Ein einziger Zeitpunkt für den Stromeinkauf zu fixieren, ist die risikoreichste Art, um Energie zu beschaffen. Dies sagt Peter Hüsser, Leiter Individualkunden bei der EBM Energie AG im Interview. Es gibt bessere Möglichkeiten.

 

Was kann ein Unternehmen tun, um seine Stromkosten zu senken?

Unternehmen, die ihre Stromkosten optimieren wollen, sollten sich der Risiken bewusst sein, wenn sie ihre gesamte Jahresbezugsmenge bei den bislang üblichen Vollversorgungsverträgen zu einem einzigen Zeitpunkt abschliessen. Wichtig ist es, den Markt genau zu beobachten. Bei mehreren Abschlüssen über das Jahr verteilt, lässt sich das Preisrisiko beim Energiebezug wesentlich reduzieren. Ein Vollversorgungsvertrag ist heute nicht mehr, wie viele Verbraucher immer noch meinen, die risikoärmste Art Strom einzukaufen, sondern die risikoreichste. Insofern sollten Unternehmen, wie bei einer Kapitalanlage, auch beim Energieeinkauf besonders vorsichtig sein, wenn sie alles auf eine Karte setzen. Besser ist es, den Bezug entsprechend zu diversifizieren.

Worin besteht der Spielraum für Einsparungen?

Im Strombereich gibt es durch die derzeit herrschenden Marktbedingungen nur relativ geringfügige Möglichkeiten, beim Stromeinkauf ein Optimierungspotenzial zu erschliessen. Wesentliche Bestandteile des Abnehmerpreises sind nicht verhandelbar. So stellen die Netzkosten innerhalb des Strompreises einen festen Tarif für den Transport des Stroms dar. Diese werden von den Verteilnetzbetreibern veröffentlicht und unterscheiden sich lediglich nach der jeweiligen Abnahmestruktur des Kunden. Auch die staatlichen Abgaben stehen im Prinzip fest. Sie unterscheiden sich für industrielle Verbraucher nur leicht voneinander, je nachdem, ob ein Unternehmen unter eine bestimmte Härtefallkategorie fällt oder nicht.

Gibt es denn keine Rabatte auf den Strompreis mehr?

Der eigentliche Energiepreis ist heute im Grunde genommen nicht mehr verhandelbar, weil die Grosshandelspreise durchgängig als Massstab bei der Preisbildung herangezogen werden. Dies ist eine Folge der Liberalisierung des Marktes. In der Schweiz veröffentlicht die Strombörse einen jeweiligen Marktpreis. Daneben gibt es den bilateralen Handel, den sogenannten OTC-Markt, dessen Preise sich von denen an der Börse aber nur geringfügig unterscheiden. Dies bedeutet für den Energiekunden: Ein grosser Anteil der Stromkosten ist heutzutage nicht mehr grössenabhängig. Es ist egal, ob der Kunde 200'000 oder 2 Millionen Kilowattstunden kauft, der Preis am Markt ist pro Kilowattstunde definiert, darauf hat die Menge keinen Einfluss mehr. Früher konnten grosse Kunden beim Energiebezug Rabatte aushandeln. Das fällt heute weg.

Bestehen überhaupt noch Möglichkeiten, den Einkauf zu optimieren?

Es gibt mehr oder weniger einen Marktpreis, der auf die Verbrauchsstruktur des Kunden ausgelegt wird. Dieser Preis variiert allerdings zeitlich deutlich, da sich der Grosshandelsmarkt ständig bewegt. Daraus ergeben sich im Jahresverlauf Differenzen von 10 bis 25 Euro pro Megawattstunde zwischen dem Minimal- und dem Maximalpreis. Der vierte Anteil am Strompreis, die Marge und die Risikozuschläge, ist heute eigentlich das einzige verhandelbare Element. Allerdings machen die Marge und die Risikozuschläge etwa 1 – 3 Prozent des Gesamtpreises aus. Ihr Einfluss ist also sehr gering. In diesem Bereich kann sich der Bezugspreis bei verschiedenen Lieferanten durchaus unterscheiden.

Wie muss sich ein Unternehmen also verhalten?

Die Strategie von Unternehmen sollte darin bestehen, die Spielräume bei der Marge und den Risikozuschlägen sowie die oben genannten Einsparmöglichkeiten durch die Marktentwicklung für sich zu erschliessen. Dabei ist entscheidend, den richtigen Zeitpunkt für den Einkauf zu finden und mit dem richtigen Partner zusammenzuarbeiten. Dementsprechend bietet die EBM Energie AG Möglichkeiten, innerhalb des Beschauffungszeitraums verschiedene Zeitpunkte für den Einkauf zu definieren. Damit lassen sich Nachteile der Beschaffung der gesamten Menge zu einem Zeitpunkt etwas kompensieren. Dies ist ein erster Schritt, nicht unbedingt zu einem besseren Strompreis, aber zu einem risikoärmeren Strombezug zu gelangen. Neben der Aufteilung der Strombeschaffung bietet das Überwachen der Preisentwicklung bei den Grosshandelspreisen mit verschiedenen Instrumenten eine zusätzliche Option.

Was bedeutet das zusammenfassend?

Für grössere Unternehmen lohnt es sich, eine strukturierte Beschaffung mit Portfoliomanagement aufzubauen. Für kleinere Betriebe ist es besonders wichtig, den Markt genau zu beobachten und die zu beschaffende Strommenge aufzuteilen und zu unterschiedlichen Zeitpunkten zu beschaffen.


Jean-Marc Pache






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