Energy Flash 28.08.2019

Der asiatische Kohlepreis ist letzte Woche um weitere 4 Prozent auf ein neues Drei-Jahrestief von 62.22 USD gefallen. Dieser pazifische Referenzpreis für hochwertige australische Kohleexporte nach Asien, Newcastle-Index, steht jetzt 38 Prozent tiefer als zu Jahresanfang. Newcastle in Australien, oberhalb Sydney, ist der grösste Kohleexportierende Hafen der Welt, mit 160 Millionen Tonnen im Jahre 2017. Die schwache Kohlenachfrage in Europa, die stärkere Konkurrenz durch LNG sowie die steigenden Kohleexporte aus Australien und Russland sowie eine höhere Förderung in China sind Gründe für den Rückgang. Diese Faktoren haben sich im vergangenen Monat verstärkt, was den andauernden Rückgang der Preise für Kraftwerkskohle erklärt. Gleichzeitig sieht es derzeit so aus als würde China bald seine Einfuhren begrenzen. Auf das Land entfällt normalerweise etwa ein Viertel der weltweiten Kohleimporte. China importierte von Januar bis Ende Juli 7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Regierung will jedoch die Importe auf dem Niveau von 2018 einfrieren, was zu einer starken Reduzierung der Einfuhren im zweiten Halbjahr führen dürfte.

Kurzfristig dürften Wartungsarbeiten in Norwegen die Gasflüsse deutlich reduzieren und so die Spotpreise stützen. Zudem sind in Russland einige Wartungsarbeiten angesichts der guten Versorgungslage vorgezogen worden. Ein belastender Faktor für die Gaspreise bleiben aber die Speicherstände. Die Speicher in Deutschland sind zu mehr als 92 Prozent gefüllt, EU-weit sind es etwa 89 Prozent. Sollten die Einspeicherungen sich in dem bisherigen Tempo fortsetzen, dürften die Kapazitäten demnächst ausgeschöpft sein. Ein entsprechendes Überangebot würde deutlichen Druck auf den Spotmarkt ausüben.

Gemäss Analysten könnte der Preis für CO2-Zertifikate aufgrund einer möglichen Rezession als Folge des amerikanisch-chinesischen Handelskrieges und des Brexit bis zum Jahresende unter 20 Euro/t fallen. In der Finanzkrise 2007/2008 verschärfte sich das Überangebot an CO2-Zertifikaten auf dem Markt, getrieben durch eine deutlich rückläufige Nachfrage aus der Industrie. In der Folge lagen die CO2-Preise über Jahre unter 10 Euro/t. Eine Rezession würde zwar erneut die Nachfrage nach Zertifikaten treffen. Die Reformen im Emissionshandelssystem – allen voran die Marktstabilitätsreserve (MSR) – dürften allerdings dafür sorgen, dass die Preisreaktionen schwächer ausfallen würden.

Im ersten Halbjahr 2019 war der Ausbau der Windkraft an Land in Deutschland fast zum Erliegen gekommen. Als Hauptgründe nannte die Branche, dass es derzeit zu wenig genehmigte Flächen für den Bau von Windkraftanlagen sowie einen Genehmigungsstau bei Behörden gibt. Es wird mittlerweile so gut wie jedes Onshore-Windkraftprojekt juristisch angegriffen. Derzeit werden deutschlandweit 325 Windturbinen mit 1‘000 Megawatt (MW) Leistung beklagt. Davon sind knapp 100 Anlagen bereits gebaut. Zudem können mehr als 1‘000 Anlagen mit mehr als 4‘800 MW Leistung derzeit nicht realisiert werden, weil ihnen der Einfluss auf Flugnavigationsanlagen entgegengehalten wird. 900 Anlagen beziehungsweise 3‘600 MW davon können derzeit aufgrund von verteidigungsspezifischen Restriktionen des Luftraums nicht genehmigt werden.