der betroffenen Anlagen und Reparaturen für nötig hält.

Es war im Wesentlichen ein Faktor, der die Bewegung der Ölpreise in der dritten Septemberwoche geprägt hat, nämlich der Anschlag auf die saudi-arabische Ölinfrastruktur, der zu einem Ausfall von rund 5 Prozent der globalen Ölproduktion führte. Im Vordergrund standen dabei zwei Fragen. Die erste Frage ist natürlich, wie schnell kann Saudi-Arabien die Ölförderung wieder auf das Niveau vor dem Anschlag steigern und werden hiervon Lieferungen an die Kunden betroffen sein. Die zweite Frage dreht sich darum, wer für den Anschlag verantwortlich ist und wie die Reaktion hierauf ausfallen wird. Die ersten Befürchtungen waren, dass sich die Reparaturen nicht nur über ein paar Wochen, sondern über Monate hinziehen könnten. Saudi Aramco will die Anlagen möglichst schnell wieder in Betrieb nehmen. Laut Analysten könnte dies aber Monate dauern, statt die versprochenen maximal 10 Wochen. Aramco führt Krisengespräche mit den Ersatzteillieferanten und den Dienstleistern und ist auch bereit, für eine schnelle Reparatur mehr zu bezahlen. Möglicherweise hängt der zur Schau gestellte Optimismus mit dem geplanten Börsengang von Saudi Aramco zusammen, für den man ein positives Marktumfeld benötigt und um Vertrauen der Investoren werben muss. Ein längerer Produktionsausfall wäre daher kontraproduktiv. Die zweite Frage wird wohl nie wirklich geklärt werden. Die Huthi-Rebellen im Yemen haben zwar erklärt, dass sie für die Anschläge verantwortlich seien. Aber dies wurde von Saudi-Arabien schnell dementiert und Teile der Regierung schoben dem Erzfeind Iran die Schuld in die Schuhe. Auch für US-Präsident Donald Trump und die US-Geheimdienste stand schnell fest, dass der Iran hinter den Anschlägen stecken müsse. Doch wer Geheimdiensten glaubt, der fällt auch leicht Betrügern mit dem Enkeltrick zum Opfer. Spätestens mit den Unwahrheiten von Ex-US-Aussenminister Colin Powell vor dem UN-Sicherheitsrat ist hier Vorsicht angebracht. Dass Saudi-Arabien die Huthi-Rebellen ausschliesst, aber dennoch binnen einer Woche angreift, wirft ebenfalls Fragen auf. Zudem kann der saudi-arabische Kronprinz ja kein Interesse haben, das deutlich wird, der Krieg ist trotz militärischer Überlegenheit nicht gewonnen und der Gegner kann sogar mit einfacherem Gerät dem Königreich erheblichen Schaden zufügen. Auch die Vorgehensweise mit der Frage, wem der Anschlag nützt, hilft nicht weiter, denn es gibt doch mehrere Seiten, denen es nützen könnte. Allerdings besteht nun das Risiko, dass die Sache ausser Kontrolle geraten könnte. Dass zudem Saudi-Arabien trotz Milliardeninvestitionen ins Militär den Anschlag nicht abwehren konnte, spricht ebenfalls für das Risiko von Wiederholungen.

Bemerkenswert schwach war die Performance des CO2-Marktes in den vergangenen Tagen. Im Vergleich mit Öl, Gas oder Kohle ist der CO2-Markt ziemlich verhalten. Sonst zählt er zu den volatilsten Märkten überhaupt. Die jüngsten Ereignisse – der Drohnenangriff auf Saudi-Arabien und die Probleme von EDF an den Kernkraftwerken in Frankreich und möglicherweise Grossbritannien- spiegelten sich nicht ausreichend wider. Laut Analysten ist der CO2-Preis derzeit zwischen 25 und 30 EUR fair bewertet.