Die Schweizer Stromleitungen könnten besser ausgelastet werden. Swissgrid will den Betrieb optimieren und von neuen Forschungsergebnissen profitieren.

Das schweizerische Übertragungsnetz ist künftigen Stromflüssen nicht mehr gewachsen. Der grösste Teil des Hochspannungsnetzes stammt aus den 1960er-und 70er-Jahren. Seither hat die Strombelastung massiv zugenommen.

In den 1970er-Jahren hatten Studien gezeigt, dass sich die Leiterseile nicht stärker als auf 80 Grad erwärmen sollten, damit der Alterungsprozess nicht beschleunigt wird. Neue Daten liefern nun Ingenieure des Eidgenössischen Instituts für Materialwissenschaften (Empa) in Dübendorf.

Ein neues «Multi-Stress-Modell», das die Forscher entwickelt haben, wird es in Zukunft erlauben, den Materialzustand von Hochspannungsleitungen zu prüfen und daraus die künftige Alterung zu errechnen. Die Forscher haben herausgefunden, dass es für die Lebensdauer einer Leitung offensichtlich keinen Nachteil bedeutet, wenn die Temperatur im Seil während einiger Stunden über 80 Grad steigt.

Swissgrid könnte also auf solider physikalischer Basis im Übertragungsnetz einen höheren Stromfluss zulassen. Heute ist der maximale Betriebsstrom für das Hochspannungsnetz aber pauschal für die gesamte Schweiz festgelegt. Noch gibt es keinen Spielraum, die Stromflüsse beliebig zu erhöhen, weil die Stromwerte bei der Baubewilligung der Hochspannungsleitungen festgelegt wurden.

Das Wetter spielt auch bei der Stromübertragung eine wichtige Rolle. Je nach Witterung erhöht oder reduziert sich die Durchleitungskapazität. Physikalisch könnte an kalten Tagen deutlich mehr Strom über das Netz fliessen. Heute gibt es aber noch kein dynamisches Modell, um je nach Wetterentwicklung auf dem Strommarkt mehr Durchleitungskapazität einzukaufen.

Quelle: Der Bund


Jean-Marc Pache






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